Essay über die Frage ob sich Biographieforschung und Ethnologie vereinen lassen. Hierbei werden die entgegengesetzen Meinungen zweier Autorinnen untersucht. Besonderes Merkmal und Rahmen der Untersuchung stellt die Geschlechterforschung dar. In der Untersuchung spielt Geschlecht insoweit eine Rolle, da es sowohl in der Ethnologie als auch Biographieforschung genau betrachtet wird und je nach Ausgangslage eine andere Rolle in der Untersuchung beider Fachrichtungen einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktuelle Lage der Perspektiven
3. Das Biographische in der ethnographischen Perspektive
4. Ethnographisches in der Biographieforschung
4.1 Dezentrierung
4.2 Biographie als Ressource
4.3 Intersubjektivität von Lebensgeschichten
5. Fazit und kritische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodologische Verknüpfbarkeit von Biographieforschung und Ethnographie, wobei die Geschlechterforschung als theoretischer Referenzrahmen dient, um die Tauglichkeit dieser Verbindung kritisch zu prüfen.
- Vergleich der ethnographischen und biographischen Forschungsperspektive
- Analyse des Konzepts „doing biography“
- Diskussion von Interaktionssituationen und Fremdthematisierung
- Kritische Auseinandersetzung mit Datenerhebung und Beobachtungsmethodik
- Untersuchung der theoretischen Kompatibilität beider Disziplinen
Auszug aus dem Buch
Ethnographisches in der Biographieforschung
Der nächste Abschnitt behandelt nun quasi vom Ethnographischen in der Biographieforschung. Der Begriff des „doing biography“ wird nun genauer erklärt und in drei Punkte aufgeteilt. Die Punkte lauten Dezentrierung, Biographie als Ressource und Intersubjektivität von Lebensgeschichten. Bei der Dezentrierung geht es darum, dass Biographie als Randbedingung oder Kontext betrachtet wird. Sie spielt also eine wichtige Rolle, wird aber nicht als festes Produkt angesehen, sondern gilt als entstehendes Produkt aus Interaktionsprozessen. Bei Biographie als Ressource, wird Biographie als Wissenskraft angesehen und die Annahme geht voraus, dass jedes Individuum eine Biographie hat. Biographie ist also ein kulturelles Muster der Selbstdarstellung und Selbsttypisierung. Der wichtigste Punkt ist, dass Biographie selbstreflexiv ist und sich zu jeder Zeit aus anderen zeitlichen und räumlichen Perspektiven betrachten lässt. Bei der Intersubjektivität geht es letztlich darum, dass Biographie ein Gesamtbildnis darstellt aus Fremd- und Selbstbildern. Sie ist kein gegebenes vorhandenes Produkt, sondern entsteht aus vielen verschiedenen Interaktionsmustern. Deshalb ist Biographie schwer zu rekonstruieren, da sie zusätzlich aus zeitlich versetzten Perspektiven betrachtet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, ob sich die Forschungsrichtungen der Biographieforschung und Ethnographie verbinden lassen, unter Verwendung der Geschlechterforschung als theoretischem Rahmen.
2. Aktuelle Lage der Perspektiven: Darstellung der Positionen verschiedener Sozialforscher wie Fritz Schütze, Winfried Marotzki und Christian Lüders zum Stand und zur möglichen Verbindung beider Forschungsansätze.
3. Das Biographische in der ethnographischen Perspektive: Analyse der Datengewinnung aus Schulbeobachtungen und Diskussion der Fremdthematisierung von Kindern in ethnographischen Kontexten.
4. Ethnographisches in der Biographieforschung: Detaillierte Erläuterung des Begriffs „doing biography“ anhand der Kategorien Dezentrierung, Biographie als Ressource und Intersubjektivität.
5. Fazit und kritische Reflexion: Zusammenfassende Bewertung der Arbeit, wobei festgestellt wird, dass trotz theoretischer Überschneidungen keine eindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage der Verknüpfbarkeit gefunden wird.
Schlüsselwörter
Biographieforschung, Ethnographie, Geschlechterforschung, doing gender, doing biography, Dezentrierung, Interaktionsprozesse, Intersubjektivität, Lebensgeschichte, Sozialforschung, Methodenreflexion, Fremdthematisierung, Selbstbild, Fremdbild, qualitativ
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die methodische Vereinbarkeit von Biographieforschung und Ethnographie im Kontext der Geschlechterforschung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung der Forschungsansätze, das Konzept des „doing biography“ sowie die methodische Umsetzung in der empirischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob sich Biographieforschung und Ethnographie als Forschungsrichtungen verbinden lassen oder ob sie methodologisch unvereinbar sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden analysiert?
Es werden Ansätze der teilnehmenden Beobachtung, Interviews und die Analyse von Beobachtungsprotokollen in Bezug auf ihre Eignung für beide Disziplinen hinterfragt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der aktuellen Forschungslage und die spezifische Analyse des Begriffs „doing biography“ und dessen Komponenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Biographieforschung, Ethnographie, Interaktionsprozesse und Intersubjektivität.
Wie wird das Konzept der „Dezentrierung“ im Text erklärt?
Dezentrierung beschreibt, dass eine Biographie nicht als festes Produkt, sondern als entstehender Kontext aus laufenden Interaktionsprozessen begriffen wird.
Warum hinterfragt der Autor die Aussage über die „vollständige Wiedergabe der Wirklichkeit“?
Der Autor argumentiert, dass Beobachtung immer subjektiv ist und die Wirklichkeit durch die persönliche Wahrnehmung des Beobachters gefiltert und somit individuell verschieden wiedergegeben wird.
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- Güngör Aydin (Author), 2010, Ethnographie und Biographieforschung in der Geschlechterforschung bei Bettina Dausien, Helga Kelle: "Biographieforschung und kulturelle Praxis", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280948