10. November 1989: Die Mauer fällt, die Grenze ist offen, das geteilte Land ist wieder vereint. Also alles in Ordnung?
Nicht ganz. Selbst ein Vierteljahrhundert später bezeichnen die Medien die fünf ostdeutschen Bundesländer noch als „neu“, gegenseitige Ossi- und Wessi-Vorurteile werden wieder und wieder aufgewärmt und die DDR-Nostalgie erlebt eine späte Renaissance.
Dieses Buch wirft einen kritischen Blick auf die heutige Gesellschaft und untersucht, inwieweit die „Mauer in den Köpfen“ noch immer besteht - in Selbsteinschätzungen der Bevölkerung, Gehaltsunterschieden und den Wertvorstellungen der nachgeborenen Generation.
Aus dem Inhalt:
Einstellungsunterschiede ost- und westdeutscher Befragter zur Wiedervereinigung;
Unterschiede im Einkommensniveau zwischen Ost und West;
Die Jugend der Wendezeit/Der 1990er Jahre und ihre Wertvorstellungen
Inhaltsverzeichnis
Forschungsprojekt zu 20 Jahren deutscher Einheit
1. Einleitung
2. Sozialwissenschaftlicher Forschungsstand
3. Operationalisierung/ Hypothesen
4. Zugang
5. Erhebung
6. Auswertung
7. Fazit
Die Einkommensverteilung in West- und Ostdeutschland
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Einkommensniveaus seit dem Mauerfall bis heute
3. Die Analyse der Einkommensverteilung
4. Fazit und Ausblick
Jugend im Wandel. Eine Frage der Generation
1. Einleitung
2. Jugend, Jugendkulturen und deren Beziehung zur Gesellschaft
3. Wertorientierungen im Wandel
4. Von der Generationenlagerung zur Generationengestalt
5. Die Jugend der Wendezeit
6. Die Jugend der 1990er
7. Die pragmatische Jugend
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Publikationen untersuchen aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Perspektiven die langfristigen Auswirkungen der deutschen Wiedervereinigung. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit nach zwei Jahrzehnten eine soziale, ökonomische und identitäre Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland stattgefunden hat oder ob weiterhin signifikante Unterschiede bestehen.
- Bewertung der subjektiven Identitätsbildung und der sogenannten "Mauer in den Köpfen"
- Analyse der Einkommensunterschiede und Lohndispersion zwischen den neuen und alten Bundesländern
- Wandel von Wertorientierungen bei verschiedenen Jugendgenerationen seit 1990
- Einfluss sozioökonomischer Rahmenbedingungen auf die Lebensgestaltung und Zukunftszuversicht
- Zusammenhang zwischen politischer Teilhabe und gesellschaftlichen Transformationsprozessen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die offizielle Wiedervereinigung beider deutscher Staaten erfolgte am 09.10.1990. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit blicken die Bundesbürger auf rund 20 Jahre deutscher Einheit zurück. Eine in den Medien präsente Frage ist dennoch, ob sich eine Wiedervereinigung nicht nur auf staatlicher, sondern auch auf der persönlichen Ebene für jeden Bundesbürger vollzogen hat. Zur Illustration seien hierzu Auszüge aus Äußerungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses zu dieser Thematik aufgeführt.
Der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen, ist der Ansicht, dass es in der Tat „eine Schere bei einer bestimmten Generation gibt, die zu den Verlierern der Vereinigung gehört“ (I1), die innerdeutschen Unterschiede seien jedoch nicht mit denen anderer Länder, wie Spanien und Italien zu vergleichen (vgl. I1). Allerdings könne die „Sozialisation in einem totalitären System über Jahrzehnte nicht […] wie […] [ein] Regenmantel“ (I1) abgelegt werden. Für die nicht näher beschriebene „jüngere Generation“ (ebd.) hingegen sieht Diepgen den Prozess des Zusammenwachsens als abgeschlossen an (vgl. I1). Der Politiker Gregor Gysi meint ebenso bei einigen Mitbürgern eine „gewisse Anti-Haltung, in Bezug auf Ostdeutsche beziehungsweise in Bezug auf Westdeutsche“ (I1) feststellen zu können. Zusammenfassend sehen sowohl Diepgen, als auch Gysi auch nach 20 Jahren deutscher Einheit noch Unterschiede, zumindest auf der Ebene des einzelnen Bürgers, als gegeben an.
Zusammenfassung der Kapitel
Forschungsprojekt zu 20 Jahren deutscher Einheit: Diese Arbeit beleuchtet die subjektive Wahrnehmung der deutschen Einheit auf der Subjektebene und prüft mittels quantitativer Datenerhebung, ob noch eine bewusste Unterscheidung zwischen Ost- und Westdeutschen besteht.
Die Einkommensverteilung in West- und Ostdeutschland: Dieses Kapitel analysiert das Lohngefälle und die Angleichungsprozesse bei verschiedenen Einkommensarten, wobei besonders die Rolle der Tarifbindung und Arbeitslosigkeit herausgearbeitet wird.
Jugend im Wandel. Eine Frage der Generation: Diese Untersuchung vergleicht die Wertorientierungen verschiedener Jugendkohorten seit der Wiedervereinigung und analysiert, wie historische Ereignisse zur Entstehung spezifischer Generationengestalten beitragen.
Schlüsselwörter
Deutsche Einheit, Wiedervereinigung, Einkommensverteilung, Lohnniveau, Sozialisation, Wertewandel, Jugendforschung, Generationengestalt, Arbeitsmarkt, Tarifbindung, Transformationsprozess, Identität, Lebensverhältnisse, Ost-West-Vergleich, politische Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesen Arbeiten grundsätzlich?
Die Arbeiten setzen sich mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen der deutschen Wiedervereinigung auseinander, wobei der Fokus auf der sozialen Integration, den Einkommensstrukturen und der Entwicklung der Werte bei jüngeren Generationen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themenfelder umfassen die psychologische Ebene der Identitätsbildung, die ökonomische Analyse des Lohngefälles zwischen Ost und West sowie die soziologische Untersuchung des Wertewandels bei deutschen Jugendlichen seit 1990.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchungen?
Das Hauptziel besteht darin, wissenschaftlich zu fundieren, ob nach 20 Jahren eine Angleichung der Lebensverhältnisse und Identitäten erreicht wurde oder ob weiterhin signifikante Unterschiede in der Wahrnehmung und der wirtschaftlichen Realität existieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Publikationen nutzen sowohl quantitative Methoden, wie standardisierte Fragebögen und statistische Datenanalysen (z.B. Gini-Koeffizienten), als auch qualitative Ansätze wie die Auswertung von Studien und Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeiten behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Auswertung von statistischem Material zu Einkommensverteilungen, der Definition von Begriffen wie Sozialisation und Jugendkultur sowie der empirischen Untersuchung von Hypothesen zu Einstellungen und Werten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeiten?
Zentrale Begriffe sind Deutsche Einheit, Transformation, Lohnangleichung, Wertewandel, Generationengestalt, Arbeitslosigkeit und das sozioökonomische Umfeld.
Welche Rolle spielt die Arbeitslosigkeit in diesen Analysen?
Die Arbeitslosigkeit wird als Schlüsselfaktor identifiziert, der maßgeblich zur pessimistischeren Zukunftswahrnehmung in Ostdeutschland beiträgt und die Verteilungsgerechtigkeit sowie die Stabilität von Wertorientierungen beeinflusst.
Wie unterscheiden sich die Jugendgenerationen nach der Wende?
Die Analysen zeigen einen Übergang von einer skeptischen und teils orientierungslosen Jugend der 1990er Jahre hin zu einer pragmatischen, leistungsorientierten Jugendgeneration ab dem Jahr 2000, die trotz hoher Ansprüche versucht, sich flexibel an die Arbeitsmarktsituation anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Christof Kaczmarkiewicz (Autor:in), Robert Barth (Autor:in), Daniel Auner (Autor:in), Andrea Beckert (Autor:in), 2014, Wieder vereinigt? Deutschland 25 Jahre nach dem Mauerfall, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280974