Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, darzustellen, mit welcher Intensität und mit welchen Zielen die Firmen Degussa und I.G. Farbenindustrie AG diese Art der Bereicherung genutzt haben. Hierbei soll zunächst der Begriff der „Arisierung“ erläutert werden, um daran anschließend eine Analyse der Arisierungen beider Firmen vorzunehmen. Im nächsten Schritt soll ein Vergleich aufzeigen, mit welchen Zielen und mit welcher Intensität die Arisierung von beiden Firmen betrieben wurde. In einem abschließenden Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse rekapituliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Forschungsstand
2. Die Arisierung als „legales“ Geschäft – Begriffserklärung und Maßnahmen im Nationalsozialismus
3. Die Degussa – Arisierungen während der NS-Zeit
4. Die I.G. Farbenindustrie AG – Arisierungen während der NS-Zeit
5. Vergleich der Arisierungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Ausmaß und die Zielsetzungen der sogenannten „Arisierungen“ von Wirtschaftsbetrieben durch die deutschen Großunternehmen Degussa und I.G. Farbenindustrie AG während der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel ist die Analyse, inwiefern sich diese Konzerne durch den Erwerb jüdischen Eigentums unter politischem Druck bereicherten und wie sich ihre Handlungspraxis im Zuge der Radikalisierung des NS-Regimes entwickelte.
- Historische Einordnung der „Arisierung“ als staatlich legitimierter Raub.
- Analyse der Übernahmepraxis und der Motivlagen der Degussa.
- Untersuchung der Expansionsstrategien der I.G. Farbenindustrie AG.
- Vergleichende Betrachtung der unternehmerischen Anpassungsleistung und Bereicherung.
- Bewertung der unternehmerischen Mitverantwortung an den Verbrechen des NS-Regimes.
Auszug aus dem Buch
3. Die Degussa – Arisierungen während der NS-Zeit
Die Rolle der Degussa im Dritten Reich wurde durch Peter Hayes aufgearbeitet, dessen Buch „Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft“ Grundlage dieses Abschnittes ist und anhand dessen die Arisierung von jüdischen Betrieben durch die Degussa im Folgenden dargestellt werden soll. Da eine ausführliche Aufarbeitung jeder Betriebsübernahme durch die Degussa zu umfangreich für diese Hausarbeit und sehr wiederholend in Hinblick auf die Ausführungen von Peter Hayes wären, werden im Folgenden zwei Beispiele betrachtet, anhand derer man „den zweischneidigen Charakter des Ausbeutungsprozesses, an dem sich die Degussa beteiligte“ erkennen kann. Ziel ist es, die Wechselwirkung von Anreiz und Reaktion darzustellen und kritisch-analytisch zu bewerten.
Die Degussa gab für den Erwerb von jüdischem Besitz in den Jahren 1933-44 ca. 18 Millionen Reichsmark aus. Die mit dieser Summe erkauften Zugewinne umfassten zehn Firmen, vier umfangreiche Aktienpakete, Erhöhung der Anteile an drei weiteren Unternehmen und die Übernahme von zehn Grundstücken. Die Arisierungen der Degussa war „der erste und zugleich dauerhafteste Kompromiss, den die Firma mit dem NS-Staat einging“.
Die erste Arisierung eines jüdischen Betriebes durch die Degussa erfolgte im August 1933 mit dem Kauf der Chemisch-Pharmazeutischen Werke Bad Homburg AG, die Medikamente herstellte und 1920 vom jüdischen Apotheker Arthur Abelmann gegründet wurde. Seine jüdische Herkunft führte dazu, dass die Firma nach der Machtübernahme der NSDAP im Januar 1933 postwendend mit dem Boykott ihrer Produkte zu kämpfen hatte. Der Umsatz des Unternehmens sank um 30-40%, woraufhin Abelmann dem Druck nachgab und seinen Posten im Vorstand der Firma aufgab. Er versuchte, den Einfluss auf seine Firma beizubehalten über eine Schweizer Firma, die den Großteil der Aktien besaß und seiner Familie gehörte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Forschungsstand: Die Einleitung skizziert den Aufstieg des NS-Regimes und den Prozess der „Arisierung“ als staatlich gelenkten Raub jüdischen Besitzes, während der Forschungsstand die Bedeutung firmenspezifischer Analysen hervorhebt.
2. Die Arisierung als „legales“ Geschäft – Begriffserklärung und Maßnahmen im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Arisierung“ im Kontext der nationalsozialistischen Gesetzgebung und beschreibt den sukzessiven Prozess der Entrechtung und sozialen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung.
3. Die Degussa – Arisierungen während der NS-Zeit: Anhand von Fallbeispielen wird aufgezeigt, wie die Degussa durch gezielte Betriebsübernahmen ihre Marktstellung ausbaute und sich in den Ausbeutungsprozess des Regimes integrierte.
4. Die I.G. Farbenindustrie AG – Arisierungen während der NS-Zeit: Das Kapitel analysiert die Strategie der I.G. Farben, durch Aufkäufe im In- und Ausland ihre Vormachtstellung in der Chemiebranche zu festigen und Konkurrenz unter dem Deckmantel der Autarkiepolitik auszuschalten.
5. Vergleich der Arisierungen: Dieser Teil setzt die beiden Konzerne in Bezug zueinander und stellt fest, dass beide Firmen ihre Geschäftspraxis zunehmend der Radikalisierung des NS-Staates anpassten, um wirtschaftliche Vorteile zu maximieren.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sowohl die Degussa als auch die I.G. Farben durch ihre Kooperation mit dem Regime zu willfährigen Akteuren wurden, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus profitierten.
Schlüsselwörter
Arisierung, Nationalsozialismus, Degussa, I.G. Farbenindustrie AG, NS-Staat, Judenverfolgung, Wirtschaftsgeschichte, Entrechtung, Autarkiepolitik, Zwangsarisierung, Unternehmensgeschichte, Ausbeutung, Drittes Reich, Raub, Konzernpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Beteiligung der Unternehmen Degussa und I.G. Farbenindustrie AG an sogenannten „Arisierungen“ jüdischer Betriebe im Zeitraum von 1933 bis 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die firmenspezifischen Strategien zur wirtschaftlichen Expansion durch den Erwerb jüdischen Eigentums sowie das Verhältnis zwischen den Unternehmen und dem nationalsozialistischen Regime.
Welches primäre Ziel verfolgt der Verfasser mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, die Intensität der Bereicherung der beiden Firmen darzustellen und zu analysieren, wie wirtschaftliche Interessen und politische Rahmenbedingungen während des NS-Regimes zusammenwirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, Firmenstudien und Primärquellen zur Unternehmensgeschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Geschäftspraktiken und Übernahmebeispiele bei der Degussa und der I.G. Farben, um die Radikalisierung der Arisierungspraxis aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Arisierung, Nationalsozialismus, unternehmerische Verantwortung, Profitgier, Autarkie und die Verstrickung in das NS-System.
Worin unterschieden sich die Arisierungs-Motive von Degussa und I.G. Farben?
Während bei der Degussa anfangs Kapitalanlagemotive im Vordergrund standen, verfolgte die I.G. Farben eine defensiv-strategische Politik, um ihre marktbeherrschende Stellung in der Chemiebranche abzusichern.
Welche Rolle spielte der „Anschluss Österreichs“ für die I.G. Farben?
Der Anschluss ermöglichte es der I.G. Farben, durch politisch beeinflusste Käufe ihre Kontrolle über bedeutende österreichische Chemiekonzerne, wie etwa die SWAG, schnell zu erweitern.
- Arbeit zitieren
- Christoph Grave (Autor:in), 2014, Die Arisierung von Betrieben im Nationalsozialismus am Fallbeispiel der Degussa im Vergleich mit der I.G. Farbenindustrie AG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282050