Die Standortbestimmungslehre hat ihren Ursprung in der „reinen Theorie des Standortes“ von Alfred Weber. Er führt in seiner Theorie der industriellen Standortwahl den Begriff des Standortfaktors in die Analyse der einzelbetrieblichen Standortwahl ein und zeigt, dass sich die Wahl eines Betriebsstandortes aus dem Zusammenwirken von Standortfaktoren erklären lässt.
Der „Standortfaktor ist einer seiner Art nach scharf abgegrenzter Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder auch generell an Plätzen bestimmter Art vollzieht“. Ein Faktor ist für die Standortwahl aber nur von Bedeutung, wenn er sich in den Kosten oder Erlösen des Unternehmens monetär oder nicht monetär auswirkt und in Verfügbarkeit, Qualität und/oder Preis räumlich differiert. Daraus ergeben sich für Unternehmen an verschiedenen Standorten jeweils unterschiedliche Bedingungen, die bei einer Standortwahl berücksichtigt werden müssen.
Bei dem System von Weber „handelt es sich um ein statisches und geschlossenes Modell, das sich auf wenige Standortfaktoren konzentriert und die Betrachtung auf die entscheidungsrelevanten Determinanten Transportkosten und Arbeitskosten, sowie die Agglomerationsvorteile und –nachteile einengt. Absatzfaktoren werden im System von Weber völlig ausgeklammert, da das Absatzproblem als bereits gelöst betrachtet wird.“
Auf Grundlage der Arbeit von Weber entwickelte Behrens eine „allgemeine Standortbestimmungslehre“. Ziel dieser Standorttheorie ist die systematische Analyse möglichst aller relevanten Standortfaktoren, von denen betriebliche Standortentscheidungen abhängen. „Gemäß dem betriebswirtschaftlichen Rentabilitätsprinzip berücksichtigt Behrens sowohl kosten- als auch ertragsrelevante Standortfaktoren und ermöglicht dadurch auch den Einbezug der Leistungs- bzw. Absatzseite der Unternehmung. Er unterscheidet in seiner Systematik grundlegend zwischen gütereinsatzbezogenen Faktoren von Beschaffung und Transformation sowie absatzbezogenen Standortfaktoren.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verschiedene Theorieansätze für Standortentscheidungen
2.1. Die traditionelle Standorttheorie nach Weber und Behrens
2.2 Die monopolistische Theorie der Direktinvestition
2.3. Der Ansatz von Tesch
2.4. Eklektische Theorie von Dunning
2.5. Das EPRG-Modell von Perlmutter und seine Erweiterung durch Meffert
2.6. Die Theorie des nationalen Diamanten von Porter
2.7. Übersicht über die Standortfaktoren
3. Investitionsmotive bei der Standortentscheidung
4. Bewertungsverfahren für die Standortentscheidung
4.1. Verfahren der Investitionsrechnung
4.1.1. Die statischen Investitionsrechnungsverfahren
4.1.2. Die dynamischen Investitionsrechnungsverfahren
4.1.3. Beurteilung der Investitionsrechnungsverfahren im Zusammenhang mit Standortentscheidungen
4.2. Qualitative Bewertungsverfahren
4.2.1. Checklisten
4.2.2. Nutzwertanalyse
4.2.3. Country-Ratings
5. Kritische Analyse der Theorien und Bewertungsverfahren
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über theoretische Ansätze und praktische Bewertungsverfahren für Standortentscheidungen zu geben, um Unternehmen bei der zunehmend komplexen Internationalisierung zu unterstützen. Dabei wird untersucht, wie klassische Standorttheorien durch moderne Konzepte ergänzt werden können und welche Methoden zur Evaluierung von Auslandsinvestitionen in einer dynamischen Umwelt am besten geeignet sind.
- Analyse klassischer und moderner Standorttheorien (u.a. Weber, Dunning, Porter)
- Darstellung betriebswirtschaftlicher Motive für internationale Standortentscheidungen
- Vergleichende Untersuchung quantitativer Investitionsrechenverfahren
- Evaluierung qualitativer Bewertungsmethoden wie Nutzwertanalyse und Country-Ratings
Auszug aus dem Buch
2.1. Die traditionelle Standorttheorie nach Weber und Behrens
„Die Standortbestimmungslehre hat ihren Ursprung in der „reinen Theorie des Standortes“ von Alfred Weber.“ Er führt in seiner Theorie der industriellen Standortwahl den Begriff des Standortfaktors in die Analyse der einzelbetrieblichen Standortwahl ein und zeigt, dass sich die Wahl eines Betriebsstandortes aus dem Zusammenwirken von Standortfaktoren erklären lässt. Der „Standortfaktor ist einer seiner Art nach scharf abgegrenzter Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintritt, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder auch generell an Plätzen bestimmter Art vollzieht“. Ein Faktor ist für die Standortwahl aber nur von Bedeutung, wenn er sich in den Kosten oder Erlösen des Unternehmens monetär oder nicht monetär auswirkt und in Verfügbarkeit, Qualität und/oder Preis räumlich differiert. Daraus ergeben sich für Unternehmen an verschiedenen Standorten jeweils unterschiedliche Bedingungen, die bei einer Standortwahl berücksichtigt werden müssen.
Bei dem System von Weber „handelt es sich um ein statisches und geschlossenes Modell, das sich auf wenige Standortfaktoren konzentriert und die Betrachtung auf die entscheidungsrelevanten Determinanten Transportkosten und Arbeitskosten, sowie die Agglomerationsvorteile und –nachteile einengt. Absatzfaktoren werden im System von Weber völlig ausgeklammert, da das Absatzproblem als bereits gelöst betrachtet wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beschreibt den zunehmenden Druck der Globalisierung auf kleine und mittlere Unternehmen und die Notwendigkeit, sich durch Standortentscheidungen in Auslandsmärkten zu behaupten.
2. Verschiedene Theorieansätze für Standortentscheidungen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene wissenschaftliche Modelle zur Standortwahl, angefangen bei klassischen Ansätzen bis hin zu modernen Theorien wie dem Diamanten von Porter.
3. Investitionsmotive bei der Standortentscheidung: Hier werden die zentralen Beweggründe für Auslandsinvestitionen, wie Kostenreduktion, Markterschließung und Technologietransfer, systematisch klassifiziert.
4. Bewertungsverfahren für die Standortentscheidung: Dieses Kapitel vergleicht klassische Investitionsrechnungen mit qualitativen Ansätzen wie Nutzwertanalysen und Country-Ratings hinsichtlich ihrer Eignung für Standortentscheidungen.
5. Kritische Analyse der Theorien und Bewertungsverfahren: Der abschließende Teil kritisiert die bisherigen Ansätze hinsichtlich ihrer mangelnden Berücksichtigung dynamischer Umweltfaktoren und betont die Bedeutung strategischer Passfähigkeit.
Schlüsselwörter
Standortentscheidung, Standorttheorie, Direktinvestition, Standortfaktor, Globalisierung, Investitionsrechnung, Nutzwertanalyse, Country-Rating, Wettbewerbsvorteil, Internationalisierung, EPRG-Modell, Porter-Diamant, Standortwahl, Markterschließung, Standortcontrolling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und praktischen Methoden zur Bewertung von Unternehmensstandorten im internationalen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Standorttheorien, Investitionsmotive, Investitionsrechnungsverfahren und qualitative Analysemethoden wie Country-Ratings.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Bereitstellung eines Überblicks, der Unternehmen bei fundierten Standortentscheidungen in einer komplexen globalen Wirtschaft unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich bestehender betriebswirtschaftlicher Theorien und Bewertungsmethoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Standortmodellen sowie eine kritische Bewertung praktischer Kalkulationsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Standortentscheidung, Investitionsrechnung, Globalisierung und Wettbewerbsvorteile geprägt.
Warum sind klassische Modelle laut der Arbeit oft unzureichend?
Klassische Modelle wie das von Weber sind oft zu statisch und klammern wichtige Faktoren wie Absatzprobleme oder die dynamische Entwicklung von Standorten aus.
Was ist die Besonderheit der Country-Ratings laut der Publikation?
Sie ermöglichen eine schnelle Grobauswahl von Ländern anhand politischer und wirtschaftlicher Risikokennzahlen, sind aber für eine detaillierte Feinanalyse oft zu subjektiv.
- Quote paper
- Patric Heby (Author), 2004, Theorie-Ansätze und Bewertungsverfahren für Standortentscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282446