Da das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule so vielfältig genutzt werden könnte, soll diese Arbeit überblicksartig zeigen, in welchen Fächern und in Zusammenhang mit welchen fächerübergreifenden Lernzielen die Gattung Bilderbuch ein geeignetes Medium darstellt.
Danach rückt der Literaturunterricht in den Fokus der Arbeit. Es wird besprochen, welche Ziele man als Lehrer im Literaturunterricht erreichen kann und wie dies umgesetzt werden kann. Es wird näher erläutert, inwiefern Bilderbücher zur literarischen Bildung, zur Leseförderung und zur ästhetischen Bildung beitragen können.
Nicht mehr die kognitive Förderung der Kinder steht an erster Stelle, sondern das interkulturelle Lernen, das in einer multikulturellen Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Es besteht nun die Möglichkeit, Bilderbücher in ihrer Originalsprache zu nutzen. Zum einen können die Schüler die Sprache und ihren Klang kennen lernen und zum anderen findet ein Einblick in fremde Kulturen statt. Auch wenn die Bücher nicht immer im Ganzen behandelt werden müssen, wird der Umgang mit Büchern geschult und das Interesse an fremden Sprachen kann geweckt werden (vgl. Hollstein; Sonnenmoser 2006, 159). Vor allem im tatsächlichen Sprachunterricht können Bilderbücher sehr motivierend wirken, da man bedingt durch die einfache Sprache sehr schnell ein „ganzes“ Buch verstehen kann. Außerdem lassen sich Bilderbücher nutzen, die im Original zum Beispiel in englischer Sprache sind und deren deutsche Übersetzung nun untersucht und verbessert werden kann.
Neben dem Einsatz von Sachbilderbüchern, der natürlich nahe liegt, können auch erzählende Bilderbücher von großem Nutzen sein. Das historische Lernen in der Grundschule kann durch Quellen aus unterschiedlichen Epochen gefördert werden. Die Häschenschule oder der Struwwelpeter können den Schülern zeigen, wie das Leben der Kinder in anderen Zeiten war.
Abraham spricht in diesem Zusammenhang von fachlicher Integration von Kinder- und Jugendliteratur, die auf die Reflexion von Weltwissen setzt. Als Beispiel nennt er eine Geschichte über Eskimomädchen, an der ökologische Zusammenhänge erfahren werden können (vgl. Abraham 2004, 223 f.).
Problemorientierte Bilderbücher sind ideal um Themen, wie zum Beispiel Familie, Gewalt oder Ausländerfeindlichkeit, zu thematisieren. Das Bilderbuch kann zum Beispiel als Einstieg in das Thema verwendet werden oder dazu dienen, verschiedene Strategien kennen zu lernen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bilderbuch im Fremdsprachenunterricht
3 Das Bilderbuch im Sachunterricht
4 Das Bilderbuch als Beitrag zur ästhetischen Erziehung und zur Bildkompetenz
5 Das Bilderbuch im Religionsunterricht
6 Das Bilderbuch im Mathematikunterricht
7 Das Bilderbuch als Beitrag für fächerübergreifende Bereiche
7.1 Medienerziehung
7.2 Interkulturelle Erziehung
7.3 Umwelterziehung
7.4 Soziale Erziehung
8 Das Bilderbuch im Deutschunterricht
8.1 Erstlesen
8.2 Weiterführendes Lesen
9 Ziele eines Literaturunterrichtes mit Bilderbüchern
9.1 Grundlagen und Begriffe des Literaturunterrichtes
9.2 Leseförderung
9.2.1 Das Konzept und seine Ziele
9.2.2 Leseförderung durch Bilderbücher
9.3 Literarische Bildung
9.3.1 Das Konzept literarische Bildung
9.3.2 Ziele der literarischen Bildung
9.3.3 Literarische Bildung durch Bilderbücher
9.4 Ästhetische Bildung & visual literacy
9.4.1 Das Konzept und seine Ziele
10 Schluss: Ästhetische Bildung & visual literacy durch Bilderbücher
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Bilderbuchs im Unterricht der Grundschule. Dabei wird analysiert, wie dieses Medium über die verschiedenen Schulfächer hinweg zur Erreichung fächerübergreifender Lernziele beitragen kann, wobei ein besonderer Fokus auf dem Literaturunterricht und dessen Zielen liegt.
- Einsatzmöglichkeiten des Bilderbuchs in diversen Schulfächern
- Fächerübergreifende Lernziele und medienerzieherische Aspekte
- Leseförderung und literarische Sozialisation durch Bilderbücher
- Konzept der literarischen Bildung und deren Ziele
- Ästhetische Bildung und Förderung der Visual Literacy
Auszug aus dem Buch
9.4.1 Das Konzept und seine Ziele
Die bildnerische Sozialisation beschäftigt sich mit allen Erfahrungen, die ein Kind im Umgang mit Bildern durchläuft, dazu zählen alle visuellen Wahrnehmungen aus der Umwelt des Kindes. Außerdem interessiert sich die bildnerische Sozialisation für die Erfahrungen, Vorlieben, Verarbeitungen und Lernprozesse, die durch Bilder bei Kindern ausgelöst werden. Von Bedeutung ist die Tatsache, da diese frühen Erfahrungen Grundstein sind, für den späteren Zugang zur visuellen Kultur, wie auch der Einfluss des Elternhauses und die Rollenzuweisung (vgl. Thiele 2003, 37ff).
Interessant wird dieses Forschungsfeld, wenn man sich vor Augen führt, wie gezielt die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt und gelernt werden, die Technik des Bilderlesens aber gar nicht obwohl es auch ein Zusammenspiel vieler Aspekte ist, u.a. psychologische, ästhetische, kulturelle und soziale (ebd.). Auch in der Lehrerausbildung wird nur wenig darüber diskutiert, über welches didaktische Potential Bilder verfügen und wie man dieses im Unterricht bestmöglich entfalten kann. Diese Defizite können dazu führen, dass Schüler Bilder „unterschätzen“ und nur Bruchteile der Informationen extrahieren. Lehrer hingegen verlassen sich häufig lieber auf die Sprache, da sie Auswahl und Einsatz von Bildern im Unterricht scheuen, Bilder also „überschätzen“ (vgl. Weidenmann 1991, 9).
Der Begriff und das Konzept der ästhetischen Bildung lässt sich nur schwer genau definieren. Es geht grob gesagt um das Sehen- und Lesen-Lernen von Kunst. Wie auch bei der Literatur, geht es nicht nur um die rein kognitiven Fähigkeiten wie Lesen und Erkennen, sondern um sinnliche Erfahrungen. Eine Definition auf symbolischer Ebene lässt sich meiner Meinung nach gut durch einen Schlüssel beschreiben, der es vermag, Kunst zu öffnen, ihre Geheimnisse zu entdecken und ihre Vorstellungen und Konstruktionen von Wirklichkeit zu entschlüsseln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Bilderbuchs in der Grundschule und begründet den Fokus auf den Literaturunterricht.
2 Das Bilderbuch im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel thematisiert den Einsatz von Bilderbüchern zur Förderung interkulturellen Lernens und zur Motivation im Fremdsprachenerwerb.
3 Das Bilderbuch im Sachunterricht: Hier wird aufgezeigt, wie Bilderbücher als Quelle historischen Lernens, zur Thematisierung von Sachproblemen und zur Anregung philosophischer Gespräche dienen können.
4 Das Bilderbuch als Beitrag zur ästhetischen Erziehung und zur Bildkompetenz: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der bewussten Wahrnehmung von Bildern für die ästhetische Entfaltung und die Entwicklung von Bildkompetenz.
5 Das Bilderbuch im Religionsunterricht: Der Einsatz von Bilderbüchern zur Einbindung von Schlüsselproblemen wie Krieg oder sozialer Ungerechtigkeit wird hier dargestellt.
6 Das Bilderbuch im Mathematikunterricht: Es werden Schnittstellen aufgezeigt, an denen Bilderbücher mathematische Inhalte wie Zahlen oder geometrische Formen veranschaulichen.
7 Das Bilderbuch als Beitrag für fächerübergreifende Bereiche: Dieses Kapitel untersucht den Beitrag des Bilderbuchs zur Medien-, interkulturellen, Umwelt- und sozialen Erziehung.
8 Das Bilderbuch im Deutschunterricht: Hier steht die Rolle des Bilderbuchs bei der Vermittlung der Kulturtechniken Lesen und Schreiben sowie bei der Erweiterung der literarischen Kompetenz im Vordergrund.
9 Ziele eines Literaturunterrichtes mit Bilderbüchern: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Konzepte der Leseförderung, literarischen Bildung sowie ästhetischen Bildung und deren spezifische Umsetzung durch Bilderbücher.
10 Schluss: Ästhetische Bildung & visual literacy durch Bilderbücher: Die Zusammenfassung unterstreicht das Potential des Bilderbuchs als eigenständige, gleichberechtigte Erzählform zur ästhetischen und visuellen Bildung.
Schlüsselwörter
Bilderbuch, Grundschule, Literaturunterricht, Leseförderung, Literarische Bildung, Ästhetische Erziehung, Visual Literacy, Bildkompetenz, Interkulturelles Lernen, Lesesozialisation, Fächerübergreifender Unterricht, Medienerziehung, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die vielfältigen Möglichkeiten, Bilderbücher im Unterricht der Grundschule einzusetzen, um fächerübergreifende Lernziele zu erreichen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen den Einsatz in verschiedenen Schulfächern, die Leseförderung, literarische Bildung sowie die ästhetische Erziehung und Entwicklung von Bildkompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, überblicksartig aufzuzeigen, in welchen Kontexten das Bilderbuch ein geeignetes Medium darstellt, mit einem besonderen Fokus auf den Zielen des Literaturunterrichts.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachdidaktischer Konzepte und deren Anwendung auf die Gattung Bilderbuch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einsatzmöglichkeiten in diversen Fächern, fächerübergreifende Bildungsbereiche sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Zielen des Literaturunterrichts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bilderbuch, Leseförderung, literarische Bildung, ästhetische Erziehung und Visual Literacy.
Inwiefern beeinflusst das Bilderbuch die Lesesozialisation?
Bilderbücher fungieren häufig als erste Bücher, mit denen Kinder in Kontakt treten, und können so eine positive Beziehung zur Literatur aufbauen und das Leseverhalten maßgeblich beeinflussen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Text- und Bildlesen wichtig?
Da Bilder Informationen gleichzeitig präsentieren und das Lesen von Bildern eine freiere Reihenfolge der Wahrnehmung ermöglicht, muss diese spezifische Kompetenz gezielt geschult werden.
Welche Rolle spielt das Bilderbuch im Kunstunterricht?
Es dient als Zwischeninstanz für die Kunsterfahrung, da es Kindern hilft, über den Bildstil und die Wirkung von Bildern zu diskutieren, was bei reiner Bildbetrachtung oft schwerer fällt.
Was kritisiert die Autorin an der aktuellen Unterrichtspraxis?
Die Autorin kritisiert, dass Bilderbücher oft nur instrumentalisiert werden und die didaktische Vermittlung von Bildkompetenz gegenüber anderen Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben vernachlässigt wird.
- Arbeit zitieren
- Theresa Linnéa Müller (Autor:in), 2007, Das Bilderbuch im Unterricht der Grundschule. Verschiedene Einsatz-Möglichkeiten, Ziele des Literaturunterrichts mit Bilderbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/282582