Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie bei der Beschaffung von Konsumgütern.
Im ersten Kapitel werden Begriffe wie Nachfragerwettbewerb, wirtschaftliche Macht und Nachfragemacht diskutiert und näher erläutert.
Das zweite Kapitel zielt auf eine Erklärung der Nachfragemachtentstehung im Handel ab, wobei verschiedene Ursachen dafür herangezogen werden. Das Hauptaugenmerk ist dabei allerdings gerichtet auf den Konzentrationsprozeß im Handel als wesentlichen Grund für Nachfragemachtentstehung.
Im dritten Kapitel werden diverse Instrumente beschrieben, die beschaffungspolitisch gegenüber den Anbietern eingesetzt werden, und zwar umso mehr, je mächtiger der jeweilige Nachfrager bzw. abhängiger der jeweilige Anbieter ist.
Das vierte Kapitel beschreibt schließlich die Auswirkungen von Nachfragemachtausübung vom Handel gegenüber der Industrie auf horizontaler und vertikaler Wettbewerbsebene.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Nachfragemacht des Handels
1.1. Der Nachfragerwettbewerb
1.2. Wirtschaftliche Macht
1.2.1. Unterschiedliche Erscheinungsformen wirtschaftlicher Macht
1.2.1.1. Marktmacht
1.2.1.2. Partnermacht
1.2.1.3. Nachfragemacht
2. Die Entstehung der Nachfragemacht des Handels
2.1. Flexibilität des Handels
2.2. Käufermarktsituation zu Gunsten des Handels
2.3. Konzentrationsprozeß im Handel
3. Die Ausübung der Nachfragemacht des Handels beim Beschaffungsverhalten
3.1. Rabatte
3.1.1. Mengenrabatte
3.1.2. Funktionsrabatte
3.1.3. Zeitrabatte
3.1.4. Treuerabatte
3.1.5. Verbraucherrabatte
3.2. Sonderzahlungen
3.2.1. Regalmiete
3.2.2. Werbekostenzuschüsse
3.2.3. Eintrittsgelder für Erstaufträge
3.3. Nebenleistungen
3.3.1. Regalpflege
3.3.2. Preisauszeichnung
3.3.3. Inventurhilfe
3.4. Vertragliche Verpflichtungen
3.4.1. Preisfallklausel
3.4.2. Meistbegünstigungsklausel
3.4.3. Rücknahmeklausel
4. Die Auswirkungen der Nachfragemachtausübung des Handels auf den Wettbewerb
4.1. Die Auswirkungen horizontaler Nachfragemachtausübung
4.2. Die Auswirkungen vertikaler Nachfragemachtausübung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische Bedeutung der Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie bei der Beschaffung von Konsumgütern. Das Ziel ist es, die Entstehungsursachen dieser Macht sowie die konkreten beschaffungspolitischen Instrumente und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb zu analysieren.
- Definition und theoretische Grundlagen von Nachfragerwettbewerb und wirtschaftlicher Macht
- Ursachen für die Entstehung von Nachfragemacht im Handel
- Instrumente der Nachfragemachtausübung (Rabatte, Sonderzahlungen, Nebenleistungen, Vertragsklauseln)
- Wettbewerbsökonomische Auswirkungen der horizontalen und vertikalen Nachfragemacht
Auszug aus dem Buch
1.1. Der Nachfragerwettbewerb
Der Begriff des Nachfragerwettbewerbs wird in der Literatur sehr unterschiedlich definiert. Die verschiedenen Varianten einiger Autoren zur Begriffsdefinition lassen sich schwerpunktmäßig unterteilen in Nachfragerwettbewerb als:
- das Streben nach möglichst günstigen Geschäftsverbindungen mit den Anbietern, um z. B. sehr niedrige Einkaufspreise zu erreichen und der Konkurrenz der Nachfrager gegenüber im Vorteil zu sein.1)
- leistungssteigernder Nachfragewettbewerb, insbesondere auf Verkäufermärkten, welcher auf eine Ausweitung "der von den Nachfragern zu erbringenden Gegenleistung" abzielt.2)
- leistungserhaltender Nachfragewettbewerb bedingt durch die Möglichkeit der Anbieter, auf andere Nachfrager auszuweichen und deren Handlungsspielraum so zu begrenzen3)
- "die Dispositionsfreiheit der Nachfrager, die Marktbedingungen selbständig zu gestalten"4)
Schließlich existieren noch weitere differenzierte Ansichten über den Nachfragerwettbewerb, wobei manche Autoren seine Existenz völlig bestreiten5), andere wiederum ihn nur als "eine Funktion des Absatzwettbewerbs zwischen Handelsunternehmen"6) definieren. Demgegenüber sieht die Rechtssprechung den Nachfragerwettbewerb als eigenständig und isoliert von jeweiligem Absatzwettbewerb unter den konkurrierenden Nachfragern an, da sich die erzielten Netto beschaffungspreise nur auf die Ertragssituation des Nachfragers auswirken und keinen Einfluß auf dessen Absatzpreise haben7). Aufgrund der vorangegangenen Erläuterungen wird deutlich, daß es keine allgemein gültige Definition des Nachfragerwettbewerbs gibt. Um dennoch diesen Wettbewerb genauer beschreiben zu können, werden im folgenden die Marktprozesse im Beschaffunsbereich näher erläutert8). Der Nachfragerwettbewerb wird von einigen Autoren als ein dynamischer Prozeß charakterisiert, was auf innovatorische und imitatorische Verhaltensweisen der konkurrierenden Nachfrager zurückgeführt wird9). Innovative Verhaltensweisen zeigen sich auf Beschaffungsmärkten in der Erschließung neuer Bezugsquellen, der vorteilhafteren Ausgestaltung von Verträgen sowie der Schaffung neuer wirtschaftlicher Organisations- und Betriebsformen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Nachfragemacht des Handels: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Nachfragerwettbewerb und wirtschaftliche Macht, um eine theoretische Basis für die Untersuchung der Handelsmacht zu schaffen.
2. Die Entstehung der Nachfragemacht des Handels: Hier werden die Gründe für die Machtentstehung erläutert, wobei insbesondere die Flexibilität des Handels, Käufermarktsituationen und der Konzentrationsprozess im Fokus stehen.
3. Die Ausübung der Nachfragemacht des Handels beim Beschaffungsverhalten: Das Kapitel detailliert die verschiedenen Instrumente, mit denen Handelsunternehmen ihre Macht gegenüber Herstellern ausüben, darunter Rabattformen, Sonderzahlungen, Nebenleistungen und vertragliche Bindungen.
4. Die Auswirkungen der Nachfragemachtausübung des Handels auf den Wettbewerb: Abschließend werden die Folgen dieser Machtausübung auf die Marktstruktur analysiert, unter besonderer Betrachtung der Auswirkungen auf horizontaler und vertikaler Wettbewerbsebene.
Schlüsselwörter
Nachfragemacht, Handel, Industrie, Beschaffungsverhalten, Wettbewerb, Konzentration, Nachfragerwettbewerb, Wirtschaftliche Macht, Marktmacht, Partnermacht, Konditionenspreizung, Rabatte, Sonderzahlungen, Wettbewerbsbeschränkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Machtgefälle zwischen dem Handel und der Industrie im Konsumgütersektor sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Beschaffung und den Wettbewerb.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung und Definition von Nachfragemacht, die konkreten Durchsetzungsinstrumente im Einkauf und die wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Handelsunternehmen ihre marktbeherrschende Stellung nutzen, um wirtschaftliche Vorteile gegenüber Lieferanten zu erzielen, und inwieweit dies den Wettbewerb beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einschlägiger wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur und kartellrechtlichen Diskursen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen detailliert die verschiedenen Instrumente wie Rabatte, Regalmiete, Werbekostenzuschüsse und vertragliche Klauseln dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Nachfragemacht, Handel, Beschaffungsverhalten, Wettbewerbsbeschränkung und Konzentration sind die bestimmenden Begriffe dieser Untersuchung.
Was versteht die Arbeit unter dem Begriff "Anzapfen" im Handel?
Damit sind Sonderzahlungen oder Nebenleistungen gemeint, die der Handel unfreiwillig von Lieferanten verlangt, ohne dass dem eine erkennbare Gegenleistung gegenübersteht.
Welche Rolle spielen "Rack-Jobber" in diesem Kontext?
Rack-Jobber sind Dienstleister, die im Auftrag der Industrie Regale in Handelsunternehmen pflegen, Waren auffüllen und dabei oft das volle Verkaufsrisiko tragen.
- Arbeit zitieren
- Sascha Wingen (Autor:in), 1994, Die Nachfragemacht des Handels gegenüber der Industrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2825