Die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Grundlagen aus dem Bereich der Biologie, des Neuromarketings und der Psychologie


Akademische Arbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biologische Grundlagen

2. Der Aufbau des Gehirns

3. Das Zwei-Hemisphären-Modell

4. Kognitive Psychologie

5. Aktivierende Prozesse

6. Alternative Erklärungsansätze des Neuromarketings

7. Vergleich kognitiver und emotionaler Prozesse

8. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Psychologie und Marketing erklären das menschliche Verhalten damit, was von außen beobachtbar ist. Die Neurologie hingegen untersucht das menschliche Denken von innen: Es wird versucht, bestimmten Gehirnarealen Fähigkeiten zuzuschreiben. Zwar lässt die Komplexität des Gehirns keine eindeutige Klärung seiner Funktionsweise zu. Aufgrund moderner neurologischer Erkenntnisse ist es jedoch möglich, dass bestimmten Gehirnarealen schwerpunktmäßig emotionale und gedanklich-höhere Verarbeitung zugesprochen wird. Diese Erkenntnisse decken sich teilweise mit traditionellen und neuen Modellen des Marketings – aber es gibt auch Inkongruenzen.

In dieser Arbeit werden grundlegende Erkenntnisse aus dem Bereich des Marketing, aber auch der Psychologie und der Neurologie beschrieben, um einen Einstieg in die Informations- und Emotionsverarbeitung im Gehirn zu finden.

1. Biologische Grundlagen

Das Gehirn ist rund 1,3 kg schwer und hat in etwa die Größe eines Blumenkohls. Es besteht aus einem Labyrinth von 100 Milliarden Nervenzellen, wobei jedes einzelne Neuron mit durchschnittlich 1.000 weiteren Nervenzellen verknüpft ist. Das Gehirn ist die komplexeste dem Menschen bekannte Struktur. Nervenzellen ähneln in vielerlei Hinsicht anderen Zellen, haben sich jedoch im Laufe der Evolution auf die Übermittlung von Signalen spezialisiert. Diese werden in Form von elektrischen Impulsen durch Nervenbahnen geleitet und an deren Enden in Form von chemischen Impulsen (Neurotransmittern) an andere Zellen weitergegeben. Das Nervensystem übermittelt die durch Reize auf der Haut, den Augen, den Ohren, dem Skelett und den Gelenken ausgelösten Impulse an das Gehirn, oder überträgt sie an die Skelettmuskulatur. Dieser „somatische“ Teil des Nervensystems ist jener, welcher mit den Umwelteinflüssen interagiert. Der andere Teil umfasst das autonome bzw. vegetative Nervensystem, welches beispielsweise das Gleichgewicht kontrolliert, die Organfunktionen sowie die Drüsenzellen[1] steuert und so gewährleistet, dass sich der Organismus an wechselnde Bedingungen anpasst. Das autonome Nervensystem sorgt auch für die Mobilisierung des Körpers bei einer Stress- oder Bedrohungssituation und baut Energieressourcen in Ruhephasen auf. Damit ist im Grunde jeder Teil des menschlichen Körpers mit dem Gehirn verbunden. Diese Vernetzung stellt die biologische Grundlage für die Beeinflussung der Organfunktionen durch psychosoziale Faktoren dar (Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 18ff.).

2. Der Aufbau des Gehirns

Das zentrale Nervensystem besteht aus dem Rückenmark sowie dem Gehirn. Eine Unterteilung der Hirnregionen lässt sich beispielsweise anhand ihrer Lage (Rautenhirn, Mittelhirn, Vorderhirn) oder aufgrund ihrer Funktion (Hirnstamm, limbisches System, Großhirn) treffen (Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 18ff.). Diese funktionelle Konzeption rechnet den letztgenannten Regionen jeweils unwillkürliches Verhalten, Emotionen und Denkprozesse zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wichtige funktionelle Hirngebiete

(Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 32)

Im Folgenden wird auf die funktionell wichtigen Teile des Zentralen Nervensystems eingegangen. Bereits im Rückenmark, wo Informationen aus und in den Körper geschaltet werden, können Impulse „kontrolliert“ werden: So können schon dort Schmerzen durch körpereigene Opiate gemildert werden, damit in einer Gefahren- oder Stresssituation der Mensch z.B. die Flucht ergreifen kann. Das Rautenhirn besteht aus dem Hinterhirn und dem Nachhirn. Das Nachhirn liegt am unteren Ende des Gehirns und schaltet Signale zwischen den höheren Hirnregionen und dem Körper. Die ebenso dort liegende Formatio reticularis spielt eine bedeutende Rolle bei Aktivierungsvorgängen. Diese Region ist unter anderem beteiligt bei Prozessen wie Aufmerksamkeit, Schlaf, Bewusstsein und Bewegung. In dieser Region befindet sich das Cerebellum (Kleinhirn ), welches zwar nur ein Zehntel der gesamten Hirnmasse einnimmt, aber sechsmal mehr Neuronen beherbergt als das Großhirn. Es ist evolutionsbiologisch schon sehr lange Bestandteil des Gehirns und aufgrund seiner starken Faltung und der Neuronenzahl offenbar an komplexen Funktionen beteiligt. Seine „Schaltkreise“ können eintreffende Signale schnell als Muster erkennen und zu schnellen, streng koordinierten Bewegungen – wie zum Beispiel beim Klavierspielen – verhelfen. Neue Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass das Kleinhirn darüber hinaus zu Wahrnehmungsleistungen und Spracherkennung beitragen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Limbisches System

(Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 35)

Im Mittelhirn werden visuelle und auditive Impulse verschaltet und an höhere Hirnregionen übermittelt. Der Thalamus liegt direkt über dem Mittelhirn in beiden Hemisphären. Hier werden einkommende sensorische Reize verarbeitet sowie Schlaf und Wachheit reguliert. Die Basalganglien bestehen aus einer Ansammlung von Kernen, die unter anderem mit Assoziationsarealen der äußeren Hirnrinde verbunden sind. Sie sind wichtig beim Erkennen von Mustern und beim Ausführen von Willkürbewegungen. Dem limbischen System wird die wichtigste Rolle für die Vermittlung von emotionalen Erlebnissen und Verhalten zugesprochen. Dem zugerechnet wird der Hippocampus, welcher für das deklarative und kontextgebundene Gedächtnis sowie für das Lernen und die Konditionierung verantwortlich ist.

Neben anderen Teilen des Limbischen Systems wird vor allem der Amygdala große Bedeutung in Bezug auf die Erfahrung von Emotionen, vor allem Furcht, beigemessen. Über Verbindungen zum Hypothalamus und zum Hirnstamm scheint die Amygdala autonome, behaviorale und endokrine Stressreaktionen zu beeinflussen und darüber hinaus eine wichtige Rolle bei emotionalen Erinnerungen, beispielsweise bei der Furchtkonditionierung, zu spielen. So verfügt die Amygdala über ein „ emotionales Gedächtnis“, welches nicht unbedingt mit unserem bewussten Gedächtnis zusammenhängen muss. So können Kindertraumata, an die man sich nicht direkt erinnert, sich auf das Verhalten in späteren Situationen auswirken. Allerdings bleibt die Hirnrinde bei Reizen nicht unberührt. Während die Amygdala nur grob Reize verarbeitet und reflexartige Schutzreaktionen bewirkt, widmet sich die Hirnrinde komplexeren Reizmustern und untersucht gründlich, ob entsprechende Alarmreaktionen notwendig sind. Heim und Meinlschmidt (ebd.) vertreten die Ansicht, dass Reize jedoch zunächst die Amygdala erreichen und erst dann über langsamere Bahnen an die Hirnrinde weitergeleitet werden. Diese sendet im Anschluss differenziertere Bewertungen an die Amygdala zurück. Eine schnelle reflexartige, von der Amygdala gesteuerte Reaktion ist manchmal lebensnotwendig, oftmals jedoch nicht begründet. Die äußere Schicht des Großhirns bildet den zerebralen Kortex, welcher für die intellektuellen Leistungen eines Menschen verantwortlich ist. Der Kortex ist durch eine Furche in zwei Hemisphären, die linke und rechte Gehirnhälfte, geteilt. Durch den Corpus Callosum (Kommisurbahnen) besteht allerdings eine Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften. Auf jeder Gehirnhälfte befinden sich weitere Furchen, welche die Hemisphären jeweils in sog. Lappen aufteilen. Hierbei unterscheidet man zwischen Stirnlappen, Scheitellappen, Schläfenlappen und Hinterhauptlappen. Die Stirnlappen steuern willkürliche motorische Reaktionen, wobei Bewegungen der rechten Seite von der linken Hemisphäre gesteuert werden und umgekehrt. Die Scheitellappen verarbeiten Empfindungen, wie z.B. Wärme, Berührung, Schmerz und Kälte. Auch hier werden die Reize der jeweils gegenüber liegenden Körperhälfte abgebildet. Die Hinterhauptlappen sind mit Fasern des Sehnervs verbunden und damit für das verarbeiten visueller Reize zuständig. Schallsignale und deren zeitliche Abfolge werden von den Schläfenlappen aufgenommen und verarbeitet. Die Kapazitäten des Kortex sind damit noch nicht erschöpft. Des Weiteren gibt es dort Areale, die nicht für die Verarbeitung von Reizen zuständig sind. Diese Areale werden als Assoziationsareale bezeichnet. Sie widmen sich komplexen kognitiven Funktionen. Im Falle des präfrontalen Kortex (Stirnhirn) wird dort die für das Verhalten zuständige Region vermutet (Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 18ff.).

3. Das Zwei-Hemisphären-Modell

Diesem Modell zufolge unterscheiden sich die beiden Gehirnhälften in funktioneller und struktureller Form voneinander. Die linke Hälfte ist etwas größer und weist viele kleine Netzwerke in begrenzten Arealen auf, wobei die rechte Hemisphäre viele lange Neuronen-Verbindungen hat, welche weite Teile des Gehirns miteinander verbinden. Schon daraus lassen sich funktionelle Spezialisierungen für die Gehirnhälften ableiten. Der überwiegende Teil der Menschen schreibt mit der rechten Hand, die jedoch von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird. Untersuchungen an Patienten, bei denen das Verbindungsstück der beiden Hemisphären (Corpus callosum) durchtrennt wurde[2], zeigen, dass die linke Gehirnhälfte bei den meisten Menschen für verbale Fähigkeiten, wie lesen und sprechen, zuständig ist. Aber auch die rechte Gehirnhälfte verfügt über kognitive Spezialisierungen. Sie ist im Hinblick auf Mustererkennung und Wahrnehmung der linken Hemisphäre deutlich überlegen. Im Hinblick auf „ Zuständigkeiten“ ist interessant, dass die linke Hemisphäre Ursachen interpretiert, Wahrnehmungen und Prozesse integriert und ihnen Bedeutungen beimisst (Heim, Meinlschmidt, 2003, S. 41f.). Der linken Gehirnhälfte wird eine bewusste Informations-verarbeitung zugesprochen. Des Weiteren trägt sie die Verantwortung für linguistische Fähigkeiten, die Analyse von Details sowie das Ausführen von Rechenaufgaben. Sie ist also stark mit dem Bewusstsein verknüpft. Daher kann sie als die rationale Hälfte bezeichnet werden. Die rechte Gehirnhälfte ist eher emotional und dem Modell zufolge zuständig für die Wahrnehmung und Erkennung von Bildern und Melodien. Emotionale Stimuli werden räumlich und parallel verarbeitet. Die rechte Gehirnhälfte soll – im Gegensatz zur linken – eher mit positiven Affekten verknüpft sein und dem entsprechen, was als Unterbewusstsein bezeichnet wird (Niepmann, 1999, S. 78ff.).

[...]


[1] Damit sind Schweiß- und Hormondrüsen gemeint.

[2] Roger Sperry, 1974, Untersuchungen mit sog. Split-Brain-Patienten. Diese Operation wurde bei Patienten mit starken Epilepsien durchgeführt, damit sich Anfälle nicht über das gesamte Gehirn ausbreiten.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Grundlagen aus dem Bereich der Biologie, des Neuromarketings und der Psychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V283002
ISBN (eBook)
9783656820604
ISBN (Buch)
9783668139831
Dateigröße
1670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionsweise, gehirns, grundlagen, bereich, biologie, neuromarketings, psychologie
Arbeit zitieren
Milosz Splawinski (Autor), 2006, Die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Grundlagen aus dem Bereich der Biologie, des Neuromarketings und der Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283002

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