Die Arbeit untersucht eingehend, inwieweit die Ziele der politischen Bildung innerhalb des neugeordneten politischen Unterrichts an berufsbildenden Schulen umgesetzt werden können. Außerdem geht sie der Frage nach, welchen Beitrag der Unterricht dadurch leisten kann, Kenntnismängel der Bürger zu beseitigen und Politik wieder interessant und zugänglich zu machen.
Zusätzlich ergibt sich die Frage, ob der umstrukturierte Politikunterricht an berufsbildenden Schulen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen kann, die gesellschaftlichen Strukturen kritisch zu reflektieren und die eigene Sozialisation mit allen Vorgaben und Zwängen zu hinterfragen. Unter diesem Aspekt nimmt die politische Handlungsorientierung eine bedeutende Rolle ein.
Das Interesse von Jugendlichen an politischer Bildung ist heutzutage nicht besonders hoch. Es ist vielmehr „in“, sich von der Politik abzuwenden und anderen Themen zu widmen. Politische Partizipation von Jugendlichen wird immer geringer und Beteiligungen an politischen Prozessen auf kommunaler Ebene sind fast nicht mehr vorhanden.
Politik wird als langweilig angesehen und sei aufgrund der festgefahrenen Strukturen sowieso nicht zu verstehen. Gleiches gilt auch für die politische Bildung und den Politikunterricht. Langeweile im Politikunterricht entsteht dabei vor allem, wenn die Reize der politischen Bildung zu schwach sind, die schulische politische Bildung nichts mit den individuellen Bedürfnissen zu tun hat und zu wenig Raum für die Ausbildung eigener Interessen und Fertigkeiten bietet.
Doch eigentlich beschäftigt sich die politische Bildung mit einer der spannendsten Fragen, mit der sich die Menschen auseinandersetzen müssen. Mit der Frage, wie das Zusammenleben in Gesellschaften so gestaltet und geregelt werden kann, dass Freiheit für alle möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Herausforderungen der politischen Bildung
1.2 Vorgehensweise der Untersuchung
2. Doppeltes Bildungsziel berufsbildender Schulen: berufliche und politische Handlungsorientierung
2.1 Die berufsbildenden Schulen und ihre unterschiedlichen Bildungsgänge
2.2 Zielsetzungen des Unterrichts an berufsbildenden Schulen
2.2.1 Kompetenzen vs. Qualifikationen: zwei unterschiedliche Begriffe
2.2.2 Berufliche Handlungsorientierung und vollständige berufliche Handlungskompetenz
2.2.3. Europäischer bzw. deutscher Qualifikationsrahmen und die neuen Rahmenrichtlinien
2.3 Die neue Struktur der Lernfelder – was hat sich verändert?
2.3.1 Konstruktivismus und selbstgesteuertes Lernen
2.3.2 Das Konzept der Lernfelder
2.4 Didaktische Konstruktion des Politikunterrichts an berufsbildenden Schulen
2.4.1 Politische Bildung: mehr als nur ein Unterrichtsfach
2.4.2 Handlungsorientierung in der politischen Bildung
2.4.3 Politische Handlungsfähigkeit und die Möglichkeiten und Grenzen zur Partizipation
2.4.4 Politikunterricht zwischen demokratischem Anspruch und gesellschaftlicher Realität
2.4.5 Umsetzungsmöglichkeiten des lernfeldstrukturierten Unterrichts im Fach Politik an berufsbildenden Schulen
3 Forschungsdesign
3.1 Begründung des induktiven Vorgehens und Herleitung der Forschungsfrage
3.2 Das Erhebungsinstrument: Experteninterview
3.2.1 Auswahl und Begründung
3.2.2 Stichprobe
4 Untersuchung: Experteninterview
5 Lernfelddidaktik in der politischen Bildung an berufsbildenden Schulen: Aufwärtstrend mit Umsetzungsschwierigkeiten
5.1 Methodisches Vorgehen und Begründung der Auswertungsmethode
5.2 Chancen und Schwierigkeiten aus Sicht der Lehrkräfte
5.3 Zuordnung der verschiedenen Kompetenzstufen zu den Schulformen
5.4 Ziele des Politikunterrichts und die Vorstellung von politischer Handlungsorientierung
5.5 Umsetzung des Politikunterrichts durch die Lehrkräfte
5.6 Zusammenfassung und Herleitung einer Hypothese für weitere Forschungsansätze
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der lernfeldstrukturierte Politikunterricht an berufsbildenden Schulen zur politischen Handlungsorientierung beitragen kann oder ob eine Entpolitisierung der Lerninhalte droht. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob durch die neue Struktur die Ziele der politischen Bildung erreicht werden können oder ob diese hinter rein fachliche Kompetenzziele zurücktreten.
- Doppeltes Bildungsziel (berufliche und politische Handlungsorientierung)
- Kompetenzorientierung vs. Wissensvermittlung in der beruflichen Bildung
- Implementierung und didaktische Konstruktion von Lernfeldern
- Spannungsfeld zwischen ökonomischen Anforderungen und demokratischer Bildung
- Qualitative Analyse mittels Experteninterviews mit Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
1.1 Herausforderungen der politischen Bildung
Das Interesse von Jugendlichen an politischer Bildung ist heutzutage nicht besonders hoch. Es ist vielmehr „in“, sich von der Politik abzuwenden und anderen Themen zu widmen. Politische Partizipation von Jugendlichen wird immer geringer und Beteiligungen an politischen Prozessen auf kommunaler Ebene sind fast nicht mehr vorhanden (vgl. Patzelt 2009, S. 12). Allerdings steht und fällt die Demokratie, in der wir leben, mit der Beteiligung der Menschen. Politik wird als langweilig angesehen und sei aufgrund der festgefahrenen Strukturen sowieso nicht zu verstehen. Gleiches gilt auch für die politische Bildung und den Politikunterricht. Langeweile im Politikunterricht entsteht dabei vor allem, wenn die Reize der politischen Bildung zu schwach sind, um die Schülerinnen und Schüler wirklich zu aktivieren, wenn die schulische politische Bildung nichts mit den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu tun hat und wenn die politische Bildung den Schülerinnen und Schülern zu wenig Raum für die Ausbildung ihrer Interessen und Fertigkeiten bietet (vgl. Henkenborg & Sander 1993, S. 5 f.). Doch eigentlich beschäftigt sich die politische Bildung mit einer der spannendsten Fragen, mit der sich die Menschen auseinander setzen müssen. Mit der Frage, wie das Zusammenleben in Gesellschaften so gestaltet und geregelt werden kann, dass Freiheit für alle möglich ist.
In der Demokratie macht die politische Bildung die gemeinsamen Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger – und damit auch der Jugendlichen – zu ihren eigenen und unterstützt sie darin, ihre politische Freiheit zu leben. Politische Bildung wird dadurch zum unverzichtbaren Bestandteil einer demokratischen politischen Kultur (vgl. Sander 2001, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet die mangelnde Partizipation und das geringe Interesse Jugendlicher an Politik sowie die Notwendigkeit, politische Bildung als demokratischen Lernprozess zu etablieren.
2. Doppeltes Bildungsziel berufsbildender Schulen: berufliche und politische Handlungsorientierung: Analysiert das Spannungsfeld zwischen beruflicher Qualifizierung und dem Auftrag zur politischen Bildung unter Einbeziehung des Lernfeldkonzepts.
3 Forschungsdesign: Begründet das induktive Vorgehen und die Wahl des Experteninterviews zur Untersuchung der neuen Rahmenrichtlinien.
4 Untersuchung: Experteninterview: Dokumentiert das Vorgehen bei der Durchführung der Experteninterviews an berufsbildenden Schulen.
5 Lernfelddidaktik in der politischen Bildung an berufsbildenden Schulen: Aufwärtstrend mit Umsetzungsschwierigkeiten: Wertet die Experteninterviews aus und analysiert die Chancen, Herausforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten durch die Lehrkräfte.
6. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach offene Vorgaben zwar Chancen für politische Bildung bieten, aber eine präzise Kompetenzformulierung und ein hohes Engagement der Lehrkräfte erfordern.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Berufsbildende Schulen, Lernfelddidaktik, Handlungsorientierung, Kompetenzorientierung, Partizipation, Politikunterricht, Demokratiepädagogik, Politische Handlungsfähigkeit, Experteninterview, Berufsschule, Rahmenrichtlinien, Fachdidaktik Politik, Mündigkeit, Strukturprobleme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Integration des Lernfeldkonzepts in den Politikunterricht an berufsbildenden Schulen und der Frage, ob dies politische Handlungsfähigkeit fördert oder zu einer Entpolitisierung führt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Verknüpfung von beruflicher und politischer Handlungsorientierung, die Kompetenzorientierung gemäß DQR/EQR sowie die didaktischen Herausforderungen durch das Lernfeldkonzept.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Evaluation, inwieweit die neuen Rahmenrichtlinien im Fach Politik an berufsbildenden Schulen tatsächlich politische Handlungsorientierung ermöglichen oder ob sie hinter ökonomischen Verwertungsinteressen zurückstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem Experteninterviews mit Lehrkräften durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Lernfelddidaktik, die politische Didaktik sowie die empirische Untersuchung und Auswertung der Lehrerinterviews zur praktischen Umsetzung thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Lernfelddidaktik, politische Handlungsorientierung, Kompetenzorientierung, berufsbildende Schulen und Partizipation.
Welche Rolle spielt die Heterogenität der Schülerschaft in den Interviews?
Die Lehrkräfte betonen, dass die unterschiedlichen Vorkenntnisse und Leistungsniveaus (z.B. zwischen Einzelhändlern und Industriekaufleuten) eine einheitliche Umsetzung der Kompetenzniveaus schwierig machen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die "Offenheit" der Richtlinien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Offenheit der Lernfelder zwar Chancen für eine flexible, schülernahe Politikdidaktik bietet, aber hohe Ansprüche an die professionelle Urteilsfähigkeit und Umsetzungskompetenz der Lehrkräfte stellt.
- Quote paper
- Matthias Flathmann (Author), 2013, Politische Bildung an berufsbildenden Schulen. Entpolitisierung oder politische Handlungsorientierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283027