Dieser Interviewleitfaden dient als Basis zur Exploration bzw. zur Befragung von Patienten der (forensischen) Psychiatrie und damit ebenso zur Anfertigung eines Explorationsberichts bzw. eines Anamnesebogens. Er reicht von der Begrüßung bis zu Persektiven und Ziele.
Inhaltsverzeichnis
1.) Begrüßung
2.) Familiäre/soziale Situation und Entwicklung
Kindheit:
primäres Elternhaus:
zu den Eltern:
zu den Geschwistern:
generell:
primäres Ersatz-Zuhause:
Sonstiges:
Schule:
Ausbildung/Lehre/Berufstätigkeit:
Delinquenz:
Beziehungen und Partnerschaft:
Hobbies/Freizeit/Freunde:
3.) Aufnahmeanlass/Symptomatik
4.) Vorbehandlungen, vegetative Anamnese und Suchtanamnese
5.) Behandlung in der Einrichtung (Verlauf)
6.) Perspektiven und Ziele
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieses Fragenkatalogs ist die strukturierte Exploration von Patienten im klinischen oder psychiatrischen Kontext, um eine umfassende Anamnese zu erstellen und individuelle Störungsbilder besser einzuordnen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie biographische Hintergründe, soziale Faktoren und Verhaltensmuster mit dem aktuellen klinischen Befund korrelieren.
- Biographische Aufarbeitung der familiären und sozialen Kindheitsentwicklung
- Analyse von Bildungswegen, beruflicher Laufbahn und etwaiger Delinquenz
- Exploration von Beziehungsmustern, Partnerschaften und sozialen Bindungen
- Erfassung der medizinischen Vorgeschichte, Symptomatik und des Suchtverhaltens
- Evaluation des aktuellen Behandlungsverlaufs sowie zukünftiger Lebensperspektiven
Auszug aus dem Buch
primäres Elternhaus:
zu den Eltern: [Wie war Ihr Leben zuhause? Wie kamen Sie mit Ihren Eltern aus? Beschreiben Sie sie! Wie alt sind Ihre Eltern bzw. wann geboren? Was haben Ihre Eltern gearbeitet (jemals Arbeitslos)? Kamen sie untereinander gut aus? Haben sie oft gestritten (Konflikte)? Kam es jemals zu Gewalt (Schlagen/Beschimpfen)? Haben sie sich mal getrennt (Scheidung)? Wie war das für Sie? Leben Ihre Eltern noch? Wenn tot, wie haben Sie das verarbeitet?]
zu den Geschwistern: [Haben Sie Geschwister? Wie haben Sie sich mit denen verstanden?]
generell: [Waren Ihre Eltern streng? Gab es viele Regeln? Haben Sie diese oft gebrochen (lügen, weglaufen, stehlen, …)? Warum? Wie alt waren Sie da? (Wie) Wurden Sie bestraft? Hatte jemand in Ihrer Familie ernsthafte psychische oder körperliche Probleme? Wer? Gab es Drogen- oder Alkoholprobleme?]
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Begrüßung: Dieser Abschnitt dient der formalen Einleitung, der Herstellung einer vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre sowie der Erfassung persönlicher Basisdaten unter Zusicherung der Vertraulichkeit.
2.) Familiäre/soziale Situation und Entwicklung: Hier wird die biographische Basis des Patienten ergründet, wobei Kindheit, familiäre Strukturen, das Ersatz-Zuhause und schulische Entwicklungen im Zentrum stehen.
Ausbildung/Lehre/Berufstätigkeit: Dieses Kapitel widmet sich dem beruflichen Werdegang, der Stabilität von Arbeitsverhältnissen und der Zuverlässigkeit des Patienten im Arbeitskontext.
Delinquenz: Es werden mögliche kriminelle Aktivitäten, tätliche Auseinandersetzungen sowie Kontakte mit der Justiz und Polizei thematisiert.
Beziehungen und Partnerschaft: Dieser Teil explorativ analysiert Liebesbeziehungen, sexuelle Erfahrungen sowie die Qualität der Bindungsfähigkeit und den aktuellen familiären Status.
Hobbies/Freizeit/Freunde: Fokus auf das soziale Netzwerk außerhalb der Einrichtung sowie die persönlichen Interessen und die Freizeitgestaltung des Patienten.
3.) Aufnahmeanlass/Symptomatik: Untersuchung des konkreten Grundes für die Einweisung sowie eine detaillierte Abfrage zur Art, Intensität und Kontrollierbarkeit der Symptome.
4.) Vorbehandlungen, vegetative Anamnese und Suchtanamnese: Erfassung früherer psychiatrischer oder medizinischer Behandlungen, suizidaler Tendenzen sowie der Konsumgewohnheiten hinsichtlich Alkohol und Drogen.
5.) Behandlung in der Einrichtung (Verlauf): Evaluation der aktuellen Anpassung in der Klinik, des subjektiven Befindens sowie möglicher Rückfälle oder Schwierigkeiten.
6.) Perspektiven und Ziele: Abschließende Betrachtung der subjektiven Zukunftserwartungen, konkrete Entlassungspläne und langfristige Lebensziele des Patienten.
Schlüsselwörter
Exploration, Anamnese, psychiatrische Störungsbilder, Biographiearbeit, soziale Entwicklung, Suchtanamnese, Delinquenz, Beziehungsfähigkeit, Symptomatik, Klinische Sozialarbeit, Behandlungsverlauf, Prognose, Kindheitsentwicklung, psychische Gesundheit, Lebensperspektiven
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Dokument grundsätzlich?
Das Dokument ist ein strukturierter Fragenkatalog, der als Leitfaden für eine psychiatrische oder sozialpädagogische Anamneseerhebung dient.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die gesamte Lebensspanne des Patienten: von der frühen Kindheit und Erziehung über berufliche und soziale Aspekte bis hin zu aktuellen Symptomen und zukünftigen Zielen.
Was ist das primäre Ziel der Exploration?
Ziel ist es, ein ganzheitliches Bild der Lebenssituation und der psychosozialen Entwicklung des Patienten zu erhalten, um therapeutische Ansätze besser planen zu können.
Welche methodische Vorgehensweise wird empfohlen?
Der Katalog nutzt explorative Fragen, die teils offen sind und den Befragten zur detaillierten Schilderung anregen, bei Bedarf unterstützt durch Suggestivfragen zur Ermutigung.
Was wird im Hauptteil des Leitfadens behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Lebensdomänen: Familie, Schule, Beruf, Delinquenz, Partnerschaft sowie eine spezifische medizinische und psychiatrische Anamnese.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Anamnese, Biographieanalyse, psychosoziale Befunderhebung und klinische Exploration.
Wie wird mit sensiblen Themen wie Missbrauch oder Suizidalität umgegangen?
Der Leitfaden enthält gezielte, aber behutsam formulierte Fragen, um diese Themen systematisch und vertraulich abzufragen.
Welche Rolle spielt die aktuelle Klinikbehandlung in diesem Katalog?
Ein separater Abschnitt befasst sich mit dem Verlauf innerhalb der Einrichtung, um zu evaluieren, wie der Patient mit den neuen Strukturen zurechtkommt und ob bisherige Therapieerfolge sichtbar sind.
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- Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser (Author), 2006, Fragenkatalog zur Exploration psychisch kranker Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283383