Wer hierzulande an Kanada denkt, hat meist das Bild eines weitläufigen, naturgewaltigen Staates vor Augen, der sich mit den Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur die längste gemeinsame Grenze der Welt teilt, sondern auch die gleiche Sprache: Englisch.
Durch die Nachbarschaft zu einem der wichtigsten Staaten der Welt, wird Kanada schnell in den Schatten gedrängt und oftmals hinsichtlich Sprache und Kultur mit den USA gleichgestellt. Doch Kanada ist weit mehr als nur ein "Abklatsch" der Vereinigten Staaten. Aufgrund seiner ganz eigenen Besiedlungsgeschichte gibt es noch heute französischsprachige Provinzen, in denen nicht nur die französische Sprache zelebriert wird, sondern auch ein Teil ihrer Kultur. Die wohl bekannteste französischsprachige Provinz Kanadas ist Québec.
Diese Hausarbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Provinz und ihre Besiedlungsgeschichte vorzustellen, Besonderheiten der französischen Sprache und ihrer Entwicklung herauszuarbeiten und die aktuelle Sprachpolitik zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Linguistische Analyse des québecois
3.1 Phonetik
3.2 Morphologie
3.3 Syntax
3.4 Lexik
3.5 Anglizismen
4. Sprachgesetzgebung
5. Sprachnorm und Sprachqualität im Radio und im Fernsehen
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Entwicklung und den linguistischen Besonderheiten des Französischen in Québec auseinander. Ziel ist es, den historischen Kontext der Provinz zu beleuchten, die sprachlichen Eigenheiten – insbesondere in Phonetik, Morphologie, Syntax und Lexik – zu analysieren und den Einfluss des Englischen sowie die Entwicklung der Sprachgesetzgebung und die Rolle der Medien bei der Normbildung kritisch zu untersuchen.
- Historische Entwicklung Québecs von der Kolonialzeit bis zur Moderne
- Linguistische Charakteristika des quebecer Französisch (québécois)
- Der Einfluss von Anglizismen auf das quebecer Sprachgefüge
- Die Entwicklung der Sprachgesetzgebung und der Status des Französischen
- Die Rolle der Medien bei der Vermittlung von Sprachnormen
Auszug aus dem Buch
3.1 Phonetik
Die Aussprache des Québecer Französisch ist zum Großteil sehr archaisch und orientiert sich daran, wie man in Frankreich vor der Französischen Revolution gesprochen hat, bzw. teilweise heute noch in einigen Mundarten (z.B. Nordwesten, Westen von Frankreich, Centre und Ile-de-France) spricht (vgl. Dähmlow, S. 6).
So hat man zum Beispiel die Aussprache [we] des Diphthongs oi, zum Beispiel in moi, beibehalten (vgl. Hoerkens, S. 12). Diese Aussprache wurde in Frankreich erst seit der Französischen Revolution durch [wa] abgelöst (vgl. Dähmlow, S. 6).
Auch bewahrte man die „Auslautkonsonanten“, das heißt man spricht das [t] oder [s] am Ende eines Wortes mit: tout, but, fait, ceux, gens, etc… (siehe ebenda).
Des Weiteren spricht Dähmlow auch von einer Assibilierung von [t] und [d] vor [i, y, j, ɥ] (vgl. S. 6). So wird aus petit → [pətsi] oder aus dimanche → [dzimãʃ] (siehe ebenda).
Als eine weitere Eigenart gilt der Wegfall des intervokalischen –l- (vgl. Dähmlow, S. 7). Fast ausschließlich betroffen sind davon Artikel und Pronomen, wie la, les, elles, elle, ils und il (siehe ebenda). Das Pronomen, bzw. der Artikel le verliert das –l- nicht, da es sich hierbei um ein e muet handelt (siehe ebenda).
Beispiel: C’est la lettre de Marie → [se a lətR d(ə) maRi]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die sprachliche Situation in Québec zu untersuchen, und gibt einen Überblick über die behandelten Schwerpunkte.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung Québecs von der Entdeckung durch Jacques Cartier über die britische Eroberung bis hin zur Stillen Revolution.
3. Linguistische Analyse des québecois: Hier werden die spezifischen Merkmale des quebecer Französisch in den Bereichen Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik und Anglizismen detailliert dargestellt.
4. Sprachgesetzgebung: Das Kapitel analysiert den langen politischen Weg des Französischen in Québec, hin zur offiziellen Amtssprache durch Gesetze wie die Loi 101.
5. Sprachnorm und Sprachqualität im Radio und im Fernsehen: Hier wird untersucht, wie Medien zur Verbreitung oder Relativierung von Sprachnormen beitragen und wie das Publikum diese Sprache wahrnimmt.
6. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die bemerkenswerte Beständigkeit der quebecer Kultur und Sprache trotz historischer Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Québec, Französisch, quebecer Französisch, québécois, Sprachgeschichte, Linguistik, Phonetik, Morphologie, Syntax, Lexik, Anglizismen, Sprachgesetzgebung, Sprachnorm, Medien, Stille Revolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Besonderheiten des Französischen in der kanadischen Provinz Québec unter Berücksichtigung historischer, linguistischer und politischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der quebecer Sprachvarietät, den Einflüssen des Englischen sowie der Rolle von Gesetzgebung und Medien für den Erhalt der französischen Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Französische in Québec eine eigenständige Identität entwickelt hat und welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass sich die Sprache trotz des anglophonen Umfelds behaupten konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, in der linguistische Theorien und historische Studien zur Sprachsituation in Québec ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Analyse der Phonetik, Morphologie, Syntax und Lexik, ergänzt durch die Untersuchung der Sprachpolitik und der Darstellung in den Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem québécois, Sprachgesetzgebung, Anglizismen, Sprachnorm und Sprachidentität.
Wie unterscheidet sich das québécois in der Phonetik vom Standardfranzösischen?
Es bewahrt archaische Merkmale, wie etwa spezifische Diphthong-Aussprachen (oi als [we]) und die Beibehaltung von Auslautkonsonanten, die in Frankreich bereits vergangen sind.
Warum spielt die Sprachgesetzgebung eine so große Rolle?
Gesetze wie die Loi 101 waren essenziell, um den Stellenwert des Französischen im öffentlichen Leben, der Wirtschaft und dem Bildungswesen gegenüber dem Englischen rechtlich zu sichern und zu fördern.
Welchen Einfluss haben Medien wie Radio-Canada auf die Sprachqualität?
Medien fungieren als Vorbilder, stehen aber im Spannungsfeld zwischen der Einhaltung einer konservativen Sprachnorm und der Notwendigkeit, eine lebendige, glaubwürdige Sprache zu vermitteln.
- Quote paper
- Lisa Pflister (Author), 2012, Varietätenlinguistik. Das Französische in Québec, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283649