In der Fachliteratur wird bis heute darüber gestritten, ob Ernst Krieck seiner eigenen Theorie einer Pädagogik treu geblieben sei oder ob er sich selbst bedingungslos in den Dienst des nationalsozialistischen Führers gestellt habe. Er selbst wiederum bezeichnete sich als „Nationalsozialist[en] auf eigene Faust“.
Diese Arbeit möchte deshalb klären, ob und inwiefern sich Hitlers in 'Mein Kampf' geäußerte Überlegungen zur Erziehung in Ernst Kriecks 1933 erschienenem Werk 'Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung' wiederfinden lassen. Dabei muss sie Kriecks spezielle Definition von Erziehung und Erziehungswissenschaft beachten, denn laut Krieck ist Erziehung – im Unterschied zur geläufigen Definition in der Pädagogik seit Rousseaus 'Emile' – eben nicht nur die
bewusste Einwirkung des Erziehers auf den Zögling. Erziehung war für ihn überall dort zu finden, wo sich ein Mensch wandelt, d.h. „zur Erziehung haben wir alles Tun bis hinunter zu den Suggestivwirkungen zu rechnen, wofern nur davon eine erziehende Wirkung ausgeht“. Für Krieck ist somit der Staat der wichtigste Erzieher und seine Schriften behandeln nicht nur Fragen der Erziehung und Bildung, sondern auch des Gesellschaftsaufbaus im Allgemeinen.
Deshalb wird diese Arbeit sich zuerst mit der Frage befassen, wie für Krieck in 'Nationalsozialistischer Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung' Erziehung definiert ist, um diese Hitlers Ausführungen gegenüberzustellen. So möchte sie einen Beitrag zur historischen Bewertung der Rolle des Nationalsozialismus in Kriecks Erziehungstheorie zur Zeit der Machtübernahme
leisten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1. Forschungsgegenstand
II.1.1. Erziehung und Weltanschauung
II.1.2. Ernst Kriecks Gedanken zur Erziehung
II.2. Hitler und Krieck im Vergleich
II.2.1. Weltanschauungen
II.2.2. Der Typus als Erziehungsziel
II.2.3. Schulbildung
III. Schluss
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern sich die Erziehungsvorstellungen Adolf Hitlers in seinem Werk "Mein Kampf" in den theoretischen Schriften von Ernst Krieck, insbesondere in "Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung", widerspiegeln oder abgrenzen lassen.
- Vergleich der Erziehungsbegriffe und pädagogischen Philosophien bei Krieck und Hitler.
- Analyse der Rolle des Staates und der Weltanschauung im Erziehungsprozess.
- Gegenüberstellung der angestrebten Erziehungsziele und Menschentypen.
- Untersuchung der strukturellen Gemeinsamkeiten und inhaltlichen Differenzen bei der Schulbildung.
- Historische Einordnung von Kriecks Position zum Nationalsozialismus zur Zeit der Machtübernahme.
Auszug aus dem Buch
II.2.1. Weltanschauungen
Ähnlich wie Krieck lehnt auch Hitler einen demokratischen Pluralismus, für ihn durch die Weimarer Republik verkörpert, entschieden ab21. Krieck entsprechend sah er die nationalsozialistische Partei als eben diese revolutionäre Jugendbewegung, die dem Staat eine einheitliche Weltanschauung vorgeben könne, welche die gesamte Bevölkerung erfassen solle22. Auch Hitler hatte „die grundsätzliche Erkenntnis […], daß der Staat keinen Zweck, sondern ein Mittel darstellt. Er ist wohl die Voraussetzung zur Bildung einer höheren menschlichen Kultur, allein nicht die Ursache derselben“ 23.
Allerdings sei auch eine einheitlich anerzogene Weltanschauung nicht diese Ursache, sondern ausschließlich die zur Kultur fähige Rasse24. Schon die Grundvoraussetzung für Hitlers Deutschen war seine Zugehörigkeit zur nordischen Herrenrasse. Sie bestimme nahezu allein die weitere Entwicklung der Person und so stellte er die Forderung nach „Rassenhygiene“ in den Mittelpunkt seiner Ziele25. Krieck dagegen gibt zwar an, dass aus der Rasse „jeder Art und Richtung, aber auch Maß und Grenze seines persönlichen Werdens“26 empfange, doch für ihn war die Vollendung dieser individuellen Anlagen allein mit der rassischen Reinheit nicht erreichbar. Es sei „vielmehr anzunehmen, daß sie von den natürlichen Wachstumsbedingungen und den vorherigen erzieherischen Einflüssen mitbedingt ist“27, welche er deshalb klar in den Vordergrund stellte. Ein strenger Rassismus und der mit ihm verbundene Antisemitismus lassen sich bei Krieck nicht nachweisen28.
„Im Werk Adolf Hitlers hat die erzieherische Mission von allem Anfang an gewaltig hervorgeleuchtet. Kaum je zuvor ist der Gedanke der Volksbildung durch Staatsgestaltung und Erziehung in gleich großartiger und umfassender Weise ergriffen worden“29. So meinte Krieck selbst, dass auch in Hitlers Werk der „Dreiklang ‚Volk – Staat – Erziehung‘“30 eine zentrale Bedeutung habe, schenkte dem Rassegedanken dabei aber keine Beachtung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die wissenschaftliche Debatte um die ideologische Nähe Ernst Kriecks zum Nationalsozialismus und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Vergleichs zwischen Krieck und Hitler.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte beider Akteure, vergleicht ihre weltanschaulichen Grundlagen, erörtert die pädagogischen Erziehungsziele sowie ihre Vorstellungen zur Schulbildung.
II.1. Forschungsgegenstand: In diesem Kapitel werden der theoretische Rahmen und die Grundannahmen über das Verhältnis von Erziehung und Weltanschauung bei Krieck und Hitler abgesteckt.
II.1.1. Erziehung und Weltanschauung: Dieser Unterpunkt untersucht, wie beide Verfasser Erziehung in den größeren Kontext ihrer politisch-weltanschaulichen Auffassungen einbetten.
II.1.2. Ernst Kriecks Gedanken zur Erziehung: Hier wird Kriecks spezielle Definition von Erziehung als umfassende, teils unbewusste Wirkung innerhalb einer Gemeinschaft dargelegt.
II.2. Hitler und Krieck im Vergleich: Dieses Kapitel stellt die konkreten Positionen von Hitler und Krieck direkt gegenüber, um Übereinstimmungen und Abweichungen zu identifizieren.
II.2.1. Weltanschauungen: Der Vergleich konzentriert sich auf die unterschiedliche Gewichtung von Rasseideologie bei Hitler und sozial-pädagogischen Ansätzen bei Krieck.
II.2.2. Der Typus als Erziehungsziel: Hier wird analysiert, welche Charaktereigenschaften und "Typen" (z.B. Soldat versus politisch-sozialer Mensch) die Autoren für erstrebenswert hielten.
II.2.3. Schulbildung: Dieser Abschnitt beleuchtet die gemeinsamen Ansätze zur Vereinfachung des Unterrichts und deren unterschiedliche pädagogische Zielsetzung.
III. Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Ergebnisse, betont die methodischen Gemeinsamkeiten bei inhaltlichen Differenzen und bewertet Kriecks Theorie kritisch.
IV. Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen Primärquellen und die verwendete Fachliteratur aufgelistet.
IV.1. Quellenverzeichnis: Auflistung der primär verwendeten Schriften von Hitler und Krieck.
IV.2. Literaturverzeichnis: Auflistung der sekundären Forschungsliteratur zur pädagogischen Geschichte im Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Ernst Krieck, Adolf Hitler, Mein Kampf, Nationalsozialistische Erziehung, Pädagogik, Totalitarismus, Weltanschauung, Rassenhygiene, Volksgemeinschaft, Erziehungsziel, Ideologie, Schulbildung, Gemeinschaftserziehung, Erziehungstheorie, völkische Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und pädagogischen Untersuchung der Erziehungstheorien von Ernst Krieck im Vergleich zu den Auffassungen Adolf Hitlers.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Erziehung und Staat, die Definition des "Typus" als Erziehungsziel, die Rolle von Weltanschauungen sowie die Ausgestaltung des Schulunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern Hitlers in "Mein Kampf" geäußerte Ideen in Kriecks Werk "Nationalsozialistische Erziehung" einflossen und wo sich die Ansätze der beiden voneinander unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse der Primärtexte von Krieck und Hitler durchgeführt, ergänzt durch eine Auseinandersetzung mit einschlägiger Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Forschungsgegenstandes, den direkten Vergleich der Weltanschauungen, die Gegenüberstellung der angestrebten Menschentypen und die Analyse der schulpolitischen Vorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Erziehung, Ideologie, Rasse, Volksgemeinschaft und totaler Staat charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Kriecks Erziehungsansatz von dem Hitlers?
Während Hitler Erziehung primär aus rassenhygienischen und außenpolitischen, militärischen Notwendigkeiten ableitete, konzentrierte sich Krieck stärker auf innenpolitische soziale Strukturen und die "Idee der sozialen Gerechtigkeit", wobei er rassistische Forderungen unterbewertete.
Welche Rolle spielt der Begriff "Zucht" bei Ernst Krieck?
Krieck verwendet den Begriff "Zucht" für die ideale, lebenslange Erziehung des Menschen in einer Gemeinschaft, um sie vom nationalsozialistischen Begriff der "Züchtung" (Selektion nach Rassemerkmalen) abzugrenzen.
Warum blieb Krieck trotz seiner Nähe zum Nationalsozialismus "auf eigene Faust"?
Aufgrund deutlicher inhaltlicher Differenzen bei den Erziehungszielen und der fehlenden Übernahme des expansiven Rassegedankens Hitlers sah sich Krieck als eigenständiger Theoretiker, der die nationalsozialistische Bewegung lediglich als autoritäre Kraft zur Umsetzung seiner bestehenden Theorien nutzte.
- Quote paper
- Florian Stenke (Author), 2011, Die Umsetzung von Hitlers Erziehungsmaximen in Ernst Kriecks "Nationalsozialistische Erziehung begründet aus der Philosophie der Erziehung", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284336