Dieser Lehrprobenentwurf liefert eine Unterrichtsreihe zum Thema "Denken, Sprache, Wirklichkeit" - genauer der Erkenntnistheorie - für eine 11. Klasse im Fach Ethik/ Philosophie und eine ausführlich geplante Unterrichtsstunde, in welcher die Erkenntnistheorie Kants problemorientiert eingeführt und grundlegend erfasst wird. Die Stunde wird durch einen kantischen Aphorismus und einen Kurzfilm motivationsfördernd und aktivierend eingeleitet. Die Erarbeitungsphase besteht aus einer binnendifferenzierten Gruppenarbeitsphase mit verschiedenen didaktisierten und Originaltexten. Gewählte Methoden sind das Textpuzzle, Strukturlegetechnik und Textheater. Daran schließt sich ein Galeriespaziergang an, bei dem die Schüler ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse den anderen präsentieren und diskutieren, wodurch sich eine Vertiefung des Verständnisses erreichen lässt. Der nächste Schritt ist ein erneuter Aufgriff des Aphorismus zur Überprüfung der erarbeiteten Kenntnisse. Des weiteren eine Reflexion der gewählten Methoden durch die Schüler und zum Abschluss eine Transferphase, bestehend aus Positionierung und Wertschätzung der kantischen Leistung.
In der Arbeit ist neben einer beispielhaften Begründungsanalyse der Lerngruppe, eine umfassende didaktisch-methodische Begründung (Lernziele, Lehrplanbegründung) sowie eine tabellarische Verlaufsplanung der Stunde zu finden. Der Anhang stellt das gesamte benötigte Material zur Durchführung der Stunde bereit (Sitzplan, alle Texte, method. Aufgabenblätter, Tipp- und Kontrollkarten sowie die Lehrerpräsentation).
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse der Lerngruppe und Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Unterrichts
2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen
2.1 Stellung der Stunde in der Stoffeinheit
2.2 Darstellung und Begründung der Lernziele
2.3 Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen
3. Tabellarische Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsentwurf zielt darauf ab, Schülern der 11. Jahrgangsstufe die komplexe Erkenntnistheorie Immanuel Kants nahezubringen, indem die Synthese von Rationalismus und Empirismus als Zusammenspiel von sinnlicher Wahrnehmung und Verstand verdeutlicht wird.
- Analyse von Kants Erkenntnistheorie durch differenzierte, kooperative Arbeitsmethoden.
- Erarbeitung des Zusammenhangs zwischen sinnlicher Anschauung und Verstandesbegriffen.
- Förderung der Sach-, Methoden- und Sozialkompetenz durch binnendifferenzierte Lernwege.
- Transfer der theoretischen Erkenntnisse in die persönliche Lebenswelt der Schüler.
- Einbettung der Thematik in den größeren Kontext der Erkenntnistheorie.
Auszug aus dem Buch
Aus Zwei mach eins: Transzendentale Erkenntnistheorie
Ein entscheidender Schritt in der Auseinandersetzung zwischen Empirismus und Rationalismus gelang der Philosophie durch Immanuel Kant. In einer umfangreichen Arbeit, die 1781 unter dem Titel „Kritik der reinen Vernunft“ veröffentlichte, hatte es sich Kant zur Aufgabe gemacht, noch einmal radikal das Erkenntnisproblem zu durchdenken und prinzipiell zu untersuchen, unter welchen Bedingungen die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt gedacht werden kann. Diese Art der Fragestellung – nicht: Was ist? Sondern: Unter welcher Bedingung ist Möglichkeit einer Sache denkbar? – nannte Kant „transzendentale“.
Möglich – so die Antwort, die Kant letztlich geben konnte – ist Erkenntnis, weil zwei Faktoren zusammenspielen und zusammenspielen müssen: die sinnliche Anschauung (Erfahrung) und der Verstand.
Begriffe – reines Denken ohne Anschauung – bleiben, so Kant, leer; aber die Anschauung allein ist blind. Die reine sinnliche Wahrnehmung schafft noch keine Erkenntnis. Dazu bedarf es der ordnenden, gliedernden Kraft des Verstandes, der auch im Stande sein muss, die kausalen Zusammenhänge zu erklären: warum das, was ich sehe, so ist, wie ich es sehe.
Die an sich diffusen Sinneseindrücke werden nach Kant also durch den Verstand geordnet. Voraussetzung aller Erfahrung überhaupt sind aber nach Kant erst einmal die Anschauungsformen „Raum“ und „Zeit“. Diese Anschauungsformen gelten a priori, vor jeder Erfahrung, denn jede mögliche Erfahrung setzt räumliches Nebeneinander und zeitliches Nacheinander immer schon voraus: was immer wir wahrnehmen – es hat sich irgendwann irgendwo ereignet.
Dann beginnt der Verstand mit seiner Ordnung der Wahrnehmungen nach ganz bestimmten Kategorien, die für Kant ebenfalls a priori vorausgesetzt sein müssen, nicht Resultat von Erfahrung selbst sein können. Diese Kategorien sind nach Kant die Qualität (was ich von der Beschaffenheit einer Sache aussagen kann: seine Realität, seine Negation, seine Limitation); dann die Quantität (was ich von ihrer Anzahl sagen kann: Einheit, Vielheit, Allheit); dann die Relation (ihre möglichen Beziehungen zu anderen: Substanz, Kausalität, Wechselwirkung) und die Modalität (wie etwas ist: möglich, zufällig, notwendig oder überhaupt nicht).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedingungsanalyse der Lerngruppe und Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Unterrichts: Analyse der Zusammensetzung und Leistungsstärke des Ethikkurses sowie Ableitung methodischer Konsequenzen für eine zielgerichtete Unterrichtsplanung.
2. Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen: Darstellung der curricularen Einordnung der Unterrichtsstunde sowie theoretische Fundierung der gewählten Lernziele und methodischen Differenzierungsverfahren.
3. Tabellarische Verlaufsplanung: Detaillierte Übersicht über den zeitlichen Ablauf, die Lehr- und Schülertätigkeiten sowie die eingesetzten Sozialformen und Medien während der Lehrprobe.
Schlüsselwörter
Immanuel Kant, Erkenntnistheorie, Transzendentalphilosophie, Empirismus, Rationalismus, Sinnliche Anschauung, Verstand, Kategorien, Didaktik, Ethikunterricht, Erkenntnisgewinnung, Differenzierung, Lehrprobe, Strukturlegetechnik, Erkenntniskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt den Entwurf für eine benotete Lehrprobe im Fach Ethik dar, die sich mit der Erkenntnistheorie Immanuel Kants befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Fragen nach der Erkennbarkeit von Wirklichkeit und die Synthese von Empirismus und Rationalismus durch Kants transzendentale Erkenntnistheorie.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Die Schüler sollen das Zusammenwirken von sinnlicher Wahrnehmung und Verstand als Quelle der Erkenntnis verstehen und in eigenen Worten sowie anhand von Beispielen erläutern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Unterricht verwendet?
Es kommen kooperative Methoden wie das Text-Puzzle, die Strukturlegetechnik und das Text-Theater zum Einsatz, um binnendifferenziert unterschiedliche Lerntypen anzusprechen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Voraussetzungen, die Begründung didaktisch-methodischer Entscheidungen und eine detaillierte Verlaufsplanung für die 60-minütige Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erkenntnistheorie, Transzendentalphilosophie, Sinnlichkeit, Verstand, Kants Kategorien und methodische Differenzierung.
Warum wird im Unterricht eine "Binnendifferenzierung" eingesetzt?
Die Lerngruppe weist unterschiedliche Leistungsniveaus und Begabungen auf, weshalb durch verschiedene Methoden sichergestellt werden soll, dass alle Schüler den Lerngegenstand erfolgreich bearbeiten können.
Welche Rolle spielt der "Galerierundgang"?
Der Galerierundgang dient der Sicherungsphase, in der die Arbeitsergebnisse der verschiedenen Gruppen präsentiert und durch die Bewegung im Raum kognitiv nachhaltiger verankert werden sollen.
Was bedeutet Kants Aphorismus über "Gedanken" und "Anschauungen"?
Der Aphorismus verdeutlicht, dass Erkenntnis nur durch das Zusammenspiel von empirischen Inhalten (Anschauung) und ordnenden Konzepten (Verstand) entstehen kann; das eine ist ohne das andere leer oder blind.
Was wird unter der "Strukturlegetechnik" verstanden?
Hierbei handelt es sich um eine Texterschließungsmethode, bei der die Schüler komplexe Zusammenhänge in Form von Begriffskarten zu einem sachlogischen Schema anordnen.
- Arbeit zitieren
- Rebecca Tille (Autor:in), 2014, Immanuel Kants Erkenntnistheorie. Lehrprobe in einer 11. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284873