Eine historische Betrachtung des Turnens als Leibeserziehung in Deutschland


Studienarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Entwicklung des Turnens
2.1 Die Anfänge der Turnbewegung
2.2 Turnen in der Weimarer Republik
2.3 Turnen im Nationalsozialismus
2.4 Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg

3 Weitere Turnmodelle des 19. Jahrhunderts
3.1 Das Schulturnen nach Adolf Spieß
3.2 Die Körpererziehung nach Johann Heinrich Pestalozzi
3.3 Das Turnkonzept nach Maßmann

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Turnen hat in Deutschland schon immer einen Stellenwert wie nur wenige andere Sportarten eingenommen. Dieser Sport konnte eine eindrucksvolle historische Entwicklung und viele Veränderungen verzeichnen. Das Turnen erfüllte als Leibeserziehung, zur Wehrmachtausbildung und als freizeitlich betriebener Sport über einen sehr langen Zeitraum unterschiedlichste Funktionen.

Ziel dieser Arbeit ist die historische Darstellung des Turnens als Leibeserziehung in Deutschland.

Dazu werden die Entwicklungen und Konzepte des Turnens in den unterschiedlichen für Deutschland sehr prägenden Zeitabschnitten betrachtet, angefangen bei den Ursprüngen der deutschen Turnbewegung bis hin zu den Veränderungen in Zeiten der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und nach Ende des zweiten Weltkrieges. Darüber hinaus werden neben dem Grundkonzept nach Friedrich Ludwig Jahn auch weitere Turnmodelle dieser Zeit und der Hintergrund der Leibeserzeihung dargestellt. Hierzu werden begleitend die unterschiedlichen Ideen und Konzepte nach Adolf Spieß, Johann Heinrich Pestalozzi und Hans Ferdinand Maßmann behandelt.

Im Fazit der Studienarbeit werden die untersuchten Entwicklungen und die daraus resultierenden Erkenntnisse zusammengefasst.

2 Historische Entwicklung des Turnens

Zunächst werden die Anfänge der Turnbewegung in Deutschland nach Friedrich Ludwig Jahn beschrieben. Anschließend folgt ein Einblick in die weitere Entwicklung des Turnens zu Zeiten der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Abschließend wird auf die Veränderungen der Turnbewegung nach dem zweiten Weltkrieg eingegangen.

2.1 Die Anfänge der Turnbewegung

Friedrich Ludwig Jahn gilt bis heute als Begründer der deutschen Turnbewegung. Er hatte politische Veränderungen zum Ziel und wollte die Jugendlichen zu wehrhaften Persönlichkeiten ausbilden (vgl. Winkel, 2008, S. 3ff.). Ein zentraler Gedanke Jahns war zudem die Einheit Deutschlands. Durch die Turnbewegung wollte er den Territorialismus überwinden (vgl. John, 1976, S. 14). Im Jahr 1811 erschuf Jahn den ersten Turnplatz in Berlin, der unter dem Namen „Hasenheide“ bekannt wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufbau des Turnplatzes Hasenheide[1]

Er kombinierte das Geräteturnen mit vielen anderen Sportarten, wodurch eine größere Vielfalt gewährleistet wurde. An den Geräten jedoch wurden keine festen Abläufe vorgegeben. Die Turner sollten die Geräte ohne Vorgaben meistern und sich auf diese Weise eigene Wege und Mittel überlegen (vgl. Winkel, 2008, S. 3ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Turngerät nach der Idee von Jahn[2]

Die meisten von Jahn genutzten Geräte wurden bereits von dem Vorreiter des Turnens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, für eine Vielzahl von Leibesübungen eingesetzt. Einige weitere Geräte konstruierte Jahn selbst, um auch die Vielfalt im Geräteturnen zu erweitern (vgl. Bohus, 1986, 110ff.).

Von großer Bedeutung war es für Jahn, dass das Turnen außerhalb des schulischen Rahmens stattfand. Er wollte sicherstellen, dass jeder die Möglichkeit besaß, sich turnerisch zu betätigen (vgl. Winkel, 2008, S. 3ff.). Im Allgemeinen stand Jahn auch dem Frauenturnen positiv gegenüber, es dauerte jedoch einige Jahrzehnte, bis es ihnen erlaubt war das Turnen offiziell auszuüben (vgl. Bohus, 1986, S. 111f.).

Die Turnbewegung zog zunächst hauptsächlich Studenten, Jugendliche und Intellektuelle an. Von den Turnlehrern wurde zwar Disziplin gefordert, jedoch blieb eine übertriebene Autorität seitens der Lehrer aus. Im Jahre 1812 wurde das Turnen zu einer organisierten Turngesellschaft, was Turngesetze für sämtliche Aktivitäten auf dem Turngeländer zur Folge hatte (vgl. Neumann, 1968, S. 12ff.).

In der Folgezeit wurden immer weitere Turngesellschaften und –plätze gegründet. Insbesondere bei den Jugendlichen verkörperte das Turnen den nationalpolitischen Aufbruch. Im Jahr 1816 wurde die „Hamburger Turnerschaft“ gegründet, die noch heute als einer der ältesten Turnvereine Deutschlands bekannt ist. Im Jahr 1819 wurden bereits 150 Turneinrichtungen und bis zu 12.000 aktive Turner verzeichnet.

Bereits im Jahr 1817 kam es zur ersten großen Nationalfest nach Beendigung der Befreiungskriege. Geprägt wurde diese Veranstaltung durch eine Vielzahl von Turnern und durch den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn. Es kam unter anderem zu Protesten seitens der Turner, die aufgrund ihrer Reformgedanken schließlich eine Gefahr für die Fürsten darstellten. Um die Turnbewegung zu unterdrücken, wurde Jahn des Hochverrates beschuldigt und später inhaftiert. Ihm wurde vorgeworfen, als Initiator am Mord von „August von Kotzebue“ involviert gewesen zu sein. Jahn wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt und anschließend durch die Behörden überwacht.

Die Entwicklung des Turnens nahm somit ab dem Jahr 1820 einen Verlauf ohne Einfluss von Friedrich Ludwig Jahn. Es folgte ein Verbot, das in ganz Deutschland das öffentliche Turnen untersagte. Die zahlreichen Turngesellschaften wurden ebenfalls verboten. Aufgrund dieser Maßnahmen hatte das Turnen für die darauffolgenden zwei Jahrzehnte keinen politischen Einfluss mehr. In den 1830er Jahren wurden die Verbote teilweise gelockert, da die gesundheitliche und medizinische Notwendigkeit des Turnens erkannt wurde. Zudem war der Nutzen des Turnens zur Stärkung der Jugendlichen im Hinblick auf einen möglichen Konflikt mit Frankreich unstrittig. Aus diesen Gründen begnadigte Friedrich Wilhelm IV, der damalige König von Preußen, Friedrich Ludwig Jahn. Im Jahr 1842 wurde die Turnsperre endgültig aufgehoben und das Turnen in den Schulunterricht integriert. Die Anzahl der Vereine und aktiven Turner wuchs daraufhin schwungvoll an (vgl. Krüger, 1993, S. 55ff.).

In der Folgezeit konnten Mitglieder aus den unterschiedlichen Schichten und Berufen verzeichnet werden. Zudem wurde dem Frauenturnen mehr Beachtung geschenkt. Infolgedessen bildete sich im Jahr 1847 der erste reine Mädchen- und Frauen-Turnverein (vgl. Neumann, 1968, S. 25ff.).

Es zeichneten sich immer stärker zwei unterschiedliche Richtungen von Turnern ab. Zum einen gab es diejenigen, die sich ausnahmslos auf das Ausüben des Turnens konzentrierten und zum anderen die Turner, die insbesondere Turnfeste für politische Reden hinsichtlich ihrer Interessen nutzten (vgl. Krüger, 1993, S. 85ff.).

Die Regierung beobachtete vor allem radikale Vereine, um sie gegebenenfalls zu verbieten. Die Turnbewegung teilte sich ab dem Jahr 1848 in einen deutschen und einen demokratischen Turnerbund. Der demokratische Turnerbund hatte nichts mehr mit der auf Jahn basierenden Turnbewegung zutun (vgl. Neumann, 1968, S. 23ff.). Vielmehr verfolgte er eigene Absichten und sprach abwertend über ihn als Verräter.

Daraufhin kam es zu vermehrten revolutionären Unruhen seitens politischer Vereine, bei denen eine Vielzahl von Turnern ihr Leben ließ. Im Anschluss an die gescheiterte Revolution 1848/49 folgten zahlreiche Schließungen und Verbote von Turnvereinen (vgl. Bohus, 1986, S. 118f.).

2.2 Turnen in der Weimarer Republik

Deutschland befand sich vor dem ersten Weltkrieg in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Es musste eine neue Richtung eingeschlagen werden, die sich von der Vorherigen ablösen sollte. Der erste Weltkrieg kam großen Teilen des Volkes daher nicht ungelegen. Doch nach Ende des Krieges musste die Bevölkerung erst einmal wieder vereint werden. Durch den Ausruf der Weimarer Republik im November 1918 bot sich die lang ersehnte Möglichkeit eines Neuanfangs und einer vollständigen Demokratie in jeglicher Hinsicht (vgl. Ernst, 2001, S. 2). Zunächst sah es für die deutsche Wirtschaft aufgrund der Kriegsfolgen und der vielen Reparationszahlungen aber nicht gut aus. Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die sonst so treuen Turnvereine verbreiteten ihren Ärger.

[...]


[1] www.bz-berlin.de/multimedia/archive/00306/turnvater-jahn-spo_30657818.jpg

[2] Vgl. Winkel, D. (2008). Turnerisches Bewegen im Wechsel der Geschichte. S. 4.

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Details

Titel
Eine historische Betrachtung des Turnens als Leibeserziehung in Deutschland
Hochschule
Hochschule für Gesundheit und Sport, Ismaning
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V285027
ISBN (eBook)
9783656852896
ISBN (Buch)
9783656852902
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Turnen, Deutschland, Turnerbewegung, Nationalsozialismus, Leibeserziehung
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Eine historische Betrachtung des Turnens als Leibeserziehung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285027

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