AD(H)S heißt Aufmerksamkeitssyndrom mit und ohne Hyperaktivität und ist derzeit das am häufigsten diagnostizierte Syndrom des Kinder- und Jugendalters. Im Laufe der Zeit gab es schon viele unterschiedliche terminologische Bezeichnungen, für diese Verhaltensauffälligkeit. Heute spricht man in „Anlehnung an die englische Bezeichnung „Attention Deficit Disorder“ (ADD) von einer sogenannten „Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätsstörung“ (ADHS) bzw. vom „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ (ADS).“(Amft, H., 2004, S. 15) AD(H)S ist ein kompliziertes und komplexes Phänomen, das weniger eine Krankheit als vielmehr ein Bündel von Symptomen ist, die von Kind zu Kind verschieden ausgeprägt sind. AD(H)S ist durch die Leitsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet. Die folgenden Symptome sind die am häufigsten auftretenden bei AD(H)S zusammengefasst aus dem „Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen“, DSM-IV, der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung, die auch als Kriterien für die Diagnostik gelten.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Diagnostik:
Änderungen in der Kindheit und im Familienleben der Postmoderne:
Ritalin:
Therapie:
Ansätze zur Bewältigung des Problems
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Lebensbedingungen in der postmodernen Gesellschaft auf die kindliche Entwicklung und die Entstehung von AD(H)S-Symptomen. Dabei wird analysiert, inwiefern gesellschaftliche Veränderungen, familiäre Instabilität und schulische Anforderungen zu Verhaltensauffälligkeiten führen, und es werden Lösungsansätze diskutiert, die über eine rein medikamentöse Behandlung hinausgehen.
- Auswirkungen der postmodernen Gesellschaft auf die Kindheit
- Die Rolle der Familie und Erziehung in der Moderne
- Kritische Analyse der Ritalin-Verschreibungspraxis
- Gestaltungsmöglichkeiten eines förderlichen Schulsystems
Auszug aus dem Buch
Die Schnellfeuer-Kultur
Das Lebenstempo sowie die Intensität der Umweltstimulationen hat in unserer beschleunigten Kultur zugenommen. Wir leben in einer Kultur die vollständig von Reizen überflutet ist. Überall wo wir sind und zu allen Tageszeiten treffen Umweltreize und –stimulationen auf uns ein (Beispielsweise: beim Einkaufen, Werbetafeln, Radio, Fernsehen...). Wir wollen immer mehr in einer immer kürzeren Zeit schaffen. DeGrandpre bezeichnet diese Kultur als „Schnellfeuer-Kultur“. (vgl. DeGrandpre, 2002, S.25)
In der beschleunigten Gesellschaft gehen auch immer mehr die traditionellen Werte mit Sicherheit und Ruhe verloren.
Die heutige Arbeitskultur, die rastlose Lebensweise und die Anforderungen und Erwartungen der Gesellschaft verstärken den Druck und den Stress, der in den Familien herrscht. Er bezeichnet die postmoderne Familie als eine „durchlässige“ Familie, da die Familie als Zufluchtsort vor den Anforderungen der Welt verloren geht.
Ein weiterer negativer Effekt der beschleunigten Kultur ist, dass die Eltern immer weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen. Sie reduzieren die Zeit auf eine sogenannte Qualitätszeit von 15-30Minuten am Tag, statt sich mit ihnen über eine längere Zeitspanne zu beschäftigen, was notwendig ist, um sie zu ichstarken, intelligenten und moralischen Menschen zu erziehen. Es tauchen immer mehr Belastungen für Familien auf, die aber sehr wenig institutionelle Unterstützung unterhalten. (vgl. S.37)
Wachsende Instabilität und Unbeständigkeit und das hektische Alltagsleben sind zerstörerische Faktoren im Leben von Familien und ihren Kindern, deshalb bezeichnet DeGrandpre sie auch als Kultur der Vernachlässigung. (vgl. S.62)
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Definition von AD(H)S als komplexes Syndrom und Darstellung der Leitsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
Diagnostik: Erläuterung der mehrdimensionalen Diagnostik und der Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zu anderen Verhaltensstörungen.
Änderungen in der Kindheit und im Familienleben der Postmoderne: Analyse der Risikofaktoren im heutigen Familienalltag, wie Zeitdruck, Armut und soziale Instabilität.
Ritalin: Kritische Beleuchtung der Verordnungspraxis von Methylphenidat und der wirtschaftlichen Aspekte der medikamentösen Therapie.
Therapie: Vorstellung multimodaler Therapieansätze, die sowohl kognitive als auch soziale und strukturelle Maßnahmen beinhalten.
Ansätze zur Bewältigung des Problems: Forderung nach gesellschaftlichen Veränderungen in Familie und Schule, um ursächliche Probleme statt nur Symptome anzugehen.
Schlüsselwörter
AD(H)S, Postmoderne, Kindesentwicklung, Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit, Ritalin, Methylphenidat, Schnellfeuer-Kultur, Erziehung, Schulsystem, Familiendynamik, Reizüberflutung, Multimodale Therapie, Sozialisation, Psychopharmaka.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen von AD(H)S bei Kindern und untersucht, wie die veränderten Lebensbedingungen der postmodernen Gesellschaft diese Entwicklung begünstigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Einfluss der familiären Lebenswelt, der Rolle der modernen Arbeitswelt, dem Schulsystem und der kritischen Reflexion der medikamentösen Behandlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass AD(H)S oft ein Resultat gesellschaftlicher Rahmenbedingungen ist und dass Lösungen primär in einer Veränderung dieser Strukturen gesucht werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller pädagogischer und psychologischer Studien sowie Fachliteratur eine kritische Analyse erstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Faktoren der Beschleunigung, die mangelnde Struktur im Familienleben und die Defizite in der aktuellen Schulpraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind AD(H)S, Postmoderne, Erziehung, Ritalin, Reizüberflutung und strukturelle gesellschaftliche Veränderungen.
Was bedeutet der Begriff „Schnellfeuer-Kultur“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt eine durch ständige Reizüberflutung und extrem hohes Tempo geprägte Kultur, in der Kinder Schwierigkeiten haben, eine eigene Selbstregulation zu entwickeln.
Warum war laut der Arbeit das Beispiel von Winston Churchill relevant?
Es verdeutlicht, dass lebhaftes Verhalten nicht automatisch ein pathologisches Problem darstellt, sondern oft durch eine Anpassung des Umfelds (hier: Bewegung) ohne Medikamente bewältigt werden kann.
- Quote paper
- Bärbel Schmitt (Author), 2004, ADS und ADHS. Der Einfluss der postmodernen Gesellschaft auf die Entwicklung von Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28513