Wenn man die Komik bei Loriot mit den Theorien der Komik der Herabsetzung vs. Komik der Heraufsetzung vergleicht, lässt sich herausstellen, dass beide Komikarten in Loriots Werken vorkommen. Der Zuschauer lacht gerne über seine biederen, verklemmten, unfähigen Charaktere und fühlt sich zuversichtlich, dass ihm so etwas nie passieren würde. Vor dem Hintergrund seiner Figuren sehen sich die Zuschauer als "bessere Menschen". Auf der anderen Seite schlagen die Ordentlichkeit und Anstand öfter unfreiwillig in die Entblößung des Verbotenen um (z.B. der angeblich sprechende Hund, der nichts anderes kann als einen verkümmerten Stöhnelaut von sich zugeben und die Zunge herauszustrecken wobei er eine Art Pupslaut produziert "Der sprechende Hund"). Mehrere Sketche enthalten eine sexuelle Komponente. Im Rahmen vermeintlich gehobener Kommunikation entwickelt sich öfter eine für die beteiligten Personen anzügliche Sprachebene. Diese derb-sexuellen Konnotationen (der Kosakenzipfel, der Familienverwutzer) hebeln das förmliche Gespräch aus ("Der Familienbenutzer").
Inhaltsverzeichnis
1. Theorien des Komischen (Komik der Herabsetzung vs. Komik der Heraufsetzung, Freuds Witztheorie)
2. Das Komische in verschiedenen Medien (Literatur, Theater, Film, Fernsehen), Kabarett
3. Das Besondere an der Komik Loriot's (Betonung auf Humor, das Spezifische der Komik im Fernsehen)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Mechanismen des Komischen im Werk von Loriot, um zu verstehen, warum seine Fernsehsendungen eine komische Wirkung entfalten. Dabei wird das Zusammenspiel von allgemeinen Komik-Theorien, medienspezifischen Besonderheiten des Fernsehens und dem spezifischen Stil Loriots analysiert.
- Theoretische Grundlagen des Komischen (Herabsetzung vs. Heraufsetzung)
- Medienspezifische Unterschiede von Komik in Theater, Film und Fernsehen
- Die Rolle des Kabaretts als Vorbild für Fernsehformate
- Stilmittel und Techniken der Komik im Fernsehschaffen von Loriot
Auszug aus dem Buch
1. Komik
Das Komische kann man grundsätzlich als Konflikt widersprüchlicher Prinzipien beschreiben (Ähnlichkeit zu dem Tragischen). Komik entsteht aus dem Kontrast, inneren Widerspruch zwischen Schein und Sein, Ideal und Wirklichkeit, Anspruch und Wert, Zweck und Mittel, Gehalt und Form. Dieser Kontrast ist sehr deutlich im Sketch "Deutsch für Ausländer". Es ist erstmal Kontrast zwischen Gehalt und Form, nämlich zwischen Intimsphäre, sexuellen Dingen und einem trockenen sachlich-nüchternen Deutschunterricht. Zweck und Mittel werden kontrastiert: Übung der deutschen Grammatik erfolgt mittels des Dialogs zwischen zwei Liebhabern im Ehebett. Auch der Anspruch, die Sprachübung so lebensecht zu gestalten wie möglich, wird durch die übertriebene Aussprache und das Scheitern der Kommunikation konterkariert.
In der Reihe Telecabinett sorgt der Kontrast zwischen moderierenden Loriot und den Beiträgen für Komik. Loriot sitzt auf einem spießig wirkenden Sofa, in einen spießigen Anzug gekleidet und macht vollkommen seriöse und über jeder Anzüglichkeit erhaben wirkende Einleitungen zu den Beiträgen der Sendung, die aber komisch, oft anzüglich und zum Teil absurd sind. Dieser Kontrast bringt das Lachen, als Mittel, Unlustgefühl und selbstkritische Erkenntnis zu lösen, hervor.
Eine andere Art von Komik entsteht bei Loriot, indem ein bestimmter Handlungsablauf oftmals wiederholt wird und durch zunehmend starke Einwirkung von Faktoren wie Alkohol, Druck, Nervosität usw. immer stärker verwirrt. Es entstehen Sprachverwirrungen, die ein um das andere Mal die gepflegte Konversation untergraben.
Komik beruht auf einem lächerlichen Missverhältnis von erstrebten, erhabenen Sein und wirklicher Nichtigkeit oder Niedrigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theorien des Komischen (Komik der Herabsetzung vs. Komik der Heraufsetzung, Freuds Witztheorie): Das Kapitel erläutert grundlegende philosophische Konzepte des Komischen, insbesondere die Unterscheidung zwischen der Komik der Herabsetzung und der Komik der Heraufsetzung sowie deren theoretische Fundierung.
2. Das Komische in verschiedenen Medien (Literatur, Theater, Film, Fernsehen), Kabarett: Hier wird analysiert, wie sich das Medium – sei es Theater, Film oder Fernsehen – auf die Darstellungsweise und Wirkung des Komischen auswirkt und welche Rolle das Kabarett als Vorbild für Fernsehformate spielt.
3. Das Besondere an der Komik Loriot's (Betonung auf Humor, das Spezifische der Komik im Fernsehen): Dieses Kapitel widmet sich spezifisch dem Werk Loriots und untersucht, wie er fernsehtypische Strukturen nutzt und durch stilistische Mittel wie Kontrast und Parodie seine individuelle Form der Komik erzeugt.
Schlüsselwörter
Komik, Humor, Loriot, Fernsehen, Parodie, Satire, Karikatur, Inkongruenz, Kontrasttheorie, Telecabinett, Kabarett, Sprachwitz, Groteske, Absurdität, Medienanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der komischen Mittel im Fernsehschaffen von Loriot und ordnet diese in einen wissenschaftlichen Kontext ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen des Komischen, der mediale Wandel der Komik sowie die spezifische Anwendung dieser Mechanismen durch Loriot.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Stilmittel und Grundlagen zu identifizieren, die Loriots Fernsehsendungen komisch machen.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden klassische Komik-Theorien, wie die von Jauß, Bergson, Freud und Bachtin, herangezogen, um das Werk Loriots zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Analyse der Mediengattungen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Loriots Sketchen und Stilmitteln wie Parodie und Ironie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Komik, Satire, Parodie, Fernsehkritik und Loriots spezifischer Humor.
Warum ist das Medium Fernsehen für Loriots Komik besonders relevant?
Das Fernsehen ist besonders relevant, da Loriot die Strukturen des Mediums selbst (Nachrichtenrituale, Talkshows, Rhetorik) zum Gegenstand seiner Parodien macht.
Wie unterscheidet sich die Komik bei Loriot von der reinen Satire?
Loriots Humor ist oft liebenswürdiger und weniger scharf als reine Satire, da er das Allgemeinmenschliche und nicht die direkte soziale Anklage in den Mittelpunkt stellt.
- Arbeit zitieren
- LL.M., MA Irina Giertz (Autor:in), 2005, Das Komische bei Loriot, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285208