Denkt man zurück an die eigene Kindheit, schwelgt man gerne auch in der Erinnerung von beliebten Serien. Jede Generation wurde u.a. durch das Aufkommen einer ganz besonderen Erfolgsserie sozialisiert, da diese den Begleiter durch die Kindheit darstellte. Auch heute noch, nach der Erfindung zahlreicher weiterer Medien, belegt der Fernseher noch immer den ersten Platz der Rangliste und ist somit das Leitmedium. Nach dem derzeitigen Stand liegt der Fernsehkonsum der 6- bis 13- Jährigen durchschnittlich bei 1,5 h pro Tag. An dieser Stelle frägt man sich, wie stark Fernsehserien tatsächlich ein Individuum beeinflussen kann. Genau diesem Thema bin ich im Laufe meiner Arbeit nachgegangen. Mein erster Blick richtete sich auf die bereits zahlreich belegten Erkenntnisse der Forschung: Wie wird eine Serie vom kindlichen Konsumenten rezipiert und wie geht er mit dem Helden um? Können selbst mediale Vorbilder den Kindern bei der Suche nach einem geeigneten Rollenmuster helfen? Um valide Antworten auf meine Fragen zu finden fand ich es ebenso wichtig den aktuellen Stand der Dinge zu integrieren: Daher habe ich selbst eine Befragung in der vierten Klasse durchgeführt, um die heutige Generation der Kinder selbst zu Wort kommen zu lassen. Der letzte Teil meiner Arbeit richtet sich speziell auf die Serie „Die Gummibärenbande“. Neben der Figurenkonstellation und den vorkommenden Werten bin ich vor allem darauf eingegangen, was die Helden in dieser Serie auszeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl von Serien
3. Bewegte Vorbilder der Kinder
3.1 Einfluss der Kinderhelden auf den Rezipienten
3.2 Umgang von Kindern mit Fernsehfavoriten
4. Ausgewählte Ergebnisse meiner Untersuchung
4.1 Überblick über den Fernsehkonsum von Kindern durch eine repräsentative Befragung
4.2 Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl der Serie
4.3 Vorbildfunktion der Trickserie
4.4 Fazit der Untersuchung
5. Die Gummibärenbande
5.1 Figurenkonstellation
5.2 Werteprofil
5.3 Was zeichnet einen Helden in der Serie aus
6. Kinder brauchen Helden
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von medialen Vorbildern für Kinder und analysiert, wie Fernsehserien als Identifikationsinstanzen genutzt werden. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob und wie Trickserien – am Beispiel der "Gummibärenbande" – das kindliche Rollenbild beeinflussen und als Orientierungshilfe in der Lebenswelt der Kinder fungieren.
- Einfluss von Medienhelden auf die kindliche Entwicklung und Sozialisation
- Geschlechterspezifische Präferenzen bei der Auswahl von Fernsehserien
- Empirische Analyse des Fernsehkonsums und der Heldenwahl bei Grundschulkindern
- Identifikation und Wertevermittlung durch die Serie "Die Gummibärenbande"
Auszug aus dem Buch
3.1 Einfluss der Kinderhelden auf den Rezipienten
Um das Aggressionspotential bei Vorschulkindern zu testen, führte Siegel 1956 eine Untersuchung bei Vorschulkindern durch: Allgemein verglich dieser die zwei Zielgruppen, die „Woody Woodspecker“, welches ähnlich wie Tom und Cherry nur mit einem Specht als Protagonisten aufgebaut ist, gesehen haben. In erster Linie wurde festgestellt, dass der eine Teil der Gruppe ein aggressiveres Verhalten an den Tag legte, nachdem sie dies bei dem Specht beobachten konnten. Die Kinder, die dagegen eine aggressionsfreie Serie geschaut hatten, waren deutlich ruhiger danach als die Vergleichsgruppe. Danach tauchte die Frage nach dem Einfluss von Kinderhelden auf den Rezipienten immer öfter auf; in den meisten Studien war man sich allerdings einig, dass die Kinder, wenn überhaupt nur kurz, das Aggressionsverhalten der Fernsehfavoriten imitierten. Hinzu kommt, dass der Nachahmungseffekt äußerst schwach sei, was allerdings Befürworter nicht davon abhielt, diesen Nachweis als Argument zu nehmen.
Kritiker stützen sich generell auf das Modell des Imitationslernens von Bandura: Nach diesem lernen Kinder rein durch das Beobachten von Vorbildern. Die höchste Stufe des Modelllernens bildet die Nachahmung des Verhaltens, das sozusagen das vorrangige Ziel des ganzem darstellt. Dieses Modell war der Auslöser für eine lange Debatte über die 1972 im deutschen Fernsehen erschienene Serie „Schweinchen Dick“; Dreh- und Angelpunkt war, dass die Protagonisten Tiere sind. Der Einwand seitens Gegner der Abschaffung von „Schweinchen Dick“ war, dass die Kinder diese Figuren als unrealistisch einstufen und somit nicht als ihre wahren Vorbilder erachten. Folglich setzt auch keine Nachahmungstätigkeit ein. Die naheliegende Frage war, wie ernst die Kinder die Serie wirklich auffassten. Letzen Endes konnte sich die Serie trotz der hohen Zuschauerzahl nicht durchsetzen und wurde aufgrund der ständigen Mediengewaltdiskussion eineinhalb Jahre später abgeschafft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Fernsehens als Leitmedium in der Kindheit und führt in die zentrale Fragestellung zur Wirkung von Fernsehserien auf das Individuum ein.
2. Geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl von Serien: Dieses Kapitel erläutert, wie sich die Sehgewohnheiten und Vorlieben für Fernsehhelden bereits im frühen Kindesalter geschlechtsspezifisch differenzieren.
3. Bewegte Vorbilder der Kinder: Hier werden theoretische Ansätze zum Einfluss von Medienfiguren auf Kinder sowie der Umgang mit Fernsehfavoriten im Aufwachsprozess diskutiert.
4. Ausgewählte Ergebnisse meiner Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Befunde der durchgeführten Befragung zur Fernsehnutzung und zur Vorbildfunktion von Trickserien bei Grundschulkindern.
5. Die Gummibärenbande: Eine detaillierte Analyse der Serie hinsichtlich ihrer Figurenkonstellation, der Wertevermittlung und der Definition eines Helden innerhalb der Handlung.
6. Kinder brauchen Helden: Das Fazit unterstreicht die psychologische Notwendigkeit medialer Vorbilder für Kinder als Orientierungs- und Identifikationshilfe.
Schlüsselwörter
Kindheit, Fernsehen, Medien, Vorbilder, Zeichentrickserie, Gummibärenbande, Sozialisation, Geschlechterspezifik, Identifikation, Aggression, Wertevermittlung, Rezeption, Idealbild, Helden, empirische Untersuchung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Fernsehserien und medialen Helden als Vorbilder für Kinder und deren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Serienwahl, das Imitationsverhalten gegenüber Medienfiguren und die Identifikation mit Heldenwerten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie Kinder Serienhelden rezipieren, ob diese als Rollenmuster dienen und wie die heutige Generation diese medialen Angebote in ihre Lebenswelt integriert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit der medienpädagogischen Forschung mit einer eigenen empirischen Befragung einer vierten Grundschulklasse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Medieneinfluss, präsentiert die Ergebnisse der eigenen Befragung und führt eine tiefgehende Inhaltsanalyse der Serie "Die Gummibärenbande" durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Kindheit, Medien, Vorbilder, Zeichentrickserie, Sozialisation, Identifikation und Wertevermittlung sind die Kernaspekte der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die Heldenwahl zwischen Jungen und Mädchen?
Während Mädchen eher kritisch gegenüber traditionellen Frauenbildern sind und eigene Identifikationsmuster suchen, bevorzugen Jungen oft Helden, die durch körperliche Stärke oder gemeinsame Heldentaten überzeugen.
Warum fungiert die "Gummibärenbande" als spezielles Fallbeispiel?
Die Serie dient als exemplarisches Beispiel, um zu zeigen, wie ein Wertekomplex aus sozialem Miteinander, Tapferkeit und Freundschaft in einer Trickserie konstruiert wird.
Welche Rolle spielt die Kreativität der Helden laut der Analyse?
Die Serie verdeutlicht, dass Kreativität und Ideenreichtum, wie etwa der Einsatz von Gummibärensaft als Ressource, zentrale Heldentugenden sind, um Probleme gemeinsam zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Laura Smith (Autor:in), 2012, Kindheitshelden. Der Einfluss des Werteprofils und die Vorbildfunktion von Trickserien am Beispiel der "Gummibärenbande", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285566