Die Geschichte der Juden im deutschen Fussball bis 1945. Mit besonderer Betrachtung der Entwicklung beim FC Bayern München


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jüdische Fußballpioniere in Deutschland

3. Jüdische Fußballbewegung vor 1933

4. Jüdische Fußball-Selbstverwaltung nach 1933

5. Die Geschichte der Juden im FC Bayern München
5.1 Die Anfänge des FC Bayern München
5.2 Der FC Bayern München bis
5.3 Die Entwicklung des FC Bayern Münchens unterm Hakenkreuz

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll es um die Geschichte der Juden im deutschen Fußball unter zweierlei Betrachtungsweisen gehen. Am Anfang wird die allgemeine Ent- wicklung des jüdischen Fußballs in Deutschland von den Anfängen um die Jahr- hundertwende bis zum Ende nach dem Novemberpogrom im Jahre 1938 betrach- tet und im zweiten Teil wird dann dieser Zeitstrang am speziellen Beispiel des Fußball-Clubs Bayern München dargestellt. Aufgezeigt werden soll der besondere Beitrag, den die Juden zur Fußballgeschichte Deutschlands geleistet haben. Be- ginnen möchte ich diese Arbeit allerdings mit jüdischen Fußballpionieren, die so- wohl in der allgemeinen Fußballgeschichte der Juden in Deutschland zum Teil auch speziell beim FC Bayern München eine wichtige Rolle spielten.

2. Jüdische Fußballpioniere in Deutschland

Es waren immer wieder Juden, die die Anfänge geprägt und die weitere Entwick- lung des Fußballs in Deutschland vorangetrieben haben. So waren es die Gebrü- der Manning, die an den Anfängen der Fußballbewegung in Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts beteiligt waren, die mehrere Fußballvereine mit gegründet haben und außerdem Mitbegründer des Deutschen Fußball Bundes (DFB) im Jahre 1900 waren. Auch ein Gus Manning war es, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass die notwendigen Netzwerke innerhalb des DFB entstanden sind (vgl. Eggers & Buschbom, 2003, S. 27f.). Des Weiteren gehören zu den Fußballpionieren in Deutschland Walther Bensemann und John Bloch, beide Juden. Bensemann, Herausgeber der noch heute wohl bekanntesten Fußballzeitschrift „Kicker“, und Bloch, Herausgeber der Zeitschrift „Sport und Spiel“, eine der wichtigsten Zeit- schriften im damals jungen Berliner Fußballs aufgrund der geschaffenen Kommu- nikationsbasis (vgl. Eggers & Buschbom, 2003, S. 29). Walther Bensemann wirkte bei vielen Vereinsgründungen mit bzw. war Vereinsförderer unter anderem in Mannheim, Freiburg, Gießen, Würzburg, Karlsruhe, München und Frankfurt. Vor allem in Karlsruhe prägte er die dortige Fußballbewegung und initiierte den Karlsruher FV, welcher im Jahr 1910 deutscher Meister wurde. Zudem wirkte er auch an der Gründung des DFB mit (vgl. Beyer, 2003, S. 82f.). Auch der sportliche Erfolg vor dem Ersten Weltkrieg des Karlsruher FVs baut maßgeblich auf jüdi- schen Persönlichkeiten auf. Dort sind die Namen Julius Hirsch und Gottfried Fuchs zu nennen, welche auch die einzigen jüdischen Spieler waren, die in der deutschen Nationalmannschaft gespielt haben (vgl. Peiffer, 2008, S. 2).

3. Jüdische Fußballbewegung vor 1933

Gerade um die Jahrhundertwende übte der Fußballsport eine hohe Anziehungs- kraft auf die jüdische Bevölkerung aus, da dieser Sport, nicht wie die Turnbewe- gung, weder politisch noch ideologisch festgeschrieben war und so die Möglichkeit da war mit Hilfe des Fußballs seinen eigenen Aufstieg in die bürgerliche Gesell- schaft voranzutreiben (vgl. Wahlig, 2010, S. 259). Um die Entwicklung zu verdeut- lichen wird im Folgenden als Beispiel die damalige Reichshauptstadt Berlin ge- wählt. Am Ende des 19. Jahrhunderts wohnten im Verhältnis gesehen sehr viele deutsch Juden in Berlin. Hinzu kam, dass viele englische Studenten, der Fußball stammt ursprünglich aus England, sich an deutschen Hochschulen immatrikuliert haben und einen passenden Freizeitausgleich suchten und somit auf deutsche Mitspieler angewiesen waren. So etablierte sich nach und nach das Fußballspiel und auch der deutsch-englische Austausch in vielen technischen und kaufmänni- schen Bereichen verstärkte diesen Effekt. Beispielhaft sind hier auch wieder die Gebrüder Manning zu nennen, die auf der einen Seite teilweise in England arbei- teten und wohnten, aber auch in Deutschland eine höhere Schule und die Univer- sität besuchten. Aber es gab auch noch andere Gründe, wieso das Fußballspiel so attraktiv für die jüdische Bevölkerungsgruppe war. In vielen Turnvereinen, nicht nur in Berlin, gab es antijüdische und antisemitische Ressentiments, so dass es der jüdischen Bevölkerung nicht möglich war in eine dieser Organisationen aufge- nommen zu werden (vgl. Eggers & Buschbom, 2003, S. 30). Desweiteren hatten jüdische Kommilitonen nicht die Möglichkeit in elitäre Studentenverbindungen ein- zutreten und so war nun der Fußball eine Möglichkeit, diesen Makel auszuglei- chen, da er ähnlich wie die Studentenverbindungen gewisse Bräuche, bzw. ge- sellschaftliche Gepflogenheiten hegte, wie zum Beispiel Gesänge oder Namens- gebungen für die Gruppierung (vgl. Eggers & Buschbom, 2003, S. 31). Letztlich ließen sich die jüdischen Fußballer vor 1933 in zwei Gruppierungen einteilen. Die eine Gruppe spielte zusammen mit Christen in paritätischen Vereinen und die An- dere in konfessionell separierten Teams, in denen nur Juden spielen durften. Wichtig dabei ist aber, dass die Mehrheit der jüdischen Fußballer zu der Zeit noch in den paritätischen Vereinen spielte und nur eine Minderheit in rein jüdischen Teams den Fußballsport ausübte. Diese rein jüdischen Vereine haben ihren Ur- sprung in der jüdischen Turnbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Die genannte Turnbewegung öffnete sich recht früh gegenüber anderen Sportarten, bzw. der sich verbreitenden Sportbewegung. So gab es schon bei der Gründung der Jüdischen Turnerschaft Berlin im Jahre 1903 die Erkenntnis, dass andere Sportarten, abgesehen vom Turnen, wie zum Beispiel Schwimmen, Rudern, Radfahren oder Rasenspiele wichtige Rollen in der körperlichen Erziehung spielen können. Diese rein jüdischen Fußballteams waren dennoch nicht völlig auf Abschottung aus. Für diese Vereine war es äußerst wichtig, zusätzlich zur Mitgliedschaft in dem jüdischen Maccabi-Verband, auch einem deutschen Verband, wie zum Beispiel dem DFB, angeschlossen zu sein (vgl. Wahlig, 2010, S. 259).

„So wie die einzelnen Juden Mitglied waren in den deutschen Turn- und Sportvereinen, so waren die jüdischen Vereine integriert in die deutschen Turn- und Sportverbände.“ (Peiffer, 2008, S. 3)

Dennoch gab es im Jahre 1924 einen Einschnitt in diese doch eher harmonische Co-Existenz. Der Westdeutsche Spielverband weigerte sich zu dieser Zeit den Verein Hakoah Essen in seine Reihen aufzunehmen, was wiederum bei der jüdi- schen Bevölkerung den Eindruck vermittelte, dass sie in gewisser Art und Weise gesellschaftlich zurückgesetzt worden, bzw. für ihre Zielvorstellung wenigstens im Sport eine Gleichberechtigung innerhalb der Gesellschaft zu erreichen einen her- ben Rückschlag gab. Daraufhin bildeten sich eigene jüdische Verbände, wie zum Beispiel der Schild Sportbund oder der VINTUS-Verband. Dieser letztgenannte Verband war es dann auch, der 1925 die erste rein jüdische Fußballliga auf deut- schem Boden ins Leben rief (vgl. Wahlig, 2010, S. 259f.). Dennoch ist weiterhin festzuhalten, dass bis 1933 in den jüdischen Verbänden wie Makkabi, Vintus oder Schild nur sehr wenige Juden aktiv waren. Die meisten Aktiven jüdischen Glau- bens betrieben den Fußballsport in den großen Einheitsverbänden. Makkabi allein zählte 1929 nur 26 Vereine mit rund 5000 Mitgliedern, was einem Prozent der jü- dischen Bevölkerung in Deutschland entsprach (vgl. Skrentny, 2003, S.170f.). Wichtig ist zu der Zeit vor 1933 noch festzuhalten, dass am Ende der Weimarer Republik auch die Politik Einzug im Fußballsport hält, es ist keine unpolitische Bühne mehr auf der man sich präsentieren kann, der Antisemitismus kommt zur Sprache. Dies hatte zur Folge, dass immer weniger Juden in Vereinsspitzen oder Führungspositionen vordrangen und den Juden bewusst wurde, dass der Fußball- sport, wie er in der Vergangenheit ausgelebt wurde, wohl keine Zukunft hat (vgl. Wahlig, 2010, S. 260).

4. Jüdische Fußball-Selbstverwaltung nach 1933

„Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 änderte sich diese Situation schlagartig.“ (Peiffer, 2008, S. 3)

So kam es dann dazu, dass schon im Frühjahr dieses Jahres der DFB die jüdi- schen Vereine aus seinen Ligen ausschloss. Jüdische Sportler, sowie jüdische Amtsträger in bürgerlichen Vereinen mussten diese verlassen, bzw. ihr Amt nie- derlegen (vgl. Wahlig, 2010, S. 260; vgl. Skrentny, 2003, S. 135ff). Wichtig bei dieser Entwicklung ist die Freiwilligkeit, mit derer die Sportvereine agiert haben. Es wurde zu der Zeit nicht von den politischen Machthabern veräußert, dies zu veran- lassen. Die Sportvereine trennten sich als eine der ersten gesellschaftlichen Or- ganisationen „aus freien Stücken“ von ihren jüdischen Mitgliedern (vgl. Wahlig, 2010, S. 260). In den ersten Monaten nach dem Januar 1933 wurde der Macht- eroberungsprozess durch die Nationalsozialisten nicht von einer kleinen politi- schen Elite geprägt, sondern es war die breite Masse der deutschen Bevölkerung, sowie gesellschaftliche Organisationen, die diesen Prozess getragen haben (vgl. Peiffer, 2008, S. 4). Weiterhin ist erwähnenswert, dass dieser Ausschluss jüdi- scher Mitglieder aus den Vereinen meist am Rande, beispielsweise in der Ver- einszeitung in einer Nebenspalte, informell abgehandelt wurde oder sogar nach außen hin so dargestellt wurde, dass es sich um einen Selbstaustritt handele (vgl. Wahlig, 2010, S. 260). Dieses Vorgehen entsprach der Mehrheit der Vereine, doch gab es in diesem Punkt auch Ausnahmen, was die Frankfurter Eintracht zu dieser Zeit zeigte. Hier wurde sich bei Schatzmeister Hugo Reiß nach seiner Amtsnieder- legung ausdrücklich für seine geleistete Arbeit bedankt und es erschien sogar ein Protokoll der Generalversammlung 1932 in der Vereinszeitung im Juli 1933, wel- ches als Lobeshymne an Schatzmeister Reiß zu sehen ist. Es unterstreicht noch einmal seine vorzügliche geleistete Arbeit. Dennoch erfährt auch Herr Reiß nur noch einmal Anmerkung in der Vereinszeitung im Oktober/November 1933 und von dort an wird auch er nicht mehr erwähnt (vgl. Skrentny, 2003, S. 135f.). Auch jüdische Fußballergrößen, wie zum Beispiel Julius Hirsch, merkten, dass sie im deutschen Vereinsleben unerwünscht sind (vgl. Skrentny, 2003, S. 119).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Juden im deutschen Fussball bis 1945. Mit besonderer Betrachtung der Entwicklung beim FC Bayern München
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V285759
ISBN (eBook)
9783656857426
ISBN (Buch)
9783656857433
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden, Fussball, Deutschland, Nationalsozialismus, FC Bayern München
Arbeit zitieren
Andreas Gröger (Autor), 2011, Die Geschichte der Juden im deutschen Fussball bis 1945. Mit besonderer Betrachtung der Entwicklung beim FC Bayern München, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285759

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