Die Neue Frauenbewegung und die 68er. Wendepunkt im feministischen Selbstbewusstsein?


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Geschlechterarrangements vor der Frauenbewegung

3. Die Erste Frauenbewegung 1840–1933

4. Die Neue Frauenbewegung und die 68er

5. Abschließende Betrachtungen:

Literatur

1. Einleitung

Mein Thema lautet ‚Die Neue Frauenbewegung und die 68er. Wendepunkt im feministischen Selbstbewusstsein?‘

Zunächst geht es mir, wie einem Großteil moderner junger Frauen, und ich denke: Warum Feminismus? Warum Frauenbewegung? Haben wir die Gleichstellung nicht schon?

Schließlich agieren moderne Frauen selbstverständlich in allen Lebensbereichen, besetzten entscheidende Stellen in Wirtschaft- und Politik, Margaret Thatcher, Madeleine Albright, Condoleezza Rice und Hillary Clinton – alles Namen, an die wir uns längst gewöhnt haben – alle Frauen in Top-Polit-Positionen. Und ja, wir haben Angela Merkel. Was gibt es da noch zu diskutieren. Frauen gehört die Macht.

Doch Stopp! Sind das schon etwa alle? Eine solche Auflistung ist schnell beendet. Frauen in Führungspositionen scheinbar doch eher ungewöhnlich. Eine ähnliche Liste mit Männern in entscheidenden Positionen würde sicherlich den Rahmen einer solchen Ausarbeitung sprengen.

Spätestens jetzt hat mich das Thema in seinen Bann gezogen. Und ich frage mich, was Emanzipation und Feminismus erreicht haben, wo die Frauen heute stehen und natürlich auch, wie alles anfing, wie es überhaupt zur Frauenbewegung kam. Gibt es eine ‚neue‘ Frauenbewegung, muss es auch eine ‚alte‘ geben. Gibt es Unterschiede im Selbstbewusstsein dieser jeweiligen Bewegungen, und wenn ja, welche?

Für die neue Generation scheint die Auseinandersetzung mit dem Thema eher uninteressant. Junge Frauen wuchsen jedoch bereits mit den Errungenschaften ihrer Mütter auf und beanspruchen ihre Chancen mit einer anderen Selbstverständlichkeit.

Modernen Frauen stehen gleiche Bildungschancen offen. Zugang zu Wahlen, Bildung und Berufsausbildung müssen sie sich nicht mehr hart erkämpfen, so wie es die Generationen zuvor getan haben. Was früher Frauen auf die Barrikaden trieb ist heute selbstverständliches Allgemeingut.

Und dennoch schreibt die Empirie eine andere Geschichte. Nach wie vor kristallisiert sich heraus, dass Frauen die Hauptlast der Kindererziehung, sobald Kinder in die Familie hineinkommen, sowie die Hauptlast des Haushaltes übernehmen. Männer gehen bestenfalls helfend zur Hand, doch bleiben althergebrachte Rollenmuster weitestgehend bestehen. Und nicht genug, Frauen unterstellen ihre Karriere sogar bewusst der Familie. Für einen Großteil von Männern, trotz moderner Elternzeit, noch undenkbar. Für Männer ist der Wunsch nach Familie einfacher mit beruflichen Ambitionen vereinbar (Becker-Schmidt 1998:107). Nach wie vor verdienen Frauen, gleicher Qualifikation, für gleiche Arbeit, weniger als ihre männlichen Kollegen.

Im Folgenden beschreibe ich zunächst die allgemeinen Geschlechtsarrangements, die überhaupt zur Entstehung der Ersten Frauenbewegung führten. Anschließend setze ich mich mit der Ersten Frauenbewegung auseinander und betrachte in diesem Zusammenhang ihre Ziele und Erfolge, bevor ich dann auf die Neue Frauenbewegung und die 68er eingehe. Abschließend befasse ich mich mit der Fragestellung, ob die Neue Frauenbewegung und die 68er zu einer Wende im feministischen Selbstbewusstsein geführt haben.

2. Allgemeine Geschlechterarrangements vor der Frauenbewegung

Die Frauenwelt vor jeglicher Idee der Frauenbewegung war klar strukturiert. Der Mann bestimmte als Oberhaupt über Frau und Familie, er übernahm die Gesamtverantwortung aber auch die Schutzfunktion über Familie und Besitz. Frauen mussten sich den Entscheidungen ihrer Männer fügen.

In der bäuerlichen Familie der vorindustriellen Zeit, existierte noch keine Trennung häuslicher und außerhäuslicher Arbeit. Es herrschte eine Arbeitsteilung, die sich an der körperlichen Kraft orientierte. Das ‚starke Geschlecht‘ befasste sich somit mit allen Aufgaben, die Kraft erforderten. Frauen waren die Aufgaben zugeteilt, die sie körperlich im Stande waren zu bewältigen. Meist umfasste das Arbeiten im Haus, Stall und Garten. (Beer 1990:205).

„So erwirbt die Erbin eines Bauernhofes mit dem Tod des Vaters zwar sein Eigentum, ist aber dennoch zur lohnlosen Mitarbeit für ihren Ehemann verpflichtet; zur Eigentumssicherung ist ihre Heirat funktionale Voraussetzung. Diese Person unterliegt weiterhin Kontroll- und Machtbefugnissen des Ehemanns, obwohl formal Eigentümerin von Grund und Boden. Eine Frau – als Erbin, Ehefrau, unentgeltliche Arbeitskraft – verkörpert in ihrer Person eine dreifache (objektive) Funktionsbestimmung zur Sicherung der patriarchalen Eigentumsordnung.“ (Beer 1990:188).

Da der Wert eines Menschen damals an seiner Kraft gemessen wurde, bedeutete es mehr Kraft zu haben automatisch auch mehr Rechte und somit auch mehr Verantwortung. Kraft zu haben hatte damals große Bedeutung, denn man war darauf angewiesen, sein Eigentum zu schützen.

Mit der Übernahme der Verantwortung über die Frau übernahmen die Männer aber auch die Schutzfunktion ihres Eigentums. Denn selbst wenn die Frau Eigentum besaß, war sie zur lohnlosen Arbeit gegenüber ihrem Ehemann verpflichtet (Beer 1990:188).

Später, in der städtischen Familie der Industrialisierung kristallisierte sich eine erste Arbeitsteilung und Spezialisierung. Für den Bereich der Familie bedeutete dies eine erste Arbeitsteilung in die häusliche und außerhäusliche Arbeit. Männern war die Sicherung des finanziellen Auskommens der Familie auferlegt. Frauen befassten sich nach dieser Arbeitsteilung mit der Haushaltsführung und Kindererziehung. Bezeichnet wurde dies als eine Art ‚naturgegebene‘ Zuordnung von Geschlechts- und Gattungsmerkmalen (Hausen 1978:161).

Im 20en Jahrhundert sicherte Männern die Heirat die häuslichen Dienste einer Frau. Zeitgleich stellte Hausarbeit die wichtigste unentgeltliche Arbeitsform dar, doch hatte die Arbeit einer Frau keinen wirtschaftlichen und politischen Wert.

Diese Entwicklungen verdeutlichen gegenseitige Abhängigkeiten zwischen Mann und Frau. War die Frau finanziell vom Mann abhängig, so war der Mann im häuslichen Bereich unselbständig.

Generationen über Generationen wurde in Sozialisationsprozessen genau dieses Rollenbild weitergegeben und gepflegt. So kann man Frauen im Verlauf der Geschichte einerseits als die Unterdrückten, andererseits als die Unterdrückenden betrachten, wenn man bedenkt, dass sich Frauen um die Kindererziehung kümmerten, waren es auch immer Frauen, die ihren männlichen Nachkommen dieses Weltbild vermittelten.

Die Kindersozialisation fand durch Frauen statt. Frauensozialisation erfolgte ausschließlich im Haus. Junge Mädchen und Frauen wurden stets durch ihre Mutter ausgebildet. Ziele einer guten Tochterbildung waren es, eine junge Dame mit Geschmack, Talent und häuslichen Qualitäten auszubilden. Zeitgleich war man bedacht, andere aufkeimende Qualitäten zu unterdrücken und damit die weibliche Passivität zu erhalten (Hausen 1978:181).

Doch scheinbar begehrten Frauen lange Zeit nicht auf. Sie selbst nahmen diese Unterdrückung und Ungleichstellung als Selbstverständnis hin. So liegt die Unterstellung nahe, sie waren mit ihrer Rolle zufrieden, fügten sich in das scheinbar unveränderliche und lebten das gesellschaftlich vorgefertigte Frauenleben.

Frauen konnten nicht wählen, nicht studieren, keinen Beruf ausüben. Was führte aber dazu, dass Frauen aus der typischen ‚Frauenrolle‘ ausbrechen wollten?

Im Verlauf der historischen Entwicklung, lassen sich Wendepunkte in der Konstellation der Geschlechtsunterschiede ausmachen. Als die wohl wichtigsten Unterschiede markieren das Frauenwahlrecht, die Zulassung zur Gymnasialausbildung und die Zulassung zu universitärem Studium, sowie die Zulassung der Antibabypille und die fortschreitende Technisierung des Haushalts. Diese Wendepunkte konnten auch dank der Frauenbewegungen erreicht werden.

3. Die Erste Frauenbewegung 1840–1933

Um der Beantwortung der Frage nach einem Wandel im feministischen Selbstbewusstsein näher zu kommen, nehme ich einen Vergleich des Erreichten in der Ersten und in der Zweiten Frauenbewegung vor.

Für die Feminismus-Entwicklung in Deutschland lassen sich zwei große Phasen der Frauenbewegung benennen. Als erste Phase ist die Frauenbewegung zwischen 1840 und 1933 anführen. Die Phase Ende der 60er und Anfang der 70er wird als die Neue Frauenbewegung definiert.

Aus der dargestellten Frauensituation und der Geschlechterarrangements geht für die Anfänge der Frauenbewegung, die ca. 1840 zu orten sind, hervor, dass sich als oberstes formuliertes Ziel die Erkämpfung der Selbständigkeit und Mündigkeit der Frau aufwarf. Die Erreichung dieses Ziels sei nur über das Recht auf Bildung und Arbeit umzusetzen (Nave-Herz 1997:7). Die Befreiung der Frau sollte dabei jedoch nicht Selbstzweck, sondern gesellschaftliche Bereicherung und ein wertvoller Beitrag, ein ‚Dienst an der Menschheit‘ sein.

Die Frauen der damaligen Gesellschaft waren sich dessen bewusst, dass sie in einer Männerdominierten Welt lebten. Ferner erkannten sie in dieser männerbetonten Welt vorherrschende Mängel unter den die Menschheit litt (Nave-Herz 1997:8).

Zudem beabsichtigten Frauen ihre Existenz finanziell abzusichern. Das gesellschaftliche Leben und hauptsächlich die Kinderausbildung waren kostspielig. Einerseits war die Erwerbsarbeit der Frau unerwünscht, da mit den gesellschaftlichen Konventionen unvereinbar, anderseits zwang das teure Leben geradezu zum Mitverdienst.

Die Veränderungen in der Wahrnehmung der eigenen Rolle der Frau fielen mit technischen Fortschritten im Haushalt zusammen. Erwartungsgemäß führten diese dazu, dass die Hausarbeit leichter zu erledigen war, was sich sogleich in Zeitersparnissen und Arbeitskraftersparnissen äußerte. Es liegt nahe, dass damit auch der Wert haushälterischer Tätigkeiten enorm sank (vgl. Nave-Herz 1997:9).

Aus den Erkenntnissen der eigenen Rolle formierten sich Frauen und so begann schließlich die organisierte Frauenbewegung in Deutschland 1865 mit der ersten deutschen Frauenkonferenz, aus der die Gründung des ‚Allgemeinen Deutschen Frauenvereins‘, dessen erste Vorsitzende Louise Otto-Peters und die zweite Vorsitzende Auguste Schmidt wurden (vgl. Opitz 2002:117).

Mit ihrer offiziellen Gründung gruppierten sich sogleich die ersten Gegner. Zum einen stammen Gegnerstimmen von Männern, die sich darum bemühten die Unfähigkeit der Frauen, auch wissenschaftlich, zu belegen, um das Aufkeimen solcher Ambitionen bereits im Keim ersticken zu lassen. Zum anderen trafen die Ideen der Frauenbewegung in eigenen Reihen auf Ablehnung. Viele Frauen hatten an ihrem Dasein nichts auszusetzen, sie fügten sich in ihre gesellschaftlich vorbestimmte und strukturierte Rolle.

Somit kann der Misserfolg erster Frauenbewegungen daran festgemacht werden, dass Frauen sowohl vom Mann auch als von Geschlechtsgenossinnen nicht wirklich ernst genommen wurden. Als der wichtigste Punkt des Misserfolgs jedoch kann die Tatsache ausgemacht werden, dass Frauen politisch keine Rechte besaßen und bereits deswegen gesellschaftlich nicht erstgenommen wurden.

Ziele und Forderungen der Ersten Frauenbewegung, die man heute noch als teilweise aktuell bezeichnen kann, wie ebenfalls Nave-Herz anmerkt, richteten sich hauptsächlich auf die Gleichstellung der Frau in Bildung und Beruf, „Industrie- und Handelsschulen für Mädchen, Arbeiterinnenschutz, Mutterschutz, Chancengleichheit im Beruf, … gleicher Lohn für gleiche Arbeit, … Gewerbefreiheit … und Frauenwahlrecht.“ (Nave-Herz 1997:12).

Trotz gesellschaftlicher Widerstände, wuchs die Frauenbewegung rasch. Die Mitgliederzahl stieg innerhalb von nur fünf Jahren von 34 auf 10.000 an. Und so folgten weitere Vereinsgründungen spezieller Ausrichtungen sowie die Organisation in Dachverbänden.

Wirkliche Erfolge konnte die Frauenbewegung allerdings nur auf dem Bildungssektor vermelden. So kam es 1895/96 zur ersten Aufnahmen von Gasthörerinnen an deutschen Universitäten. Zunächst war für die Zulassung als Gasthörerin die Erlaubnis des Dozenten sowie die Genehmigung des Unterrichtsministers erforderlich. Mit der Jahrhundertwende folgte dann das Immatrikulationsrecht, erst in Baden (um 1900), dann in Bayern (1903), in Württemberg (1904), dem auch andere Länder schließlich folgten und das Frauen die Teilhabe an universitärer Ausbildung ermöglichte (Nave-Herz 1997:23).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Neue Frauenbewegung und die 68er. Wendepunkt im feministischen Selbstbewusstsein?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Uni)
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V286359
ISBN (eBook)
9783656865742
ISBN (Buch)
9783656865759
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, frauenbewegung, wendepunkt, selbstbewusstsein
Arbeit zitieren
Ludwig von Düsterlohe (Autor), 2009, Die Neue Frauenbewegung und die 68er. Wendepunkt im feministischen Selbstbewusstsein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286359

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