Macht und Herrschaft bei Max Weber und Michael Mann

Wie Macht legitimiert wird


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Max Webers Herrschaftstheorie
2.1. Die legale Herrschaft
2.2. Die traditionelle Herrschaft
2.3. Die charismatische Herrschaft

3. Michael Manns Quellen der Macht
3.1 Das IEMP-Modell
3.2. Der Einfluss des IEMP-Modells auf die Gesellschaft

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Macht ist ein universelles soziales Phänomen. Wenn Menschen miteinander umgehen, ist Macht im Spiel. Die Strukturen der Gesellschaft sind auch Machtstrukturen.“ (Vester, S. 39)

Der zivilisierte Mensch war schon stets von Mächten und Hierarchien umgeben, von Regeln und Institutionen, die versuchen diese Regeln durchzusetzen. Bis heute haben sich Machtgefüge komplexer Art entwickelt, die einen großen Einfluss auf die Handlungen von Menschen im persönlichen, sowie im öffentlichen sozialen Bereich besitzen. Institutionen geben Regeln vor, nach denen der Mensch handelt, ob er es will, oder nicht. Gesellschaften handeln nach diesen Regeln, wenn man ein Mitglied der Gesellschaft werden oder bleiben will, muss sich an diese Regeln halten. Doch wodurch kommt das? Wie wird diese Macht legitimiert und warum sieht das Individuum diese Macht auch als legitim an und folgt den Regeln, die diese Macht aufstellt? Und wie organisiert sich Macht überhaupt? Diese Fragen sollen in der folgenden Hausarbeit beantwortet werden.

Schon Max Weber definierte, dass die Macht vom Staat ausgeht und es mehrere Arten von Machtlegitimation gibt, die sich, auch historisch, unterschiedlich ausprägen und durch unterschiedliche Institutionen durchgesetzt wird. Er arbeitete drei große Typen der Herrschaft aus, die jeweils auf unterschiedliche Arten und Weisen ihre Macht legitimierten und organisierten. Mit dem historischen Thema der Machtentwicklung beschäftigte sich auch Michael Mann, der in seinem Werk „Geschichte der Macht“ in vier Bänden die Historie der Machtentwicklung dezidiert unter die Lupe nimmt. Darin stellt er vier Quellen der Macht vor, sowie daraus folgend das IEMP-Modell, mit welchem er zeigen will, wie sich Macht organisiert und legitimiert. Die Gesellschaft wird von den verschiedensten Einflüssen geprägt, wie Ideologie, Militär, Wirtschaft und natürlich Politik, die treibende Kraft in einem Nationalstaat. Dies zeigt Mann in seinem Werk und auch in seiner Theorie In der folgenden Hausarbeit sollen diese beiden Theorien im Fokus stehen und analysiert, sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Theorien aufgezeigt werden.

2. Max Webers Herrschaftstheorie

Max Weber stellt insgesamt drei verschiedene Typen von Herrschaft vor, die sich unterschiedlich legitimieren und durch verschiedene Organe ausgeführt werden. Herrschaft für Weber ist „die Chance, Gehorsam für einen bestimmtem Befehl zu finden“ (Weber, S. 726). Dieser Gehorsam lässt sich über verschiedene Arten und Weisen einfordern, dies geschieht nicht immer nur gegen den Willen der Gefolgsleute in dem Machtgefüge, sondern von Fall zu Fall auch mit deren Zustimmung, so das Machtdemonstrationen und Sanktionen nicht von Nöten sind. Je nach Herrschaftstyp sehen die Sanktionen und die Machtdemonstrationen anders aus. Max Weber arbeitete drei verschiedene Herrschaftstypen heraus, die „legale Herrschaft“, die „traditionelle Herrschaft“ sowie die „charismatische Herrschaft“. Alle drei Typen haben gemeinsam, dass sie sich um legitime Formen der Machtausübung handelt, da vorausgesetzt ist, dass die Empfänger der Befehle den Befehlsempfänger anerkennen und ihm gehorchen. Diese Herrschaftsformen sollen nun folgend dezidiert beschrieben werden.

2.1. Die legale Herrschaft

Diese Herrschaftsform steht, laut Weber, auf dem Fundament der Judikative und bildet insgesamt die modernste Art der Herrschaft aus. Es kann eine Rechtsform geschaffen werden, die Gesetze vorgibt, nach denen die Regierten handeln sollen, dieses Recht kann allerdings durch Satzungen abgeändert werden. Die reinste Form dieses Herrschaftstypus ist die bürokratische Herrschaft. Der Verband der Herrschaft ist dabei, nach den rechtlichen Bestimmungen, gewählt und sind betrieblich eingeordnet (vgl. S. 726). Einer dieser Betriebe ist die Behörde, bestehend aus Beamten im Verwaltungsstab, die Regierten sind die Verbands-Mitglieder, wie zum Beispiel Bürger. Gehorcht wird dabei nicht einer Person, sondern eher der Regel oder dem Gesetz in der Satzung. Dies muss auch das Oberhaupt, der an die Satzungen und deren Regeln und Gesetzen gebunden ist und somit in seinem eigenen Handlungsrahmen nur eingeschränkt agieren kann, um seine Interessen in Repräsentation des Volkes durchzusetzen. Der Herrschende ist in dem Fall der „Vorgesetzte“, diese Herrschaftsform wirkt sich nicht nur die Struktur von Staat und Gemeinde, sondern kann auch im Betrieb, im Arbeitsleben und in jeder nach Regeln und Gesetzen strukturierten Institution aufgefunden werden, wie in Vereinen oder Zweckgemeinschaften, Voraussetzung ist, dass es in diesen Institutionen Satzungen und Regelungen gibt, die juristisch gestützt umgesetzt werden (müssen).

Die Legitimität der Herrschaft stützt sich dabei also auf die Regeln und Gesetze von judikativ vorgegebenen Satzungen, kontrolliert und durchgesetzt durch einen Beamtenstab. Idealtypisch ist diese Herrschaftsform die demokratischste, die Form, in der der Bürger durch seine Wahl der Abgeordneten und Repräsentanten am ehesten in den Machtapparat eingreifen kann und sich im Rahmen der Gesetze auch legitim und legal gegen diesen erwehren kann, realistisch wird dies aber in den seltensten Fällen durchgesetzt, so dass es nur wenige reine Demokratien in der modernen Gesellschaft gibt. Die reinste Form der legalen Herrschaft ist dabei die Bürokratie, doch kann keine Herrschaft nur bürokratisch durch vertraglich gebundene und vom Staat ernannte Beamte geführt werden (vgl. S. 728). Diese würden sonst die höchsten Spitzen der Regierung darstellen, dies sind allerdings entweder die Monarchen, die ihre Nachfolge per Blutlinie bestimmen, oder die vom Volk gewählten Vertreter, sprich Präsidenten, Kanzler, Premierminister und weitere. Da Bürokratie auch immer durch Eigeninteressen und Honorationen unterwandert werden kann, ist sie nicht der einzige Typus der legalen Herrschaft. Auch „alle Arten kollegialer Herrschafts- und Verwaltungskörper“ (S. 728 & 729) fallen unter die legale Herrschaft, wenn sie und ihre Kompetenzen auf gesatzten Regeln beruhen und die Ausübung der Herrschaft dem Typus des legalen Verwaltens entspricht. Durch diese Regeln und Gesetze, an die jeder gebunden sein sollte, ist diese Form der Herrschaft sehr komplex aufgebaut und für den Beherrschten aufgrund der Möglichkeiten des Wählens dennoch zu überblicken. Er kann aktiv in Entscheidungsprozesse und seine Repräsentanten in die Änderungen von Ordnungen eingreifen, im Idealtypus liegt in dieser Herrschaftsform die Macht beim Volk und nicht bei einzelnen Personen. Die Umsetzung dessen ist in der realen Welt allerdings seltener zu finden. Dennoch werden der Gesellschaft in dieser Herrschaftsform gewisse Freiheiten gewährt, die in anderen Herrschaftssystemen nicht vorkommen, wie zum Beispiel in dem zweiten Typus, den Weber ausgearbeitet hat, der „traditionelle Herrschaft“.

2.2. Die traditionelle Herrschaft

In der traditionellen Herrschaft ist der Beherrschte weit weniger in die Entscheidungsgewalt der Herrschenden eingebunden. Diese Form der Herrschaft basiert auf dem Glauben an die Heiligkeit einer bestehenden Herrengewalt oder einer bestehenden Ordnung. Der Kopf ist der Herr, sein Verwaltungsstab sind die Diener oder Bedientesten und die Beherrschten sind die Untertanen, die sich dem Willen des Herrn beugen müssen. Eine Wahl in der Bevölkerung zur Bestimmung des Oberhauptes findet nicht statt. Die Untertanen müssen dabei nicht nur einen Herren haben, da sie auch jemanden unterstehen können, der vom Herrn als Abgesandter in seinem Namen Recht spricht und dementsprechend Macht über die Untertanen besitzt. Diese werden gewählt durch die freie Willkür des Herrn, teilweise aber auch durch die Traditionen, denen auch der Herr unterliegt und er somit auch daran gebunden ist. Durchgesetzt wird dieser Herrschaftsform durch die Diener, die nicht nur klassische Aufgaben der Fürsorge für den Herrn übernahm, sondern die auch als Polizei oder Vollstrecker auftauchen können, allerdings muss man bedenken; „der Umfang der „legitimen Befehlsgewalt“ der einzelnen Diener richtet sich nach dem Einzelbelieben des Herrn, dem sie auch bezüglich ihrer Verwendung in wichtigeren oder ranghöheren Rollen gänzlich anheimgegeben sind.“ (S. 730). Es gibt im Gegensatz zur legalen Herrschaft auch keine Satzung, da der oberste Herr das Gesetz ist und dieses auch spricht. Dennoch ist er nicht unantastbar, seine Befehle sind an die Traditionen gebunden und die Missachtung dieser Tradition könnte seine eigene Position stark gefährden (vgl. S. 729). Dies ist an sich ein Widerspruch, da sich der Herrscher in seiner Befehlsgewalt frei entfalten dürfte, muss er, um sein Ansehen und seine Position zu halten, an die Traditionen halten und nach diesen richten. Somit ist es schwer, von der Führungsebene aus Neuerungen einzuführen, da diese gegen die Tradition verstoßen könnten. Dementsprechend ist die Herrschaft in diesem System eine Gratwanderung.

Der Verwaltungsstab definiert sich nicht durch die Amtspflicht oder der Amtsdisziplin, sondern über die persönliche Dienertreue. Die Diener sind der Form der patriarchalen Herrschaft in völliger, persönlicher Abhängigkeit zum Herrn entweder rein patrimonial rekrutiert wie Sklave, Eunuchen, Hörige, oder extrapatrimonial aus rechtlosen Schichten wie Günstlinge oder Plebejer (vgl. S. 730). Beide Kategorien haben kein Eigenrecht an ihrem Amt, damit auch keine ständische Beamtenehre. Die sachlichen Verwaltungsmittel werden nur für den Herrn in seiner eigenen Ägide durchgesetzt. Durch die Abhängigkeit des Verwaltungsstabes von dem Herrn fehlt jede Garantie gegen Herrenwillkür, die somit in dieser Herrschaftsform am Höchsten ist. Paradebeispiel für diese patriarchalische Struktur ist die sultanistische Herrschaft, in der die Herrschaft wie ein persönliches Vermögensrecht des Herrn angesehen wird (ebd.). Dieses Recht hat er durch den Status seiner Vorgänger erworben und vererbt er ebenso an seine Nachfolger.

Dem gegenüber steht die ständische Struktur der traditionellen Herrschaft. In dieser sind die Diener keine persönlichen Leibeigenen des Herrn, sondern sind unabhängig von ihm und haben eine Eigenstellung, die sie zu sozial prominenten und angesehen Leuten macht. Durch Privilegien oder Konzessionen des obersten Herrn, sowie durch ein eigenes Rechtsgeschäft wie Kauf, Pacht oder Pfand ein nicht beliebig entziehbares Recht an ihrem Amt, ihre Verwaltung ist damit auch autonom, wenn auch begrenzt, auch wenn sich die Verwaltungsmittel im eigenen Besitz befinden. Dies schürt allerdings eine Konkurrenz unter den Amtsinhabern, da die Inhabe des Amtes neben sozialem Ansehen auch finanzielle Vorteile bietet. So werden die Ämter voneinander abgegrenzt und in Kompetenzbereiche eingeteilt. Dabei gilt: „Tradition, Privileg, feudale oder patrimoniale Treuebeziehungen, ständische Ehre und „guter Wille“ regeln die Gesamtbeziehungen.“ (S. 731). Die Herrenmacht ist somit zwischen Herrn und dem privilegierten Verwaltungsstab geteilt, durch diese ständische Gewaltenteilung wird die Art der Verwaltung hochgradig stereotypisiert. Dennoch ist diese Form näher an der modernen Gesellschaft, als die sultanistische, in der der Herr zwar Traditionen achten muss, insgesamt aber volle Handlungsgewalt in allen Bereichen des sozialen Lebens besitzt.

Jede Art von Herrschaft, deren Obrigkeit lediglich durch die Kraft erfolgreich eingelebter Gewöhnung, legitimierte Autorität erringt, kann man der traditionellen Herrschaft zuordnen. Dies kann man auch an dem Beispiel des Familienvaters als Familienoberhaupt sehen. Durch Erziehung und Gewöhnung wird dem Kind eine Pietät in der Beziehung zum Vater mitgegeben, die den typischen Gegensatz einerseits zum vertraglich angestellten Arbeiter, andererseits zur emotionalen Glaubensbeziehung eines Mitgliedes der Gemeinde zu seinem Propheten darstellt (vgl. S. 731). In der Familie werden traditionelle Muster zum Umgang mit diesen beiden Kategorien vorgelebt und angelernt. Somit ist die patriarchalische Herrschaft des Familienvaters die kleinste und reinste Form der traditionellen Herrschaft. Von der legalen Herrschaft spaltet sich die traditionelle Herrschaft insofern ab, als das die in ihrer ständischen Ausprägung näher an der legalen Herrschaft durch ihre „mehr oder minder festen Appropriation der Verwaltungsmacht“ (S. 733), da sie durch die geteilten Zuständigkeiten der Privilegierten eine Art Gewaltenteilung durchführen und damit nicht der vollkommenen Willkür des Herrn ausgeliefert sind, wie in der patriarchalischen Ausprägung, somit prägt diese Form einen Vorläufer des modernen Staates aus.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Macht und Herrschaft bei Max Weber und Michael Mann
Untertitel
Wie Macht legitimiert wird
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Veranstaltung
Macht, Herrschaft, Kritik
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V286422
ISBN (eBook)
9783656866749
ISBN (Buch)
9783656866756
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, herrschaft, weber, michael, mann
Arbeit zitieren
Diplom Soziologe Patrick Bresemann (Autor), 2012, Macht und Herrschaft bei Max Weber und Michael Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286422

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