Wahnhafte Störung und Paranoia. Ein Überblick


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wahnhafte Störung nach ICD-10 und DSM-IV
2.1 Das Wesen des Wahns
2.2 Entwicklung des Wahns

3. Wahnthemen
3.1 Beziehungswahn
3.2 Liebeswahn
3.3 Beeinträchtigungswahn
3.4 Verfolgungswahn
3.5 Eifersuchtswahn
3.6 Größenwahn
3.7 Kleinheitswahn

4. Prävalenz

5. Ätiologie

6. Therapiemöglichkeiten

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit einer der bisher weniger erfassten psychotischen Störungen, der wahnhaften oder auch paranoiden Störung. Die Idee zu diesem Thema entstand aus der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Publikationen, sowie dem aktuellen Fall des Gustl Mollath, der in den Medien für diverse Schlagzeilen sorgt. Die Zielrichtung der Arbeit ist es, die wahnhafte Störung im Allgemeinen zu erläutern und den Wahn sowohl in seinem Wesen, in seiner Entwicklung und mit seinen verschiedenen Themen zu verstehen.

Um die Komplexität der wahnhaften Störung in all ihren Facetten möglichst detailliert zu erarbeiten, ist es zuerst einmal notwendig darzulegen ,welche Symptome und Ausschlusskriterien vorliegen müssen und was einen Wahn eigentlich ausmacht, damit verstanden wird, ab wann man als wahnhaft gestört gilt. Aufgrund der Ähnlichkeit zwischen der paranoiden Form der Schizophrenie und der wahnhaften Störung ist hier zudem eine kurze Abgrenzung notwendig, damit es im allgemeinen Verständnis zu keiner Überschneidung der beiden Störungen kommt. Wenn diese Unterschiede erst einmal deutlich geworden sind, ist die Basis geschaffen, um den Wahn nachvollziehbar darzustellen.

Abschließend wird in aller Kürze auf die Ätiologie und die Therapiemöglichkeiten eingegangen und ein Fazit gezogen. Methodisch ist die Arbeit in Form einer Literaturstudie aufgebaut.

2. Wahnhafte Störung nach ICD-10 und DSM-IV

Definiert wird die wahnhafte Störung nach ICD-10 (F 22.0) als:

Eine Gruppe von Störungen, bei denen ein langandauernder Wahn das einzige oder das auffälligste klinische Charakteristikum ist. Ausschlusskriterien sind anhaltende akustische Halluzinationen, schizophrene Symptome oder eine eindeutige Gehirnerkrankung.

Nach DSM-IV (297.1) wird die wahnhafte Störung definiert als:

A: Nicht-bizarre Wahnphänomene für die Dauer von mindestens einem Monat.
B: Kriterium A für Schizophrenie war niemals erfüllt.
C: Abgesehen von den primären und sekundären Auswirkungen des Wahns ist die Leistungsfähigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt und das Verhalten ist nicht auffallend seltsam oder bizarr.
D: Wenn affektive Episoden, dann relativ kurz im Verhältnis.
E: Störungsbild geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück.

Durch das ICD-10 und das DSM-IV sind die Voraussetzungen und Ausschlusskriterien für einen positiven Befund anschaulich dargestellt worden. Zu klären bleibt allerdings noch der Unterschied zwischen einem bizarren und einem nicht-bizarren Wahn.

Unter einem bizarren Wahn wird eine Vorstellung/Wahrnehmung verstanden, die ein gesunder Mensch in keiner Art und Weise nachvollziehen kann. Die Wahnvorstellungen sind fernab von jeder Realität. Diese Art des Wahns tritt in Kombination mit Halluzinationen häufig bei an Schizophrenie erkrankten Personen auf.

Im Gegenteil dazu steht der nicht-bizarre Wahn der das auffälligste und häufig auch einzige Charakteristikum der wahnhaften Störung darstellt. Dieser spiegelt Situationen wieder, die im Leben jedes Menschen vorkommen können und somit für jedermann nachvollziehbar sind. Wann man jedoch an einem ausgeprägten Wahnphänomen leidet und was den Wahn im speziellen ausmacht wird im Folgenden erläutert.

2.1 Das Wesen des Wahns

„Wahn ist eine krankhafte Fehlbeurteilung der Realität, die erfahrungsunabhängig auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird.“ (Deister & Möller, 1998 , S.59) Dies bedeutet, dass der Wahnkranke Dinge in seiner Umwelt genau wie andere Menschen wahrnimmt, ihnen aber eine abnorme Bedeutung zugrunde legt. Versuchen Außenstehende nun diese abnorme Bedeutung zu verharmlosen oder gar als völlig aus der Luft gegriffen darzustellen, wird der Wahnkranke keinen Zweifel an seiner Sicht der Dinge aufkommen lassen. Dieses konsequente Festhalten an seiner Wahrnehmung wird als Unkorrigierbarkeit bezeichnet und stellt ein wichtiges Kriterium dar, um einen Wahn zu diagnostizieren. Zudem resultiert aus eben dieser Unkorrigierbarkeit die mangelnde Krankheitseinsicht, welche ebenfalls kennzeichnend für einen Wahnkranken ist.

Kriterien des Wahns sind also anders als viele Menschen denken, weniger das Unwahrscheinliche, Unmögliche oder Unrichtige, sondern die für den Wahnkranken unwiderlegbare Überzeugung ohne eine plausible Erklärung.

Für den Wahnkranken sind zudem die besondere angemessene Bedeutung und die Ich-Bezogenheit des wahnhaft Angenommenen kennzeichnend. Doch dies ist dem gesunden Erleben auch nicht allzu fern. Beispielsweise wittert ein Ladendieb auch bei normalem Verhalten der Passanten Hinweise dafür, dass man ihn durchschaut hat und ist dementsprechend nervös und gestresst.

Der grundlegende Unterschied zwischen Gesunden und Wahnkranken ist allerdings, dass der Gesunde jederzeit ´´umschalten´´ kann. Dies bedeutet, dass er die krankhafte Ich-Bezogenheit ablegen kann und erkennt, dass nicht alles was passiert, auch ihm gilt. „Er kann das Bezugssystem wechseln, so wie man im fahrenden Zug zwischen der Vorstellung, die Telegrafenstangen sausen vorbei und der anderen, der Zug selbst bewegt sich, wechseln kann; sowie zwischen der Vorstellung, die Sonne ging auf und unter und der anderen, dass sich die Erde dreht. Wahn aber beginnt, wenn ein Mensch dieses Überstiegs nicht mehr fähig ist, wenn er aus seiner privaten Nebenrealität nicht zur allgemeinen Hauptrealität zurückfindet, wenn er diese >> kopernikanische Wende<< nicht mehr vollziehen kann und damit zum Gefangenen seiner selbst wird.“ ( Tölle & Windgassen, 2012, S.180)

Es ist für den Wahnkranken also absolut nicht mehr möglich seine Perspektive zu verändern und sich in eine andere hineinzuversetzen. In seinem Wahn dreht sich nunmehr alles um ihn selbst und er besitzt nicht mehr die Freiheit, von dem was er auf sich bezogen hat, abzusehen. Wenn dies der Fall ist wird von einer absoluten Wahngewissheit gesprochen. Hingegen ist auch bekannt, dass mancher Kranke zu Beginn oder beim Abklingen der Krankheit manchmal gewisse Zweifel an seiner Wahrnehmung hegt und eine Einbildung, anders als zuvor, nicht mehr vollkommen ausschließt. In diesen Fällen gilt das Kriterium der Unkorrigierbarkeit für diesen Verlaufsabschnitt nicht mehr vollkommen und bietet möglicherweise Platz um die letzten Zweifel des Kranken auszuräumen.

Eine wahnhafte Störung kann in jedem Alter beginnen und sowohl akut als auch schleichend verlaufen. Der typische Manifestationszeitraum liegt allerdings im mittleren bis späten Erwachsenenalter. Im 4. Lebensjahrzehnt beginnen die eher akut auftretenden Fälle und im 5. Lebensjahrzehnt die eher schleichend verlaufenden Wahnerkrankungen. Dabei kann der entstandene Wahn mit jeder Lebenssituation des Betroffenen in Verbindung stehen.

Bei den akut auftretenden Fällen wird mehr als die Hälfte der Erkrankten wieder gesund, während ein Drittel Rückfälle erleidet und lediglich ein Zehntel einen chronischen Verlauf nimmt. Auch bei den schleichend verlaufenden Wahnerkrankungen genesen etwa die Hälfte der Erkrankten, wobei hier bei einem Drittel die Wahnerkrankungen unverändert bleiben. „ Je akuter der Beginn und je jünger das Lebensalter zum Zeitpunkt der Erstmanifestation ist, desto günstiger ist die Prognose.“ (Berger, 2007, S.400) Des Weiteren haben beispielsweise Patienten mit einem Verfolgungswahn eine günstigere Prognose, als welche mit Größen- oder Eifersuchtswahn. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Hälfte aller Patienten mit wahnhafter Störung wieder gesund werden.

2.2 Entwicklung des Wahns

Nachdem nun erläutert wurde welche Kriterien den Wahn ausmachen, bleibt noch zu klären, wie sich dieser überhaupt entwickelt. „Wahnphänomene können in unterschiedlicher Form und Dynamik auftreten.“ ( Deister & Möller, 1998, S.59)

Die Entwicklung eines Wahns kommt nicht von jetzt auf gleich, sondern durchläuft verschiedene, aufeinander aufbauende Phasen. Zu Beginn befindet sich der Wahnkranke in einer so genannten Wahnstimmung. „Als Wahnstimmung wird eine besondere Form emotionaler Gespanntheit im Vorfeld manifester wahnhafter Überzeugung verstanden. Es handelt sich um eine subjektiv erlebte Atmosphäre des Betroffenseins in einer verändert erlebten Welt oder bei einem verändert erlebten Ich.“ (Deister & Möller, 1998, S.59) Der Kranke ahnt also förmlich, dass etwas im Gange ist, kann jedoch nicht angeben um was es sich handelt und wird infolgedessen ratlos, eingeschüchtert und unruhig.

Aus dieser Wahnstimmung entsteht der Wahneinfall, worunter man, wie der Name es schon vermuten lässt, das plötzliche gedankliche Auftreten von wahnhaften Vorstellungen versteht. Dieser bildet wiederum die Vorstufe zur Wahnidee, in der eine konkrete wahnhafte Vorstellung, wie zum Beispiel geliebt oder verachtet zu werden, wahrgenommen wird. Die Ideen können von kurzer Dauer sein oder in sich weiter ausgebaut werden, sowie in Kombination oder einzeln auftreten.

Wie bereits erläutert wurde ist eines der wichtigsten Kriterien für die Diagnose eines Wahns die Unkorrigierbarkeit. Diese wird vor allem durch die Entstehung eines systematisierten Wahns begünstigt. „ Ein systematisierter Wahn liegt vor, wenn verschiedene Wahnideen durch Verknüpfung, Beziehungssetzungen, Ableitung und ähnliches zusammenhängend ausgestaltet werden, so dass schließlich ein in sich schlüssiges Wahnsystem entsteht.“ ( Deister & Möller, 1998, S.59)

Hierbei handelt es sich um den entscheidenden Punkt in der Entwicklung des Wahns. Wenn erst einmal ein Wahnsystem entstanden ist, ist der Wahnkranke wie bereits erwähnt in seiner Nebenrealität gefangen. Er ist unkorrigierbar von seiner Wahrnehmung überzeugt und kann nun nicht mehr „umschalten“ zwischen Haupt- und Nebenrealität.

An diesem Punkt der Entwicklung wird deutlich, um was für ein komplexes Gebilde es sich bei einem Wahn eigentlich handelt, wenn sich schon ein in sich schlüssiges System gebildet hat. Die ganze Entwicklung, die zwischen den einzelnen Wahnideen und deren Verknüpfung und Ausgestaltung steht, wird als Wahnarbeit bezeichnet.

Nun legt der Wahnkranke richtigen Sinneseindrücken endgültig eine abnorme Bedeutung zu, die ihnen aber objektiv nicht zukommt. „ Es handelt sich also um eine wahnhafte Fehlinterpretation einer wirklichen Wahrnehmung.“ (Deister & Möller, 1998, S.60) Dies wird als Wahnwahrnehmung bezeichnet.

Resultierend aus der Wahnwahrnehmung entsteht der so genannte Erklärungswahn, wobei der Wahnkranke versucht seine psychotischen Symptome überzeugend zu erklären. Hierauf könnte man auch die mangelnde Krankheitseinsicht zurückführen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wahnhafte Störung und Paranoia. Ein Überblick
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Duisburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V287014
ISBN (eBook)
9783656876359
ISBN (Buch)
9783656876366
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahnhafte, störung, paranoia, überblick
Arbeit zitieren
Philipp Lorenz (Autor), 2013, Wahnhafte Störung und Paranoia. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287014

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