Schizophrenie und Sprache


Hausarbeit, 2002

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Schizophrenie
2.1 Symptome von Schizophrenie
2.1.1 Positive Symptome
2.1.1.1 Wahnvorstellungen
2.1.1.2 Desorganisiertes Denken und Sprechen
2.1.1.3 Intensivierte Wahrnehmung und Halluzinationen
2.1.1.4 Inadäquater Affekt
2.1.2 Negative Symptome
2.1.2.1 Alogie
2.1.2.2 Flacher Affekt
2.1.2.3 Willensstörungen
2.1.2.4 Sozialer Rückzug
2.2 Biologische Erklärungen für Schizophrenie
2.2.1 Typ-I-Schizophrenie: Biochemische Abweichungen
2.2.2 Typ-II-Schizophrenie: Abnorme Gehirnstruktur

3. Schizophrenie und Sprache
3.1 Syntax
3.1.1 Morphosyntaktische Abweichungen
3.2 Semantik
3.2.1 Konkretismus
3.2.2 Inkohärenz
3.2.3 Wortassoziationen

4. Schluss

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schizophrene Personen weisen neben den sogenannten typischen Symptomen für diese Krankheit, wie z.B. desorganisiertes Denken oder Halluzinationen, auffällige sprachliche Muster auf. Ihre Sprache erscheint unzusammenhängend, was dazu führen kann, dass Menschen in ihrem Umfeld sie nur schwer oder gar nicht verstehen können. Daraus ergibt sich die Frage: Ist das sprachliche Verhalten Schizophrener nur der Reflex einer Denkstörung oder das Ergebnis einer Sprachstörung?

Um diese Frage klären zu können, werden wir zuerst die Schizophrenie und das allgemeine Krankheitsbild beschreiben, wobei sich die Symptome in positive und negative untergliedern lassen. Beide Arten von Symptomen basieren auf gestörten Denkvorgängen. Um erklären zu können, wie diese zustande kommen, werden wir ausführen, welche biologischen Dispositionen im Gehirn bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen.

Im letzten Teil unserer Arbeit befassen wir uns mit der Sprache von schizophrenen Patienten, wobei hier die Fehlleistungen ausschließlich im syntaktischen und semantischen Bereich vorliegen.

Anhand dieser Ergebnisse wollen wir die einleitende Frage schließlich beantworten.

2. Schizophrenie

Personen, die an Schizophrenie (griech. schizo = spalten und phren = Geist) leiden, verlieren den Bezug zur Realität. Sie empfinden rein subjektiv, d.h. sie erhalten keine oder nur falsche, verzerrte Rückmeldungen von ihrer Umwelt. Gleichzeitig verläuft die Realitätsprüfung Schizophrener anders als bei nicht schizophrenen Menschen. Während diese ihre Innenwelt an Kriterien der Außenwelt überprüfen, schließen Schizophrene von ihrer inneren Erfahrung auf die Realität. Zudem können bei ihnen Gefühle entstehen, ohne dass entsprechende Reize vorliegen, oder sie bleiben aus, obwohl Reize gegeben sind. Schizophrene leiden unter Halluzinationen, die für sie ein normales Leben mit einem „Mindestmaß an Anpassung und Rollenverteilung“[1] unmöglich macht. Meist werden sie deshalb unter ständiger Beobachtung gehalten.

Personen mit diesem Krankheitsbild zeigen eine erhöhte Sensitivität gegenüber Wahrnehmungsreizen, dadurch entsteht eine Reizüberflutung, sie können also die für sie wichtigen Reize nicht filtern. Deshalb schwindet ihre Aufmerksamkeit in einem Gespräch zusehends. Das Ergebnis sind häufige Gedankensprünge bis hin zu Gedankenabbrüchen, sowie daraus folgende Sprachstörungen.

Eine Definition erläutert Schizophrenie genau:

„Die Schizophrenie (Bezeichnung seit 1911 nach Eugen Bleuler) ist eine destruktive Persönlichkeitsstörung mit Wahnbildungen, Gefühlsstarrheit, Erlahmung der Antriebe, Realitätsverlust, Ich-Auflösung, selbstgewählter Isolation. Die Patienten ziehen sich zurück und unterliegen irrationalen, halluzinatorischen Angriffen (...)“.[2]

Untersuchungen zufolge, leidet ca. 1% der Weltbevölkerung an Schizophrenie unabhängig von Kultur oder Rasse. Jedoch kann sich dieses Krankheitsbild auf unterschiedliche Art und Weise äußern und es werden demnach zwei Hauptarten von Schizophreniesymptomen unterschieden.

2.1 Symptome von Schizophrenie

Die Symptome sind in zwei Hauptgruppen unterteilt, positive und negative Symptome, von denen nun einige erläutert werden. Die Begriffe positiv und negativ sind im Folgendem nicht im Sinne von „gut und schlecht“ zu verstehen. Sie machen vielmehr die Unterteilung in exzessive und defizitäre Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen deutlich.

2.1.1 Positive Symptome

Personen, die unter positiven Symptomen der Schizophrenie leiden, haben exzessive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, d.h. sie schweifen ab und können nicht über längere Zeit bei einem Thema bleiben. Sie leiden also unter sogenannten pathologischen Überschussreaktionen[3].

Zu den positiven Symptomen gehören Wahnvorstellungen, desorganisiertes Denken und Sprechen, intensivierte Wahrnehmung und Halluzinationen, sowie inadäquater Affekt.

2.1.1.1 Wahnvorstellungen

Wahnvorstellungen sind Störungen des Denkinhalts. Schizophrene Menschen haben häufig Ideen, von denen sie überzeugt sind, die aber völlig absurd sind und nicht der Realität entsprechen. Oftmals steigern sie sich in ihre Ideen soweit hinein, dass diese ihr Leben und Verhalten komplett beherrschen. Der Zugang zur Realität wird somit verschlossen. Häufig leiden diese Personen zusätzlich unter Verfolgungswahn.

2.1.1.2 Desorganisiertes Denken und Sprechen

Menschen, die das Krankheitsbild der Schizophrenie aufweisen, haben oft gelockerte Assoziationen, d.h. sie wechseln das Thema ohne erkenntliche Markierung. Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen. Die Person wurde hier zu ihren juckenden Armen befragt.

Das Problem sind die Insekten...Mein Bruder hat

immer Insekten gesammelt...er ist jetzt ein Mann

von fünf Fuß zehn Zoll...Wissen sie, zehn ist meine

Lieblingszahl.. Ich tanze, zeichne und sehe auch gerne fern.

aus: Comer, R.: Klinische Psychologie, S. 369

Wenn man diesen kurzen Abschnitt näher betrachtet, erkennt man, dass die Person ein Wort des einen Satzes in den nächsten übernimmt.

In ihrer Kommunikation verwenden Schizophrene zudem häufig Neologismen, die durch ideosynkratische Komposition entstehen, so wird zum Beispiel aus „ traurig “ und „ grausam “ „ trauram[4] “. Des Weiteren kommen Perseverationen und Alliterationen vor. Das macht es Außenstehenden schwierig, sie zu verstehen. Auf dieses Thema werden wir im weiteren Verlauf unserer Arbeit noch näher eingehen.

Es kann darüber hinaus, im späteren Stadium der Schizophrenie zu Schizophasie (Sprachverwirrtheit) kommen. Dieses schizophrene Syndrom wird von einer ausgeprägteren Sprachstörung bestimmt. „Man hört von den Kranken kaum eine sinnvolle Äußerung. Antworten auf Fragen sind beziehungslos und unverständlich.“[5]

2.1.1.3 Intensivierte Wahrnehmung und Halluzinationen

Schizophrene Menschen haben oftmals eine „erhöhte Empfindlichkeit für Geräusche und optische Eindrücke“[6] und können sich deshalb nur schwer konzentrieren. Die Reize ihrer Umwelt strömen ungefiltert auf sie ein, so dass die Aufmerksamkeit ungerichtet ist. Nach Tests zu urteilen, können diese Aufmerksamkeits-schwierigkeiten schon Jahre vor Ausbruch der Krankheit auftreten.

Halluzinationen dagegen sind Wahrnehmungen, die ohne äußere Reize auftreten. Untersuchungen am Broca-Areal haben gezeigt, dass akustische Halluzinationen ähnliche Aktivierungsmuster aufweisen wie normales Sprechen, das Areal war jeweils stark durchblutet.

2.1.1.4 Inadäquater Affekt

Inadäquate Affekte sind Emotionen, die der jeweiligen Situation nicht entsprechen. Schizophrene Personen lächeln zum Beispiel, wenn sie etwas Trauriges sagen oder sie sind wütend, wenn sie eigentlich glücklich sein müssten. Dazu kommen Stimmungsumschwünge in unangemessen Situationen, was den Umgang in normaler Atmosphäre unmöglich macht.

2.1.2 Negative Symptome

Im Gegensatz zu den positiven Symptomen, die exzessive Gedanken, Gefühle und Verhaltenweisen beinhalten, zeigen Personen mit negativen Symptomen hier Defizite. Diese äußern sich in Form von Alogie, flachem Affekt, Willensstörungen und sozialem Rückzug.

2.1.2.1 Alogie

Schizophrene zeigen oft Alogie, eine verringerte Flüssigkeit und Produktivität der Sprache. Diese kann sich in zwei verschiedenen Arten äußern.

1. Die Sprachverarmung ist durch eine reduzierte Sprach menge gekennzeichnet. Hierbei neigen die Personen dazu, kurze, meist stockende Antworten zu geben.
2. Bei der Verarmung des Sprach inhalts ist der Sprachumfang angemessen, aber es werden wenig Informationen vermittelt, dazu kommen Vagheit und Wiederholungen der Antworten.

Das folgende kurze Beispiel soll den verarmten Sprach inhalt verdeutlichen. Der Patient wird danach gefragt, warum Menschen wohl an Gott glauben.

Patient: Nun, zuerst einmal, weil er ihr persönlicher Erlöser ist.

Er geht mit mir und spricht mit mir. Und, ähh, so wie ich es verstehe,

haben viele Menschen keine Kenntnisse von sich selbst. Weil sie alle so sind,

kennen sie sich selbst nicht. Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß er mich

anscheinend mag, eine Menge von ihnen versteht nicht, dass er mit ihnen

geht und mit ihnen spricht (...).

Davison, G. & Neale, J.: Klinische Psychologie, Seite 452

2.1.2.2 Flacher Affekt

Ist der Affekt flach, werden durch einen Reiz zwar weiterhin Emotionen ausgelöst, sie werden jedoch nicht mehr nach außen hin sichtbar, d.h. Schizophrene wirken oft apathisch, da das Gesicht durch erschlaffte Gesichtsmuskeln und leblose Augen ausdruckslos erscheint. Untersuchungen zufolge waren diese Personen bei Emotionstests aber oft sogar stärker erregt als gesunde Probanden.[7]

2.1.2.3 Willensstörungen

Schizophrene Menschen zeigen häufig Willenlosigkeit. Sie können sich keine normalen Ziele setzen, da sie durch die Zerfahrenheit in ihrem Denken weder fähig sind Entscheidungen zu treffen, um eine Aktivität zu beginnen oder zu vollenden, noch schaffen sie es, sich längere Zeit auf ein Thema zu konzentrieren.

2.1.2.4 Sozialer Rückzug

Durch den Realitätsverlust, den die meisten Schizophrenen mit der Zeit erleiden, sondern sie sich nach und nach von ihrer Umwelt ab. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit ihren eigenen Ideen und bewegen sich fortan nur noch in ihrer eigenen kleinen Welt, leben also sozial zurückgezogen.

[...]


[1] Comer, R.: Klinische Psychologie, Seite 365

[2] DTV-Atlas Band 2 Seite 277

[3] vgl.: Comer, R.: Klinische Psychologie Seite 368

[4] vgl.: Tölle, R.: Psychiatrie, Seite 194

[5] Tölle, R.: Psychiatrie, Seite 194

[6] Comer, R.: Klinische Psychologie, Seite 369

[7] vgl. Davison, G. & Neale, J.: Klinische Psychologie, Seite 453

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Schizophrenie und Sprache
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Neurolinguistik
Note
1,7
Autoren
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V28834
ISBN (eBook)
9783638305051
ISBN (Buch)
9783638741989
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schizophrenie, Sprache, Neurolinguistik
Arbeit zitieren
Ellen Becker (Autor)Deborah Boden (Autor), 2002, Schizophrenie und Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28834

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