Der Suizid ist seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein beliebtes und oft aufgegriffenes Motiv in der Literatur. Geschichten von Verliebten, Leidenden und Sterbenden wurden schon damals in solcher Anzahl gelesen, dass viele es sogar mit einer Sucht verglichen. „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“ So spricht der große Dichter J. W. von Goethe von seinem 1773 erschienenen Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers", der unter seinen Lesern zu einem wahren Kult wurde. Dies ist wahrscheinlich auch die Ursache für die ungeheure Beliebtheit der oben angegebenen Thematik. Auch sie traf genau in die richtige Zeit. Denn der Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert brachte eine Menge sozialer wie auch politischer Veränderungen mit sich, die letztlich die Gesellschaft dieser Zeit stark beeinflussten. Diese Änderungen spiegelten sich in der Literatur, in den Charakteren der Figuren. Sie zeichneten sich durch eine herausragende Empfindlichkeit und Rührseligkeit aus. Ihre neue rebellische Auffassung von z.B. Religion, Natur oder die offene Kritik an der Umgebung waren oft Anlass für Konflikte. Diese nahmen in vielen Fällen ein tragisches Ende. Ein Aspekt, der mich dazu bewegt hat, sich in dieser Arbeit mit der Selbsttötung in der Literatur auseinanderzusetzen, war die Erkenntnis, dass, obwohl die Psychologie erst am Anfang des 19. Jahrhunderts als eigenständige Wissenschaft anerkannt wurde, die Verfasser der hier erforschten Werke schon früher in der Lage waren, den Geisteszustand eines Menschen glaubwürdig zu rekonstruieren. Die von ihnen dargestellten Empfindungen stimmen zum großen Teil mit den heute bekannten, wissenschaftlich erforschten Symptomen von emotionalen Störungen überein. Des Weiteren ist die Darstellung der Gedanken der einzelnen Figuren in Momenten der Unsicherheit und kurz vor der tödlichen Handlung besonders interessant. Die Betroffenen haben oft Erkenntnisse, die „glücklichen“ Menschen verschlossen bleiben.Sie stellen sich existenzielle Fragen, suchen nach einer Antwort und ziehen Schlüsse, die sie entweder zum weiteren Kampf mobilisieren oder zu ihrem Untergang beitragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Suizid – Begriffserklärung
2.1 Wortbedeutung und Herkunft
2.2 Geschichtliche, religiöse und rechtliche Hintergründe
3. Beispiele für Selbstmord in der Literatur des 18 und 19 Jahrhunderts
3.1 „Kabale und Liebe“
3.1.1 Das Drama als Gesellschaftskritik
3.1.2 Zwischen Wut und Verzweiflung
3.2 „Der Sandmann“
3.2.1 Der Autor und Entstehenshintergrund
3.2.2 Die narzisstische Krise als Ursache des Suizids
3.3 „Die Leiden des Jungen Werther“
3.3.1 Der Briefroman als autobiographisches Werk Goethes
3.3.2 Psychologische Analyse der Ursachen von Werthers Suizid
4. Die Darstellung des Suizids in der Literatur
5. Anhang
5.1 . Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht das Motiv des Suizids in der Literatur am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, um dessen literarische Funktion und psychologische Bedeutung im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche zu ergründen.
- Literarische Darstellung des Suizidmotivs als Spiegel gesellschaftlicher Konflikte.
- Analyse des Werther-Effekts und der zeitgenössischen Rezeption.
- Psychologische Deutung der Suizidmotive in den Werken von Schiller, Goethe und E.T.A. Hoffmann.
- Der Suizid als Ausdruck von Individualismus und Entfremdung.
- Historischer Wandel der gesellschaftlichen und kirchlichen Bewertung von Selbsttötung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Suizid ist seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein beliebtes und oft aufgegriffenes Motiv in der Literatur. Geschichten von Verliebten, Leidenden und Sterbenden wurden schon damals in solcher Anzahl gelesen, dass viele es sogar mit einer Sucht verglichen. „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“ So spricht der große Dichter J. W. von Goethe von seinem 1773 erschienenen Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers", der unter seinen Lesern zu einem wahren Kult wurde. Dies ist wahrscheinlich auch die Ursache für die ungeheure Beliebtheit der oben angegebenen Thematik. Auch sie traf genau in die richtige Zeit. Denn der Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert brachte eine Menge sozialer wie auch politischer Veränderungen mit sich, die letztlich die Gesellschaft dieser Zeit stark beeinflussten. Diese Änderungen spiegelten sich in der Literatur, in den Charakteren der Figuren.
Sie zeichneten sich durch eine herausragende Empfindlichkeit und Rührseligkeit aus. Ihre neue rebellische Auffassung von z.B. Religion, Natur oder die offene Kritik an der Umgebung waren oft Anlass für Konflikte. Diese nahmen in vielen Fällen ein tragisches Ende. Ein Aspekt, der mich dazu bewegt hat, sich in dieser Arbeit mit der Selbsttötung in der Literatur auseinanderzusetzen, war die Erkenntnis, dass, obwohl die Psychologie erst am Anfang des 19. Jahrhunderts als eigenständige Wissenschaft anerkannt wurde, die Verfasser der hier erforschten Werke schon früher in der Lage waren, den Geisteszustand eines Menschen glaubwürdig zu rekonstruieren. Die von ihnen dargestellten Empfindungen stimmen zum großen Teil mit den heute bekannten, wissenschaftlich erforschten Symptomen von emotionalen Störungen überein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Popularität des Suizidmotivs in der Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und begründet die Relevanz der Untersuchung.
2. Der Suizid – Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert den Begriff Suizid sprachlich und beleuchtet die historisch-religiösen sowie rechtlichen Kontexte der Selbsttötung.
3. Beispiele für Selbstmord in der Literatur des 18 und 19 Jahrhunderts: Das Hauptkapitel analysiert anhand von drei exemplarischen Werken die literarische und psychologische Ausgestaltung des Suizids.
4. Die Darstellung des Suizids in der Literatur: Dieses Kapitel synthetisiert die Analyseergebnisse und diskutiert die Funktion des Suizids als literarisches Mittel sowie seine Rolle bei der gesellschaftlichen Aufklärung.
5. Anhang: Der Anhang bietet ein vollständiges Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Suizid, Literatur, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Kabale und Liebe, Der Sandmann, Die Leiden des jungen Werthers, Psychologie, Gesellschaftskritik, Selbstmord, Epochenumbruch, Werther, Narzissmus, Motivgeschichte, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des Suizids und dessen Darstellung in ausgewählten Dramen und Romanen der Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die literarische Gestaltung tragischer Schicksale, die gesellschaftskritische Funktion von Literatur sowie psychologische Hintergründe von Suizidfiguren.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Funktion des Suizidmotivs zu analysieren und zu zeigen, wie Autoren schon vor der Etablierung der Psychologie den Geisteszustand Suizidgefährdeter glaubwürdig darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch psychologische Erkenntnisse und den Vergleich mit historischen Kontexten ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden „Kabale und Liebe“, „Der Sandmann“ sowie „Die Leiden des jungen Werthers“ detailliert hinsichtlich ihrer Suizidmotive und der jeweiligen Ursachen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Suizid, Literaturgeschichte, Epochenumbruch, Psychologie, Narzissmus und Gesellschaftskritik charakterisieren.
Warum spielt die narzisstische Krise bei Nathanael eine wichtige Rolle?
Sie dient als psychologische Erklärung für Nathanaels Verfolgungswahn und seine daraus resultierende Handlungsunfähigkeit, die letztlich in den Suizid führt.
Inwieweit lässt sich Werthers Suizid als psychologisches Phänomen deuten?
Die Autorin deutet ihn unter anderem als Folge einer „narzisstischen Krise“ und verweist auf moderne Begriffe wie „Todestrieb“, die den inneren Konflikt zwischen Liebesverlangen und Selbstvernichtung beleuchten.
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- Agata Gontarczyk (Author), 2013, Der Suizid in der Literatur des Umbruchs vom 18. zum 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288404