Thomas Mann. Das erzählerische Werk und seine Verfilmungen


Vorlesungsmitschrift, 2012
40 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Thomas Mann - Das ehrzählerische Werk und seine Verfilmungen

Werkzusammenhang Thomas Mann

- 11 Romane (wenn man Anhangsroman zu Dr. Faustus als eigenen zählt)
- ca. 30 Erzählungen
- ca. 20.000 Seiten Tagebuch geschrieben, Hälfte vernichtet (These dazu: Mann hat so die Rezeption seines eigenen Werkes f. d. Nachwelt gesteuert)
- sehr viele Essays
- um die 30.000 Briefe – durchaus auch poetisch

Lyrisches + Dramatisches Werk wird in Vorlesung weggelassen
à geht um Epik à Thomas Mann als Erzähler

Topos d. Erotik, d. Krankheit, d. Todes spielt große Rolle im Werk v. Th. Mann diese Literatur-Analyse ist stark v. Manns Zeit geprägt

Dr. Jahraus anderer Blick: Was ist Zusammenhang v. Manns Werk?

Fragestellung: Was hält Manns Werk zusammen?

Gibt es ganz bestimmte Figurentypen die immer wiederkehren?
Ja à Siehe auch in den Namen, viele a und o;
auch physisch sind sich diese Figuren ähnlich => Typus

Fragestellung: Wie kann man ein Konzept entwickeln, dass d. eigentümliche literarhistorische Bandbreite v. Th. Mann erfassen kann?

Rolf Günther Renner: Lebens-Werk. Zum inneren Zusammenhang d. Texte v. Thomas Mann.

- Renner zieht Zusammenhänge zw. allen Werkteilen und auch zw. fiktionalen u. nicht-fiktionalen Werk (will Briefe mit Essays und Romane in Verbindung setzen)
- klassischer Topos d. Literaturgeschichte: Leben und Werk (positivistische Idee)
- Idee d. gelebten Lebens (Konzept v. Th. Mann) à Mann sagte, dass er sein Leben autobiographisch in seine Literatur verarbeitete, aber im Rückschluss hat dieses Werk Auswirkungen auf sein Leben à „Manns beste Figur war der Schriftsteller Mann“
- Bsp. Mario und der Zauberer (seine Kinder nannten ihn ja auch „Zauberer“)
- Renner will all dies verbinden, sieht Tod in Venedig als zentralen Text in dem alle Stränge zusammenlaufen - Werk darüber: „Das Ich als ästhetische Konstruktion“ gibt natürliche viele Figuren in Manns Werken, d. darauf passen
(Bürger-Künstler-Konstellation)

Jahraus ist gegen biographistisches Analysemuster v. Texten, sagt, dass ist zu kurz gefasst Texte lassen sich nicht auf autobiographische Muster reduzieren nur weil man da immer fündig wird, heißt dass nicht, dass man die Sozialgeschichte weglassen soll trotzdem ist Biographienlesen guter Ansatz, um sich dem Werk zu nähern à „Lebenswerk“ Jahraus nimmt wie gesagt anderen Weg Schwerpunkte:

- Blick auf Werk und Genealogie
- Verfilmungen

à Umweg über Verfilmungen hilft beim Aufzeigen d. Werkzusammenhangs, d. roten Fadens im Werke Thomas Mann

Jahraus These:
Th. Manns Werk = großes literarisches Projekt einer literarischen Gesellschaftsgeschichte v. 19. bis ins 20. Jhdt.

=Projekt das auch über Mann hinaus Bestand hat

Wichtig darin: Bürger-Künstler-Problematik

+ Fragestellung: Wie helfen Filme beim Herausfinden d. inneren Zusammenhangs in Manns Werk?

- Geht nicht um normatives Geschmacksurteil (guter/schlechter Film)
- Inwiefern interpretiert d. Film d. Literatur?
- Was kann Literatur als Medium? Was bedeutet es, dass etwas literarisch erfasst wird? Was bringt dann beim Film die Verbindung v. Bild u. Ton? Welche Rolle spielt Mahlers Musik als Interpretation in Morte a venezia?
- Wie wird denn dann der innere Werkzusammenhang anders deutlich?

Filmausschnitt aus „Der Turm“, Fernsehzweiteiler aus 2008, Literaturverfilmung v. „Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land“ von Uwe Thelkamp

immer wieder in Verbindung mit Buddenbrooks genannt

erzählt DDR-Geschichte am Beispiel einer Familie, d. f. die DDR aber sehr ungewöhnlich u. nicht repräsentativ ist (Ärzte u. Intellektuelle statt Arbeiter) – Figurentypus d. Bürger, den d. DDR ja ausmerzen wollte

Familienabendessen, Zusammenkunft d. Familie (soziales Ritual) – Dinge kommen zur Sprache, d. sonst nicht zur Sprache kommen, konstituierendes Ritual f. Familie

Essen in Gemeinschaft = extremst gemeinschaftsstiftend

Familie = Zwischenglied, wo Spannung zw. Individuum/Individualität u. Gesellschaft gezeigt wird

Narratives Element, das in Erzählungen ab 19. Jhdt. verwendet wird => europäischer Realismus (lange v. Mann entwickelt, hat bis heute Auswirkungen)

bei realistischer Familie ist immer Verhältnis Vater u. Sohn wichtig (bei Goethe war es Vater-Tochter) – oft selber Beruf

d. entscheidende ist d. gesellschaftliche Kontext – hier: DDR

Bürger = Figurentypus, der bei Th. Mann immer sehr wichtig ist!

Turm = Art Mythos, Märchen – betrachtet v. außen d. kommunistische Diktatur, nimmt Familie als Reflexionspunkt

Film lässt diese mythische Ebene weg – 1000 Seiten Roman auf 140 Minuten verfilmt

=> Verkürzung u. Verlagerung

Film bildet soziale Wirklichkeit ab, legt Fokus viel stärker auf soziale Wirklichkeit d. Figuren als das Buch (dadurch wirkt Film manchmal schematisch u. klischeehaft)

Uwe Thelkamp u. Grass „Blechtrommel“ sind gute Hintergrundlektüren f. diese Vorlesung

à um inneren Zusammenhang d. Werkes v. Th. Mann zu zeigen

Literaturverfilmungen

Thomas Mann gehört zu den mittleren Autoren, was die Verfilmungsdichte angeht

à ist aber ja auch großes Werk
à für d. Größe d. Werkes ist die Verfilmungsdichte dann aber auch nicht so groß

Buddenbrooks allein 5 Mal verfilmt – erklärt starke Rezeption dieses Werkes
auch spannend, weil es Ansätze / Strömungen d. deutschen Filmes zeigt – 1923, 1959, 1965, 1979, 2008

auch bei Felix Krull spannend, weil Zeitpunkt d. Entstehens ja in Bezug dazusteht, welches Gesellschaftsbild zu welcher Zeit aktuell war

à man darf Film nicht unter Wert verkaufen

Literaturvorlage = grundlegend
bei Literaturverfilmung beschreibt man Medienwechsel

in normativer Hinsicht, wird dann schnell gesagt, dass Film nie das Buch erreichen kann

à greift zu kurz !

à Film muss eigenständig betrachtet werden

Film ist nicht nur, weil er ein Film ist, normativ gesehen schlechter als das Buch

à das wäre ein Geschmacksurteil

à wie kann man die 2 denn wissenschaftlich vergleichen?

à nach Komplexität d. „Textes“

Methodischer Startpunkt: beide „Texte“ werden nicht einem normativen, sondern einem deskriptiven Vergleich unterzogen

à braucht Kriterien, um die beiden zu vergleichen

50% aller Filme mit einem narrativen Gehalt, sind auf Literatur zurückzuführen = in weiterem Sinne Literaturverfilmungen

Literatur = maßgeblicher „Stofflieferant“ f. Film, Film braucht Literatur

Warum greift Filmproduktion so oft auf Literatur zurück?

- Erzählweise d. Films scheint nicht in d. Lage zu sein, Geschichten zu erzählen
- in Büchern kann erzählt werden, dass erzählt wird („In diesem Buch soll es um gehen“, „wird die Geschichte von ... erzählt“)
- Text kann sich vom Erzählten abheben, kann Abstraktionsebene wechseln
- nur der schriftliche Text kann das tun
- Film kann das nicht
- außer er hat einen Voice-over-Erzähler, in dem Fall imitiert Film aber Erzählweise v. Literatur

Filme haben eingeschränkteren Möglichkeitsraum, um Geschichten zu erzählen
à erzählen durch Montage von Bildern

à muss immer konkretisieren, kann nicht so abstrakt sein wie Literatur

(Buch kann sagen „er kommt herein“, Film muss Tür zeigen)

à deswegen greifen Filme so oft, auf Literatur zurück

These: Es liegt nicht (nur) am Stoff, es liegt daran, dass der Film in der Literatur Erzählungen vorfindet und daran beurteilen kann, ob er das visualisieren kann oder nicht

Leitfragen zur Analyse von Literaturverfilmungen

Was tun, wenn man eine Literaturverfilmung vor sich hat?
à Heuristische Detailfragen

1. Material: Was wird verfilmt? Was wird weggelassen? Welche Auswirkungen hat dies auf die Erzählung, auf die Darstellung der Figur auf die Entfaltung des Konflikts?

Bsp. Blechtrommel
Roman aus 3 Teilen (vor, im u. nach 2. WK)
– im Film wird ganzer 3. Teil weggelassen
Buch: irgendwann beschließt Oskar Matzerath nicht mehr zu wachsen, später wächst er dann wieder
Film: lässt Vorgeschichte weg: Anfang er wächst nicht mehr, Ende er wächst wieder – anderer Spannungsbogen = andere historische Kontextualisierung

Film zeigt Aufstieg u. Untergang d. Nationalsozialisten – lässt deswegen aus pragmatischen Gründen d. 3. Teil d. Buches weg à er erzählt damit eine andere Geschichte

Bsp. Tod in Venedig - Morte a venezia
Novelle imitiert Dramenstruktur u. ist in 5 Teile eingeteilt, 2 Kapitel bevor er überhaupt zu reisen anfängt (innerpsychische Vorgeschichte, warum er reist), zuerst reist er nach Istrien

Film lässt all das weg, fängt erst mit Ankunft in Venedig an – im Film weiß man also nicht, warum er reist, kennt seine Hintergründe nicht – andere Geschichte erzählt

2. Was wird geändert? Wird das Setting der erzählten Geschichte verändert?

Bsp. Traumnovelle, Verfilmung „Eyes wide shut“ von Stanley Kubrick

Erzählung spielt in Lebenswelt d. Autors, im Wien d. Jahrhundertwende

Kubrick verlegt das auf seine Jahrhundertwende (1999) und nach New York

3. Wie wird filmisch erzählt? Welche Bedeutung hat die Montage und die mise-en-scène (Inszenierung) für die filmische Narration? Was macht die Kamera? Aus welchem Blickwinkel schaut die Kamera (im Vergleich zum Erzähler)?

4. Welche Auswirkungen hat die Visualisierung auf die erzählte Geschichte? Was sagt die Visualisierung über Figur und Konflikt?

Gefühl, wenn man Buch liest, dann Film sieht u. erstaunt /enttäuscht ist, wie die Figur aussieht

à was bringt Visualisierung mit sich?

Im Text kann es eine Beschreibungsorgie d. Aussehen u. Charakters geben u. Aussehen, Charakter bleibt trotzdem immer hinter Handlung zurück

Im Film sieht man Figur immer, muss nicht beschrieben werden, immer im Vordergrund

Schauspieler bringen ein Rollenprofil mit, das sich in Köpfen d. Zuschauer festgesetzt hat – Bsp. Filme mit Frodo funktionieren nicht, oft können Schauspieler dann nur noch bestimmte Genres spielen

oft Vorwurf Film schränkt Phantasie d. Zusehers ein, man kann’s sich’s nicht mehr selber vorstellen, weil alles schon verkörpert ist – Jahraus hält davon nichts, auch Filme lösen Phantasie aus, aber halt nicht gerade beim Aussehen einer Figur – Menschen identifizieren sich leichter mit filmischen / visuellen Figuren als mit Buchcharakteren

5. Wie wird die Positionierung des Erzählerstandpunkts und des erzählten Fokus umgesetzt? Wo steht/agiert die Kamera? Wie wird die Differenz zwischen Innenperspektive (die psychische Disposition) und Außenperspektive (die soziale Disposition) gehandhabt?

Film ist auf Außenperspektive fixiert, er kann Innenperspektive nur über Umwege zeigen

Bsp. Im Buch steht, der Held ist glücklich – wie will Film das zeigen?

Umwege: - Voice-over-Erzähler d. Literatur imitiert

- Montage aus Bildern, die Gedanken zeigen soll (glückliche Erinnerungen) – ist aber ja in Wahrheit wieder Außenperspektive, nur Art d. Montage zeigt, dass es eine Innenperspektive ist

Thomas Mann hat spannende wechselnde Erzählerpositionen – von auktorial auf personal und dann weiter noch persönlicher durch erlebte Rede „Er fühlte sich nicht wohl...“ – oder markantes Umschalten auf inneren Monolog (absolute Innenperspektive)

Wie mach ich das jetzt im Film?

6. Welche rhetorische Funktion übernehmen die Bilder für die narrative Argumentation? (Rhetorik des Filmes)

These über Tonio Kröger – Typus d. eigenartigen Bürgerkünstlers – ausgeführt im Buch im Gespräch von einer Freundin

Im Film übernehmen Bilder die Funktion v. rhetorischen Funktionen Bsp. Bild v. Straße, die ins Nichts führt = These d. heimatlosen Helden Sind aufgeladene Bilder, Motive, die wir erkennen

7. Welche semiotische Funktion haben die Bilder? Welche semiotische Potenzial wird aus dem Zusammenhang von Bild und Ton aktualisiert?

Alles was sie in einem Bild sehen ist signifikant, alles im Bild ist zeichenhaft, semiotisch = bedeutend

8. Wie lassen sich medienspezifische Aspekte gegeneinander halten (was kann der schriftliche, was kann nur der audiovisuelle Text?) und welche Funktionen übernehmen solche Medienspezifiken?

Literatur ist was nur Literatur kann, Film ist was nur Film kann

Problematik bei Literaturverfilmungen => Intermedialität

Medienspezifik = nicht Übersetzbarkeit v. einem Medium in ein anderes

Filmausschnitt Günther Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“

Figur Oskar Matzerath – Sprecherposition, Ich-Erzähler

Erzähler als Voice-Over über Film gelegt

OM = Schelm, Pikaro Grass greift auf lange Tradition zurück, die seit Goethe nicht mehr aktuell ist
– Pikaro = statischer Held, der sich nicht entwickelt – erlaubt es, an ihm die Welt Revue passieren zu lassen – Held bewegt sich nicht, sondern Welt/ Gesellschaft

Vgl. zu Th. Mann à Spannungsverhältnis Novelle „Der Bajazzo“ (1897) u. „Felix Krull“
Bajazzo = Clownsfigur d. Comedia del’Arte – Typus d. Spaßmachers, d. Ausgeschlossene, der A-Soziale, nicht in Gesellschaft integriert

Mann greift Typus später wieder auf, Felix Krull ist wieder A-Sozial, weil er Gesellschaft verweigert u. diese Verweigerung systematisiert

Mazerath, Bajazzo, Krull = Figuren, die da sind, um soziale Begebenheiten transparent zu machen

Ausgangsthese: Fragestellungen: Welches Projekt entfaltet Mann? Wie helfen Filme dabei draufzukommen?

Mann à Projekt einer Gesellschaftlichkeit

Blechtrommel-Film beginnt mit Blick auf Landschaft, dort sitzt Frau, dann kommt Mann dazu, versteckt sich unter ihren Röcken = Urszene, Urzeugung à hier wird die Mutter v. Oskar Mazerath gezeugt

Roman beginnt anders, Bezug auf Urzeugung auch, aber dann „Zugegeben ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt“, fühlt sich vom Pfleger durch Guckloch beobachtet, den er nicht sehen kann – Schau-Konstellation

= Gegensatz gesellschaftlich normal, gesellschaftlich weggesperrt

im Buch wandelt sich das dann immer mehr, bis der Eingesperrte eigentlich als Beobachter der Normale ist

Heilanstalt = Innenansicht, soll seine Geschichte aufschreiben

Literatur: Inszenierung d. Innenwelt über Psychopathologisierung – über Konstellation des eingesperrten Beobachters – „Hellsichtigkeit des Wahnsinnigen“ – der weggesperrte, kann besser beobachten

Film: Inszenierung d. Außenwelt, Bebilderung

Innenwelt über literarische Inszenierung, Außenwelt über Bebilderung

Was man im Film sieht, ist nur Außenwelt – wir müssen selber erkennen, dass der unter dem Rock grade ein Baby zeugt

2. Option: v. a. in Literatur, inneren Blick wählen – was geht in Köpfen vor, was sind Gedanken, Emotionen, Phantasien, Antriebe, Triebe d. Personen

= nicht immer so, es gibt auch kreuzweise andere Optionen realistischer Roman d. 19. Jhdts.: reine Außenperspektive, Bsp „Effi Briest“ (Fontane?)

nur 11 Jahre später, Schnitzler „Leutnant Gustl“ – kompletter innerer Monolog

Frühe Novellen von Thomas Mann

à Wie Entfaltet sich literarisches Projekt einer Gesellschaftsanalyse bei Mann?

Frühwerk: 3 Novellenbände – 1898, 1903, 1914

Kontext: Tod in Venedig (1911-1912), Buddenbrooks (1901-1903)

Knapp 15 Jahre in denen Grundstrukturen festgelegt werden

Worum geht es in diesen Novellen: Topos d. Bürger-Künstler-Problematik

ABER nicht nur

Frage: Wie funktioniert diese späte bürgerliche Gesellschaft unter den neuen Begebenheiten des 20. Jahrhunderts?

à lässt sich natürlich auf biographische Geschichte d. Familie Mann umlegen
2 Söhne = super, aber beide nicht gewillt, väterliches Erbe fortzusetzen – Firma zerfällt

Firma kann nicht weiter geführt werden = typisch f. Gesellschaftsentwicklung

à familiäre Bruchstellen nicht nur in Familie Mann

Grund: immanente Verfasstheit dieser Gesellschaft als spätbürgerliche Gesellschaft – Gesellschaft ist nicht mehr in der Lage Anforderungen dieser Traditionen zu erfüllen

Diese Großanalyse natürlich nicht in Novellen, sondern in Buddenbrooks

= Wechselverhältnis zu Novellen

„Der kleine Herr Friedemann“, „Der Bajazzo“

beide Typus: Außenseiter, nicht in Gesellschaft integriert (A-Sozial), aber nicht völlig, sind nicht eterretoriale Figuren, tragen bürgerliches Erbe fort, kommen aus Mitte d. Gesellschaft,

bürgerliches Erbe problematisch geworden, weil ihnen Moment d. Inklusion fehlt – keine Einbindung an Gesellschaft

à Was reduziert Inklusion/ Einbindung?

à d. Entscheidende f. diese Symptomatik liegt in d. Gesellschaft selbst

à Außenseiter hat immer zwei Seiten, Gesellschaft macht ihn erst zum Außenseiter

Gesellschaft = an entscheidendem Wendepunkt, was Reproduktion ihrer männlichen Mitglieder angeht

- Männer können das eine werden
Teil d. gesellschaftlichen Reproduktionszyklus - Bsp. Herr Klötewahn aus Novelle „Tristan“ – wunderbare Frau mit wunderbar gesundem Kind – Klötewahn heißt übersetzt „Hodenmann“, nur auf Reproduktion d. Familie gesetzt

- oder das andere
Männer, die nicht am biologischen Reproduktionszyklus teilnehmen (haben keine Kinder) – Bsp Aschenbach, Bajazzo, Hanno Buddenbrook?

Vorgeschichte: Gesunde Männer zeugen „kranke“ Söhne – fehlende Reproduktionsbereitschaft dieser Gesellschaft – wollen keine Kinder

Manns Außenseiter sind nicht arm, sind nicht wegen mangelnder Ressourcen Außenseiter, sonder wegen der fehlenden Inklusion

Wie kommt es zu diesem Typus?

- Krankheit
- Erotik
- Intellekt
- Kunst

- Krankheit: Gegenüberstellung von gesund u. krank

- Gesellschaft ist in ihrer eigenen Darstellung gesund, in Wahrheit aber krank
Klötewahn ßà Spinell

- Es gibt Räume d. Gesunden u. Räume d. Kranken – Tristan spielt im Sanatorium, wunderbare Raum, um in extenso gesellschaftliche Prozesse in Frage zu stellen
à Räume d. Ausgeschlossenen auch in Zauberberg, Blechtrommel

- Erotik – Gesellschaften sind gesund, also sind sie auch sexuell reproduktionsfähig

- in d. Moment, wo Erotik sich nicht auf sexuelle Fortpflanzung festlegen lässt, haben wir andere Erotik – auf Entfaltung d. Sehnsuchtsmoments festgelegt

- Friedemann: unglücklich verliebt
Tristan: Sehnsucht, zwei Liebende, die nicht sein dürfen
Wagners Tristan u. Isolde (als kleines Intermezzo geplant), dann 1,5 h musikalischer Sex, dann Liebestod

Mann rezipiert Wagner als Vorläufer seiner Gesellschaftsgeschichte, gesellschaftliche Strukturen transparent gemacht

Wagner schafft „Liebesmodell“ - Mann u. Frau in veränderter entfremdeter Gesellschaft – Mann u. Frau = so sollte Gesellschaft sein, ist sie aber nicht mehr; Mann rezipiert genau diesen Punkt, aber entscheidende Veränderung: (Erotik v.) Mann u. Frau = Utopie

Ähnliche Szene: Gerda Buddenbrook bittet Klavierlehrer Wagner zu spielen, der weigert sich, weil er diese Musik als Blasphemie, Untergang sieht à spielt sie dann aber doch

Bedeutung Wagners f. Mann à Wagner = Krisensymptom dieser Gesellschaft, Mann rezipiert dieses Krisenhafte, Umbruchhafte v. Wagner

- Intellekt: Fähigkeit zur Reflexion dieser Verhältnisse

am Besten repräsentiert v. Tonio Kröger
Kröger Lübbecker Kaufmannsadel, Tonio = exotische Namensform v. Anton, Anton = Supersohn in Tristan

Kröger = d. Figur, d. am intensivsten über Bürgerlichkeit reflektiert

Freundin Lisaweta Iwanowa nimmt ihm Selbstanalyse ab

Lisaweta = auch Thomas Mann selbst, gibt Antwort auf selbstgestellte Frage (v. ihm u, Kröger): „Wer bin ich eigentlich“

„Antwort, die Lösung ist, für Problem, das sie so sehr beunruhigt hat: dass sie, wie sie dasitzen, ganz einfach ein Bürger sind.“

Milderung: „Sie sind ein Bürger auf Irrwegen, ein verirrter Bürger.“

Verirrter Bürger = Mitglied d. Gesellschaft mit reduzierter Inklusion

- Kunst, Ästhetische (Selbst)erfahrung, ästhetischer Selbstentwurf. d. Bürger

Künstlertum, auch Künstlichkeit

Ästhetische Konstruktion d. Ichs à meint auch immer artifiziell Konstruktion

Wie interagieren diese 4 Elemente?

à Mann probiert das in immer anderen Konstellationen aus

- Krankheit
- Erotik
- Intellekt

Kunst

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Thomas Mann. Das erzählerische Werk und seine Verfilmungen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Germanistik)
Veranstaltung
Thomas Mann - Das erzählerische Werk und seine Verfilmungen
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
40
Katalognummer
V288527
ISBN (eBook)
9783656888307
ISBN (Buch)
9783656888314
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas Mann, Verfilmungen, Buddenbrooks, Mario und der Zauberer, Tod in Venedig, Felix Krull
Arbeit zitieren
Lilly Maier (Autor), 2012, Thomas Mann. Das erzählerische Werk und seine Verfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288527

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