Innerhalb Europas sind die Alpen ein wirklich einzigartiger Naturraum. Das von der UNO deklarierte „Jahr der Gebirge 2002“ war ein Versuch, die besondere Bedeutung der Gebirgsräume für die Menschheit ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Schon zehn Jahre zuvor wurde von der UNCED-Konferenz von Rio de Janeiro die „Agenda 21“ verfasst, in der Gebirge als besonders sensible und schutzwürdige Ökosysteme auf die gleiche Bedeutungsstufe wie die tropischen Regenwälder und die Antarktis gerückt wurden. Die gesonderte Rolle der Alpen für Europa kommt in den Stichworten zum Ausdruck, die die Alpen als „Wasserschloss Europas“, Erholungsraum oder Zentrum der Biodiversität darstellen (vgl. VEIT 2002, S. 9).
Dabei hat das Hochgebirge im Herzen Europas in den letzten Jahren auch immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Der Lawinenwinter von 1999 sowie mehrere verheerende Hochwasser (z.B. im Jahr 2005) und Stürme standen die Alpen europaweit auf den Ti-telseiten der Zeitungen und im Fokus der Fernseh- und Rundfunknachrichten. Ferner rücken zunehmend nicht nur die Ausmaße solcher Katastrophen in das Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern die alltäglichen Probleme der Alpen wie Berglandwirtschaft, Tourismus, Verkehr oder Klimawandel (vgl. BÄTZING 2005, S. 9).
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich im Folgenden auf den Teilbereich Klimawandel in den Alpen, genauer gesagt, mit den Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Naturraum der Alpen. Es steht außer Frage, dass die Folgen des Klimawandels zu den größten Bedrohungen für das Bergökosystem in Mitteleuropa gehören. Die Natur im Alpenraum reagiert besonders empfindlich auf Veränderungen, da sich nirgendwo sonst in Europa so klimasensitive Naturräume auf vergleichsweise kleiner Fläche befinden. Bestimmte negative Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum sind dabei nicht mehr zu verhindern, lediglich zu mildern (vgl. BMU 2008, S. 4).
Immer wieder finden wir in den Medien Schlagzeilen wie „Die Alpen als Gefahrenzone“ im Bezug auf die Zunahme der Risiken in den Alpen durch den Klimawandel, wodurch es in Zukunft immer häufiger z. B. zu Felsstürzen kommen wird (vgl. HERRMANN 2010). Andere Artikel wie „Bis 2050 werden wir nur noch die Zugspitze haben“ (FISCHHABER 2014) oder „Gletscherschmelze: Alpen werden zur Seenlandschaft“ (BOJANOWSKI 2013) behandeln die Folgen des rezenten Klimawandels auf die Niederschlagsverhältnisse und das Gletscherverhalten im Alpenraum.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung und Vorgehensweise
2. Rezentes Klima im Alpenraum
2.1 Begriffsklärung und geographische Einordnung der Alpen
2.2 Begriffsklärung Klima
2.3 Das rezente Klima der Alpen nach dem Formenwandel nach Lautensach
2.4 Windsysteme im Alpenraum
2.4.1 Berg- und Talwind bzw. Hangauf- und Hangabwind
2.4.2 Der Föhn
3. Der rezente Klimawandel im Alpenraum
3.1 Begriffsklärung Klimawandel
3.1.1 Treibhauseffekt und Anstieg der globalen Temperatur
3.1.2 Klimaszenarien
3.1.2.1 Globale Klimamodelle
3.1.2.2 Regionale Klimamodelle
3.2 Veränderung der Temperatur im Alpenraum
3.2.1 Temperaturentwicklung in Österreich
3.2.2 Temperaturentwicklung in der Schweiz
3.2.3 Temperaturentwicklung in Deutschland
3.3 Veränderung des Niederschlags im Alpenraum
3.4 Veränderung der Schneeverhältnisse im Alpenraum
4. Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Alpenraum
4.1 Auswirkungen auf die Alpengletscher
4.1.1 Wichtige Begrifflichkeiten
4.1.1.1 Gletscher
4.1.1.2 Entstehung von Gletschern
4.1.1.3 Massenbilanz eines Gletschers
4.1.1.4 Gletscher als Klimazeugen
4.1.1.5 Zusammenhang zwischen Gletschergeometrie, Gletschergröße und Reaktionszeit eines Gletschers
4.1.2 Alpenweite Auswirkungen auf die Alpengletscher
4.1.3 Entwicklung der Pasterze als Beispiel für einen großen Alpengletscher
4.1.4 Die bayerischen Gletscher als Beispiele für kleine Alpengletscher
4.1.4.1 Nördlicher und südlicher Schneeferner
4.1.4.2 Höllentalferner
4.1.4.3 Watzmanngletscher
4.1.4.4 Blaueisgletscher
4.2 Auswirkungen auf die Alpenvegetation
4.2.1 Zusammenhang zwischen Klima und Vegetation in den Alpen
4.2.2 Verschiebung der Höhenstufen der Alpen
4.2.3 Veränderung der Phänologie und Anpassung der Flora in den Alpen
4.2.4 Veränderung der Artenzahl- und Artenzusammensetzung der Alpenflora
4.2.5 Das Projekt GLORIA als Beispiel für ein Vegetationsmonitoringnetzwerk im Alpenraum
4.3 Auswirkungen auf Naturgefahren im Alpenraum
4.3.1 Begriffsklärung Naturereignis, Naturgefahr und Naturkatastrophe
4.3.2 Zusammenhang zwischen rezentem Klimawandel und Naturkatastrophen im Alpenraum
4.3.3 Auswirkungen auf Lawinen
4.3.3.1 Begriffsklärung Lawine
4.3.3.2 Zusammenhang zwischen rezentem Klimawandel und Lawinen
4.3.4 Auswirkungen auf Hochwasser
4.3.4.1 Begriffsklärung Hochwasser und Wildbach
4.3.4.2 Die Alpen als Wasserschloss Europas
4.3.4.3 Zusammenhang zwischen rezentem Klimawandel und Hochwasser
4.3.4.4 Der Vernagtferner als Beispiel für den Zusammenhang zwischen Gletscherschmelze und höheren Abflusswerten
4.3.5 Auswirkungen auf Massenbewegungen (Rutschungen, Felsstürze, Muren)
4.3.5.1 Begriffsklärung Rutschung, Felssturz, Mure
4.3.5.2 Zusammenhang zwischen rezentem Klimawandel und Massenbewegungen
5. Zusammenfassung und Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Naturraum der Alpen. Dabei wird analysiert, wie sich klimatische Veränderungen auf die empfindlichen Ökosysteme des Hochgebirges auswirken, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, die konkreten Folgen für Gletscher, Vegetation und Naturgefahren aufzuzeigen.
- Klimatische Grundlagen und Windsysteme im Alpenraum
- Prozesse und Szenarien des rezenten Klimawandels in den Alpen
- Gletscherveränderungen am Beispiel von Pasterze und bayerischen Gletschern
- Verschiebung der Alpenvegetation und phänologische Anpassung
- Zunahme alpiner Naturgefahren durch Klimaveränderungen
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1 Gletscher
Gletscher werden als aus Schnee entstehende, langsam bergab fließende (20-200 m/Jahr) Eismassen bezeichnet, welche aus einem Nährgebiet (Eiszuwachs durch Schneefall, Graupel, Hagel, Lawinen etc.) und einem Zehrgebiet (Eisabbau durch Abschmelzen und Verdunstung) bestehen (vgl. ZYRD 2008, S. 18).
Der entscheidende Unterschied zwischen Gletschern und an Bergflanken befindlichen Wandvereisungen oder Eisbergen ist, dass Gletscher keine tote Masse sind und einer ständigen Bewegung unterliegen (vgl. WINKLER 2009, S. 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung und Vorgehensweise: Einleitung in die Bedeutung des Alpenraums und Definition der Zielsetzung sowie Vorgehensweise der Arbeit.
2. Rezentes Klima im Alpenraum: Darstellung des Klimas im Alpenraum unter Berücksichtigung geografischer Einordnung und charakteristischer Windsysteme.
3. Der rezente Klimawandel im Alpenraum: Analyse globaler und regionaler Aspekte des Klimawandels, einschließlich Temperatur- und Niederschlagsänderungen.
4. Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Alpenraum: Detaillierte Untersuchung der Folgen des Klimawandels für Gletscher, Vegetation und Naturgefahren.
5. Zusammenfassung und Schlussgedanke: Abschließende Betrachtung der Auswirkungen und Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Alpen, Klimawandel, Gletscherschwund, Alpenvegetation, Naturgefahren, Lawinen, Hochwasser, Massenbewegungen, Temperaturanstieg, Niederschlagsveränderung, Permafrost, Klimaszenarien, Ökosysteme, Biodiversität, Pasterze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Naturraum der Alpen, insbesondere auf Gletscher, Vegetation und das Auftreten von Naturgefahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die klimatischen Grundlagen, die Veränderung der Gletscher, ökologische Anpassungsprozesse der Vegetation sowie die durch den Klimawandel beeinflussten Naturgefahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum darzustellen und aufzuzeigen, wie empfindlich dieses Ökosystem auf Veränderungen reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Überblicksdarstellung, die sich auf regionale Beispiele und wissenschaftliche Daten stützt, um wesentliche Zusammenhänge zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Auswirkungen auf Gletscher (große und kleine), die Auswirkungen auf die Vegetation (Verschiebungen und Anpassungen) sowie Auswirkungen auf Naturgefahren (Lawinen, Hochwasser, Massenbewegungen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Alpen, Klimawandel, Gletscherschwund, Vegetation, Naturgefahren, Lawinen und Hochwasser.
Wie reagieren die bayerischen Gletscher auf den Klimawandel?
Bayerische Gletscher sind aufgrund ihrer meist niedrigeren Lage besonders gefährdet; ihre Zukunft hängt stark von der weiteren Erwärmung und den lokalen Bedingungen wie Abschattung ab.
Welche Rolle spielt der Treibhauseffekt im Alpenraum?
Er fungiert als Motor der globalen Klimaerwärmung, die sich im Alpenraum durch einen überdurchschnittlichen Temperaturanstieg und veränderte Niederschlagsmuster bemerkbar macht.
- Quote paper
- Thomas Körner (Author), 2014, Die Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf den Naturraum der Alpen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288956