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Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk "Lenz"

Titel: Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk "Lenz"

Seminararbeit , 2010 , 18 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Thomas Körner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine kurze Sequenz aus dem Leben des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz bildet das Zentrum des "Lenz" genannten Fragments des Schriftstellers Georg Büchner. Eben dieses Werk wurde erst nach dem Tod Büchners veröffentlicht und über Jahrzehnte hinweg kaum beachtet.

Heutzutage stellt die Verleihung des Georg-Büchner-Preises für deutschsprachige Autoren eine besondere Auszeichnung dar. Dieser Literaturpreis wird an Dichter und Schriftsteller vergeben, die an der Gestaltung des deutschen Literaturlebens großen Anteil haben. Dabei wird der Preis jährlich Mitte Oktober verliehen, wobei dadurch Georg Büchner gedacht wird, der am 17. Oktober 1813 im Großherzogtum Hessen-Darmstadt geboren wurde.

Verblüffend ist diese nachträgliche Ehrung des Dichters deswegen, weil dieser in Form des "Hessischen Landboten" im Jahre 1834 zu einer Revolution gegen die damalige Staatsordnung aufgerufen hatte und anschließend von den polizeilichen Behörden per Steckbrief gesucht worden war. Schließlich konnte sich Büchner nur durch Flucht nach Frankreich vor einer Verhaftung retten.

Im Jahre 1831 setzte Büchner in Straßburg sein bereits begonnenes Medizinstudium fort und beschäftigte sich zeitgleich mit dem Lebenswerk von Jakob Michael Reinhold Lenz, der sich zwischen 1772 und 1775 ebenfalls in Straßburg aufgehalten hatte. Das Genie als Vertreter des Sturm und Drang war später in Moskau krank und verlassen verstorben.
Georg Büchner, der am 19. Februar 1837 in Zürich nach kurzer Krankheit an Typhus starb, hinterließ mit seinem "Lenz" ein Meisterwerk realistischer Literatur, das auf authentische Art und Weise seine Kunst- und Lebensauffassung darstellt.

In dieser Arbeit soll nun eben diese Kunstauffassung Büchners anhand einer repräsentativen Passage des Fragments, dem Kunstgespräch, dargeboten werden. Dabei treten die Abgrenzung Büchners vom Idealismus und die Entwicklung einer Kunsttheorie Büchners aus dem Kunstgespräch in den Mittelpunkt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk `Lenz`

2.1 Begriffsklärung

2.2 Die Position des Kunstgesprächs im Handlungsverlauf

2.3 Idealismus contra ästhetischer Realismus – Büchners Kunstauffassung anhand der Novelle `Lenz`

2.4 Die Metapher des Medusenhauptes – Widerspruch zu Büchners Ästhetik?

2.5 Interpretation der beiden beschriebenen Gemälde innerhalb des Kunstgesprächs – Erzählende Bilder

2.5.1 Lenzens Interpretation des ersten Gemäldes `Jesus und die Jünger von Emmaus`

2.5.2 Lenzens Interpretation des zweiten Gemäldes `Die Frau am Fenster`

2.6 Kurzzusammenfassung des Lebens von J.M.R. Lenz

2.7 Jakob Michael Reinhold Lenz´ kunsttheoretische Gedanken

2.8 Das Verhältnis zwischen J.M.R. Lenz und Georg Büchner

3. „Er hatte sich ganz vergessen“. Ist der formale Höhepunkt des Kunstgesprächs auch ein inhaltlicher?

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Kunstgespräch in Georg Büchners Erzählfragment „Lenz“, um Büchners Abgrenzung zum Idealismus und die Entwicklung seiner eigenen realistischen Kunsttheorie zu analysieren und kritisch einzuordnen.

  • Analyse des Diskurses zwischen Lenz und Kaufmann über ästhetische und philosophische Fragen.
  • Gegenüberstellung von Idealismus und ästhetischem Realismus anhand von Bildbeschreibungen.
  • Untersuchung der Bedeutung der Kunst für das Leben und die psychische Verfassung der Protagonisten.
  • Vergleich der ästhetischen Positionen von Georg Büchner und der historischen Figur Jakob Michael Reinhold Lenz.

Auszug aus dem Buch

2.3 Idealismus contra ästhetischer Realismus – Büchners Kunstauffassung anhand der Novelle `Lenz`

Wie schon gesagt wurde, ist ein zentrales Thema des Diskurses der Kontrast zwischen Idealismus und ästhetischem Realismus. Unter Idealismus versteht man im Allgemeinen „das Streben nach Verwirklichung von Idealen, das Ausgerichtetsein an Idealen, Beherrschtsein von Idealen, auch die Neigung, die Wirklichkeit nicht zu betrachten, wie sie nach Meinung der Realisten ist, sondern wie sie sein sollte.“ Idealistische Gestalten, die nach dem Geschmack Kaufmanns sind, sind beispielsweise die antike Götterstatue des „Apoll von Belvedere“ oder „eine Raffaelische Madonna“.

Der Held eines idealistischen Dramas beispielsweise, ist immer eine vollkommene, erhabene, ideale Person, sein Gegenspieler eben genau das Gegenstück. Somit stellt der Idealdichter, laut Büchner, die Welt als Ideal dar und nicht wie sie tatsächlich ist.

Aus den vier poetischen Texten Büchners `Lenz`, `Danton´s Tod`, `Leonce und Lena` und `Woyzeck`, wie auch aus dem `Hessischen Landboten` und einem Brief Büchners an seine Familie vom 28. Juli 1835 sowie einer Probevorlesung `Über Schädelnerven` lässt sich eine Kunsttheorie Georg Büchners rekonstruieren. Allerdings kann nur vermutet werden, ob Büchner das, was er seinen Figuren in den Mund legte auch wirklich so gemeint hat. Den größten Umfang der ästhetischen Anschauungen Büchners finden sich im `Lenz`, weshalb nur dieses Werk und insbesondere das Kunstgespräch zur Interpretation herangezogen wird.

Allerdings ist eine konsistente Kunsttheorie nur sehr schwer aufzustellen, da alle Werke unter völlig unterschiedlichen Umständen entstanden sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung: Einführung in das Leben Jakob Michael Reinhold Lenzens sowie die Bedeutung von Büchners Fragment „Lenz“ im literarischen Kontext.

2. Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk `Lenz`: Einleitende Definition des Kunstgesprächs als philosophischen und gesellschaftskritischen Diskurs zwischen Lenz und Kaufmann.

2.1 Begriffsklärung: Erläuterung des Kunstgesprächs als Diskurs, der über reine Ästhetik hinausgeht und das Verhältnis von Kunst und Praxis thematisiert.

2.2 Die Position des Kunstgesprächs im Handlungsverlauf: Einordnung der Sequenz in den psychischen Gesundheitszustand und den Aufenthalt von Lenz bei Pfarrer Oberlin.

2.3 Idealismus contra ästhetischer Realismus – Büchners Kunstauffassung anhand der Novelle `Lenz`: Analyse der Kontroverse zwischen der idealistischen Kunstauffassung und Büchners Forderung nach ästhetischem Realismus.

2.4 Die Metapher des Medusenhauptes – Widerspruch zu Büchners Ästhetik?: Diskussion über die ambivalente Verwendung des Medusenhauptes als Metapher zur Verewigung der Wirklichkeit.

2.5 Interpretation der beiden beschriebenen Gemälde innerhalb des Kunstgesprächs – Erzählende Bilder: Analyse der künstlerischen Umsetzung von christlichen Motiven und deren Wirkung auf den Betrachter.

2.5.1 Lenzens Interpretation des ersten Gemäldes `Jesus und die Jünger von Emmaus`: Untersuchung der Rolle von Unbegreiflichkeit und Farbsymbolik im Emmaus-Bild.

2.5.2 Lenzens Interpretation des zweiten Gemäldes `Die Frau am Fenster`: Interpretation der häuslichen Andacht als Gegenentwurf zum idealistischen Schönheitsideal.

2.6 Kurzzusammenfassung des Lebens von J.M.R. Lenz: Biografischer Überblick über das Leben des Sturm-und-Drang-Dichters von der Kindheit bis zum Tod.

2.7 Jakob Michael Reinhold Lenz´ kunsttheoretische Gedanken: Gegenüberstellung der historischen Ästhetik von Lenz mit den in der Novelle dargestellten Positionen.

2.8 Das Verhältnis zwischen J.M.R. Lenz und Georg Büchner: Reflexion über die intellektuelle und konzeptionelle Wahlverwandtschaft der beiden Autoren.

3. „Er hatte sich ganz vergessen“. Ist der formale Höhepunkt des Kunstgesprächs auch ein inhaltlicher?: Kritische Auseinandersetzung mit der Interpretation des formalen Endes der Ästhetikpassage.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, J.M.R. Lenz, Kunstgespräch, ästhetischer Realismus, Idealismus, Kunsttheorie, Sturm und Drang, Bildinterpretation, Literaturanalyse, Medusenhaupt, Lebenswahrheit, Ästhetik, Religion, Identität, Psychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das zentrale Kunstgespräch aus Georg Büchners Erzählfragment „Lenz“ und analysiert, wie Büchner darin seine eigene realistisch geprägte Kunsttheorie durch seinen Protagonisten artikuliert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit deckt die Kontroverse zwischen Idealismus und ästhetischem Realismus, die Interpretation erzählender Bilder, kunsttheoretische Gedanken sowie biografische Bezüge zwischen Lenz und Büchner ab.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, Büchners Abgrenzung von idealistischen Kunstkonzepten aufzuzeigen und zu klären, inwieweit das Kunstgespräch Aufschluss über Büchners eigenes ästhetisches Programm gibt.

Welche methodische Vorgehensweise wird verwendet?

Es erfolgt eine textnahe Analyse ausgewählter Passagen, insbesondere der Bildbeschreibungen im „Lenz“, unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur zur Ästhetik beider Autoren.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Einordnung in den Handlungsverlauf, die Kontrastierung der Kunststile sowie die detaillierte Interpretation der Gemälde-Beschreibungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?

Wesentliche Begriffe sind Realismus, Idealismus, Kunsttheorie, Naturdarstellung, Geniekult und das Spannungsfeld zwischen Kunst und Lebenspraxis.

Wie unterscheidet sich die Kunstauffassung von Kaufmann und Lenz in der Erzählung?

Kaufmann vertritt ein klassisch-idealistisches Kunstverständnis (z.B. antike Statuen), während Lenz eine wirklichkeitsgetreue Darstellung fordert, die auch das Hässliche und Unbedeutende einbezieht.

Welche Bedeutung hat das Ende des Kunstgesprächs („Er hatte sich ganz vergessen“)?

Es wird kontrovers diskutiert, ob dies eine heilsame therapeutische Wirkung auf Lenz markiert oder als Ausdruck seiner zunehmenden Entfremdung und Abgrenzung gegenüber der Außenwelt zu deuten ist.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk "Lenz"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Proseminar Georg Büchner
Note
2,0
Autor
Thomas Körner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V288961
ISBN (eBook)
9783656892014
ISBN (Buch)
9783656892021
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstgespräch im Lenz Jakob Michael Reinhold Lenz Georg Büchner Novelle Lenz von Büchner Novellle Lenz Kunstgespräch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Körner (Autor:in), 2010, Das Kunstgespräch in Georg Büchners Werk "Lenz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288961
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Leseprobe aus  18  Seiten
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