Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Auszug aus dem Werk "Ab urbe condita" des römischen Schriftstellers Titus Livius und geht der Frage nach, inwieweit die durch Livius vorgenommene Schilderung des Todes und der Vergöttlichung des sagenumwobenen Stadtgründers Roms, Romulus, als authentisch angesehen werden kann und welche Rolle dabei ein gewisser Proculus Iulius spielt. Dazu wird zunächst der Textausschnitt Liv. 1,15,5-1,16,8 im Gesamtwerk des Autors positioniert und in einem weiteren Schritt paraphrasiert dargestellt.
Der Hauptteil dieser Arbeit wird sich mit der ausführlichen Interpretation des Textstückes befassen, indem die Passagen jeweils sprachlich, stilistisch und inhaltlich analysiert werden. Dabei wird auch der textkritische Apparat an einigen Stellen, soweit es sinnvoll erscheint, besprochen und eine Recherche im Thesaurus Linguae Latinae zum Wort perobscurus durchgeführt. Des Öfteren kann dabei auch eine Verbindung zwischen Livius und anderen Autoren hinsichtlich Wortwahl oder Stilistik gezogen werden.
Daran schließt sich eine knappe Darstellung der Apotheose des Romulus bei anderen prosaischen wie poetischen Autoren an. Im Mittelpunkt bei der Beschäftigung mit Paralleltexten sollen dabei die Fragen stehen, wie der jeweilige Autor das Geschehen beurteilt und welche Rolle jeweils die unterschiedlichen beteiligten Personen spielen. Dabei soll auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Verkünders der Worte des Romulus nicht unbeachtet bleiben. Abschließend werden die Ergebnisse noch einmal in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einordnung des Textes in das Gesamtwerk
1.2 Begründung der Auswahl
1.3 Darstellung des Forschungsstands
2 Interpretation
2.1 Paraphrase des Textauszuges
2.2 Die Gestalt des Romulus (Liv. 1,15,6-1,15,8)
2.3 Die Entrückung (Liv. 1,16,1-1,16,4)
2.4 Epiphanie und Zukunftsvision (Liv. 1,16,5-1,16,8)
2.5 Tod und Apotheose bei anderen Autoren
2.5.1 Ennius
2.5.2 Cicero
2.5.3 Ovid
2.5.4 Plutarch
2.5.5 Zusammenfassung
3 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Bericht des römischen Geschichtsschreibers Titus Livius über den Tod und die Apotheose des Stadtgründers Romulus. Zentral ist dabei die Frage nach der Authentizität dieser Schilderung bei Livius sowie die Rolle der Figur des Proculus Iulius, wobei insbesondere die kritische Distanz des Autors zu den Ereignissen und die Einbettung in den zeitgenössischen Diskurs analysiert werden.
- Analyse der literarischen Darstellung von Tod und Entrückung des Romulus
- Untersuchung der ambivalenten Persönlichkeit des Romulus und des Konflikts zwischen Senatoren und Bevölkerung
- Kritische Würdigung der Rolle und Glaubwürdigkeit des Proculus Iulius
- Vergleich der livianischen Darstellung mit anderen antiken Autoren (Ennius, Cicero, Ovid, Plutarch)
- Analyse der Verbindung von Romulus' Tod mit dem Macht- und Herrschaftsanspruch Roms
Auszug aus dem Buch
2.1 Paraphrase des Textauszuges
Zu Beginn wird die Überzeugung der göttlichen Herkunft des Romulus, welche nach dessen Tod aufkam, geschildert. Romulus war ein Herrscher, der mehr beim einfachen Volk als beim Senat beliebt war. Die höchste Gunst genoss er jedoch bei seinen Soldaten. Daran anschließend werden die Taten des Romulus als für einen Sterblichen würdig bezeichnet. Als er sein Heer musterte, ereignete sich ein Unwetter, in dessen Folge Romulus aus dem Blickfeld der Umstehenden verschwand. Sofort wurden die Zuschauer von Furcht ergriffen und diejenigen, die dem Geschehen am nächsten standen, behaupteten, Romulus sei durch eben jenen Sturm in den Himmel emporgerissen worden.
Gleich darauf verehrte man Romulus als Gott, Gottessohn, König und Vater und sprach ihm so eine göttliche Herkunft zu. Livius selbst erwähnt noch, dass es auch Römer gegeben hat, die das Verschwinden des Romulus keineswegs für so wunderlich und mythisch hielten, wie die Senatoren es beschrieben. Sie beschuldigten im Verborgenen die Senatoren, die Gelegenheit genutzt und Romulus beseitigt zu haben. Das Gerücht um die Entrückung war aber weiter verbreitet, nicht zuletzt bedingt durch einen Augenzeugenbericht des Proculus Iulius, der behauptete, ihm sei der vom Himmel herabgestiegene Romulus erschienen und habe ihn beauftragt, den Bürgern Roms mitzuteilen, dass die Götter wollen, dass Rom das Haupt der Welt ist. Gleichzeitig beinhaltet diese Rede eine Ermutigung an die Römer, sich in der Kriegskunst zu üben und die anderen Völker zu beherrschen. Livius selbst fügt zum Schluss hinzu, dass er es erstaunlich findet, wie viel Glaubwürdigkeit die Römer dem Mann zusprechen, der ihnen dies mitteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema, die Fragestellung und das methodische Vorgehen der Arbeit vor und ordnet den behandelten Textausschnitt aus dem ersten Buch des Werkes Ab urbe condita in den historischen Kontext ein.
2 Interpretation: Dieser Hauptteil analysiert den Textauszug abschnittsweise unter sprachlichen und stilistischen Gesichtspunkten, erörtert die Rolle des Proculus Iulius, vergleicht verschiedene antike Überlieferungen und arbeitet Livius' kritische Haltung zu den Ereignissen heraus.
3 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Wandel in der Darstellung der Apotheose des Romulus über die Epochen hinweg und unterstreicht den interpretatorischen Spielraum bei der Schilderung solch mythologischer Gestalten.
Schlüsselwörter
Romulus, Titus Livius, Ab urbe condita, Apotheose, Entrückung, Proculus Iulius, Senat, Mythos, Historiographie, Weltherrschaft Roms, antike Literatur, politische Instrumentalisierung, Glaubwürdigkeit, Quellenkritik, Kriegskunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schilderung des Todes und der Vergöttlichung (Apotheose) des legendären römischen Stadtgründers Romulus im ersten Buch des Geschichtswerkes Ab urbe condita von Titus Livius.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die literarische Darstellung des Todes des Romulus, die Rolle des Proculus Iulius als vermeintlicher Zeuge einer Epiphanie, der Konflikt zwischen Senatoren und der Bevölkerung sowie der Vergleich mit der Rezeption dieses Mythos bei anderen antiken Autoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit die Schilderung des Romulus bei Livius als authentisch betrachtet werden kann und welche Rolle Livius dem Zeugen Proculus Iulius zuschreibt, um die Glaubwürdigkeit der Überlieferung kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die philologische Textanalyse: Der Text wird abschnittsweise sprachlich, stilistisch und inhaltlich untersucht. Zudem werden Parallelen zu anderen antiken Autoren gezogen und textkritische Apparate sowie philologische Hilfsmittel wie der Thesaurus Linguae Latinae einbezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die sprachlich-stilistische Analyse des Textes bei Livius – inklusive der Interpretation von Begriffen wie "perobscura" und der Funktion des Hysteron-Proteron – sowie in eine vergleichende Darstellung der Todesumstände bei Autoren wie Ennius, Cicero, Ovid und Plutarch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Romulus, Titus Livius, Apotheose, Proculus Iulius, Mythos, Quellenkritik und die politische Instrumentalisierung des Romulus-Mythos.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Proculus Iulius bei Livius?
Der Autor arbeitet heraus, dass Livius durch verschiedene stilistische Mittel und Kommentare eine distanzierte Haltung einnimmt und Proculus Iulius in ein Licht rückt, das dessen Glaubwürdigkeit als Zeuge für die Göttlichkeit des Romulus erheblich in Zweifel zieht.
Welche Bedeutung hat das "Hysteron-Proteron" in der Analyse?
Das Hysteron-Proteron wird als strukturelles Mittel identifiziert, das über den gesamten Textauszug hinweg die Abwesenheit des Romulus betont und so die Diskrepanz zwischen der offiziellen Vergöttlichungslegende und den Zweifeln an deren Wahrheitsgehalt verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Michael Zadel (Autor:in), 2014, "Nec deinde in terris Romulus fuit". Tod und Apotheose des Romulus nach Liv. 1,16, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289063