Umweltprobleme in Entwicklungsländern. Indien und die Wasserverschmutzung


Diplomarbeit, 2008
102 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung
1.1 Relevanz der Themenstellung
1.2 Methodische Vorgangsweise
1.3 Gang der Untersuchung
1.4 Definitionen und Prämissen
1.4.1 Politische Ökologie
1.4.2 Umweltökonomie
1.4.3 Umweltverschmutzung

2 Grundlagen der Umweltökonomie
2.1 Einführung in die Umweltökonomie
2.2 Das Allokationsproblem in einer Marktwirtschaft
2.2.1 Knappheit und Effizienz
2.2.2 Externe Effekte
2.2.3 Öffentliche Güter
2.3 Internalisierung externer Effekte
2.3.1 Ergänzung des Marktsystems
2.3.2 Die Pigou-Steuer
2.3.3 Emissionszertifikate
2.3.4 Verschmutzungsrechte
2.3.5 Coase-Theorem
2.4 Die Allokation öffentlicher Güter
2.4.1 Lindahl-Gleichgewicht
2.4.2 Kostenteilungsgleichgewicht
2.4.3 Kernäquivalenz

3 Indiens Umweltsituation
3.1 Die wirtschaftliche Entwicklung Indiens im Überblick
3.2 Rechtliche und institutionelle Grundlagen der indischen Umweltpolitik
3.3 Umweltprobleme Indiens
3.3.1 Luftverschmutzung
3.3.2 Bodenverschmutzung
3.3.3 Abfallentsorgung
3.3.4 Lebensmittelverschmutzung
3.3.5 Wasserverschmutzung
3.3.6 Energiewirtschaft
3.3.7 Klimawandel: Desertifikation, Sandsturm, Sturmfluten

4 Umweltbereich Wasser
4.1 Wasserschutzgesetzgebung
4.2 Trinkwasser
4.3 Sanitärwasser
4.4 Grundwasser
4.4.1 Talcher
4.4.2 Mahad
4.4.3 Muthia
4.4.4 Ranipet
4.5 Wasser für die Landwirtschaft
4.5.1 Karnataka
4.5.2 Tamil Nadu
4.5.3 Andhra Pradesh
4.5.4 Orissa
4.6 Verschmutzung der Flüsse
4.6.1 Amlakhadi
4.6.2 Brahmani
4.6.3 Damanganga und Kolak
4.6.4 Ganges
4.7 Verschmutzung der Seen
4.7.1 Hussainsagar
4.7.2 Rihand-Stausee
4.7.3 Narmada-Stausee Projekt
4.8 Subventionen der Weltbank
4.9 Staatliche Maßnahmen
4.10 Potential im Bereich Wasser

5 Fazit
5.1 Bereits ergriffene Maßnahmen
5.2 Maßnahmen, die noch ergriffen werden sollten
5.3 Zukunftsaussichten

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abbildung 1: Top Ten 2007 der meist verschmutzten Plätze der Welt

Abbildung 2: Unterschiede in der ökonomischen Leistungsstärke Indiens

Abbildung 3: Zeittafel der indischen Umweltschutz-Gesetzgebung und deren Novellen

Abbildung 4: Asien versinkt im Wetterchaos

Abbildung 5: Sommer- und Wintermonsun

Abbildung 6: Zeittafel der indischen Wasserschutz-Gesetzgebung und deren Novellen

Abbildung 7: Niederschlag KW 31, 2007

Abbildung 8: Sukinda Tal, Wasserversorgung

Abbildung 9: Sukinda Tal, Tagebau

Abbildung 10: Vapi, Müllentsorgung

Abbildung 11: Flußlauf des Ganges

Tabelle 1: Luftverschmutzung in Delhi

Tabelle 2: Industriegebiet Ankleshwar

Tabelle 3: Singrauli, Gangesebene

Tabelle 4: Naturkatastrophen durch Klimawandel

Tabelle 5: Talcher, Orissa

Tabelle 6: Mahad Industriegebiet

Tabelle 7: Muthia

Tabelle 8: Ranipet

Tabelle 9: Karnataka

Tabelle 10: Tamil Nadu

Tabelle 11: Andhra Pradesh

Tabelle 12: Orissa

Tabelle 13: Amlakhadi

Tabelle 14: Sukinda

Tabelle 15: Nandesari, Ankleshwar, Vapi

Tabelle 16: Ganges

Tabelle 17: Hyderabad

Tabelle 18: Singrauli

Tabelle 19: Narmada, Madhya Pradesh

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abstract

This diploma thesis covers environmental problems in developing countries, especially the environmental problems in India, pointing out the problems on water pollution. Basic environmental policy instruments are evaluated, covering theories like Lindahl equilibration, Coase-Theorem, Tragedy of the Commons and prisoners’ dilemma.

An overview is given on the general environmental situation in India, pointing out the water related problems. How efficient is the environmental legislation and execution in India? Furthermore an overview is given of the development and the actual situation of India’s environmental legislation. Is it possible to improve the Indian environmental situation with legislative measures and are the environmental and economic instruments effective?

Analysing India’s environmental situation by taking a closer look at the Indian locations chosen to be one of the „World’s Worst Polluted Places 2007“, according to the yearly evaluation by Blacksmith Institute. How could those grievances happen? The effects of the environmental pollution on nature and inhabitants are analysed and possible measures which can be taken to improve the situation are pointed out.

What can be done by the public, international or national side for a better environment? Which role plays the World Bank in helping India out by dealing in credits bond to certain projects? May it be possible through measures and cooperation to recreate a better environmental situation in India? Are environment protection projects through synergies producing an added value in regard to coordinated use of water resources, efficient water usage and improvement of water quality?

Are there possibilities of improving water quality and for a more efficient usage of the scarce environmental water resource in India? The conclusion of this thesis will point out some imaginable possibilities for India’s decision makers how to solve environmental problems and how the future could be designed.

1 Einleitung

In dem folgenden Kapitel werden die Themenstellung und Relevanz der Themenstellung erörtert, das Generalthema „Umweltprobleme in Entwicklungsländern“ umrissen und der Titel „Umweltprobleme in Indien am Beispiel der Wasserverschmutzung“ wird beschrieben, indem die Forschungsfrage definiert und abgegrenzt wird. Anschließend wird auf den Stand der Literatur, die methodische Vorgangsweise und den Gang der Untersuchung eingegangen. Schlussendlich folgen Definitionen und Prämissen, um eine Verständnisgrundlage zu schaffen.

1.1 Relevanz der Themenstellung

Indien unterliegt einer schnell wachsenden wirtschaftlichen Entwicklung. Diese Entwicklung führt nicht nur zu positiven Auswirkungen. Einhergehend mit Indiens rasantem Wirtschaftswachstum treten nun vermehrt Umweltprobleme in den Vordergrund, welche dahingehend wirtschaftsrelevant werden, dass unter anderem auch ein stark ansteigender Verbrauch der Ressourcen Indiens statt findet. Die Umweltverschmutzung selbst und eine stark wachsende Abfallproduktion verursachen Kosten, aber es bieten sich auch durch diese Situation, in welcher in Indien ein neuer Absatzmarkt für Umwelttechnologien geschaffen wird, und eine effiziente Nutzung und Aufbereitung von Umweltressourcen sich zu einem zusätzlichen Wirtschaftsfaktor entwickeln, neue Chancen.

Formulierung der Forschungsfrage

Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, zu untersuchen:

Welche Basis-Instrumente der Umweltpolitik gibt es?

Wie ist es um die Umweltsituation in Indien aktuell bestellt? Welche speziell auf die Ressource Wasser bezogenen Probleme gibt es?

Wie effizient ist die Umweltschutzgesetzgebung und -vollziehung in Indien?

Welche gesetzlichen Maßnahmen können zur Verbesserung der indischen Umweltsituation einen Betrag leisten?

Sind die umweltpolitischen und umweltökonomischen Instrumente in Indien als effektiv zu bewerten?

Was wird von öffentlicher und privater, internationaler und nationaler Seite her für die Umwelt getan?

Was können Maßnahmen, speziell Kooperationen, tatsächlich zur Entschärfung von Umweltproblemen beitragen?

Bieten Umweltschutz-Projekte einen „Mehrwert“ durch eventuelle Synergie-Effekte, die bei koordinierter Nutzung von Wasserressourcen zu effizienter Wassernutzung und zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen können?

Welche Möglichkeiten der Steigerung der Wasserqualität und der effizienteren Nutzung der knappen Umweltressource Wasser eröffnen sich Indien?

1.2 Methodische Vorgangsweise

Aktuelle indische internationale sowie nationale Literatur und Magazine aus den Jahren 2006, 2007 und 2008 werden berücksichtigt. Dadurch, dass Indien sich selbst beim Thema Umweltschutz eher unkritisch betrachtet, sind Indiens Umweltpolitik kritisch gegenüberstehende Stimmen aus dem Ausland ebenfalls eingearbeitet.

Die Untersuchung gliedert sich in sechs Teile. In einem Methodischen Teil werden zunächst Ziel und Abgrenzung der Arbeit sowie das wissenschaftliche Vorgehen erläutert. Dann wird auf die Quellenlage eingegangen.

Unter Verwendung der Literaturrecherche werden Literatur Studien betrieben. Es wird nicht nur eine theoretische Annäherung im zweiten Kapitel geben sondern auch praktische Beispiele in den Kapiteln drei und vier eingearbeitet sein.

In den Hauptkapiteln 2 bis 4 wird die Untersuchung durch Literaturrecherchen getragen sein, genutzt wird inländische wie ausländische Literatur sowie in- und ausländische Magazine, Zeitschriften sowie Zeitungen und Internetquellen. Im fünften Hauptkapitel wird durch die Autorin ein Fazit gezogen, basierend auf dem davor aufbereiteten Recherche Material.

1.3 Gang der Untersuchung

Die Untersuchung gliedert sich in fünf Hauptkapitel. In der Einleitung wird zunächst Ziel und Abgrenzung der Arbeit sowie das wissenschaftliche Vorgehen erläutert. Dann wird auf die Quellenlage eingegangen. Anschließend werden Definitionen erläutert, es handelt sich hier um zentrale Begriffe der Diplomarbeit, deren Klärung zum besseren Verständnis der verwendeten Fachausdrücke beitragen soll.

Mit dem zweiten Hauptkapitel wird die theoretische Grundlage dieser Arbeit, die theoretische Umweltökonomie, aufgearbeitet. Hier werden auf Allokationsprobleme der Marktwirtschaft, wie Knappheit und Effizienz, externe Effekte und öffentliche Güter eingegangen, aber auch die Internalisierung externer Effekte wie die Pigou-Steuer, Emissionszertifikate, Verschmutzungsrechte und das Coase-Theorem erläutert. Im Zusammenhang mit der Allokation öffentlicher Güter werden das Lindahl-Gleichgewicht, das Kostenteilungsgleichgewicht und die Kernäquivalenz erörtert. Ein Exkurs führt in die praktische Umweltökonomie, um einen Einblick in den Preis-Standard-Ansatz von Baumol und Oates zu geben.

Im dritten Hauptkapitel wird ein Einblick in die aktuelle Umweltsituation Indiens gegeben, die wirtschaftliche Entwicklung Indiens im Überblick beschrieben und auf die Hauptumweltprobleme Indiens wie Abfallentsorgung, Bodenverschmutzung, Lebensmittelverschmutzung, Luftverschmutzung und Wasserverschmutzung eingegangen, um dann im Anschluss darauf im Hauptkapitel vier auf rechtliche und administrative Grundlagen einzugehen und den Umweltbereich Wasser aufzugreifen, wobei eine grundsätzliche Übersicht über die vorherrschende Wassersituation Indiens gegeben wird und die Ist-Situation bei Themen wie Trinkwasser, Sanitärwasser, Grundwasser, Wasser für die Landwirtschaft, Verschmutzung von Flüssen, Seen, und des Meeres ausgearbeitet werden. Es werden Verschmutzungsursachen eruiert, dann festgestellt, wie sich die Verschmutzung auf die Gesundheit der dort ansässigen Bevölkerung auswirkt, welche aktuellen Maßnahmen gesetzt werden, um die Situation zu verbessern und wie erfolgreich diese durchgeführt werden. Die staatlichen Maßnahmen im Bereich Wasser, erhaltene Subventionen, und das wirtschaftspolitische Potential werden aufgezeigt, sowie die wirtschaftspolitischen Entwicklungen, die in Indien stattfinden, festgestellt. Im 5. Hauptkapitel erfolgt die Konklusion der Arbeit, ein abschließendes Fazit wird gezogen, auf bereits ergriffene Maßnahmen reflektiert, abgeleitet, welche Maßnahmen noch sinnvoll zu verfolgen wären, und die damit verbundenen Zukunftsaussichten erläutert, welche sich daraus wiederum ergeben können.

1.4 Definitionen und Prämissen

Im Anschließenden werden Definitionen erläutert. Es handelt sich hier um zentrale Begriffe der Diplomarbeit, deren Klärung zum besseren Verständnis der verwendeten Fachausdrücke beitragen und eventuellen Missverständnissen vorbeugen soll. Die Begriffe sind in alphabethischer Reihenfolge aufgeführt, um auch ein rasches Finden beim Nachlesen zu ermöglichen.

1.4.1 Politische Ökologie

Die Bezeichnung Politische Ökologie gilt für einen Aspekt der Politikwissenschaft, der sich mit der Beziehung der Menschen zu sich selbst, zueinander und zu ihrer Umwelt, im Speziellen auch zur Natur beschäftigt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Erhaltung der Natur und die Sicherung der von ihr bereitgestellten Ressourcen für das Leben in bestimmten politischen Systemen und mit bestimmten politischen Strukturen möglich sind.[1]

Die Politische Ökologie steht in der Tradition der praktischen Philosophie und ist als Staats- und Gesellschaftswissenschaft auf das praktische Gestalten und Fördern der Lebensbezüge einer Gemeinschaft ausgerichtet. Die Politikwissenschaft ist grundsätzlich, wie auch die Politische Ökologie eine Integrationswissenschaft.[2]

Aus ihrem Praxisbezug ergibt sich ihre Bedeutung für die Gesetzgebungs- bzw. Regierungslehre und die Rechtstheorie. Da die ökologische Krise, deren merkliche Zuspitzung am Beginn einer ökologischen Orientierung von Teilen der etablierten Politikwissenschaft zu Beginn der siebziger Jahre stand, keine Krise der Natur, sondern eine des Menschen ist, gehören besonders die philosophische und psychologische Anthropologie sowie auch die Erkenntnistheorie zu ihren Hilfswissenschaften. Es ergeben sich auch Berührungen mit der Politischen Ökonomie insofern, dass die ökologische Krise die Grenzen für ein auf stetes Wachstum gerichtetes Wirtschaftsmodell aufzeigt.[3]

1.4.2 Umweltökonomie

Umweltökonomie setzt sich als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaft mit dem Zusammenspiel zwischen der Umwelt und unserer Wirtschaft auseinander. Ziel ist es in einem statischen Kontext, das Allokationsproblem unter Einbeziehung der als knapp geltenden Umweltgüter mit ihren besonderen Eigenschaften effizient zu lösen.[4]

Bei der Umweltökonomischen Gesamtrechnung , kurz UGR, handelt es sich um ein statistisches Berichtssystem, das die aus den ökonomischen Aktivitäten resultierende Nutzung von Umweltleistungen sowie den Ge- und Verbrauch der natürlichen Ressourcen auf gesamtwirtschaftlicher Ebene dokumentiert und ein Ökoinlandsprodukt errechnet. Die UGR umfasst die Material- und Energieflussrechnungen, die Nutzung von Fläche und Raum, Indikatoren des Umweltzustandes, Maßnahmen des Umweltschutzes und unterstellte Vermeidungskosten. Während sich die letzten beiden Themenbereiche an die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, kurz VGR, anlehnen und die umweltrelevanten Tatbestände in Geld bewerten, beziehen sich die Darstellungen der ersten drei Themenbereiche auf physische Größen.[5]

1.4.3 Umweltverschmutzung

Umweltverschmutzung ist eine allgemein sprachliche Bezeichnung für die stoffliche Belastung der Umwelt als Folge der menschlichen Zivilisation (Umweltbelastung). Im weiteren Sinn werden auch Lärm oder Beeinträchtigungen des Erscheinungsbildes einer Landschaft, oder Geruch zur Umweltverschmutzung gerechnet.“[6]

2 Grundlagen der Umweltökonomie

Unter Anerkennung dessen, dass der Zustand der Umwelt das Wohlergehen der Menschen beeinflusst, dass ein angemessener Zustand der Umwelt in vielerlei Hinsicht Nutzen stiftet - wie auch andere Konsumgüter - gehört die Umwelt zur Interessenssphäre der Ökonomie. Der Begriff des Gutes ist in der Ökonomie ein zentraler Begriff. Als solcher ist er auf die Nutzenstiftenden Komponenten der Umwelt in geeigneter Weise zu übertragen, wobei erst unter dem Blickwinkel der Knappheit Umweltgüter für die ökonomische Analyse relevant werden. Allerdings werden Umweltgüter oft erst dann als knapp empfunden, wenn die wirtschaftliche Lage lebensnotwendige Basisbedürfnisse erfüllen kann. Oft werden Umweltverschmutzungen wegen übergeordneter Interessen akzeptiert. Mit der Knappheit stellt sich aber immer auch die Frage nach der adäquaten Allokation der Umweltgüter;[7] Wobei unter dem Begriff der Allokation die Verteilung der begrenzten Produktionsfaktoren einer Volkswirtschaft auf unterschiedliche Verwendungszwecke zu verstehen ist. Die Kriterien für eine optimale Allokation werden von der Wohlfahrtsökonomik untersucht. Es stellt sich also die Frage: Welche Güter werden benötigt, wie können diese zur Verfügung gestellt werden und welcher Mechanismus ist zur Lösung dieser Probleme geeignet?[8]

Die Übernutzung und Umweltverschmutzung führt zu negativen externen Effekten/Kosten, d. h. das Handeln eines Marktteilnehmers wirkt sich auf den Nutzen von unbeteiligten Personen aus. In weiterer Folge führt dies zu einer Diskrepanz zwischen den privaten und den sozialen Kosten bei der Nutzung von Umweltgütern.[9]

Deshalb haben viele umweltökonomische Instrumente die Schließung oder zumindest die Verkleinerung dieser Lücke zwischen privaten und sozialen Kosten bei der Inanspruchnahme eines Umweltgutes zum Ziel, gerade dann, wenn ein Ausschluss vom Konsum dieser Umweltgüter kaum oder nicht möglich ist. Der Aspekt der Nichtausschließbarkeit und die Wahrnehmung, dass die Umweltsituation durch die Aktivitäten eines einzelnen Individuums meist nicht merklich verändert wird, sind charakteristische Eigenschaften öffentlicher Güter, die das Allokationsproblem für Umweltgüter diffiziler gestalten.[10]

2.1 Einführung in die Umweltökonomie

Die meisten Umweltgüter sind heute als knappe Güter zu betrachten, deren Allokation sich dem herkömmlichen Marktmechanismus auf Grund ihrer speziellen Eigenschaften ohne geeignete Anpassung der Rahmenbedingungen entzieht. Die Änderung und Ergänzung der Rahmenbedingungen eines marktwirtschaftlichen Systems auf Basis einer fundierten Untersuchung der zugrunde liegenden Zusammenhänge ermöglichen eine marktkonforme Lösung des Allokationsproblems im Umweltbereich. Wobei auf die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der theoretischen Umweltökonomie und den Erfordernissen der umweltpolitischen Praxis hingewiesen werden muss. Trotzdem natürlich die theoretischen Grundlagen die Voraussetzung dafür schaffen, dass adäquate und effektive Umweltpolitik betrieben werden kann.[11]

In vielen Produktionsprozessen erfolgt der Einsatz der Umweltgüter nicht ökonomisch und ineffizient. Das bedeutet aber auch, dass ein beträchtlicher Teil der Umweltprobleme eine Folge ineffizienter ökonomischer Strukturen ist, was dann die Frage aufwirft, wie eine effiziente Allokation unter Einbindung der Umweltgüter erreicht werden kann.[12] Nach Arrow’s Unmöglichkeitstheorem gibt es kein Verfahren, das die individuellen Präferenzen der Mitglieder einer Volkswirtschaft aggregiert und dabei einigen plausiblen und anstrebenswerten Annahmen genügt.[13]

2.2 Das Allokationsproblem in einer Marktwirtschaft

Der klassische Fall eines Allokationsproblems ist die Leistungsfähigkeit eines Marktmechanismus im Fall privater Güter,[14] welche auf regulären Märkten gehandelt werden. Dieser wird um die externen Effekte erweitert, wie sie typischerweise in Zusammenhang mit Umweltbelastungen auftreten.[15]

2.2.1 Knappheit und Effizienz

Nur wenn die Grundlagen und das Fundament der wirtschaftlichen Methode bekannt sind, kann das darauf errichtete Theoriegebäude verstanden werden. Der Kern des ökonomischen Denkens besteht in der Überzeugung, dass wirtschaftliche Probleme ihrer Struktur nach Knappheitsprobleme sind. Ziel des Wirtschaftens ist es also knappe Güter und Ressourcen so einzusetzen, dass sie den größtmöglichen Nutzen stiften. Die Begrenztheit der Mittel ist unabänderlich, und die Antwort der Ökonomen darauf lautet „Effizienz“. Dieser Begriff lässt sich mit Hilfe des ökonomischen Prinzips näher charakterisieren, welches verlangt, dass ein gegebenes Ziel mit dem geringst möglichen Mitteleinsatz zu erreichen ist, und gegebene Mittel so einzusetzen sind, dass das angestrebte Ziel im größtmöglichen Umfang realisiert wird. Oder auch anders formuliert: Effizienz ist das Beste, was in einer Knappheitssituation erreicht werden kann, und darum kommt dem Effizienzbegriff eine zentrale Bedeutung in der ökonomischen Wirtschaft zu.[16]

Thematisiert werden in der Ökonomie ebenfalls Verteilungsfragen, wobei allerdings bei Umweltproblemen man sich nahezu ausschließlich mit Ineffizienzen auseinandersetzt. Dies deshalb, weil, würden knappe Umweltressourcen gegenwärtig effizient genutzt werden, bliebe zur Lösung des Entwicklungs- und Bevölkerungsproblems nur noch die Möglichkeit der radikalen Umverteilung, welche in der Konsequenz einen weltweiten Verteilungskonflikt nach sich ziehen könnte. Allerdings muss bei ökonomischer Betrachtung der Umweltproblematik festgestellt werden, dass das zentrale Problem im Umgang mit natürlichen Ressourcen
tatsächlich in der Ineffizienz ihrer Nutzung liegt. Schwierigkeiten bereitet in diesem Zusammenhang die Definition des Wertes von Umweltgütern. Das impliziert allerdings auch, dass, um etwas über die Effizienz sagen zu können, zuvor die Methode der Wertbestimmung ausgewählt werden muss. Entscheidungen im Sinne der ökonomischen Wohlfahrtstheorie machen den Wert der Umweltgüter von den individuellen Präferenzen abhängig.[17]

2.2.2 Externe Effekte

Externe Effekte beschränken und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit des Marktmechanismus, wobei nun ohne Eingriffe das Marktergebnis unter externen Effekten im Allgemeinen nicht mehr effizient ist. Daraus eröffnen sich ein umfassendes Problemfeld und damit auch ein breites Betätigungsfeld für die Umweltökonomie:[18] Umweltbeeinträchtigungen sind externe Effekte, die sich aus den negativen Nebenwirkungen der Produktion und des Konsums ergeben. Sie verursachen unmittelbar Nutzeneinbußen bei Haushalten und erschweren bzw. verteuern die Produktion bei Unternehmen. Allerdings gibt es für externe Effekte wie auch für öffentliche Güter (siehe Kapitel 2.2.3) keine Marktpreise. Als externe Kosten werden monetär bewertete, negative Effekte bezeichnet. Diese werden in der Wirtschaftsrechnung des Verursachers, der nur auf Basis der internen Kosten kalkuliert nicht berücksichtigt. Die aus der Produktion entstandenen gesellschaftlichen Kosten, die sich aus internen und externen Kosten zusammensetzen, stellen also davon betroffene Dritte schlechter.[19]

Da Pareto-optimale Emissionsmengen in der Realität weder identifizierbar noch implementierbar sind, muss der Staat nach politischen Gesichtspunkten Umweltstandards festsetzen, wie beispielsweise in der Klimakonvention von Rio, und diese Standards unter Minimierung der gesamtwirtschaftlichen Kosten durchsetzen.[20] Als optimales Instrument zur Realisierung dieses Ziels empfehlen Baumol und Oates 1971 die Erhebung einer Emissionssteuer mit einem einheitlichen Steuerbetrag pro Emissionseinheit.[21] Um ein in der Praxis umsetzbares Instrumentarium zu erhalten, schlagen Baumol und Oates vor, in der Umsetzung das Ziel einer von vornherein Pareto-effizienten Steuer aufzugeben und stattdessen eine praktikable, flexible, kostenminimale Lösung zu suchen. Im ersten Schritt wird ein anzuvisierendes Umweltziel mit einem unpräzisen Schätzwert festgelegt, beispielsweise ein bestimmtes Schwefeldioxidlevel in einer Stadt. Anschließend wird ein linearer Steuersatz erhoben, der so bestimmt sein soll, dass das entsprechende Ziel erreicht wird. In der Praxis zeigt sich, ob der entsprechende Steuersatz zu hoch oder zu niedrig angesetzt war. Wird das gewünschte Umweltziel nicht erreicht, so muss der Steuersatz dementsprechend angepasst werden. Im Laufe der Zeit kann so über eine iterative Anpassung ein Pareto-effizienter Steuersatz gefunden werden, der dann dem vorgesehenen Ziel entspricht.[22]

2.2.3 Öffentliche Güter

Öffentliche Güter können von allen, die ein Interesse an ihnen haben, gemeinsam in Anspruch genommen werden, sie sind ökonomisch durch das Nicht-Ausschließbarkeitsprinzip und durch die Nicht-Rivalität des Konsums charakterisiert. Individuen können und sollen vom Konsum eines öffentlichen Gutes nicht ausgeschlossen werden. Sie haben keinen Marktpreis wie auch externe Effekte keinen Marktpreis haben. Trotzdem hat die Bereitstellung einer Einheit eines öffentlichen Gutes für ein Individuum unmittelbare Konsequenzen für das Wohlergehen aller anderen Individuen. Diese Eigenschaft spielt bei Mechanismen für effiziente Allokationen eine wichtige Rolle.[23] Betrachtet man die saubere Umwelt als Konsumgut und produktive Ressource, stellt man fest, dass sich Wasser und Luft weder teilen noch als Privateigentum individuell zurechnen lassen.[24] Jedermann kann saubere Umwelt als Konsumgut frei in Anspruch nehmen, doch werden dabei zwangsläufig „ökologische Fußabdrücke“ hinterlassen.[25]

[...]


[1] Vgl. Vierecke (o.J.)

[2] Vgl. Vierecke (o.J.)

[3] Vgl. Vierecke (o.J.)

[4] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 46f.

[5] Vgl. Meyers Online Lexikon (o.J.c)

[6] Vgl. Meyers Online Lexikon (o.J.b)

[7] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 41 f.

[8] Vgl. Cansier (1996) S. 25 ff.

[9] Vgl. Feess (2007) S. 41 ff.

[10] Vgl. Cansier (1996) S. 18 ff.

[11] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 43 f.

[12] Vgl. Dyckhoff (2000) S. 129

[13] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 46

[14] Vgl. Cansier (1996) S. 18 f.

[15] Vgl. Feess (2007) S. 37

[16] Vgl. Weimann (1995) S. 26 f.

[17] Vgl. Weimann (1995) S. 27 ff.

[18] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 55

[19] Vgl. Cansier (1996) S. 24 f.

[20] Vgl. Gärtner (2007) S 186 ff.

[21] Vgl. Ahlheim u.a. (2007) S. 1

[22] Vgl. Feess (2007) S. 77 f.

[23] Vgl. Wiesmeth (2003) S. 64

[24] Vgl. Cansier (1996) S. 20 f.

[25] Vgl. Reichholf (2008) S. 11

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Umweltprobleme in Entwicklungsländern. Indien und die Wasserverschmutzung
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Veranstaltung
Umweltmanagement - Wirtschaftsgeographie
Note
3
Autor
Jahr
2008
Seiten
102
Katalognummer
V289175
ISBN (eBook)
9783656894780
ISBN (Buch)
9783656894797
Dateigröße
2172 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umwelt, Indien, Ressource, Wasser, Qualität, Verschmutzung, Situation, Luft, Boden, Abfallentsorgung, Lebensmittel, Energie, Wirtschaft, Energiewirtschaft, Fluß, Flüsse, Grundwasser, Trinkwasser, See, Seen, Sanitärwasser, Wasserschutz, Gesetzgebung, Klimawandel, Weltbank, Desertifikation, Sandsturm, Sturmfluten, Maßnahmen, Zukunft, Zukunftsaussichten, Ganges, Narmanda, Stausee, Talcher, Mahad, Muthia, Ranipet, Tamil Nadu, Karnataka, Andhra Pradesh, Orissa, Amlakhadi, Brahmani, Damanganga, Kolak, Hussainagar, Rihand Stausee, Subvention, Subventionen, staatlich, Potential
Arbeit zitieren
Angelika Jaklin (Autor), 2008, Umweltprobleme in Entwicklungsländern. Indien und die Wasserverschmutzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/289175

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