Volksstereotyp des Orients: die Türken - Vorurteile und Feindbilder gegenüber dieser Volksgruppe


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie definieren sich Vorurteile und Feinbilder
2.1. Vorurteile
2.2. Feindbilder

3. Die Suche nach dem Ursprung des „Türkenbildes“
3.1. Die Türken – Gefürchteter Feind des Ost-Römischen Reiches
3.2. Motive – Wie entstand das Feindbild
3.3. Das „Türkenbild“ in jüngerer Zeit

4. Der Islam wird häufig missverstanden – eine weitere Quelle für Vorurteile

5. Bestätigungen und Widerlegungen einiger historisch überlieferter Vorurteile

6. Zusammenfassung und Ausblick

1. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit lautet „Volksstereotyp des Orients: die Türken – Vorurteile und Feindbilder gegenüber dieser Volksgruppe“. Zunächst sollte aber der Begriff „Stereotyp“ näher erläutert werden:

Das Stereotyp (grch) ist in der Sozialpsychologie ein geprägter Begriff für eine, dem Vorurteil ähnlich vorgefasste, schablonenhafte Sichtweise oder Vorstellung von bestimmten Gruppen. Sowohl die eigene (Autostereotyp) als auch die fremde (Heterostereotyp).1 Nach Kimball Young wird das Stereotyp am besten definiert als ein falsch klassifizierender Begriff , mit dem im allgemeinen irgendein starker Gefühlston des Mögens oder Nichtmögens, der Anerkennung oder Ablehnung verbunden ist.

Die geringe Übereinstimmung der Stereotypen mit der Wirklichkeit ist oft Folge einer Verallgemeinerung von ein oder zwei Einzelfällen oder sie entsteht dadurch, dass die Eigenschaften oder Qualitäten, die als Verallgemeinerungskategorien gewählt wurden nicht der Wirklichkeit entsprechen, sondern dem subjektiven Eindruck.2 Vereinfacht dargestellt bezeichnet man Stereotypen auch als „Bilder in unseren Köpfen“, die wir von Menschen und Menschengruppen haben.3

Sie sind also Verallgemeinerungen, die weder geografisch noch historisch oder gesellschaftlich präzise verankert sind. Daher können sie zu unterschiedlichen Zwecken verwendet und dauernd wiederholt werden. Der Betrachter hat jedoch die Möglichkeit diese Klischees aufgrund seiner eigenen Geschichte, Sozialisierung und Erfahrung, die Unterschiede und Ähnlichkeiten der Verallgemeinerungen anhand realer Menschen zu überprüfen.4

Ein Stereotyp kommt einem Urteil, bzw. einem Vorurteil sehr nahe. Dies kann sowohl positiv als auch negativ sein. Da das Wort Vorurteil jedoch öfter in negativer als in positiver Absicht Verwendung findet, möchte ich dem Volksstereotyp, bzw. den Vorurteilen gegenüber dem Volk der Türken in dieser Arbeit nachgehen.

In Deutschland bilden die Türken die zahlenmäßig stärkste Gruppe von ausländischen Staatsangehörigen. So wird jeder von uns das ein oder andere Bild, bzw. auch Vorurteil (egal ob positiv oder negativ) von einem Türken haben. Diese sind zum Teil aus eigener Erfahrung entstanden. Doch die Gründe für so manches Vorurteil gegenüber dieser Volksgruppe haben viel ältere Wurzeln, die teilweise bis ins Mittelalter zurückreichen. Ich möchte versuchen einen Überblick über die Vielzahl der Vorurteile in vergangener wie auch in jüngerer Zeit zu geben. Gleichzeitig gilt mein Bemühen der Suche nach dem Ursprung einiger Feindbilder. In der Betrachtung der Stereotypen spielt

auch das Feindbild eine wichtige Rolle. Doch zunächst einmal sollen die konkreten Bedeutungen der Worte Vorurteil und Feindbild erläutert werden.

Natürlich würde das seit längerem bekannte Problem der Integration türkischer Mitbürger hier in Deutschland auch genügend Stoff für eine weiterführende Diskussion liefern. Dieses Problem wird in dieser Arbeit nicht behandelt, weil es den Rahmen einer ganzen weiteren Hausarbeit füllen könnte.

2. Wie definieren sich Vorurteile und Feinbilder

2.1. Vorurteile

In unseren Urteilen sind meistens nur die eigenen subjektiven Sichtweisen sowie gewisse Verallgemeinerungen enthalten wie es auch bei dem Begriff des Stereotyp der Fall ist.

Daher sind in nahezu jedem Urteil Momente des Vorurteilhaften zu finden. Vorurteile haben die Struktur von Stereotypen, also stark vereinfachte, klischeehafte und generalisierte Vorstellungen.5

Der Vorurteilsbegriff ist im wesentlichen durch seinen normativen, moralischen Gehalt bestimmt. So unterscheiden sich Vorurteile von anderen Einstellungen durch ihre soziale Unerwünschtheit. Es erscheinen also nur soziale Urteile, die gegen die anerkannten menschlichen Wertvorstellungen verstoßen. Das ist zum einen die Norm der Rationalität, d.h. die Verletzung des Gebots, über andere Menschen nur aufgrund möglichst sicherer und geprüfter Kenntnisse zu urteilen. Es wird vorschnell geurteilt, ohne Kenntnis des Sachverhaltes außerdem ist ein dogmatisches Festhalten an Fehlurteilen zu beobachten. Gegenargumente werden trotz Logik und Beweis nicht anerkannt. Vom Einzelfall wird auf allgemeine Gültigkeit geschlossen.

Die Norm der Gerechtigkeit (Gleichbehandlung) bedeutet Menschen oder Menschengruppen werden ungleich behandelt. An die eigene Gruppe wird ein anderer Maßstab angelegt als an die übrigen. Es gibt keine faire Abwägung der jeweils besonderen Umstände unter denen sich Fremdgruppenmit-glieder in Eigenschaften und Verhalten unterscheiden.

Zuletzt gilt noch die Norm der Mitmenschlichkeit, was bedeutet, dass durch Intoleranz und Ablehnung der anderen als Mitmenschen das positive Sich-Hineinversetzen verloren geht.

In dieser Definition steht der Begriff des Vorurteils nur für negative Einstellungen und ist auf Einstellungen zu Menschen, bzw. zu Menschengruppen bezogen. Somit sind Vorurteile stabile, konsistent negative Einstellungen gegenüber einer anderen Gruppe, bzw. einem der anderen Gruppe zugehörigen Individuum. Damit sind sie als Abweichung von Wissens- und Moralstandards einer Gesellschaft zu sehen.6 Man nennt sie auch „soziale Vorurteile“, da sie nur im gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem sie sich ausbilden und artikulieren, zu verstehen sind. Vorurteile gegenüber Dingen oder Gegenständen gibt es in der Regel nicht. Sie werden eher als Abneigung bezeichnet.

Die Betroffenen von Vorurteilen können sich kaum wehren, es sei denn sie reagieren ebenfalls mit Vorurteilen. Ist ein Vorurteil erst mal entstanden, so ist es durch anders lautende Fakten nur sehr schwer zu berichtigen (siehe auch die Norm der Rationalität im vorherigen Abschnitt). So ist ein wesentlicher Unterschied zum bloßen falschen Urteil die Resistenz gegen die Richtigstellung.7

Vorurteile können auch als Bestandteile der kulturellen Tradition durch Überlieferung erlernt werden. Dabei spielt die Persönlichkeit eines jeden Individuums eine große Rolle.8 Der Anteil persönlicher Erfahrung, die in Form des Zusammenlebens mit der betroffenen Völkergruppe gewonnen werden konnte, ist zwar ein wichtiger Faktor, jedoch eher als Ausnahmefall anzusehen. Die Frage ist inwieweit man bereit ist die Vorurteile ohne eigene Prüfung auf deren Wahrheitsgehalt zu übernehmen. Die Einstellungen und die Gefühlen die ein Mensch anderen völkischen Gruppen entgegenbringt gehen mit der Geschichte seiner eigenen nationalen Gruppe sowie deren Beziehung zu anderen Gruppen in Vergangenheit und Gegenwart einher.9 Gerade dadurch haben diese Einstellungen meist schon eine Festigkeit und Beharrlichkeit, die sich schwer abändern lassen. Auf die Erfahrung und die Geschichte der Deutschen mit dem türkischen Volk werde ich mich in Kapitel 3.1. und 3.2. genauer beziehen.

2.2. Feindbilder

Die Beziehung zwischen verschiedenen Volksgruppen bestimmen zum großen Teil den Eindruck voneinander. Ihr gegenseitiges Verhältnis und die Wahrnehmung formen wiederum die weitere Entwicklung ihrer Beziehung zueinander. So stehen Verhalten und Wahrnehmung miteinander in Wechselwirkung. Diese Ansicht trifft besonders für das Bild des Feindes zu. Es entsteht durch den Aufeinanderprall verschiedener Interessen zwei oder mehrerer Nationen, womit ein Konflikt zustande kommt. Häufige Folge des angeborenen Misstrauens gegen Fremde ist das Gefühl einer Bedrohung, das von beiden Seiten her ausgeht. Ohne Rücksicht auf ihre tatsächlichen Eigenschaften sehen zwei Nationen sich nun gegenseitig als Bedrohung an. Die Realität spiegelt sich in dieser Vorstellung nur unangemessen wieder. Die Feindbilder müssten mit der historischen oder politischen Wirklichkeit konfrontiert werden um ihren Wahrheitsgehalt ermitteln zu können. Es gibt eine Realitätsverzerrung, d.h. eine verzerrte Wahrnehmung des Objekts, dessen Motive und Handlungen im Sinne von Feindschaft missinterpretiert werden, und eine Realitätsergänzung, in der das Objekt mit zusätzlichen feindlichen Attributen versehen wird, die jedoch nicht real existent sind.10

Auf dem Gebiet des Krieges und der militärischen Gewaltanwendung finden Feindbilder natürlich am häufigsten ihre Verwendung. Dazu gehörte, die seit der Antike und Mittelalter gängige Tradition, die Öffentlichkeit mit einzubeziehen, zu dokumentieren, zu kommentieren und das Herrschaftshandeln zu rechtfertigen. Hinzu kam die Frage, wie der Gegner einzuschätzen und zu beurteilen war. Eine ausdrucksstarke und zugleich gut dokumentierende Variante solcher Beurteilungen stellen die Feindbilder dar. Ein Feindbild sagt jedoch auch immer etwas über denjenigen aus, der es verwendet. Es ist in diesem Sinne zugleich immer ein Selbstbild, das aus den jeweils gültigen kollektiven Werten und Erfahrungen erwächst und sie widerspiegelt.11

Das Wissen um Feindbilder und deren Entstehung, Verwendung und um die Bedingungen ihrer Wirksamkeit kann zum kritischen Verständnis der Vergangenheit und auch der eigenen politischen Lebenswelt beitragen.12

[...]


1 Das Berthelsmann Lexikon, Band 9, Schlu-Toro. Lexikothek, Gütersloh 1974, 1981.

2 Dr. Kripal Singh Sodhi, Dr. Rudolf Bergius: Nationale Vorurteile. Eine sozialpsychologische Untersuchung an 881 Personen. In: Forschungen zur Sozialpsychologie und Ethnologie, hg. von Dr. Richard Thurnwald, Bd.1. Berlin 1953. S. 19.

3 Änne Ostermann, Hans Nicklas: Vorurteile und Feindbilder. München, Berlin, Wien 1976.S.3.

4 Dr. Kripal Singh Sodhi, Dr. Rudolf Bergius: Nationale Vorurteile. Eine sozialpsychologische Untersuchung an 881 Personen. In: Forschungen zur Sozialpsychologie und Ethnologie, hg. von Dr. Richard Thurnwald, Bd.1. Berlin 1953. S. 19.

5 Änne Ostermann, Hans Nicklas: Vorurteile und Feindbilder. München, Berlin, Wien 1976.S.3.

6 Werner Bergmann: Was sind Vorurteile. In: Informationen zur politischen Bildung. Vorurteile-Stereotype- Feindbilder.Nr.271/2001. S.3.

7 Änne Ostermann, Hans Nicklas: Vorurteile und Feindbilder. München, Berlin, Wien 1976.S.1ff.

8 Nazire Akbulut: Das Türkenbild in der neueren deutschen Literatur 1970-1990. Berlin 1993. S.74 ff.

9 Dr. Kripal Singh Sodhi, Dr. Rudolf Bergius: Nationale Vorurteile. Eine sozialpsychologische Untersuchung an 881 Personen. In: Forschungen zur Sozialpsychologie und Ethnologie, hg. von Dr. Richard Thurnwald, Bd.1. Berlin 1953. S. 15.

10 Änne Ostermann, Hans Nicklas: Vorurteile und Feindbilder. München, Berlin, Wien 1976.S.228 ff.

11 Franz Bosbach (Hg): Feindbilder. Die Darstellung des politischen Gegners in der Publizistik des Mittelalters und der Neuzeit. Köln, Weimar, Wien 1992. S.9ff.

12 Franz Bosbach (Hg): Feindbilder. Die Darstellung des politischen Gegners in der Publizistik des Mittelalters und der Neuzeit. Köln, Weimar, Wien 1992. S.7.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Volksstereotyp des Orients: die Türken - Vorurteile und Feindbilder gegenüber dieser Volksgruppe
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Mediävistik)
Veranstaltung
Interkulturelle Germanistik - Orientalismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V29014
ISBN (eBook)
9783638306430
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Volksstereotyp, Orients, Türken, Vorurteile, Feindbilder, Volksgruppe, Interkulturelle, Germanistik, Orientalismus
Arbeit zitieren
Nina Göbel (Autor), 2003, Volksstereotyp des Orients: die Türken - Vorurteile und Feindbilder gegenüber dieser Volksgruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29014

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