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Subkulturelle Strömungen und Motivgemeinsamkeiten im deutschen literarischen Expressionismus

Titel: Subkulturelle Strömungen und Motivgemeinsamkeiten im deutschen literarischen Expressionismus

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 26 Seiten , Note: 2

Autor:in: Timo Richard (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Konzept der Subkultur findet seit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts immer größere Beachtung in der Sozialforschung und Anthropologie. Ursprünglich als Ansatz entwickelt, innere Funktionsweisen delinquenter Jugendgruppen besser erfassen zu können, wird die Idee gesellschaftliche Untergruppen und ihre spezifischen Verhaltensweisen zu untersuchen stetig ausgeweitet. Das Spektrum wird vor allem deshalb erweitert, weil im Zuge der Diversifizierung und fortschreitenden Individualisierung der Gesellschaft auffällig viele Gruppen eigene, interne und nur für ihre Mitglieder gültige Regeln und Codes entwickeln, die denen der dominanten Kultur teilweise widersprechen. So werden rasch auch Migrantengruppen und ethnische Minderheiten "Untersuchungsgegenstand" der Subkulturforschung.

Für die vorliegende Arbeit gewinnt das Thema Subkultur an Relevanz, weil sich die Theorie gerade in der sozialwissenschaftlichen Jugendforschung durchgesetzt hat und ein relativ einleuchtendes Koordinatensystem aus dieser Arbeit hervorgegangen ist, nach dem sich eine bestimmte Bewegung als jugendliche Subkultur identifizieren lässt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundzüge

2.1. Gedankliche Tradition

2.2. Die Moderne als Ausgangspunkt

3. Motivgemeinsamkeiten

3.1. Kranke

3.1.1. Aufhebung der Transzendenz

3.1.2. Soziale Isolation

3.2. Wahnsinn

3.3. Gefangene

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den literarischen Expressionismus unter soziologischen Gesichtspunkten und prüft die These, ob die expressionistische Bewegung als jugendliche Subkultur verstanden werden kann. Dabei wird analysiert, wie die Autoren durch eine bewusste Abgrenzung von der dominanten bürgerlichen Kultur und die Thematisierung spezifischer Motive ihre oppositionelle Haltung artikulieren.

  • Subkulturforschung als Koordinatensystem für literarische Bewegungen
  • Die wilhelminische Gesellschaft als negativer Referenzpunkt und Auslöser von Rebellion
  • Philosophische und soziologische Einflüsse auf die expressionistische Weltsicht
  • Motivkomplexe als Ausdruck von Krankheit, Wahnsinn und existentieller Gefangenschaft
  • Die Rolle der literarischen Form bei der Abgrenzung gegenüber dem "Bürgertum"

Auszug aus dem Buch

3.2. WAHNSINN

"Es [ist] ein so namenloses Unglück, wenn einem die Welt entzweibricht. O, mein Gott, welch ein Gericht ist über mich hereingebrochen. Sagen Sie mir, daß ich die Kraft haben muß noch zu leben und das Wahre zu tun. Sagen Sie mir, daß ich nicht irre bin. Es ist ein steinernes Dunkel hereingebrochen."

Als potentiell von der Gesellschaft ausgegrenzte Personengruppe, bieten Wahnsinnige und Irre ein breites Identifikationsspektrum für die antibürgerliche, gesellschaftsskeptische expressionistische Bewegung. Das Motiv bietet neben seiner eindeutig oppositionellen Konnotation zur bürgerlichen Gesellschaft auch eine Möglichkeit literarische Formen zu erneuern. Anders als noch im Naturalismus wird das Thema nicht aus einer mitleidvollen aber distanzierten Position betrachtet, sondern eine direkte Identifikation mit den vom Wahnsinn befallenen Figuren angestrebt. Dabei ist eine gewisse persönlich Koketterie der Autoren nicht zu leugnen. Viele Expressionisten fühlen sich selbst dem Wahnsinn nahe, wie dem vorausgestellten Zitat Trakls zu entnehmen ist, oder sehen im gesellschaftlich abweichenden Verhalten psychisch Kranker eine unkonventionelle Art der Existenz:

"Unter diesen Kranken war mir immer sehr wohl. Damals bemerkte ich, daß ich nur zwei Kategorien Menschen ertragen kann neben Pflanzen, Tieren und Steinen: nämlich Kinder und Irre."

Die Interpretation des Irren-, Wahnsinns-, und auch Selbstmordmotivs ist heterogen und steht im direkten Zusammenhang mit der latenten Gesellschafts- und Modernitätskritik der Autoren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Konzept der Subkulturforschung und Anwendung auf die literarische Bewegung des Expressionismus.

2. Grundzüge: Analyse der subkulturellen Einordnung des Expressionismus sowie der geistigen Traditionen und der Auswirkungen der Moderne auf die Autoren.

2.1. Gedankliche Tradition: Untersuchung der intellektuellen Fixpunkte wie Nietzsche, Freud und Simmel, die den theoretischen Überbau der Bewegung prägten.

2.2. Die Moderne als Ausgangspunkt: Betrachtung der radikalen technologischen und gesellschaftlichen Umbrüche um 1900 als Grundlage für die skeptische Weltsicht der Expressionisten.

3. Motivgemeinsamkeiten: Darstellung zentraler Leitmotive, die als Ausdruck der oppositionellen Haltung gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft dienen.

3.1. Kranke: Analyse des Motivs der Krankheit als Metapher für den Verfall des Individuums und die Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit dem Leid.

3.1.1. Aufhebung der Transzendenz: Untersuchung der Entmystifizierung des Körpers und der Abkehr von christlichen Erlösungsvorstellungen.

3.1.2. Soziale Isolation: Betrachtung des Krankenhauses als Symbol für eine repressive, entmenschlichte Gesellschaftsordnung.

3.2. Wahnsinn: Erörterung der Identifikation der Autoren mit Irrenfiguren und der Sichtweise auf Wahnsinn als Gegenentwurf zur normierten Realität.

3.3. Gefangene: Analyse des Motivs der Gefangenschaft als Ausdruck innerer und äußerer Restriktionen sowie des Kampfes um Autonomie.

4. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der These, dass der Expressionismus als oppositionelle, subkulturelle Strömung zu begreifen ist.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Subkultur, Literaturwissenschaft, Moderne, Gesellschaftskritik, Ich-Zerfall, Wahnsinn, Krankheit, Identitätsverlust, Rebellion, Antiautoritarismus, Existentialismus, Motivforschung, Entfremdung, Bürgerlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den deutschen literarischen Expressionismus aus der Perspektive der Subkulturforschung, um zu klären, inwieweit sich die Bewegung als eine abgrenzende, oppositionelle Jugendkultur definieren lässt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die soziologischen und geistesgeschichtlichen Bedingungen der Moderne, die Selbstverortung expressionistischer Autoren als Außenseiter sowie spezifische Motive wie Krankheit, Wahnsinn und Gefangenschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die expressionistische Bewegung durch ein geteiltes Gedankengut, spezifische Verhaltensmuster und eine explizite Ablehnung tradierter bürgerlicher Werte als subkulturelle Strömung innerhalb des Literaturbetriebs ihrer Epoche fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Werke expressionistischer Autoren (z.B. Benn, Heym, Trakl, Kafka) mit soziologischen Theorien der Subkulturforschung und der Gesellschaftskritik verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Grundzüge, wie der Einfluss der Moderne und Nietzsches Nihilismusanalyse, sowie in eine detaillierte Motivuntersuchung, die den symbolischen Gehalt von Krankheit, Wahnsinn und Gefangenschaft herausarbeitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Expressionismus, Subkultur, Gesellschaftskritik, Ich-Zerfall, Entfremdung und Antiautoritarismus charakterisieren.

Warum wird Franz Kafka im Zusammenhang mit dem Motiv "Gefangene" herangezogen?

Kafka dient als exemplarisches Beispiel, da seine Protagonisten oft eine existenzielle Gefangenschaft erleben, die mit persönlicher Entfremdung und der Unmöglichkeit, der Kontrolle durch das "System" zu entkommen, einhergeht.

Welche Bedeutung kommt der "Aufhebung der Transzendenz" im Rahmen des Krankheitsmotivs zu?

Sie beschreibt die Entmystifizierung des menschlichen Körpers in der expressionistischen Lyrik, welche das religiöse Heilsversprechen ablehnt und den Menschen als reines Naturprodukt darstellt, das dem Verfall preisgegeben ist.

Wie bewerten die Autoren des Expressionismus den Wahnsinn?

Der Wahnsinn wird bipolar gedeutet: Einerseits als repressives System innerhalb der Irrenanstalt, andererseits als positive Möglichkeit, sich der normierten, rationalen Welt zu entziehen und eine Form von "ursprünglicher" Individualität zu bewahren.

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Details

Titel
Subkulturelle Strömungen und Motivgemeinsamkeiten im deutschen literarischen Expressionismus
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2
Autor
Timo Richard (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V29030
ISBN (eBook)
9783638306577
ISBN (Buch)
9783640631667
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subkulturelle Strömungen Motivgemeinsamkeiten Expressionismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Timo Richard (Autor:in), 2004, Subkulturelle Strömungen und Motivgemeinsamkeiten im deutschen literarischen Expressionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29030
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Leseprobe aus  26  Seiten
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