Symbolik und Funktion des Bildes im Roman "L'Adultera" von Fontane


Referat (Ausarbeitung), 2006
8 Seiten

Leseprobe

1. Tintoretto

- eigentlich Iacopo Robusti
- *Venedig 1518,…1594
- ital. Maler des Manierismus
- schulte sich an Tizian und Michelangelo
- ab 1566 Mitglied der Florentiner Accademia del Designo
- Thema Christus und die Ehebrecherin mehrfach von Tintoretto gemalt
à 7 Varianten, die auf Amsterdam, Rom, Prag, Mailand, Kopenhagen,
Venedig und Dresden verteilt sind
- Dresdener Version gilt als endgültige à Öl auf Leinwand, 189x533 (HxB)
- mehrere Maler malten biblisches Motiv der Ehebrecherin à gestalteten Anklageszene selbst
- in der Accademia hat Fontane das Bild gesehen
- mittlerweile schreibt man Johannes Rottenhammer die Version der Bibelszene zu, die Fontane zum Roman inspirierte, anstatt Tintoretto

2. Bibelstelle: Johannes 8, Vers 3-11

3 Da führten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte
4 und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde ertappt, als sie gerade Ehebruch beging.
5 Im Gesetz schreibt Mose uns vor, dass eine solche Frau gesteinigt werden muss. Was sagst du dazu?«
6 Mit dieser Frage wollten sie ihm eine Falle stellen, um ihn anklagen zu können. Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«
8 Dann bückte er sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie das hörten, zog sich einer nach dem andern zurück; die Älteren gingen zuerst. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch dort stand.
10 Er richtete sich wieder auf und fragte sie: »Frau, wo sind sie geblieben? Ist keiner mehr da, um dich zu verurteilen?«
11 »Keiner, Herr«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!«

3. Bildbeschreibung „Christus und die Ehebrecherin“

- Cristo e l'adultera, 114x204 (HXB), Gallerie dell'Accademia Venedig (Bildquelle: http://fe.fondazionezeri.unibo.it/foto/120000/98000/97707.jpg)
- allgemein: Pharisäer forderten strenge, biblische Gesetzestreue
- haben die junge Frau erwischt und klagen sie an à bildet den Mittelpunkt des Bildes
- Ankläger schauen Christus erwartungsvoll und fordernd an
- Angeklagte sieht verträumt und gelassen vor sich hin à scheint Ehebruch nicht zu bereuen oder jede Strafe aus Liebe hinzunehmen
- der sehr leicht geneigte Kopf verstärkt ihr ausgestrahlte Ruhe und Haltung des Abwartens
- leicht verschränkten Arme deuten eher auf Ablehnung ihrer Verurteilung als auf Schutz
- Indiz für Schuld, Traurigkeit „…geweint hat sie“ (Melanie, Kap. 2)
- sieht im Gesicht eher wie Heilige als Sünderin aus (so auch auf all den anderen Bildern)
- Christus‘ Hand ist erhoben oder gerade bereit, um in die Erde zu schreiben à kann auch als Ablehnung gedeutet werden, um Ehebrecherin zu schützen
- auffallend auch die Frau links im Bild: schaut hingebungsvoll auf Kind hinunter à könnte auch als Verständnisgeste für die Angeklagte gelten, denn keiner ist frei von Sünden, so Christus
- Ehebruch in Deutschland seit 1969 nicht mehr strafbar

4. Funktion des Gemäldes für das Romangeschehen

- wichtig Kapitel 2, 5 und 22
- Gespräche über Bilder werden zum Mittelpunkt für die Charakterisierung der Figuren
- Bild dient der Handlungsmotivierung à wobei das Dargestellte die Situation der Romanfiguren gestaltet à Titel wird symbolisch aufgefasst vom Leser à Bild wird Funktionsträger für Handlung und/oder Personen
- Titel lenkt das Interesse auf eine Ehebruchsgeschichte
- gewählte Bildmotiv erhält Funktion einer Vorausdeutung
- Fontane geht es nicht um bloße Parallelisierung, sondern um Gesellschaftskritik à will wie in der Bibel zeigen, dass keiner sündenfrei ist und keiner voreilig verurteilt werden sollte
- Fontane an Julius Grosser, Redakteur von „Nord und Süd“ (Zeitschrift) am 4. April 1880 [In: Fontane Werke, Schriften und Briefe, Abtl. IV, 3, S. 72f.]:
„Der Titel L’Adultera bezieht sich nicht auf meine Heldin, sondern auf einen berühmten Tintoretto dieses Namens, mit dem die Geschichte (im 2. Kapitel) beginnt und auf der letzten Seite schließt. Die Beziehungen ergeben sich von selbst.“
- Melanie fragt sich „Wohin treiben wir?“ (Kapitel 10) à sie lässt sich treiben und daraus ergibt sich der Ehebruch
- Kapitelüberschrift (2. Kapitel) wird Melanie zugeschrieben, 1. Kapitel schildert Portrait van der Straatens, 3. Kapitel den Logierbesuch

Kapitel 2

- Szene, bevor das Bild ankommt: Melanie und v.d. Straaten frühstücken um 9 Uhr, er sitzt im Schaukelstuhl, liest Zeitung, sie strickt

à Unterhaltung zeigt Melanies problematisches Verhältnis zur

gesellschaftlichen Norm

àUnsicherheit zwischen beiden wird erkennbar

àGespräch befindet sich zwischen Ernst und Scherz

- Melanie sieht danach wieder dem Markttreiben zu

à Gegensätze fesseln sie („Unten bewegte sich … Gegensätze.“)

à beim Anblick des Flockentanzes überkommt sie Sehnsucht, wünscht sich,

sich auch treiben lassen zu können/ungebunden zu sein, wie die Flocken

à Steigen und Fallen der Flocken deutet auf Melanies Steigen und Fallen

à Blick durch das Fenster bietet ersten Einblick in ihr Gefühlsleben

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Symbolik und Funktion des Bildes im Roman "L'Adultera" von Fontane
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Seminar: Fontanes abgründiger Realismus
Autor
Jahr
2006
Seiten
8
Katalognummer
V292813
ISBN (eBook)
9783656901211
ISBN (Buch)
9783656901228
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fontane, Berliner Roman, Ehebrecherin, Ikonographie, Tintoretto, Robusti, Johannes 8, Symbol, Symbolik, Funktion, Deutung, Romangeschehen, Vorausdeutung, Motiv, Bild, Gemälde, Adultera, Ehebruch, Referat, Bedeutung, Interpretation
Arbeit zitieren
M.A. Liane Hein (Autor), 2006, Symbolik und Funktion des Bildes im Roman "L'Adultera" von Fontane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292813

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