Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 1. Akt, 5. Szene


Essay, 2015

3 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Analyse der Textstelle 1. Akt, 5. Szene (verfasst durch Marcel Eisenreich, OK 2)

In seinem Werk „Frühlings Erwachen“, welches 2000 unter dem Verlag Phillip Reclam jun. GmbH Co. KG in Stuttgart erschien, lässt Benjamin Franklin Wedekind, Verfasser besagten Werkes, Wendla Bergmann und Melchior Gabor in der fünften Szene des ersten Aktes - zum ersten Mal im gesamten Werk - einander in einem Wald begegnen. Hierbei offenbaren sich die Ansichten beider Charaktere in einem scheinbar unvereinbaren Gegensatz, jedoch dahingehend, sodass die Szene in einem Akt der Vollkommenheit und einem Zusammenspiel von Wendlas Masochismus und Melchiors Sadismus enden wird. Schlussendlich bittet Wendla den erst bestürzten, aber dann doch gefügigen, ends mit Wollust erfüllten Melchior darum, sie mit einem Stock zu verprügeln.

Dem Aufbau dieser Szene obliegt in diesem Stück - wie auch jedweder anderen Szene im gesamten Werk - ein wechselseitiges Gespräch zwischen den darin agierenden Hauptcharakteren, welche in üblichem Dialog miteinander Konversation und somit Handlung führen. Der Verfasser lässt die betroffenen Charaktere dabei stets im Sinne der Gegenwart in der Ich-Perspektive miteinander kommunizieren und handeln.

Zu Anfang verlieren Wendla und Melchior einige Wortwechsel bezüglich der Zufälligkeit, einander im Seelen leeren Wald begegnet zu sein, dann jedoch fragen beide Charaktere den je anderen über dessen ursprünglichen Grund des Aufenthalts in diesem Walde. Nachdem Gründe und Zeit geklärt sind, zeigt Melchior Interesse an weiterem Verweilen mit Wendla an seinem Lieblingspl ätzchen in jenem Wald. Wie beiläufig lässt Melchior hierbei anklingen, er wolle Wendla bereits seit geraumer Zeit etwas fragen. Mit jener Frage lenkt Melchior das Gespräch auf Ihre tätige Nächstenliebe, welche Sie durch Besuche bedürftiger Leute äußere. Diese sucht an erster Stelle den Grund ihrer Besuche bei ihrer Mutter willen und dem niederen Wohlstand jener Familien, welche Sie aufsuche, unterstreicht daraufhin dennoch die eigens positive Einstellung gegenüber dieser Besuche durch Äußerung erfahrener Freude, welche Sie dabei empfunden habe und in auch weiter empfinden werde. Nach abermaligem Fragen entgegnet Melchior Ihr, dass dies bloßer Eigennutz sei, lobt Sie dennoch um ihrer Willen zu dieser Taten und äußert inständig, Sie solle dafür in den Himmel kommen. Folgend hinterfragt und diskreditiert dieser nochmals ausführlich den Sinn der Opferfreudigkeit wie Aufopferung und Selbstlosigkeit - und somit auch die tätige Nächstenliebe Wendlas -, welcher bloße Egozentrik innewohne. Dies zeige er durch eventuelle Verneinung seiner Konfirmation, sofern er keine Antwort vom zuständigen Pastor Kahlbauch bekäme, welchem er hinsichtlich dieser Thematik eine Abhandlung verfassen und zukommen lassen werde. Wendla hingegen heiße dieses den Eltern Kummer bereitende Verhalten Melchiors nicht für gut, offenbart daraufhin aber die eigene Antriebslosigkeit dieser Sache wegen, welche jedoch durch Weglassen der für dieses Stattfinden nötigen weißen Kleidern und Schlepphosen gemindert werden könne. Jedoch bleibt das Thema der Existenz der Opferfreudigkeit ohne Einigung und weitere Ausführungen unausgesprochen, woraufhin durch Melchiors Nachfragen, was Wendla vor deren Zusammentreffen am Goldbach im Gras geträumt habe, erneut ein Themenwechsel stattfindet. Wendla berichtet erst nach zweitem Nachfragen, Sie habe geträumt, wie Sie anfangs unter nicht einfühlsamen Menschen bei Sturm und kaltem Wetter gesessen, und schließlich aufgrund zu wenig erbetteltem Geld Schläge von ihrem Vater erfahren habe. Melchior aber widerspricht ihr spottend, Sie sei - wie auch er es kenne - Opfer alberner Geschichten aus Kindertagen, und dass solche Menschen reine Fiktion dieser Erzählungen seien. Vehement entgegnet Sie dieser Aussage und seiner Unwissenheit und berichtet wie beiläufig von ihrer Freundin Martha Bessel, welche immer wieder und Tag für Tag solche Gewalt erleiden müsse. Auch äußert Sie den Wunsch, dass Sie mit Freude erfahren wolle, was Martha tagtäglich erfahren müsse. Nach Melchiors Äußerung wider deren Vater, dass man Ihn für dessen Verhalten belangen müsse, lenkt Wendla das Gespräch das eigene Empfinden, indem Sie einwirft, Sie habe solche Gewalt noch nie erdulden müssen. Kurz darauf nimmt Wendla einen dünnen Stock zur Hand und fragt, vielmehr bittet Melchior darum, ob er Sie damit schlagen wolle. Erst bestürzt und ohne zu glauben, dass Sie es ernst meine, lehnt dieser ab und fragt, was ihr einfalle solch eine Bitte zu äußern. Nach wiederholender Bitten Wendlas und dem Grund, man habe Sie noch nie geschlagen, lenkt Melchior ein und verspricht, er werde Ihr das Bitten lehren. Das Geschehen und dessen wechselseitige Vehemenz steigt durch sarkastisch provozierende Äußerungen Wendlas, die nichts spüre und Ihm unterstellt, er streichele Sie nur. Nunmehr benutzt Melchior nicht mehr den anfänglich erhaltenen Stock, sondern seine Fäuste, mit welchen er weiter auf Wendla einpr ügelt, bis lautes Geschrei ertönt und dieser mit Leid erfüllt in den Wald hinein rennt.

Durch dieses rhetorische und somit offene Ende dieser Szene, bleibt das weitere Geschehen und Empfinden der Charaktere - insbesondere Wendlas - gegenüber dem Leser vollkommen offen und abstrakt.

Die Charaktere dieser Szene beschränken sich auf zwei Personen. Dies ist zum einen Wendla, welche sich sehr durch Züge des Masochismus und dem Meiden der gesellschaftlich offerierten Liebe, aber der Äußerung und Differenzierung von eigenen erotischen Gefühlen definieren lässt. Dabei spielen Unterwürfigkeit aufgrund unzureichender Lösung von der eigenen Mutter als Bindungsperson, welche in Bezug auf die sexuelle Aufklärung des eigenen Kindes versagte, eine große und sichtbare Rolle, welche sich im Masochismus obig erwähnten Auszuges zum Ende hin gegenüber Melchiors sehr gut offenbart.

Melchior hingegen wohnt der Sadismus inne, welcher sich aber ausschließlich in Bezug auf die Sexualität seiner selbst - wie auch zum Ende hin im Wald der obigen Szene - und seinem Wissensdrang zeigt. Abgesehen hiervon bleibt Melchior eine introvertierte Persönlichkeit, pflegt jedoch einen entgegenkommenden Umgang und eine innige Freundschaft zu Moritz Stiefel, was aber keine andere Person des gesamten Werkes nachvollziehen kann. Darüber hinaus wird Melchior von Mädchen seinesgleichen bewundert und verehrt.

Die Szene dieses Aktes im Werk „Frühlings Erwachen“ behandelt eine Thematik und Gegenüberstellung, die heute nur allzuoft anzutreffen ist. Dabei geht es - wie in obigem Auszug erwähnt - um Opferfreudigkeit, welche ihren Grund zum Einen im Egoismus, zum Anderen aber auch - und da der Gegensatz - in der Aufopferung wiederfinden könnten. Somit begründen die der Aufopferung ihre Taten mit dem Helfen der Anderen, während deren Gegner und Egoismus unterstellenden Menschen diesen vorwerfen, sie würden anderen helfen, um deren Ansehen nach Außen hin zu verbessern. Dennoch bleibt - wie auch in obig aufgeführter Szene - die Lösung dieser Frage und Unvereinbarkeit im Unklaren, da das Verhalten einem kategorischen Imperativ unterliegt, bei dem die Tat durch moralische Werte beeinflusst und gesteuert wird, wodurch das Verhalten an sich unwiderlegbar und nicht lösbar wird und bleibt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 1. Akt, 5. Szene
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
3
Katalognummer
V292951
ISBN (eBook)
9783656901815
ISBN (Buch)
9783656901822
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Szenenanalyse, Frank, Wedekind, Frühlings, Erwachen, Frühlings Erwachen, Frank Wedekind, Reclam, Textstellenanalyse, 1. Akt, 5. Szene, Wendla, Melchior, Wald, Masochismus, Sadismus
Arbeit zitieren
Marcel Eisenreich (Autor), 2015, Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 1. Akt, 5. Szene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/292951

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