Stolz wie Oskar. "Self-Conscious Emotions" und Narzissmus


Projektarbeit, 2015

28 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Theoretischer Hintergrund

Hypothesen

Methode

Versuchspersonen

Versuchsmaterial

Versuchsdurchführung

Ergebnisse

Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

In dieser Studie wird der Zusammenhang zwischen den beiden Self-Conscious Emotions Schuld und Scham sowie authentischem und anmaßendem Stolz, als auch den beiden Komponenten von Narzissmus Admiration und Rivalry untersucht. 203 Versuchspersonen beantworteten drei Fragebögen zur Erfassung dieser Persönlichkeitseigenschaften. Anmaßender Stolz korreliert sowohl mit Admiration, als auch mit Rivalry. Authentischer Stolz und Admiration stehen in signifikant positivem Zusammenhang. Die Korrelationen zwischen den jeweils adaptiven und maladaptiven Komponenten von Stolz und Narzissmus sind signifikant größer als die Korrelation zwischen authentischem Stolz und Rivalry. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen anmaßendem Stolz und Admiration größer als zwischen Admiration und dem authentischen Stolz. Scham und Rivalry sind unkorreliert, wohingegen Schuld negativ mit Admiration korreliert. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass Stolz und Narzissmus weitestgehend in positiver Beziehung zueinander stehen. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen den Self-Conscious Emotions Scham und Schuld zu den Narzissmuskomponenten eher gering und müsste zukünftig weiter erforscht werden.

Theoretischer Hintergrund

Self-Conscious Emotions entstehen aus den Schlüssen über Bewertungen anderer bezüglich der eigenen Person, teilweise in Bezug auf ihre soziale Akzeptanz. Schuld und Scham gehören zu den Self-Conscious Emotions und wurden in der Vergangenheit auf verschiedene Arten differenziert. Aus emotionspsychologischer Sicht werden Scham und Schuld durch die unterschiedliche Rolle des Selbst im Erleben dieser Emotionen unterschieden (Tangney & Dearing, 2002). Bei Scham ist es das Selbst direkt, das global negativ bewertet wird. Demnach empfinden Personen Scham, wenn sie denken, sie wären ein schlechter Mensch. Hier zeigt sich also ein internales und stabiles Attributionsmuster. Schuldgefühle hingegen zeichnen sich durch eine Fokussierung auf eine negative Bewertung der Handlung aus. Demnach empfinden Personen Schuld, wenn sie denken, sie hätten etwas Schlechtes getan. Bei Schuld wird also entsprechend internal und variabel attribuiert. Schuld ist in diesem Vergleich die weniger schmerzhafte und adaptive Emotion: Personen empfinden typischerweise Reue, sind empathisch gegenüber denen, die sie verletzt haben und neigen zu Entschuldigung und Verhalten, welches auf Wiedergutmachung ausgerichtet ist. Im Gegensatz dazu, ist Scham eine schmerzhaftere, dysfunktionalere und somit eine maladaptive Emotion, die mit Gefühlen von Wertlosigkeit, Leugnung bzw. Verlassen der Situation, Defensivität und Ärger einhergeht (Leary, 2007). Bei Menschen allen Alters geht Scham in der Regel mit einem Erleben von Wut einher, wohingegen Menschen mit einer Schuldneigung weniger Wut erleben und auch eher bereit sind sich mit Konflikten konstruktiv auseinanderzusetzen (Tangney, Wagner, Hill-Barlow, Marschall & Gramzow, 1996). Beide Emotionen führen entsprechend zu unterschiedlichem Verhalten und Denken. Wenn beispielsweise Scham oder Schuld induziert werden, dann führt dies zu einer Tendenz Aspekte des Selbst ändern zu wollen (Scham) oder dazu, das gezeigte Verhalten ändern zu wollen (Schuld) (Niedenthal, Tangney & Gavanski, 1994).

Analog hierzu nehmen Tracy und Robins (2007) auch hinsichtlich der positiven Self-Conscious Emotion Stolz eine Binnendifferenzierung vor. Authentischer Stolz entsteht, wenn Personen denken, sie hätten etwas Positives getan, zum Beispiel „ich bin stolz auf das, was ich getan habe“. Demnach wird authentischer Stolz durch internale und variable Attributionen eines Erfolges ausgelöst und kann somit als adaptive Komponente des Stolzes bezeichnet werden. Dem gegenüber steht der anmaßende Stolz, welcher abbildet, dass Personen sich grundsätzlich für großartig halten, zum Beispiel „ich habe gewonnen, weil ich immer super bin“. Demnach entsteht anmaßender Stolz durch internale und stabile Attributionen eines Erfolges und gilt somit eher als die maladaptive Komponente des Stolzes.

Die hier beschriebenen Emotionen spielen eine besondere Rolle beim Verständnis von Narzissmus und dessen zugrundeliegenden affektiven und selbstbewertenden Mechanismen. Beispielsweise gehen Tracy, Cheng, Martens und Robins (2011) davon aus, dass Narzissmus mit Scham und anmaßendem Stolz einhergeht, wohingegen Personen mit stabilem hohen Selbstwert eher zu den adaptiveren Emotionen Schuld und authentischer Stolz neigen. Allerdings sind die Befunde hierzu bislang heterogen, was eventuell auf die unidimensionale Konzeptualisierung von Narzissmus zurückzuführen ist. Laut Back et al. (2013) lässt sich die Eigenschaft Narzissmus in zwei positiv korrelierende Dimensionen aufteilen: Admiration und Rivalry. Diese beiden Dimensionen setzen sich aus jeweils unterschiedlichen kognitiven, emotional-motivationalen und behavioralen Facetten zusammen und sind das Resultat zweier unterscheidbarer interpersoneller Strategien: von anderen zum Zwecke der Selbsterhöhung bewundert zu werden (Admiration) und sich zum Zwecke des Selbstschutzes gegen andere durchzusetzen (Rivalry). Gemeinsam ist diesen Dimensionen das übergeordnete Ziel, die Vorstellung eines grandiosen Selbst aufrechtzuerhalten. Admiration steht hierbei in positivem Zusammenhang mit Indikatoren von Anpassung, wie zum Beispiel Selbstwert oder emotionale Stabilität und kann deshalb als adaptive Komponente des Narzissmus bezeichnet werden. Im Gegensatz dazu ist Rivalry mit Fehlanpassung assoziiert, wie beispielsweise Misstrauen oder Impulsivität und repräsentiert deshalb die maladaptive Komponente von Narzissmus. Die Differenzierung der beiden Dimensionen sollte zu einem besseren Verständnis der Determinanten, Prozesse und Konsequenzen von Narzissmus beitragen (Back et al. 2013).

Vor dem Hintergrund dieser neuen Konzeptualisierung von Narzissmus stellt sich die Frage, inwiefern die zwei Dimensionen Admiration und Rivalry mit den Self-Conscious Emotions Scham, Schuld, authetischer und anmaßender Stolz zusammenhängen.

Hypothesen

Der vorliegenden Arbeit liegen somit folgende Hypothesen zugrunde:

1. Je stärker die Tendenz authentischen Stolz zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Admiration ausgeprägt.
2. Je stärker die Tendenz authentischen Stolz zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Rivalry ausgeprägt.
3. Je stärker die Tendenz anmaßenden Stolz zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Rivalry ausgeprägt.
4. Je stärker die Tendenz anmaßenden Stolz zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Admiration ausgeprägt.
5. Die Korrelation der maladaptiven Komponenten (anmaßender Stolz & Rivalry) ist signifikant höher als jeweils die Korrelation zwischen den adaptiven und maladaptiven Komponenten ((5.1) anmaßender Stolz & Admiration; (5.2) authentischer Stolz & Rivalry).
6. Die Korrelation der adaptiven Komponenten (authentischer Stolz & Admiration) ist signifikant höher als jeweils die Korrelationen zwischen den adaptiven und maladaptiven Komponenten ((6.1) anmaßender Stolz & Admiration; (6.2) authentischer Stolz & Rivalry).
7. Je stärker die Tendenz Scham zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Admiration ausgeprägt.
8. Je stärker die Tendenz Scham zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Rivalry ausgeprägt.
9. Je stärker die Tendenz Schuld zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Rivalry ausgeprägt.
10. Je stärker die Tendenz Schuld zu empfinden ausgeprägt ist, desto stärker ist Admiration ausgeprägt.
11. Die Korrelation der maladaptiven Komponenten (Scham & Rivalry) ist signifikant höher als jeweils die Korrelationen zwischen den adaptiven und maladaptiven Komponenten ((11.1) Scham & Admiration; (11.2) Schuld & Rivalry).
12. Die Korrelation der adaptiven Komponenten (Schuld & Admiration) ist signifikant höher als jeweils die Korrelationen zwischen den adaptiven und maladaptiven Komponenten ((12.1) Scham & Admiration; (12.2) Schuld & Rivalry).

Methode

Versuchspersonen

Insgesamt 234 Personen nahmen freiwillig an dieser Untersuchung teil, jedoch mussten 31 davon ausgeschlossen werden, da sie die Befragung abgebrochen haben. Die endgültige Stichprobe bestand deshalb aus 203 Personen, davon waren 60 männlich (29,56%) und 143 weiblich (70,44%). Das durchschnittliche Alter betrug 28 Jahre (SD = 10,4), die jüngste Person war zum Zeitpunkt der Befragung 18, die älteste 60 Jahre alt. 194 (95,57%) der Versuchspersonen hatten die deutsche Nationalität und neun Personen besaßen eine andere Nationalität. 66% der Teilnehmer waren Studenten von denen 34,53% das Studienfach Psychologie studierten.

Versuchsmaterial

Zur Erfassung von Schuld und Scham wird der von Tangney, Dearing, Wagner & Gramzow (2000) entwickelte und von Rüsch et al. (2007) ins Deutsche übersetzte Test of Self Conscious Affekt 3 (TOSCA-3) eingesetzt. Beim TOSCA-3 handelt es sich um ein szenarienbasiertes Messinstrument zur differenzierten Erfassung selbstbewertender Emotionen. Im Fragebogen werden Schuld und Scham als Emotionen nicht direkt benannt, sondern es sollen mehrere Reaktionsweisen eingeschätzt werden, die affektive, kognitive und motivationale Aspekte von Scham und Schuld sowie der Skalen Externalisierung und emotionale Unberührtheit abbilden. Der TOSCA-3 besteht aus elf negativen und fünf positiven alltagsnahen Szenarien, in denen eigenes Fehlverhalten beschrieben wird. Ein Beispielszenario ist „Sie haben sich mit einem Freund zum Mittagessen verabredet. Um 17.00 Uhr merken Sie, dass Sie nicht zur Verabredung erschienen sind.“ Für jedes Szenario gibt es in der originalen Version vier Reaktionsmöglichkeiten. Da für diese Untersuchung allerdings nur Schuld und Scham von Interesse sind, werden die Reaktionsmöglichkeiten für die Skalen Externalisierung und emotionale Unberührtheit nicht berücksichtigt und nur die beiden Reaktionsmöglichkeiten für Scham und Schuld dargeboten. Die vermutete Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Reaktionen als eigene Reaktion ist von den Probanden auf einer 5-stufigen Ratingskala (von 1 = „nicht wahrscheinlich“ bis 5 = „sehr wahrscheinlich“) zu bewerten.

Zur Erfassung von Stolz wird die von Tracy und Robins (2007) entwickelte und von Sullivan (2010) ins Deutsche übersetzte Authentic and Hubristic pride scale eingesetzt. In diesem Fragebogen finden sich 14 Lickert-skalierte Items mit einer Skalenausprägung von 5 Antwortmöglichkeiten (1 = „Überhaupt nicht“, 2 = „ein bisschen“, 3 = „mittelmäßig“, 4 = „eher stark“, 5 = „extrem stark“). Die Items sollen daraufhin beurteilt werden, wie sehr die Aussagen auf einen selbst zutreffen. Die Authentic and Hubristic pride scale soll in dieser Arbeit zur Messung des dualen Stolz Anwendung finden, da sie als einzige bekannte Skala die Differenzierung zwischen authentischen Stolz und anmaßenden Stolz wiedergeben kann. Ein Beispielitem für den authentischen Stolz ist „ich habe das Gefühl, erfolgreich zu sein“, für anmaßenden Stolz ist es „ich bin arrogant“.

Zur Erfassung von Narzissmus wird der von Back et al. (2013) entwickelte Narcissistic Admiration and Rivalry Questionnaire (NARQ) eingesetzt. In diesem finden sich 18 Lickert-skalierte Items mit einer Skalenausprägung von sechs Antwortmöglichkeiten (von 1 = „Trifft überhaupt nicht zu“ bis 6 = „Trifft vollkommen zu“). Die Items sollen auch hier daraufhin beurteilt werden, wie sehr die Aussagen auf einen selbst zutreffen. Die NARQ Skala soll in dieser Arbeit zur Messung des dualen Narzissmus Anwendung finden, da sie als einzige bekannte Skala die Differenzierung zwischen narzisstischer Bewunderung (Admiration) und narzisstischer Rivalität (Rivalry) wiedergeben kann. Ein Beispielitem für Admiration ist „Ich bin großartig“, für Rivalry ist es „Die meisten Menschen werden es zu nichts bringen“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Stolz wie Oskar. "Self-Conscious Emotions" und Narzissmus
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Projektstudium
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
28
Katalognummer
V293380
ISBN (eBook)
9783656912743
ISBN (Buch)
9783656912750
Dateigröße
1278 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektstudium, Narzissmus, Stolz, Self-Conscious-Emotions, Schuld, Scham, authentischer Stolz, anmaßender Stolz, Admiration, Rivalry
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Stolz wie Oskar. "Self-Conscious Emotions" und Narzissmus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293380

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