Dewey und Montessori im Vergleich


Hausarbeit, 2000
24 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Gemeinsamkeiten in der Reformpädagogik

III. Unterschiede der philosophischen Grundauffassung
1. Erziehungsbegriff
1.1 Maria Montessori
1.2 John Dewey
2. Methoden
2.1 Maria Montessori
2.2 John Dewey
3. Material
3.1 Maria Montessori
3.2 John Dewey

IV. Schlußfolgerung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Bei der vorliegenden Hausarbeit handelt sich um die Ausarbeitung eines Referates, das im Rahmen des Seminars „John Dewey: Demokratie und Erziehung“ zum Thema „Maria Montessori und John Dewey im Vergleich“ vorgetragen wurde.

Der Haupttext dieser Arbeit ist ein unbekannter Brief von John Dewey über Maria Montessori. Dieser Brief vom 3. Juli 1913 war bis zur Veröffentlichung im Jahre 1996 noch unbekannt. Er stammt aus dem Teil des Nachlasses von William Heard Kilpatrick, der sich im Archiv der Mercer Universität in Georgia befindet. 1912 schrieb Kilpatrik einen kritischen Bericht. Was Kilpatrick dort vor allem kritisierte, war der Vorschlag Montessoris, die geistigen Kräfte des Kindes mit Hilfe körperlich erfahrbarer, aber abstrakter und lebensferner Materialien zu stärken und auszubilden. Dieses Manuskript schickte Kilpartrick 1913 mehreren Kollegen, darunter auch Dewey, mit der Bitte, seinen Bericht zu lesen und kritisch zu prüfen. Dieser Brief ist Deweys Antwort auf das Manuskript von Kilpatrik.[1]

Maria Montessori (1870-1952) ist die erste Ärztin in Italien, die später als Pädagogin arbeite. Vornehmlich versteht sich Montessori als Reformerin der pädagogischen Praxis. John Dewey (1859-1952) ist der Philosoph und Pädagoge der Demokratie und ein Vertreter des Pragmatismus. Die Konzepte von Montessori und Dewey haben einen bleibenden Eindruck in der internationalen Reformpädagogik hinterlassen. Die Montessori-Pädagogik dürfte heute international gesehen die am weitesten verbreitete reformpädagogische Konzeption darstellen. Zum Werk Montessoris gehören nicht nur ihre Schriften, sondern vor allem auch die Montessori-Einrichtungen, die sie direkt oder indirekt in aller Welt ins Leben gerufen hat. Deweys Ideen sind fest im amerikanischen Erziehungsdenken verwurzelt. Deweys Projektunterricht ist nach wie vor hoch aktuell. Die Projektmethode wird vorrangig angewendet. Die Entschulung der Schule, die Deweys `laboratory school´ offenbar weitgehend gelang und die die Bielefelder Laborschule heute anstrebt.

Montessori und Dewey gehören zu den bekanntesten Reformpädagogen. Trotzdem sind die Konzepte von Montessori und Dewey sehr unterschiedlich. Um die Konzepte von Montessori und Dewey miteinander zu vergleichen, wird diese Arbeit wie folgt aufgebaut.

Während die alte Pädagogik in allen ihren verschiedenen Auslegungen vom Begriff einer rezeptiven Persönlichkeit ausging, d.h. von einer Persönlichkeit, die Unterweisungen empfangen und passiv gebildet werden mußte, geht die Reformpädagogik vom Begriff einer aktiven, handelnden und Gedanken verbindenden Persönlichkeit aus. Um den Dualismus von Körper und Geist in der alten Schule zu überwinden, müssen Schüler gleichsam durch „lerning by doing“[2] von Objekten zu Subjekten des Lernprozesses werden. In diesem Sinne werde ich zuerst Gemeinsamkeiten in der Reformpädagogik zwischen Montessori und Dewey darstellen. Nach Montessori besitzt das Kind schöpferische Eigenaktivität und Spontaneität: Es ist kein „leeres Gefäß“, sondern „Baumeister des Menschen“.[3] Das Kind ist nach seiner Geburt ein „geistiger Embryo“.[4] Seine Entwicklung vollzieht sich nach einem „natürlichen Bauplan“. Das Konzept Montessoris des natürlichen Bauplans zeigt die Erziehung als Hilfe zur Selbsthilfe. Im Unterschied zu Montessori ist für Dewey menschliches Leben nicht Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck. Das Kind und das Curriculum bilden daher keinen Dualismus bei der Pädagogik (z.B.: Innen und Außen, Stoffe und Methode, Individuum und Institution, Natur und Gesellschaft) sondern sind ausschließlich verschiedene Modi der Erfahrung. Für ihn ist Erziehung, wie das Leben selbst, schöpferische Entwicklung. Aus diesen unterschiedlichen Ausgangspunkten von Montessori und Dewey werden anschließend Unterschiede der philosophischen Grundauffassung diskutiert. Dieser Schritt ist in die 3 Teile Erziehungsbegriff, Methode und Material aufgeteilt. In einem letzten Schritt werden die Konsequenzen des Vergleichs zwischen Montessori und Dewey und die Bewertung derselben diskutiert.

II. Gemeinsamkeiten in der Reformpädagogik

Man versteht unter dem Wort Schüler geradezu jemanden, der damit beschäftigt ist, Wissen aufzunehmen, nicht aber erfolgreich zu handeln. Was Geist oder Bewußtsein genannt wird, wird als von den körperlichen Organen der Betätigung wesensverschieden und völlig abgetrennt betrachtet. Der Geist wird zum „reinen Intellekt“; „seine Aufgabe beschränkt sich darauf, von den Dingen Kenntnis zu nehmen; die körperlichen Organe erscheinen als ein unbedeutender oder störender Faktor.“[5] ; Diesen Dualismus von Geist und Körper überwinden Montessori und Dewey. Für beide Reformpädagogen kommt dem überlegten und geplanten Handeln ein höherer Wert als dem bloß intellektuellen Erkennen zu. Jeder theoretische Unterricht ist danach nur nach vorangegangener praktischer Beschäftigung sinnvoll und erfolgreich.

„Learning by doing“ (Lernen durch Tun) kann als gemeinsame Devise zwischen Montessori und Dewey betrachtet werden. Was Dewey in seinem Brief vor allem positiv kritisierte, war Montessoris entwicklungspsychologischer Ansatz, daß die Koordination der Sinne und Bewegungen das ausschlaggebende Moment für die Ausbildung und Förderung des kindlichen Intellekts darstelle. Diesen Grundgedanken setzten Montessori und Dewey praktisch um.

Für Dewey ist die Schule der Ort des Experimentierens mit der Wirklichkeit. Aus dieser Einsicht erwuchs die praktische Organisation der eigenen Laborschule an der Universität Chicago. Die Laborschule gründete Dewey im Jahre 1896. An der Laborschule in Chicago beschäftigten sich Schüler mit praktischen Aufgaben wie dem Kochen, Nähen und Werken, und indem sie die damit verbundene Probleme bewältigen, eigneten sie sich elementare Fähigkeiten in wissenschaftlichen Disziplinen wie der Chemie, Physik und Technik an.[6] Leben ist der Grundbegriff von Deweys Theorie der Laborschule. Es besteht aus umfassenden Tätigkeiten, in die der Organismus und die Umwelt eingeschlossen sind. Deshalb ist Deweys Laborschule als Erfahrungswelt/Umwelt mit einer gereinigten Atmosphäre des sozialen Handelns konzipiert.

Über den lebenspraktischen Ansatz der Laborschule hinaus eröffnet Montessori 1907 das erste Kinderhaus Casa dei Bambini für 50 verwilderte Kinder von 2 bis 6 Jahren im römischen Elendsviertel Sanlorenzo. In diesem Kinderhaus konnten schon Vorschulkinder ihrer Fähigkeiten durch sensomotorische Übungen erweitern. Die Arbeit in diesem Kinderhaus eröffnet ihr die wichtigsten Grundlagen ihrer Pädagogik. Montessoris Erziehung der Sinne und Bewegungen war für Dewey „eine wesentliche Bereicherung der Kindergartenarbeit“.[7]

„Im vorletzten Absatz wollte ich gesagt haben, daß meiner Meinung nach - so weit es den Vergleich betrifft - die wissenschaftliche und medizinische Ausbildung von Montessori mehr Anerkennung finden sollte. Trotz meiner Theorien über die Beziehung von Körper und Geist hatte ich nie das wissenschaftliche Training, um angemessene technische Verfahren zu entwickeln. Diese Achtung für die Tätigkeiten des Körpers, die auf ihrer (Montessoris) wissenschaftlichen Ausbildung beruht, scheint mir ein genuiner Beitrag und geht weit über das hinaus, was wir jemals in Chicago ausgearbeitet haben“.[8]

III. Unterschiede der philosophischen Grundauffassung

1. Erziehungsbegriff

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1 Maria Montessori

Maria Montessori stellt das Kind in den Mittelpunkt all ihrer pädagogischen Bemühungen. Als Ärztin hat Montessori die Grundlagen ihrer Pädagogik auf die genaue Beobachtung der kindlichen Entwicklung gestützt. Sie entwickelte einen anthropologischen Ansatz, der die kindliche Entwicklung von Geburt an umfaßt.[9] Der Säugling ist nicht mit einem leeren Gefäß vergleichbar, das die Eltern oder Erzieher nun beliebig zu füllen hätten. Seine Entfaltung vollzieht sich vielmehr nach einem individuellen Plan, in einem Tempo, das das Kind und nicht der Erwachsene bestimmt.

Nach Montessori ist das Kind, "Baumeister des Menschen". Mit diesem Begriff stellt sie die Eigengesetzlichkeit des Kindes in den Vordergrund. Montessori geht davon aus, daß das Kind über die Fähigkeit verfügt, sich selber von innen heraus aufzubauen. Auf Grund des inneren Bauplans kann Erziehung von Anfang an nur verstanden werden als Hilfe zur Selbsthilfe. Aufgabe des Kindes ist die Entwicklung zur selbständigen Persönlichkeit. Aufgabe der Erziehung ist es, hierbei Hilfe zu leisten. "Hilf mir, es selbst zu tun!"[10] Dieser Ausspruch eines Kindes kann als Leitmaxime ihrer pädagogischen Forderungen gelten. Erziehung als Hilfe beim Selbständigwerden des Kindes hat vornehmlich indirekten Charakter.[11] Sie richtet sich auf die Peripherie des Kindes, nicht unmittelbar auf sein Zentrum. Die Erziehungshilfe für das Kind ist das Schaffen einer „vorbereiteten Umgebung“,[12] d.h. einer solchen, die nicht nur in Einrichtung und Möbeln an die körperlichen Maße und Möglichkeiten des Kindes angepaßt ist (äußere Anpassung), sondern auch seinen entwicklungsspezifischen Bedürfnissen (Sensibilitäten) Rechnung trägt (Innere Anpassung). Entscheidende Bedeutung für die Gestaltung der vorbereiteten Umgebung hat das Prinzip der Kontinuität, d.h. das Kind muß in der Umgebung so reichhaltige Materialien finden, daß sie seinen fortschreitenden Bedürfnissen jeweils gerecht werden. Die vorbereitete Umgebung ist Hilfe, die der Erwachsene dem Kind geben kann. Sie muß daher den Bedürfnissen und dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes angepaßt sein. Die vorbereitete Umgebung ist keine natürliche Umgebung. Das Kind soll in ihr exemplarische Erfahrung machen können, die ihm als Schlüssel zur Welt dienen kann.

[...]


[1] Vgl. Knoll, Dewey über Montessori. S. 209f.

[2] Oelkers, Reformpädagogik. S.182.

[3] Montessori, Das kreative Kind. S. 13.

[4] Montessori, Das kreative Kind. S. 55.

[5] Dewey, DE. S. 188.

[6] Vgl. Knoll, Dewey über Montessori. S. 214.

[7] Knoll, Dewey über Montessori. S. 214.

[8] Knoll, Dewey über Montessori. S.212.

[9] Vgl. Montessori, Das kreative Kind. S. 6.

[10] Montessori, schöpferisch. S. 26.

[11] Vgl. Montessori, Das kreative Kind. S. 2.

[12] Oswald/Schulz-Benesch, Grundgedanken. S. 71.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Dewey und Montessori im Vergleich
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1.0
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V29343
ISBN (eBook)
9783638308755
Dateigröße
1292 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der vorliegenden Hausarbeit handelt sich um die Ausarbeitung eines Referates, das im Rahmen des Seminars 'John Dewey: Demokratie und Erziehung' zum Thema 'Maria Montessori und John Dewey im Vergleich' vorgetragen wurde.
Schlagworte
Dewey, Montessori, Vergleich
Arbeit zitieren
MA. Mansoon Ahn (Autor), 2000, Dewey und Montessori im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29343

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