Ökonomische Analyse umweltpolitischer Instrumente. Das Coase-Theorem

Anwendung in der Praxis, Möglichkeiten und Grenzen


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Umweltgüter

3 Externe Effekte

4 Das Coase-Theorem
4.1 Verursacher-Regel
4.2 Laissez-fair- Regel

5 Anwendung in der Praxis – Möglichkeiten und Grenzen

6 Folgen für den Staat
6.1 Auflagen
6.2 Abgaben
6.3 Zertifikate

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Ein Kurztrip an die Ostsee, ein Urlaub auf Mallorca, die lang ersehnte Reise zum Gardasee. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Urlaub auf den man sich gefreut hatte, kann zum Albtraum werden. Anstelle von weißen Sandstränden und klarem, hellblauem Wasser findet man womöglich Baustoffe von der Baustelle einer neuen Hotelanlage, Abwasserrohre, die einen furchtbaren Geruch verströmen und eine Schnellstraße, die in unmittelbarer Nähe des Hotels verläuft und so eine Geräuschkulisse schafft, die alles andere als idyllisch ist. All diese Faktoren, der Lärm, das verschmutze Wasser, der verdreckte Strand, sind Folgen von umweltschädlichen Nebenprodukten, die von ganz unterschiedlichen Firmen stammen.

Für ein Unternehmen ist es der einfachste Weg, unliebsame Nebenprodukte einfach über die Umwelt zu entsorgen. Wenige oder gar keine Kosten, wenige oder gar keine Folgen – zumindest nicht für die Betreiber eines solchen Unternehmens. Was aber ist mit den Anwohnern eines Autobahnzubringers? Was mit einem Wohngebiet in der Nähe eines Fabrikgeländes? Möchten dort wohnende Personen immer die Abgase der Autos oder einer Fabrik inhalieren? Oder finden es Urlauber angenehm an einem zugemüllten, übelriechenden Strand zu liegen und in verschmutztem Meerwasser zu baden? Hier gibt es verschiedene Konflikte der Nutzungsrechte von Umweltgütern, die im Verlauf dieser Arbeit einmal unter die Lupe genommen werden.

Doch zunächst wird in dieser Arbeit erklärt, was eigentlich Umweltgüter sind und was sie – verglichen mit anderen Gütern – ausmacht. Weiterhin wird erläutert welche Rolle das Coase-Theorem hier einnehmen kann und welche Möglichkeiten und Grenzen in der Praxis gegeben sind. Hieraus erschließen sich verschiedene Folgen für den Staat, die in Auflagen, Abgaben und Lizenzen zusammengefasst werden. Abschließend gibt es einen Fazit mit Ausblick auf Handlungsmöglichkeiten, die Unternehmen sowie politische Institutionen betreffen können.

2 Umweltgüter

Ganz allgemein ist ein Gut etwas, das direkt oder indirekt die Bedürfnisse eines Individuums befriedigt. Hierbei ist zwischen verschiedenen Arten von Gütern zu unterscheiden. So gibt es zum Beispiel die Konsumgüter, die direkt vom Individuum konsumiert werden können. Dazu gehören beispielsweise Lebensmittel, Kleidung, Elektrogeräte, wie Fernseher, oder auch Möbel. Den Bereich der Konsumgüter umfasst allgemein alles, was mithilfe von Produktionsgütern hergestellt werden kann. Produktionsgüter sind also Güter, die dazu dienen etwas zu produzieren. Dazu gehören beispielsweise Abfüllmaschinen in einer Getränkefirma, Sortiermaschinen in der Lebensmittelbranche oder Nähmaschinen im Bereich Bekleidung. Weiterhin ist zwischen öffentlichen und privaten Gütern zu unterscheiden:

„Private Güter sind Güter wie Lebensmittel und Kleidung, deren Verwendung durch das eine Wirtschaftssubjekt andere vom Konsum ausschließt. Dieses Merkmal privater Güter wird als Rivalität im Konsum bezeichnet. Am anderen Ende des Güterspektrums stehen öffentliche Güter wie Rüstung, Rundfunk, Straßenbeleuchtung oder Autobahnen, die über die Nicht-Rivalität im Konsum definiert werden. Öffentliche Güter können annahmemäßig von beliebig vielen Konsumenten genutzt werden, ohne daß dadurch der Nutzen anderer Konsumenten sinkt.“ (vgl.: Feess, 1995, S. 7f.)

Weiterhin gibt es noch die sogenannten freien Güter, die ihre Definition darin finden, dass ihre vorhandene Menge größer ist als die Menge, die zur Bedürfnisbefriedigung erforderlich wäre. Dies trifft beispielsweise auf Luft oder Wasser zu. Allerdings kann ein freies Gut durchaus zu einem wirtschaftlichen Gut werden, nämlich dann, wenn sich Individuen Rechte an den freien Gütern zu eigen machen und diese wirtschaftlich für sich nutzen. Ein Beispiel dafür wäre die Privatisierung von Trinkwasser oder die Abholzung des Regenwaldes.

In der Produktionskette eines Gutes fallen oft unbeabsichtigte Nebenprodukte an, die vom Menschen in die Umwelt abgegeben werden. Dies kann den Nutzen von z.B. Böden, Gewässern oder der Luft für andere Individuen schmälern. Da ein Interessenkonflikt zwischen verschiedenen Akteuren an diesen Umweltgütern besteht, handelt es sich hier also um knappe Güter. Verunreinigt beispielsweise eine Fabrik mit dem Qualm aus ihren Schornsteinen die Luft, entsteht ein Interessenkonflikt mit den Anwohnern, die das Bedürfnis haben, saubere Luft zu atmen. Hier werden weitere Eigenschaften von Umweltgütern erkennbar: Zum einen haben sie eine Konsum- und Ressourcenfunktion, was bedeutet, dass beispielsweise Luft konsumiert wird, gleichzeitig aber Ressourcen des Umweltgutes Luft da sind. Man müsste sich hier also eigentlich keine Gedanken um Neubeschaffung oder Produktion machen, gäbe es nicht noch – zum anderen – die Deponiefunktion, denn sie bedeutet, dass ein Umweltgut wie Luft eben nicht nur konsumiert, sondern auch als eine Art Mülldeponie Stoffe aufnimmt und so verschmutzt wird.

Nun ist es ja so geregelt, dass ein Unternehmen immer eine bestimmte Summe für Güter, die es verarbeiten will ausgeben muss. Ebenso müssen Individuen, die sich Güter aneignen wollen eine bestimmte Summe dafür entrichten. Speziell bei Umweltgütern ist das anders, hier gibt es in der Regel keine Preise. Aber wer zahlt dann für die Wertminderung eines Umweltgutes in einem bestimmten Raum? Oder muss das Individuum, welches den Interessenkonflikt als zweite Partei mit bestreitet von vornherein weniger Zahlungen entrichten? Die Folgen (wenn es keine Folgen für die Verursacher von Emissionen gibt) sind undenkbar, ebenso wie die Kosten, die dies auf die Dauer mit sich bringt, denn dann dürfen die Emittenten immer weiter emittieren, alle anderen haben hingegen mit den Folgen zu leben und die Kosten der Folgen zu tragen.

3 Externe Effekte

Zu den bereits erwähnten Eigenschaften der Umweltgüter tritt weiterhin der Faktor externe Effekte. Für die Umweltpolitik sind allerdings die negativen externen Effekte von wesentlich größerer Bedeutung. Es handelt sich hierbei um die Beeinträchtigung von Individuen oder Unternehmen, die ein Umweltgut konsumieren möchten, welches aber bei einer Güterproduktion durch in die Umwelt abgegebene Stoffe verunreinigt wurde. Dabei stehen die beeinträchtigten Individuen oder Unternehmen nicht mit der Produktion direkt in Verbindung, sondern außerhalb.

Hier ein Beispiel aus dem privaten Lebensbereich zur Verdeutlichung:

Familie Meyer wohnt in einem mehrstöckigen Haus und möchte den Nachmittag auf dem Balkon verbringen. Der Nachbar unterhalb der Wohnung der Meyers ist ebenfalls auf seinem Balkon und möchte dort grillen. Der Rauch von dem Grill des Nachbarn zieht jedoch nach oben und bereits nach wenigen Minuten ist die Luft auf dem Balkon der Meyers so schlecht, dass sie gezwungen sind den Balkon zu verlassen und in die Wohnung zurück zu kehren. Familie Meyer ist aber nicht nur gezwungen den Balkon zu verlassen, sondern muss außerdem die Kleidung waschen, die nun nach Qualm riecht, das Grillen des Nachbarn hat also negative Auswirkungen auf Familie Meyer, die nun die externen Kosten tragen muss und dadurch beeinträchtigt ist. Der Verursacher der externen Kosten, also der Nachbar, der eine Etage tiefer grillt, hat lediglich seine internen Kosten zu tragen, die vielleicht aus der Anschaffung eines Grills, Grillkohle, zu grillenden Lebensmitteln und Getränken bestehen dürften.

4 Das Coase-Theorem

Dass ein Staat Maßnahmen ergreifen sollte, damit externe Effekte entsprechend korrigiert werden können, ist in der Ökonomie weitestgehend anerkannt.

In seinem 1960 veröffentlichten Aufsatz „The Problem of Social Cost“ führt Ronald Coase jedoch ein Theorem ins Feld, welches besagt, dass das Problem unter bestimmten Umständen mithilfe von rein privaten Verhandlungen gelöst werden kann (vgl.: van Suntum 2005: S. 54). Nach dem Kriterium des Ökonomen Vilfredo Pareto ist ein Zustand dann optimal, „wenn von ihm ausgehend keine Änderung mehr möglich ist, die auch nur ein Mitglied der Gesellschaft besser stellen würde, ohne ein anderes schlechter zu stellen“ (vgl.: Endres 2007: S. 14f.). Ist ein Zustand nicht pareto - optimal, also einer der Beteiligten benachteiligt, werden nach Coase nun die betroffenen Personen -bei Aussicht auf eine Verbesserung der Situation - versuchen die Allokation soweit zu verändern, bis alle Personen zufrieden sind. Nach den Vorstellungen von Coase laufen die Verhandlungen der Beteiligten über die negativen externen Effekte, also die Emissionen. Bedingung dafür ist allerdings, dass der Staat vorab eine Zuweisung der Eigentumsrechte an der Ressource durch die emittiert wird, vorgenommen hat (vgl.: Endres 2007: S. 35).

Ronald Coase hat seinen Grundgedanken des Coase - Theorems anhand von einem Beispiel verdeutlicht:

Der Viehzüchter V führt seine Herde über das Feld des Getreidebauern G. Da die Tiere das Feld zertrampeln, einen Teil des Getreides fressen und der Getreidebauer G davon einen Schaden bei der Ernte hat, der Viehzüchter V dafür jedoch nicht aufkommen muss, ist dies der externe Effekt. Der Getreidebauer G muss also für den Schaden selbst aufkommen, obwohl der Viehzüchter V indirekt der Verursacher ist. Coase zufolge treten der Getreidebauer G und der Viehzüchter V nun so lange in private Verhandlungen über den externen Effekt „Zertrampeln des Feldes und Fressen des Getreides“, bis ein pareto - optimaler Zustand erreicht ist. Zunächst muss aber entschieden werden, wem hier welche Eigentumsrechte (oder Umweltrechte) zuzuordnen sind. Die Rechte können entweder dem Verursacher oder dem Geschädigten zugeordnet werden. Hierfür gibt es zwei Regeln, die nach Coase an dieser Stelle ihre Anwendung finden können: Die „Verursacher-Regel“ und die „Laissez - fair - Regel“. Beide Regeln werden im Folgenden erläutert.

4.1 Verursacher-Regel

Die „Verursacher - Regel“ besagt, dass der Geschädigte - in unserem Fall also der Getreidebauer G – das Recht hat von dem Verursacher – hier von dem Viehzüchter V – eine Entschädigung zu verlangen. Dem Getreidebauern G werden also die Rechte zugesprochen. Solange dieser aber keine Möglichkeit hat, den Getreideverlust durch die gefräßigen Tiere zu verringern ist der Zustand nicht pareto - optimal. Die Tiere fressen mindestens so lange bis sie satt sind, vermutlich noch darüber hinaus. Der Viehzüchter V hat dadurch sogar noch den Vorteil, dass er wenig oder gar kein Futter für die Tiere kaufen muss.

Damit der Nutzen nicht einseitig ist, treten beide nun nach Coase in Verhandlungen, die erst dann beendet sind, wenn das Pareto – Optimum erreicht ist, wenn also kein besserer Zustand für einen der beiden mehr erreichbar ist (vgl.: Feess 1995: S. 101). Der Viehzüchter V könnte dem Getreidebauern G beispielsweise Kompensationsleistungen zahlen, sodass der Getreidebauer einen geringeren Schaden hat und das Vieh trotzdem auf dem Feld weiden darf.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass das Vieh nur noch in einem ganz bestimmten, eingezäunten Bereich fressen darf.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Analyse umweltpolitischer Instrumente. Das Coase-Theorem
Untertitel
Anwendung in der Praxis, Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V293897
ISBN (eBook)
9783656916772
ISBN (Buch)
9783656916789
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökonomische, analyse, instrumente, coase-theorem, anwendung, praxis, möglichkeiten, grenzen
Arbeit zitieren
Melanie Brechtken (Autor), 2014, Ökonomische Analyse umweltpolitischer Instrumente. Das Coase-Theorem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293897

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