Wie nachhaltig ist das deutsche Pfandssystem? Ökonomische Interessen vs. Ökologische Verantwortung


Essay, 2015
11 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Pfand ist nicht gleich Pfand

Die Novellierung des Pfandsystems- ein ehrenvolles Anliegen der Politik?

Hoher Pfand = hohe Nachhaltigkeit?

Mehrweg vor Einweg – Glas vor Plastik

Gewinnmaximierung vor Umweltschutz

Die Politik zwischen zwei Stühlen

Also weitermachen wie bisher?

Literatur

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung und erhält so Einzug in immer mehr Lebensbereiche wie die Politik oder die Werbung. Vor allem letztere sorgt vermutlich dafür, dass immer mehr Konsumenten den verantwortungsvollen Umgang mit den in der Natur begrenzten Ressourcen als Prämisse für ihre Kaufentscheidung wählen. Es herrscht anscheinend ein umfassendes Grundverständnis darüber, welches Verhalten als ökologisch nachhaltig gilt und welches nicht. So werden Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzt oder anstatt dem Auto wird öfter das Fahrrad und das öffentliche Verkehrsmittel genutzt. Stromgeräte werden an ausschaltbare Mehrfachsteckdosen angeschlossen und leere Getränkeflaschen und –dosen nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren im Müll entsorgt sondern pflichtbewusst vom Verbraucher durch den Pfandautomaten im nächsten Supermarkt der Wiederverwertung zugeführt. Soweit die Theorie. Darüber das, dass das fast schon vertraute Knacken, welches bei der Eingabe der am meisten vertretenen Pfandflasche in den Rückgabeautomaten ertönt, ein ökologisches Desaster darstellt, haben sich wohl die wenigsten Menschen Gedanken gemacht. Dies ist ihnen meiner Ansicht nach kaum zu verübeln, denn schließlich leistet sich kein anderes Land ein dermaßen komplexes und absurdes Pfandsystem wie Deutschland (vgl. Groth, 2005, S.320). Im Folgenden sollen die Grundzüge sowie die Novellierungen dieses Prinzips dargestellt und erklärt werden. Dabei wird sowohl auf die oft nur schwer nachzuvollziehenden Gründe für das Verfahren mit leeren Getränkebehältnissen als auch auf die größtenteils rein wirtschaftlich begründeten Belange verschiedener Interessengemeinschaften und der Politik eingegangen. Die Struktur des deutschen Pfandsystem soll demnach veranschaulicht und in ihren einzelnen Bestimmungen kritisch hinterfragt werden, sodass sich jeder Leser im Anschluss die Frage stellen kann wie nachhaltig sein Konsum im Hinblick auf Getränkeverpackungen wirklich ist.

Pfand ist nicht gleich Pfand

Zuerst muss der Verbraucher mit Hilfe des Etikettes der angesammelten Plastikflaschen, Dosen und Glasflaschen rätseln, ob diese pfandfrei oder mit Pfand belegt sind, bevor dann die pfandfreien Getränkeverpackungen in den gelben Sack wandern und die Pfandflaschen anschließend in den Supermarkt zurückgebracht werden. Nachdem diese erste Hürde im Pfandsystemwahnsinn genommen ist, stellt sich dem Konsumenten aber bereits vor dem Pfandautomaten ein weiteres Hindernis in den Weg. So sind seit Mai 2006 zwar alle Einzelhändler verpflichtet die Pfandverpackungen, welche sie in den Umlauf bringen, wieder zurücknehmen, aber eben auch nur genau diese. Bei Einweg entscheidet das Material, bei Mehrweg die Marke. Aufgrund dieses uneinheitlichen Pfandautomatensystemes bieten sich dem verzweifeltem Konsumenten zwei Möglichkeiten: Entweder er nimmt die Reise zum nächsten Supermarkt auf sich, um alle Flaschen der Wiederverwertung zuzuführen oder er entsorgt die restlichen Getränkeverpackungen im dafür bereitgestellten Mülleimer, der sich mittlerweile neben nahezu jedem Pfandautomaten finden lässt. Der Automat jedenfalls ist gnadenlos - wer kein Pfandexperte ist, hat keine Chance im Wirrwarr des Pfandsystems Unterschiede zu erkennen, die darauf deuten lassen um welche Pfandart es sich handelt und wie mit dem jeweiligen Produkt nach der Eingabe in den Pfandautomaten verfahren wird (Verbraucher konkret, 2013, S.2).

Die Novellierung des Pfandsystems- ein ehrenvolles Anliegen der Politik?

Die Gründe für dieses Chaos finden sich in der Politik. Wurde das Flaschenpfand vor der Reform des Pfandsystems lediglich auf umweltfreundliche Mehrwegverpackungen erhoben, impliziert das System seit 2003 auch nicht wiederverwertbare Einwegflaschen. Diese Änderung wurde von dem damaligen Umweltminister Jürgen Trittin eingeführt und beinhaltet hinsichtlich der Wirkung zwei wesentliche Ziele. Zum einen die Förderung nachhaltiger Getränkeverpackungen durch einen höheren Pfand auf ökologisch nachteilige Verpackungen und zum anderen die Vermeidung der Naturverunreinigung durch weggeworfene Plastikflaschen. Bis hierhin ein anerkennenswerter Beschluss der damaligen Regierung. Zumindest letzte Problemlage ist durch die hohe Rücklaufquote umweltverschmutzender Getränkehüllen behoben und so gehören mit Plastikflaschen übersäte Grünflächen auf öffentlichen Plätzen der Vergangenheit an.

Dass das System jedoch lediglich zu einer Verschiebung des Abfalls geführt hat und seit der Neuregelung mehr und mehr zu einem Auslaufmodell geworden ist, wird erst deutlich, wenn man sich mit dem wahren Grund der Novellierung der Verpackungsverordnung auseinandersetzt. So schreibt diese eine Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen vor, wenn die Mehrwegquote von 72 Prozent unterschritten wird. Die Verpackungsordnung wurde 1991 beschlossen. Das wahrscheinlich zu dieser Zeit bereits abzusehende Szenario der ökologisch schädlichen Ausbreitung der Einweg- Flaschen trat erstmals 1997 ein und veränderte sich in den nachfolgenden Jahren kaum. Bekannt gegeben wurden dieser Ergebnisse jedoch erst 2002, sodass im Folgejahr die vorgeschriebene Pfandpflicht auf Einwegbehältnisse eingeführt wurde. Dem aufmerksamen Leser sollte an dieser Stelle deutlich werden, dass es sich bei der Erhebung von Pfand auf Einwegflaschen also keinesfalls um ein selbstloses Geschenk der Politik an die Umwelt, sondern eine gesetzliche Vorschrift handelt. Auch dieser Tatbestand wäre meines Erachtens nach nicht weiter verwerflich, würde das gesetzlich bestimmte Ziel von einem Mehrwegverpackungsanteil von 80 Prozent durch die gesetzliche Bestimmung erreicht. Doch die Gleichung: Pfand für Einweg = mehr Mehrweg = mehr Umweltschutz - geht nicht auf. Im Jahr 2013 belief sich der Anteil nachhaltiger Getränkeverpackungen auf lediglich etwas über 30 Prozent. Der Einwegpfand hat das Ziel der Abschreckung verfehlt und den Verbraucher in einem Dschungel aus Glas, Plastik, Aluminium und Pappe allein zurückgelassen (Groth, 2005, S.3ff.)

Hoher Pfand = hohe Nachhaltigkeit?

Die von Seiten der Politik wenig bis gar nicht kommunizierten Zielsetzungen der geänderten Pfandpflicht und der sich daraus ergebenden Intransparenz für die Konsumenten haben zu einem folgenschweren Irrtum innerhalb der Bevölkerung geführt. Da die Pfandpflicht für nahezu alle Getränkeverpackungen gilt, suggeriert sie „jede[m] zweite[n] Verbraucher, er kaufe umweltfreundliche Mehrwegflaschen, wenn er Pfand bezahlen muss. Dabei handelt sich [in den meisten Fällen] um Wegwerf- Pullen“ (Wenzel, 2010, o.S.). Nun könnte der ein oder andere meinen, dass es sich bei diesen 50 Prozent um Menschen handele, die entweder zum ersten Mal eine Flasche in den Händen halten oder ohne jedes Umweltbewusstsein den Supermarkt betreten. Doch keine dieser Annahmen trifft auf die meisten Verbraucher zu. Fakt ist: Seit Pfand sowohl auf Mehrweg als auch auf Einweg erhoben wird, kann die Mehrheit der deutschen Verbraucher nicht mehr unterscheiden welche Getränkeflaschen wiederbefüllt werden und welche im Schredder landen. Bei dem breiten Sortiment, welches u.a. Mehrweg- und Einwegflaschen aus Glas und PET, sowie Dosen aus Aluminium oder Kartonverpackungen bereithält, ist dies ohne eigene Recherche aus meiner Sicht nicht mehr möglich. Auch die vermeintlich einheitlichen Symbole, welche sich auf den Verpackungen befinden, helfen dem Verbraucher kaum. Demnach gilt zwar die Kennzeichnung von umweltbelastenden PET- Einwegverpackungen als verpflichtend, die Typisierung von Einwegflaschen hingegen geschieht freiwillig. Aber auch die Markierung von Plastik- Einwegflaschen weißt ein großes Defizit auf, da das einheitliche DPG- Logo weder die Aufschrift Einweg noch einen sonstigen Hinweis auf die ökologisch schädliche Verwertung dieser Verpackungsart zeigt. Auch die willkürlich erscheinenden Bestimmungen zu der Erhebung unterschiedlicher Pfandbeträge auf Getränkeflaschen schadet mehr als das sie nützt. Folglich gehen viele Konsumenten davon aus, dass der Pfandbetrag entsprechend der ökologischen Verträglichkeit steigt. Dies ist ebenfalls Trugschluss, denn die, mit 25 Cent mit dem höchsten Pfand belegte, Getränkehülle - die PET- Flasche - ist zu gleich auch die schädlichste. Während die Höhe der Pfandbeträge von 8 Cent für Bierflaschen aus Glas und 15 Cent für weitere Mehrwegflaschen keine Indiz für die Nachhaltigkeit der jeweiligen Getränkehülle sind (Deutsche Umwelthilfe, 2013, S.5ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Wie nachhaltig ist das deutsche Pfandssystem? Ökonomische Interessen vs. Ökologische Verantwortung
Hochschule
Hochschule Emden/Leer
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V294198
ISBN (eBook)
9783656919049
ISBN (Buch)
9783656919056
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pfand, Mehrweg, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, deutsches Pfandsystem, Ökologisch, Ökonomisch
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Wie nachhaltig ist das deutsche Pfandssystem? Ökonomische Interessen vs. Ökologische Verantwortung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294198

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