Die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Wellenreitens


Bachelorarbeit, 2012

40 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Wellenreitens
2.1 Die Entwicklung zum modernen Wellenreiten
2.2 Die florierende Surfkultur der 50er, 60er und 70er
2.3 Die Anfänge des Wettkampfsurfens
2.4 Die Geschichte des modernen Wettkampfsurfens

3. Professionalisierung und Kommerzialisierung im Sport
3.1 Welche Faktoren führten zur Professionalisierung und Kommerzialisierung des Wellenreitens?
3.1.1 Selbstkommerzialisierung: Die Auswirkungen von Zeitschriften, Filmen und Musik auf die Entwicklung des Wellenreitens
3.1.2 Fremdkommerzialisierung: Der Einfluss von Sponsoren, Werbung und Medien auf die Entwicklung des Wellenreitens
3.1.3 Der Einfluss der drei großen Surfartikelhersteller auf die Entwicklung des Wellenreitens

4. Diachronische Entwicklung der Preisgelder
4.1 Vergleich zweier Sportlerbiografien

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Antiker Kupferstich, der surfende Polynesier darstellt (Young, 2008, S 30)

Abb. 2: Höchsten Preisgelder einzelner Surfer in US$ von 1976 bis 2009 (ASP, 2010d), (Quelle: Eigendarstellung anhand der von der ASP zur Verfügung gestellten Daten).

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Entwicklung des Wettkampf-Wellenreitens (nach Park, 2011, S. 17-18).

1. Einleitung

„Die Surfindustrie wächst zur Milliardenbranche. [...] [Sie] ist mittlerweile ein Schwergewicht und unterscheidet sich ganz deutlich von anderen Branchen“ (Wüpper, 2008).

Das Wellenreiten hat sich innerhalb der vergangenen 60 Jahre von einer Randsportart fast schon zu einem Massenphänomen entwickelt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man an fast jedem Strand der Welt, an dem Surfen überhaupt möglich ist, Surfbretter ausleihen, sich in einem Surfcamp einbuchen und Unterricht nehmen (Bermbach, 2008).

Jeder Surfer hat seinen eigenen Zugang zu diesem Sport gefunden. Für den einen ist der „Ritt auf der Welle“ eine Art Selbstverwirklichung von fast spiritueller Dimension, für den anderen in erster Linie die Ausübung einer hochgradig technischen, komplexen und anspruchsvollen Sportart, während wiederum andere das Surfen zu ihrer Profession gemacht haben, mit der sie erst einmal ihren Lebensunterhalt verdienen. Im Übrigen schließt natürlich keine dieser Motivationen eine andere aus (ebd.).

Längst ist das Surfen auch in Deutschland angekommen, wenn es auch alleine schon wegen der sehr begrenzten geographischen Möglichkeiten hierzulande – gewiss nie eine Massensportart werden kann. Was die Geographie (s.o.) nicht hergibt, macht allerdings der Enthusiasmus wett: Viele Surfer sind bereit, lange Reisen in Kauf zu nehmen, um ihr Ziel, die Suche nach der perfekten Welle, zu erreichen. Die vorliegende Arbeit nimmt jedoch bewusst keinen nationalen, sondern einen globalen Blickwinkel ein, um aufzuzeigen, wie und aus welchen Gründen sich Wellenreiten von einer Subkultur zu einem weltumspannenden Markt mit eigener Sprache, Kleidung und Ikonographie entwickelt hat.

2. Die Geschichte des Wellenreitens

Wo genau die Ursprünge des Wellenreitens liegen, lässt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Mutmaßlich ist es an verschiedenen Orten auf der Welt entstanden, und zwar dort, wo Menschen die richtigen geographischen und klimatischen Bedingungen vorfanden. Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass das Wellenreiten eine mehr als 1000-jährige Tradition hat.

Kampion und Brown (2003) beschreiben, dass die ersten Menschen, die in Booten die Ozeane befuhren, schnell erkannten, welches Potenzial Wellen zu ihrem Nutzen oder zu ihrem Nachteil hatten. In Peru und in Westafrika zum Beispiel verehrten die Menschen Regenbögen und Wellen als größte natürliche Kräfte. Die Polynesier wiederum hatten ein anderes Verhältnis zu dem sie umgebenden Meer als die europäischen Küstenbewohner.

Abb. 1: Antiker Kupferstich, der surfende Polynesier darstellt (Young, 2008, S 30)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die Insulaner bedeutete der Ozean Leben und Freiheit (ebd.). Bevölkerungsdruck und Nahrungsmangel erklären somit auch ihre Fahrten, bei denen sie in großen Reisekanus nach wochenlangen Expeditionsfahrten auf die südlichste Insel des hawaiischen Archipels, Hawaii, gelangten. Seitdem ist das Abreiten der ortstypischen Brandungswellen tief in der hawaiischen Kultur verankert (ebd.). Nach Kampion und Brown (2003) fanden die Polynesier auf Hawaii beste Bedingungen für das Wellenreiten. Somit wurde es zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens auf der Insel, das sogar in die sozialen Strukturen der autochthonen Gesellschaft einging: Die Rangordnung bestimmte, dass erst die Häuptlinge, dann die anderen Männer, schließlich die Frauen und Jugendlichen unter Hintanstellung der alltäglichen Aufgaben surften, wenn die Wellen gut dazu geeignet waren (ebd.).

Die Entwicklung des Wellenreitens schritt voran, als die hawaiischen Inseln Territorium der USA wurden. Touristen und Aussteiger zog es auf die Insel. Viele von ihnen sahen den Einheimischen beim Wellenreiten zu und fanden Gefallen an dieser Sportart. Bermbach (2008, S. 34) führt aus, dass sich unter den Beobachtern auch der Journalist Jack London befand, „der auf Grund seiner Beobachtungen 1907 einen Artikel über das Surfen in der Zeitschrift ,A Woman’s Home Campanion‘ veröffentlichte“. In Reaktion auf diesen Artikel gründeten sich auf Hawaii die ersten offiziellen Surfclubs. Auch in Kalifornien und Australien wurde das Wellenreiten bekannt. Auf Grund der steigenden Popularität waren die Strände rund um Hawaii, die weltweit zu den besten Surfrevieren gehörten, Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast überfüllt. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch das romantisch verklärte Bild von jungen Menschen, die quasi von der Hand in den Mund lebten, wochenlang am Strand campten, Ukulele spielten und Baströcke trugen und allgemein unkonventionelle Wege gingen. Laut Bermbach (2008) trug dies zur Entstehung eines Images bei, das in vielen Menschen eine Begeisterung für das Wellenreiten weckte. Trotz all dieser Entwicklungen sah die breite Masse das Wellenreiten immer noch als eine sonderbare bis fremdartige Subkultur an. Das Image des Surfers zu dieser Zeit war unter der nicht-surfenden Bevölkerung sehr schlecht. Sie wurden als arbeitsscheue Menschen angesehen, die mit ihrem Hobby einer Tätigkeit ohne erkennbaren Nutzen nachgingen.

2.1 Die Entwicklung zum modernen Wellenreiten

Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr das Wellenreiten einen neuen Schub, als nämlich die Pioniere des Sports, die auf Hawaii an Wettbewerben teilgenommen hatten, ihr Wissen über Surfbretter und ihre Vorstellungen über mögliche technische Verbesserungen auf das amerikanische Festland brachten. Sie fertigten neue Bretter an, die weniger wogen und somit leichter zu handhaben waren. Auf wachsende Beliebtheit stießen die neuen Bretter gerade bei Rettungsschwimmern, die von den Neuerungen maßgeblich profitierten. Inspiriert von dieser Entwicklung, fingen andere Surfer und Rettungsschwimmer an, in ihren Garagen und Hinterhöfen an immer neuen Formen von Surfbrettern zu tüfteln und sie weiterzuentwickeln (Kampion und Brown, 2003).

Die Geburtsstunde des modernen Surfens schlug, als der Hawaiier Duke Kahanamoku (1890-1968) die internationale Szene betrat (Warshaw, 2005, S. 308). 1912 wurde er in Stockholm Olympiasieger über die 100m-Freistil-Strecke. In den Jahren danach reiste Kahanamoku viel durch Europa, Australien und Amerika, wo er die Menschen mit Vorführungen im Schwimmen und Surfen begeisterte. 1915 zum Beispiel nahm er die australische Surf-Szene im Sturm, wobei er sich sogar erst an Ort und Stelle ein eigenes Board herstellte – wie es hieß, mit konkaver Unterseite, weil er diese für geeigneter für die Surfbedingungen in Sydney hielt als die in seiner Heimat üblichen Bretter mit konvexem Boden. Seit jener Zeit jedenfalls wuchs die Zahl der Surfer an den bevorzugten Stränden stetig (Mendez–Villanueva et al., 2005).

So erlebte das Wellenreiten im Amerika der 1920-er Jahre nach Kampion und Brown (2003) einen regelrechten Aufschwung. Als in den 1930-ern die Weltwirtschaftskrise ausbrach, war eine der wenigen Beschäftigungen, denen mittellose Kinder, zumindest an der Küste, nachgehen konnten, sich am Strand mit diesem Sport zu beschäftigen, und sei es auch nur, zumindest am Anfang, als Zuschauer.

Das warme Klima und die guten Wellen in Kombination mit der steigenden Automobilisierung Amerikas ermöglichten mehr und mehr Menschen in Kalifornien das Surfen. Malibu war einer dieser Orte, an denen sich immer mehr Surfer trafen und an denen sich im Laufe der Zeit eine eigene Surfkultur herausbildete (Warshaw, 2005, S. 359). Der Zweite Weltkrieg führte dann zu einer Stagnation, doch sollte diese nicht von langer Dauer sein: Den nach Kriegsende einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung nutzten Surfer aus den USA, um auf Hawaii die im Krieg gewonnenen Erkenntnisse zum Beispiel aus der Materialkunde für die Entwicklung neuartiger Surfbretter zu nutzen. Mit diesen jetzt noch leichteren Brettern war es um ein Vielfaches einfacher, den Sport zu erlernen. Damit erfuhr das Wellenreiten in den USA und insbesondere in Malibu einen riesigen Zuwachs an Popularität. Erste Surfläden entstanden, die spezielle Surfbretter für jedes Niveau fertigten; und die Bekleidungsindustrie entwarf neue Bademoden, die besonders für das Wellenreiten geeignet waren (Kampion und Brown, 2003).

In Kalifornien fungierten nach Warshaw (2005, S. 101) bereits ab 1930 „Surfclubs“ als soziale Einrichtungen für Surfer, in denen sie sich mit Gleichgesinnten zusammentun konnten. Vor allem aber gaben sie den Surfern die Möglichkeit, in organisierten Wettbewerben gegeneinander anzutreten. Diese wurden, in abgewandelter Form, zunächst von Rettungsschwimmern ausgetragen. Rasch sprangen dann auch viele Australier auf diesen Zug auf, die ihrerseits Surfclubs und Wettbewerbe gründeten, welche deutlich den Lebensstil der amerikanischen Surfer reflektierten.

2.2 Die florierende Surfkultur der 50er, 60er und 70er

Ende der 50-er Jahre begaben sich immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, von immer weiter im Landesinneren an die Küsten, um dort Freiheit und Begeisterung in der neuen Sportart zu finden. Dann kam eine bahnbrechende Neuerung, die das Wellenreiten noch einmal entscheidend voranbrachte und seine Popularität erneut steigerte: die Entwicklung des Neoprenanzugs Anfang der 50er Jahre (Warshaw, 2005, S. 693). Diese „zweite Haut“ machte es möglich, länger im Wasser zu bleiben und auch bei kälteren Temperaturen surfen zu gehen. Somit konnte man nicht nur an schönen Sommertagen surfen, sondern wann immer es gute Wellen gab. Da sich die Zielgruppe nunmehr veränderte und vergrößerte, veränderten sich auch die Surfbretter, die jetzt, mit steigender Nachfrage, immer individueller, leichter und besser zu handhaben waren. Auch die Zugänglichkeit der Plätze zum Surfen (im Weiteren „Surfspots“ genannt) wurde stets verbessert. „Scouts“ kundschafteten aus, welche Stellen sich besonders für die verschiedenen Könnensstufen eigneten.

Im Jahr 2004 gab es bereits über 2,1 Millionen Surfer in den USA. Auch in Deutschland erfreut sich die Sportart wachsender Popularität. So ist in den vergangenen zehn Jahren ein deutlicher Anstieg an Anhängern dieser Sportart zu beobachten. 2002 schätzte der Deutsche Wellenreitverband (DWV) die Zahl der deutschen Surfer auf 20.000 bis 25.000 (DWV- Mitgliederstatistik). Seit jener Zeit dürften sogar noch wesentlich mehr Aktive hinzugekommen sein (Dau et al., 2005).

Auch das Wettkampfsurfen hat seine Wurzeln im alten Hawaii. Unter dem Druck westlicher Missionare erstarb zwar das Interesse an dieser Sportart weitgehend, um dann jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts wieder aufzuerstehen. 1960 fanden wieder erste Wettkämpfe auf Hawaii und in Australien statt (Nathanson et al., 2007).

Professionelle Surfer sind in der Association of Surfing Professionals (ASP) zusammengeschlossen (Warshaw, 2005, S. 23). Die ersten Weltmeisterschaften fanden 1964 in Australien statt. Es wurden erste Anstrengungen unternommen, den Sport zu einer olympischen Disziplin zu erheben (Nathanson et al., 2007).

2.3 Die Anfänge des Wettkampfsurfens

Der Wettbewerbsgedanke hat in der Surfkultur schon immer eine bestimmende Rolle gespielt: Auf Hawaii war es früher üblich, Kanus, Luxusgüter und andere Besitztümer als „Preisgeld“ in Wettkämpfen einzusetzen – der bessere Surfer bekam am Schluss den Besitz des Unterlegenen zugesprochen (Kampion und Brown, 2003).

Im frühen 20. Jahrhundert lebte dann die in Vorzeiten verbreitete Tradition der Paddel-Wettbewerbe über Distanzen von zehn oder 20 Meilen wieder auf. Das Abreiten von Wellen hingegen wurde zu der Zeit eher als eine zwar stilistisch ausdrucksvolle, aber nicht messbare und damit auch nicht in Wettbewerben vergleichbare Aktivität angesehen. Anders jedoch in den 1930er Jahren in den Surfclubs von Kalifornien, in denen das Surfen mehr und mehr als zentrale wettbewerbsfähige Disziplin galt. Die meisten damaligen Wettbewerbe bis zu den 1960er Jahren fanden zwischen Surfclubs statt, wobei sich die Disziplinen immer wieder änderten. So waren reglementierte Wettbewerbe nicht der Grundgedanke des Wellenreitens, doch schürten die zunehmenden Rivalitäten unter den Surfclubs den Wettkampfgedanken durchaus. Zudem trugen die Wettbewerbe dazu bei, das technische Niveau des Wellenreitens rasch und stetig zu verbessern (Kampion und Brown, 2003).

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Wellenreitens
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Sportwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
40
Katalognummer
V294986
ISBN (eBook)
9783656931065
ISBN (Buch)
9783656931072
Dateigröße
1216 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wellenreiten, Surfen, Kommerzialisierung, Professionalisierung, Boardsport, Quiksilver, Billabong, Ripcurl, World Tour, Surfing, WQS, WCT, Dream Tour
Arbeit zitieren
Harry Altmann (Autor:in), 2012, Die Professionalisierung und Kommerzialisierung des Wellenreitens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294986

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