Jugendkriminalität als gesellschaftliche Abweichung und soziales Problem


Hausarbeit, 1998

18 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Abweichendes Verhalten
2.2 Kriminalität

3. Jugendkriminalität als soziales Problem

4. Sozio-kulturelle Ursachen der Jugendkriminalität
4.1 Armut und Schichtzugehörigkeit
4.2 Psychologische und emotionale Faktoren
4.3 Gestörte Familienverhältnisse
4.4 Ausländische Jugendliche

5. Jugendkriminalität - bekämpfen oder vorbeugen?

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Anhand verschiedenen Publikationen möchte ich in meiner Arbeit Jugendkriminalität als gesellschaftliche Abweichung und soziales Problem darstellen. Angesicht des Umfangs des Stoffes ist im Rahmen dieser Arbeit eine ausführliche Darstellung leider nicht möglich - so bin ich gezwungen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Aus den veröffentlichten Statistiken erkennt man, daß die Jugendkriminalität zunimmt und zu einem immer größeren gesellschaftlichen Problem wird. Geäußert wird sie durch z.B. leichtsinniges Autofahren, Besitzenwollen von materiellen Gütern, die man noch nicht selber bezahlen kann oder wütende Händel und Raufereien, die den Gegner ernsthaft in Gefahr bringen - hierin spiegelt sich jugendliches Verhalten wider. Das Problem versucht man seit Jahren in den Griff zu bekommen, indem man diese Phänomene zu erklären und zu beseitigen versucht.

In meiner Auseinandersetzung mit dem Thema halte ich für notwendig zuerst die Begriffe ‘Abweichendes Verhalten’ und ‘Kriminalität’ zu klären (Kap.2). In dem nächsten Kapitel (3) komme ich - ausgehend von einigen statistischen Befunden - zu dem Erscheinungsbild von Jugendkriminalität. Als eine logische Erweiterung kommt dann eine Analyse der Ursachen (Kap.4) und Frage nach der möglichen Lösung des Problems (Kap.5).

2. BEGRIFFSKLÄRUNG

2.1 Abweichendes Verhalten

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das ohne andere als solches nicht existieren kann - erst die soziale Umwelt macht ihn zum Menschen. Nach unserer Erkenntnis unterscheiden sich die Gesellschaften untereinander - es gibt verschiedene Gesellschaftsformen mit jeweils gültigen Normen und Wertvorstellungen. Diese Normen und Werten sind notwendig um eine Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Die Zugehörigkeit zu einem System hat seinen Preis: für die Menschen ist es der Konformismus - das heißt, daß jeder von uns eine bestimmte Position in der Gesellschaft annimmt, mit der wiederum eine bestimmte Rolle und damit bestimmte Erwartungen verbunden sind. Wenn wir die Erwartungen der sozialen Umwelt nicht erfüllen, drohen uns schmerzhafte Sanktionen - z.B. gesellschaftlicher Ausschluß; bei der Erfüllung der Erwartungen gesellschaftliche Integration (Dahrendorf 1970, S.20ff). Wenn man davon ausgeht, daß der „...rollenlose Mensch [...] für Gesellschaft und Soziologie ein nicht existierendes Wesen [ist]...“(Dahrendorf 1970, S.57f), dann kann man sagen, daß jedes Individuum von der Gesellschaft abhängig und deren Gesetzen ausgeliefert ist. Die Tatsache, daß menschliches Handeln an bestimmte Normen und Wertvorstellungen orientiert ist, läßt folgern, daß abweichendes- eben wie konformes Verhalten einen universalen Bestandteil sozialen Lebens darstellt, denn wo es Normen gibt, gibt es auch Normverletzungen.

Eine Definition des abweichendes Verhalten kann also folgendermaßen lauten: als abweichendes Verhalten gilt, jenes Verhalten von Personen oder Gruppen, das mit den geltenden Normen und Werten nicht übereinstimmt (Pressel 1980, S.17ff). Abweichendes Verhalten soll eher statistisch gesehen werden, und nicht wertend. Man soll es so verstehen, daß wenn sich Mehrheit in einer bestimmten Art und Weise verhält, gilt dies als „normal“; jemand zeigt abweichendes Verhalten dann, wenn er sich außerhalb dieser Norm bewegt (Rühmkorf 1986, S.91). Die Spannweite abweichenden Verhaltens ist sehr breit: Kriminalität, Sucht, Prostitution, Suizid, Alkoholismus, Behinderung usw. (Kerscher 1980, S.13). Einerseits können es augenfällige Verletzungen bestimmter gesellschaftliche Normen, Werte und Institutionen sein, die von Strafgesetzen und Strafverfolgungsinstanzen ausdrücklich „krimina-lisiert“ werden (Schäfers 1982, S.183). Andererseits kann das vorübergehend „Aus-der-Rolle-Fallen“(Schäfers 1982, S.183) eines einzelnen sein, die in einem gewissen Maße toleriert wird - also Abweichungen im Sinne von „...aktiver Neugestaltung der Umwelt, über versuchte Neuantworten auf die Sinnfrage bis hin zu wissenschaftlichen Erfindungen und Entdeckungen.“(Bellebaum 1972, S.107).

Die Tatsache, daß Normen differierende Geltungsbereiche haben und historischem Wandel unterworfen sind, sorgt für Desorientierungen und führt zu Diskrepanzen zwischen erwarteten und zeigten Verhalten; in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche gilt abweichendes Verhalten als der unverzichtbare Motor sozialen Wandels. Die Rollenvielfalt eines Individuums und damit verbundene widersprüchliche Erwartungen führen zu einem Rollenkonflikt, was sich unter bestimmten Voraussetzungen in Devianzen äußert. Folglich unterscheiden wir zwischen dem Inter- und dem Intrarollenkonflikt (Henke 1998):

Interrollekonflikt - Konflikt zwischen zwei Rollen - z.B. der Rolle einer Mutter und Rolle einer arbeitenden Frau: die Mutter muß morgens rechtzeitig an ihrem Arbeitsplatz sein, das Kind verhindert es aber, weil es kurz vorher in der Windel gemacht hat - wenn sie das Kind frisch wickelt, steht sie in dem Konflikt zu spät zur Arbeit zu erscheinen, wickelt sie das Kind nicht, so steht sie in dem Konflikt ihr Kind vernachlässigt zu haben;

Intrarollenkonflikt - Entscheidungsproblem innerhalb einer Rolle - z.B. bei einer Krankenschwester, die widersprüchliche Erwartungen zu erfüllen hat: der Patient erwartet von ihr, daß sie Zeit für ihn aufbringt und ihm zuhört; der Vorgesetzte stellt bestimmte Forderungen an die Schwester, was und wann getan werden muß; so steht die Schwester in dem Konflikt einerseits den Wunsch des Patienten zu erfüllen, andererseits aber auch den Erwartungen des Vorgesetzten zu entsprechen.

Die traditionellen Theoretikern gehen davon aus, daß Ursachen für abweichendes Verhalten in der psychischen Struktur und in den Erbanlagen des einzelnen zu finden sind. Sie betrachten Devianzen aus biologischer, psychologischer und medizinischer Sicht (Kerscher 1980, S.16). Heutige ausgedehnte sozialwissenschaftliche Erforschung ersetzt die oben genannte Theorie und sucht die Hintergrunde von Abweichungen in komplexeren Bedingungszusammenhängen - zwischen Devianzen einzelnen und seiner sozialen Umgebung (Pressel 1980, S.18). Auch Becker wendet sich gegen die Auffassung vom abweichenden Verhalten als angeboren oder Krankheit. Am Beispiel der Marihuana-Raucher und der Tanzmusiker zeigt er exemplarisch die Interaktion als komplizierten sozialen Prozeß, in dessen Verlauf erst die Definition Abweichung entstehe (Becker 1981, S.36ff).

Laut Schwendtke ( 1977, S.11) ist abweichendes Verhalten „... kategorialer Grundbegriff der Soziologie, der sich von anderen soziologischen Kategorien wie: Anomie, Konformität, Soziales Handeln, Soziale Norm, Soziale Kontrolle, Segregation, Sozialisation, Stimatisierung, Subkultur u. a. erklären läßt.“.

2.2 Kriminalität

Kriminalität ist eine Form abweichenden Verhaltens, das einer Strafrechtlichen Norm widerspricht und teilweise von Instanzen der Strafverfolgung wie Polizei, Staatsanwaltschaft und Strafjustiz sanktioniert wird (Weeber 1980, S. 483). Im Hinblick auf die Ursachen von Kriminalität bzw. kriminellen Verhalten wurden verschiedene Erklärungsmodelle entwickelt; die wichtigsten sind folgende (Kerscher 1980, S.299ff):

1. Aus psychoanalytischer Sicht wird kriminelles Verhalten auf gestörte Prozesse der Identifikation und Gewissenbildung in frühkindlichen Phasen der Entwicklung zurückgeführt. Die psychopathische Formen der Kriminalität entstehen u. durch Mangel, Inkonsistenz und Ambivalenz emotionaler Zuwendung und Lückenhafte Identifikationsprozesse.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jugendkriminalität als gesellschaftliche Abweichung und soziales Problem
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe  (Studiengang Sozialarbeit)
Veranstaltung
Vorlesung: Einführung in die Soziologie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
18
Katalognummer
V29526
ISBN (eBook)
9783638310147
ISBN (Buch)
9783638816007
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendkriminalität, Abweichung, Problem, Vorlesung, Einführung, Soziologie
Arbeit zitieren
Isabella Moch-Trzcinski (Autor), 1998, Jugendkriminalität als gesellschaftliche Abweichung und soziales Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29526

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