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Die Suche des Ich. Autobiographie, Fiktion und Selbsterkenntnis in Karl Philipp Moritz‘ Roman "Anton Reiser"

Titel: Die Suche des Ich. Autobiographie, Fiktion und Selbsterkenntnis in Karl Philipp Moritz‘ Roman "Anton Reiser"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Fritz Hubertus Vaziri (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine Lektüre von Karl Philipp Moritz‘ Roman "Anton Reiser" lässt den Leser mit vielerlei Denkanstößen und mancher unbeantworteten Frage zurück. Nicht nur das Ende des bisweilen als „unvollendet“ bezeichneten Werks gibt Rätsel auf, sondern schon der Beginn mutet eigenartig an.

Von der „inneren Geschichte des Menschen“ steht dort zu lesen, die erzählt werden soll, von einem „Roman“ und zugleich einer „Biographie“, von der pädagogischen Bedeutung, die „Aufmerksamkeit des Menschen mehr auf den Menschen selbst zu heften.“ Es sind dies ehrgeizige und weitgefasste Anliegen - WAGNER-EGELHAAF spricht von „Hybridität“, die dem Leser zum einen zwar eine Annäherung aus unterschiedlichsten Richtungen ermöglichen, andererseits jedoch, im Hinblick auf die Frage, wo eine solche Vertiefung ansetzen soll, zugleich Herausforderung bedeuten.

Die eingewobenen religiösen und außerdem die intertextuellen Bezüge zu einer ganzen Fülle an Werken der Weltliteratur machen die Sache nicht leichter, ebenso wie stilistische und inhaltliche Parallelen zur Produktion anderer Autoren, bspw. denen Goethes, auf den im Roman ebenso wie auf seinen Werther explizit verwiesen wird, dessen Wilhelm Meister darüber hinaus schon Keller in eine Traditionslinie mit seinem Grünen Heinrich, Grimmelshausens Simplicissimus und eben Moritzens Anton Reiser stellte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einige Vorüberlegungen

3. Die Seelenkrankheit des Anton Reiser

3.1 Religiosität als Problem

3.2 Flucht in die Innerlichkeit

3.3 Falscher und wahrer Kunsttrieb

4. Vom Streben nach Erkenntnis

4.1 Die Gattungsfrage

4.2 Die Wahrheitsfrage

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert Karl Philipp Moritz' Roman Anton Reiser im Hinblick auf das Spannungsverhältnis zwischen Autobiographie, Fiktion und dem Streben nach Selbsterkenntnis des Protagonisten sowie des Autors selbst.

  • Das komplexe Verhältnis von autobiographischen Elementen und fiktionaler Gestaltung.
  • Die psychologische Dimension der „Seelenkrankheit“ und Identitätssuche des Anton Reiser.
  • Die Rolle der Lektüre und des Theaters als Mittel zur Realitätsflucht und Kompensation.
  • Die Diskrepanz zwischen dem aufklärerischen Erkenntnisstreben und dem Scheitern des Protagonisten.

Auszug aus dem Buch

3.2 Flucht in die Innerlichkeit

Moritz‘ Rede von „einer nur allzuoft mißverstandnen Religion“, in der er sich nicht notwendigerweise gegen Religion an sich wendet, sondern vor allem gegen deren missverstandenen, weil nur oberflächlich und ungenügend reflektierten Gebrauch, wird unter dem Eindruck dieser Schilderungen nicht nur deutlich hörbar, sondern gewinnt eine zusätzliche, besonders traurige Note. ROHSE sieht sich angesichts der seelischen Misshandlungen Antons gar von „sprachlosem Erschrecken“ ergriffen.

Von frühester Kindheit an mit den oben angedeuteten traumatischen Erlebnissen und einem lieblosen Vater, der ihm das Leben mit „strengen geistlichen Anforderungen“ schwer macht, konfrontiert, resigniert Anton in seinem „Verlangen nach einer liebreichen Behandlung“ und fängt an, sich selbst zu verachten: „Am Ende freilich ward dies Gefühl ziemlich bei ihm abgestumpft; es war ihm beinahe, als müsse er beständig gescholten sein, und ein freundlicher Blick, den er einmal erhielt, war ihm ganz etwas sonderbares, das nicht recht zu seinen übrigen Vorstellungen passen wollte.“

Um sein seelisches Überleben zu sichern, bleibt ihm gleichsam kaum eine andere Wahl, als aus der realen Welt beständiger Demütigungen und Niederlagen in eine idealisierte Scheinwelt zu fliehen, zu der ihm „im achten Jahre“ durch erste Lektüreerlebnisse ein Zugang eröffnet wird. Schon bald ist seine „Begierde zu lesen […] unersättlich“: „Durch das Lesen war ihn nun auf einmal eine neue Welt eröffnet, in deren Genuß er sich für alle das Unangenehme in seiner wirklichen Welt einigermaßen entschädigen konnte. Wenn nun rund um ihn her nichts als Lärmen und Schelten und häusliche Zwietracht herrschte, oder er sich vergeblich nach einem Gespielen umsah, so eilte er hin zu seinem Buche. So ward er schon früh aus der natürlichen Kinderwelt in eine unnatürliche idealische Welt verdrängt, wo sein Geist für tausend Freuden des Lebens verstimmt wurde, die andre mit voller Seele genießen können.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Romans als hybrides Werk zwischen Autobiographie und Roman ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Identitätssuche und das Verhältnis von Fiktion und Realität zu beleuchten.

2. Einige Vorüberlegungen: Dieses Kapitel erläutert Moritz' theoretisches Konzept der Erfahrungsseelenkunde und dessen Einfluss auf die Konzeption seines Romans.

3. Die Seelenkrankheit des Anton Reiser: Das Kapitel untersucht die psychische Belastung des Protagonisten durch ein liebloses Elternhaus und dessen daraus resultierende Realitätsflucht in Lektüre und Theater.

4. Vom Streben nach Erkenntnis: Die Untersuchung befasst sich mit der Gattungsfrage des Werkes und dem Scheitern des im Roman postulierten Erkenntnisstrebens sowie der Problematik der "Wahrheitssuche".

5. Schluss: Der Schluss reflektiert die Unabgeschlossenheit des Romans und kommt zu dem Ergebnis, dass das Werk für den Autor eine Suche bleibt, die jedoch keine abschließende Versöhnung oder Heilung bietet.

Schlüsselwörter

Anton Reiser, Karl Philipp Moritz, Autobiographie, psychologischer Roman, Selbsterkenntnis, Identität, Erfahrungsseelenkunde, Realitätsflucht, Melancholie, Selbsttäuschung, Innerlichkeit, Aufklärung, Fiktion, Identitätskrise, Literaturpsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Karl Philipp Moritz' Roman Anton Reiser im Kontext des autobiographischen Schreibens und der Aufklärung, insbesondere im Hinblick auf die psychologische Verfassung der Titelfigur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Ambivalenz von Autobiographie und Fiktion, die Entstehung seelischer Leiden des Protagonisten durch äußere Umstände sowie die Funktion von Lektüre und Theater als Kompensationsmechanismen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Moritz das Spannungsverhältnis zwischen dem Anspruch auf psychologische Wahrheit und der literarischen Gestaltung innerhalb seines „psychologischen Romans“ auflöst (oder eben scheitert).

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Bezüge herstellt und psychologische bzw. psychoanalytische Deutungsansätze aus der Forschungsliteratur integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der psychischen Traumata des Protagonisten im Elternhaus, die Flucht in ideale Welten (Bücher/Theater) und die Reflexion über das Erkenntnisstreben und die Gattungsproblematik des Werkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Anton Reiser, Autobiographie, Selbsterkenntnis, Identität, Erfahrungsseelenkunde und psychologischer Roman.

Warum ist das Ende des Romans für den Autor problematisch?

Das Ende erscheint brüsk und aussichtslos, was im Widerspruch zu Moritz' früherem, auf Harmonie und Glückseligkeit gerichteten Optimismus der "Erfahrungsseelenkunde" steht.

Inwiefern beeinflusst der Begriff der "Herausgeberfiktion" die Lektüre?

Die Distanzierung durch die Herausgeberfiktion ermöglicht es Moritz, seinen eigenen Lebensweg poetisch zu verarbeiten, während er gleichzeitig die Identität der Hauptfigur mit der eigenen Biografie verschleiert.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Suche des Ich. Autobiographie, Fiktion und Selbsterkenntnis in Karl Philipp Moritz‘ Roman "Anton Reiser"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Biographie und Autobiographie bei Karl Philipp Moritz und Jean Paul
Note
1,7
Autor
Fritz Hubertus Vaziri (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V295331
ISBN (eBook)
9783656931539
ISBN (Buch)
9783656931546
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Phillip Moritz Anton Reiser Romantik Autobiographie Fiktion Selbsterkenntnis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fritz Hubertus Vaziri (Autor:in), 2009, Die Suche des Ich. Autobiographie, Fiktion und Selbsterkenntnis in Karl Philipp Moritz‘ Roman "Anton Reiser", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295331
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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