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Kommunikationsstress - Eine explorative Fallstudie am Beispiel von E-Mail-Kommunikation

Title: Kommunikationsstress - Eine explorative Fallstudie am Beispiel von E-Mail-Kommunikation

Examination Thesis , 1999 , 117 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Markus Joepgen (Author)

Communications - Research, Studies, Enquiries
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Was ist Kommunikationsstress? Wie entsteht er und welche Folgen hat er? Im Zentrum der Arbeit von Markus Joepgen steht die Konzeptionalisierung und empirische Untersuchung von Kommunikationsstress. Der Autor erarbeitet zunächst eine allgemeine Definition von Kommunikationsstress. Dabei übeträgt er Annahmen des kognitiv-transaktionalen Stressmodells auf Kommunikationsprozesse.

Am Beispiel der Erwartung "schnell zurückschreiben" bei gleichzeitig "ständiger Erreichbarkeit" rekonstruiert er anschließend die Entstehung von Stress am Beispiel von E-Mail-Kommunikation. Dabei erklärt er, unter welchen Umständen es gerade im Rahmen der Aneignung neuer Medien zu Stresserfahrungen kommen kann und welche Rolle dabei veränderte Wahrnehmungsstrukturen und neue Kommunikationsregeln spielen. Anschließend untersucht er in einer Fallstudie die E-Mail-Nutzung an einem amerikanischen College. Dabei wird deutlich, dass sich „gestreßte“ E-Mail-Nutzer in ihrer medienbezogenen Gebrauchsweise von „nicht gestressten“ Nutzern unterscheiden. Derartige Unterschiede im Nutzungsverhalten werden in Bezug auf eine systemische Betrachtungsweise von Stress erklärt, nach der medienbezogene Gebrauchsweisen auch als Stressbewältigungsmechanismen betrachtet werden können.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kommunikationsstress dazu beitragen kann, Kommunikationsverhalten zu erklären. Sie führen zu der Empfehlung, das Konstrukt als Kontextmerkmal bei der Erklärung von Kommunikationsprozessen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse zeigen auch: User sind keine Opfer neuer Kommunikationstechnologien. Sehr wohl aber besteht die Notwendigkeit, die Regeln im Umgang mit neuen Medien vor dem Hintergrund neuer kommunikativer Freiheiten bedürfnisgerecht "auszuhandeln". Gelingt dies nicht, kann Kommunikationsstress entstehen und als Indiz für eine mangelhafte Aneignung neuer Kommunikationstechnologien gewertet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG

1.1 Erkenntnisinteresse

1.2 Vorgehensweise

2 STANDORTBESTIMMUNG: DIE FRAGE NACH STREß IM KONTEXT VON E-MAIL-KOMMUNIKATION

2.1 Hinweise auf die Entstehung neuer medienspezifischer Konventionen

2.2 Die Dynamik sozialer Einflußprozesse als Problem der Kommunikationswissenschaften

2.3 Streß als Indikator für die Anpassungsfähigkeit an neue medienspezifische Konventionen

3 E-MAIL-KOMMUNIKATION ALS „REGELGELEITETES GESCHEHEN“

3.1 Erwartungen als Manifestationen von Kommunikationsregeln

3.1.1 Funktionen von Kommunikationsregeln

3.1.2 Typen von Kommunikationsregeln

3.1.2.1 Regulative und konstitutive Regeln

3.1.2.2 Implizite und explizite Kommunikationsregeln

3.1.2.3 Prozeduale Regeln

3.1.3 Klassifizierung der Kommunikationsregel „schnell zurück-schreiben“

3.2 Zur Konstitution neuer Kommunikationsregeln

3.2.1 E-Mail als „bedeutungsfreier Raum“

3.2.2 Medienbezogene Gebrauchsweisen als Grundlage der Aushandlung neuer Kommunikationsregeln

3.2.3 Zur Bedeutung gruppenspezifischer Aneignungsprozesse

3.2.4 Die „kommunikative Bedeutung von E-Mail“ als Hinweis für die Konstitution der Kommunikationsregel „schnell zurückschreiben“

3.3 Zur Aushandlung von Kommunikationsregeln unter veränderten Rahmenbedingungen

3.3.1 Die „präfigurative Kraft“ von Kommunikationsregeln

3.3.2 Erreichbarkeit und die Bewertung der Gebrauchsweise von E-Mail

3.3.3 Exkurs: „Verpflichtung“ als Erwartungsdimension

3.4 Resümee

4 STREß ALS KOGNITIV-TRANSAKTIONALER PROZEß

4.1 Standortbestimmung

4.1.1 Forschungsdisziplin: Streß als Gegenstand der Sozialpsychologie

4.1.2 Modellcharakter: Streß als Prozeß

4.2 Grundbegriffe und theoretische Einordnung

4.2.1 Stressoren

4.2.1.1 Die Erwartung „schnell zurückschreiben“ als chronischer Stressor

4.2.2 Kognitive Bewertung von Stressoren („Appraisals“)

4.2.2.1 Primäre Bewertung: Der Begriff der (kommunikativen) Anforderung

4.2.2.2 Bewertung von Bewältigungspotentialen

4.2.3 Kontextmerkmale („Moderators“)

4.2.3.1 Erreichbarkeit als streßförderndes, externes Kontextmerkmal

4.2.4 Streßbewältigung („Coping“)

4.2.4.1 Gebrauchsweisen von E-Mail als Streßbewältigungsmechanismen

4.2.5 Streßerfahrungen als Streßreaktionen

4.3 Resümee: Streß im Kontext von E-Mail-Kommunikation

5 ÜBERSICHT ÜBER ABGELEITETE HYPOTHESEN

6 METHODE

6.1 Design der Studie: Grundgesamtheit und Stichprobenziehung

6.2 Pretest

6.3 Hauptfeldphase

6.4 Inhaltliche Konzeption – Fragenbereiche

6.5 Zur Erhebung „subjektiver Streßerfahrungen“

6.6 Vorbereitung der Datenanalyse

6.7 Rekodierung

7 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE

7.1 Beschreibung der Untersuchungsteilnehmer

7.1.1 Quantitative Nutzungsmerkmale

7.1.2 Qualitative Nutzungsmerkmale

7.1.3 Wahrnehmung der Erwartung „schnell zurückschreiben“

7.1.4 Wahrgenommene Erreichbarkeit

7.1.5 Die Anforderung „schnell zurückschreiben“ (IndexKA)

7.1.6 Streßerleben

7.1.6.1 Häufigkeit von Streßerfahrungen

7.1.6.2 Intensität von Streßerfahrungen

7.1.6.3 Hinweise auf die „Bedeutung“ von Streßerfahrungen

7.2 Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Erwartungshaltungen bezüglich einer hohen Antwortgeschwindigkeit und der kommunikativen Anforderung „schnell zurückschreiben“ (H1)

7.3 Zusammenhang zwischen wahrgenommener Erreichbarkeit und der kommunikativen Anforderung „schnell zurückschreiben“ (H3)

7.4 Zusammenhang zwischen kommunikativer Anforderung und Intensität von Streßerfahrungen (H2)

7.5 Plausibilitätskontrolle: Zusammenhang zwischen der Erwartung „schnell zurückschreiben“, dem Kriterium Erreichbarkeit und der Intensität von Streß

7.6 Zusammenhänge zwischen Streßerfahrungen und der Gebrauchsweise von E-Mail (H4)

7.6.1 Quantitatives Nutzungsverhalten

7.6.2 Qualitatives Nutzungsverhalten

7.6.2.1 Rechtschreibung

7.6.2.2 Schreibstil

7.6.2.3 Die Kurzmitteilung „schreibe später zurück“

7.7 Zusammenfassung der Ergebnisse

8 SCHLUßBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen E-Mail-Kommunikation und dem Auftreten von Stress. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Erwartungshaltungen bezüglich schneller Antwortzeiten und ständiger Erreichbarkeit bei Nutzern zu Stress führen und welche qualitativen sowie quantitativen Bewältigungsstrategien (Coping) eingesetzt werden.

  • Analyse von E-Mail als regelgeleitetes Kommunikationsmedium
  • Untersuchung von Erwartungsdruck und Erreichbarkeit als Stressoren
  • Anwendung des kognitiv-transaktionalen Stressmodells
  • Explorative Fallstudie zur Identifikation von Bewältigungsmechanismen
  • Zusammenhänge zwischen Stresserleben und dem individuellen Nutzungsverhalten

Auszug aus dem Buch

Die „präfigurative Kraft“ von Kommunikationsregeln

Fühlen sich Menschen Erwartungen nicht gewachsen, so läßt sich dies über die „logische Kraft“ – die handlungsleitende Funktion von Regeln – erklären. Diese umfaßt zwei Aspekte: die „präfigurative“ und die „praktische Kraft“. Mit ersterer sind die auf das Individuum einwirkenden Zwänge und Einflüsse gemeint, welche dessen Handlungsweisen umrahmen („Ich tat es, weil ...“). Die „praktische Kraft“ dagegen beschreibt die Perspektive des zielorientierten Akteurs, der unter Abschätzung möglicher Folgen handelt („Ich tat es, um zu...“). In beiden Fällen versuchen die Handelnden, etwas Vorteilhaftes zu erhalten bzw. etwas Negatives zu vermeiden. Überwiegt jedoch die „präfigurative Kraft“, so ergibt sich das Gefühl, fremdbestimmt zu sein. In diesem Fall ist der Einfluß, den das Individuum auf die Regeln geltend machen kann, geringer (vgl. hierzu Höflich 1996: 48f.).

Eine Dominanz der „präfigurativen Kraft“ kann u.a. darauf zurückgeführt werden, daß Menschen die ihren Handlungsweisen zugrundeliegenden Regeln nicht ihren Handlungspotentialen entsprechend aushandeln. Das heißt, sie verhalten sich auf eine Art und Weise, die anzeigt, daß sie eine Konvention als verbindlich erachten; sie erfüllen Erwartungshaltungen und „bestätigen damit die Regel“ – und das, obwohl eine Bezugnahme auf die entsprechende Konvention, ihre Fähigkeiten dieser nachzukommen, erschöpft. Ein solches Verhalten läßt nicht zuletzt auf eine asymmetrische Verteilung sozialer Kontrolle schließen. Der Begriff beschreibt die Gesamtheit aller Zwänge, die Menschen durch die Art und Weise, in der sie ihre Kommunikation strukturieren, aufeinander ausüben (vgl. Wieman und Giles 1992: 214). Basierend auf dem Entdeckungszusammenhang wird im folgenden aufgezeigt, vor welchem Hintergrund das Kriterium „Erreichbarkeit“ zu einer asymmetrischen Verteilung sozialer Kontrolle bzw. zu einer Dominanz der „präfigurativen Kraft“ von Regeln führen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

EINFÜHRUNG: Die Einleitung erläutert den Fokus auf die Untersuchung von Stress im Kontext der E-Mail-Kommunikation und stellt die zentralen Fragestellungen zur Belastung durch Antwortzwänge vor.

STANDORTBESTIMMUNG: DIE FRAGE NACH STREß IM KONTEXT VON E-MAIL-KOMMUNIKATION: Dieses Kapitel definiert die theoretische Ausgangslage, indem es Stress als Indikator für die Anpassung an neue soziale Konventionen in der digitalen Kommunikation diskutiert.

E-MAIL-KOMMUNIKATION ALS „REGELGELEITETES GESCHEHEN“: Hier wird untersucht, wie E-Mail-Kommunikation durch soziale Regeln strukturiert ist und warum Erwartungen an Antwortgeschwindigkeit als solche Regeln verstanden werden können.

STREß ALS KOGNITIV-TRANSAKTIONALER PROZEß: Das Kapitel führt das theoretische Modell ein, um zu erklären, wie Individuen Anforderungen bewerten und welche Rolle Ressourcen bei der Stressentstehung spielen.

ÜBERSICHT ÜBER ABGELEITETE HYPOTHESEN: Die theoretischen Überlegungen werden hier in konkrete Hypothesen zusammengefasst, die im empirischen Teil der Studie geprüft werden sollen.

METHODE: Die Arbeit beschreibt das Design einer explorativen Fallstudie, die 1996 am Rollins College durchgeführt wurde, um subjektive Stressthemen bei Mitarbeitern zu erfassen.

DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Das Kapitel präsentiert die empirischen Befunde aus der Befragung und analysiert die Zusammenhänge zwischen wahrgenommenen Erwartungen, Erreichbarkeit und Stresserleben.

SCHLUßBETRACHTUNG: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert den Nutzen des Stressbegriffs für die Beschreibung von E-Mail-Kommunikation sowie Limitationen der Studie.

Schlüsselwörter

Kommunikationsstress, E-Mail-Kommunikation, Erwartungsdruck, soziale Konventionen, kognitiv-transaktionales Stressmodell, Erreichbarkeit, Stressbewältigung, Coping, Regeltheorie, Internetkommunikation, Mediennutzung, Stresserleben, Anforderungsbewertung, empirische Fallstudie, interpersonale Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht, ob und unter welchen Bedingungen die E-Mail-Kommunikation bei Nutzern Stress auslöst, insbesondere im Hinblick auf den sozialen Druck, zeitnah auf Nachrichten zu reagieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Konstitution neuer sozialer Regeln im digitalen Raum, die psychologische Bewertung von Leistungsanforderungen und der Einfluss von Erreichbarkeitserwartungen auf das Wohlbefinden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, warum E-Mail-Nutzer durch Erwartungshaltungen gestresst werden und wie sie ihr Verhalten anpassen, um mit diesem Druck umzugehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine explorative, quantitative Fallstudie. Mittels einer schriftlichen Befragung unter Mitarbeitern eines amerikanischen Colleges wurden Daten zu Nutzungsgewohnheiten und Stresserleben erhoben und bivariat statistisch ausgewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung mittels des kognitiv-transaktionalen Stressmodells und eine anschließende empirische Prüfung, die Zusammenhänge zwischen Stress und spezifischen E-Mail-Gebrauchsweisen aufzeigt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Kommunikationsstress, E-Mail-Kommunikation, Erwartungsdruck, soziale Regeln, Coping-Strategien und kognitive Bewertungsprozesse.

Was bedeutet die „präfigurative Kraft“ im Kontext der E-Mail-Nutzung?

Sie beschreibt die von außen kommenden Zwänge, die ein Nutzer spürt, wenn er sich verpflichtet fühlt, Erwartungen des kommunikativen Umfelds zu erfüllen, selbst wenn diese ihn überfordern.

Welche Rolle spielt die „Erreichbarkeit“ für das Stresserleben?

Die Studie zeigt, dass eine hohe Erreichbarkeit den Druck erhöht, Nachrichten zeitnah zu lesen und zu beantworten, da eine Nicht-Antwort vom Kommunikationspartner als bewusste Regelverletzung interpretiert werden kann.

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Details

Title
Kommunikationsstress - Eine explorative Fallstudie am Beispiel von E-Mail-Kommunikation
College
University of Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Grade
1,7
Author
Markus Joepgen (Author)
Publication Year
1999
Pages
117
Catalog Number
V29539
ISBN (eBook)
9783638310222
ISBN (Book)
9783638703031
Language
German
Tags
Kommunikationsstress Eine Fallstudie Beispiel E-Mail-Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Joepgen (Author), 1999, Kommunikationsstress - Eine explorative Fallstudie am Beispiel von E-Mail-Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29539
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