Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand und Literatur
1.2. Vorgehensweise und Fragestellung

2. Wählerverhalten
2.1. Stammwähler
2.2. Wechselwähler
2.3. Nichtwähler

3. Traditionelle Wahldeterminanten
3.1. Strukturelle Faktoren
3.1.1. Parteibindung
3.1.2 Konfliktlinien
3.1.3. Milieu und soziale Schicht
3.2. Situative Faktoren
3.2.1. Sachpolitische Fragen
3.2.2. Kanzlerkandidaten

4. Resümee

5. Anlagen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit beschäftigt sich mit den Determinanten der Wahlentscheidung in der Bundesrepublik Deutschland. Neben dem allgemeinen Wählerverhalten werden hierbei auch die traditionellen Wahldeterminanten - auf der einen Seite die strukturellen Faktoren, auf der anderen Seite die situativen Faktoren - speziell bezogen auf die Bundestagstagswahl im Jahre 2002 untersucht.

1.1. Forschungsstand und Literatur

Der Forschungsstand für dieses Thema ist der Bedeutung entsprechend gut erschlossen, die Literatur der Wissenschaft hat sich explizit mit Wahlen, der Wahlgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland und den Determinanten der Wahlentscheidung auseinandergesetzt. Äußerst wichtig für diese Arbeit sind vor allem die zahlreichen Werke, welche sich mit dem aktuellen Wählerverhalten und den Funktionen der traditionellen Wahldeterminanten in der heutigen Zeit beschäftigen. Besonders hervorzuheben sind die Bücher von Wichard Woyke1, Uwe Andersen2 und vor allem Wilhelm Bürklin und Markus Klein3. Letzt genanntes Werk gibt eine sehr detaillierte Einsicht auf die verschiedenen Theorien bezüglich des Wählerverhaltens, veranschaulicht sehr gut die Cleavage-Theorie und zeigt den Wertewandel in der Gesellschaft auf. Zur weiteren Darstellung des Themas waren die Beiträge von Wolfgang Hartenstein4, Rita Müller - Hilmer5 und Dieter Roth und Matthias Jung6 in den Quellen „Aus Politik und Zeitgeschichte sehr hilfreich. Die Werke von Wolfgang Rudzio7, Jürgen Lass8, und Volker

Hetterich9 beleuchten das Wählerverhalten ebenfalls sehr schlüssig. Mit dieser und weiterer Literatur soll es das Ziel sein, das Wählerverhalten in der Bundesrepublik Deutschland und die Determinanten der Wahlentscheidung darzustellen.

1.2. Vorgehensweise und Fragestellung

Die Vorgehensweise beschäftigt sich nicht nur mit der Methode, sondern auch mit der persönlich gewählten Gewichtung. Die Gewichtung ergibt sich aus der zentralen Fragestellung, welche folgenden Gesichtspunkt untersucht: Welche gesellschaftlichen Konfliktlinien bestimmen das heutige Wählerverhalten?

Zu Beginn dieser Hausarbeit wird das allgemeine Wählerverhalten in Deutschland dargestellt und die einzelnen Wählertypen - Stammwähler, Wechselwähler und Nichtwähler - definiert. Im folgenden Punkt werden die traditionellen Wahldeterminanten näher betrachtet. Zunächst werden die strukturellen Faktoren der Wahldeterminanten beleuchtet. Hierzu wären die Parteibindung in der heutigen Zeit, die alten und neuen Konfliktlinien und deren Bedeutung für Wahlen sowie das Milieu zu nennen. Weiterhin werden die situativen Faktoren, wie die aktuellen Fragen zur Bundestagswahl 2002 und die Gegenüberstellung der Kanzlerkandidaten bei der Bundestagswahl 2002 beschrieben. Abschließend werden die wichtigsten Punkte im Resümee nochmals aufgezeigt. Mit Hilfe dieses Vorgehens soll dabei die Fragestellung erörtert werden.

2. Wählerverhalten

Die Erkundung des Wahlverhaltens von Einzelpersonen und Massen ist eine bedeutende Aufgabe der empirischen Wahlforschung. Sie versucht zu bestimmen, welche Beweggründe die Wähler veranlassen, ihre Entscheidung zu treffen. Kurz-, mittel- und langfristige Faktoren10 sind hierbei ausschlaggebend. Langfristige Faktoren sind erstens strukturelle Determinanten (Sozialstruktur, politische Konfliktlinien), zweitens kulturelle Rahmenbedingungen (Wertorientierungen, Parteienidentifikation) und drittens die Konfessionsbindung.11 Als ein kurzfristiger Faktor sind die Bedingungen des Parteienwettbewerbs zu nennen (Spitzenpolitiker, taktisches Wahlverhalten).12 In der heutigen Zeit ist der perfekte Wähler, der sich die Mühe macht, die Wahlprogramme der einzelnen Parteien zu untersuchen und zu vergleichen, kaum noch vorhanden. Höhere Wechselbereitschaft und Mobilität des Wählers zum einen und Desinteresse zum anderen bestätigen diesen Trend. Zwischen den Wählern und den Politikern kann man eine größere Labilität feststellen: das Vertrauen der Wähler schwindet und dies macht sich insofern bemerkbar, als dass die Politiker zum einen ihre moralische Glaubwürdigkeit und zum anderen ihre politische Effizienz verlieren.13 Dies und die Angleichung der einzelnen Parteien zu immer ähnlicher werdenden, großen Volksparteien inspirieren den Wähler zu einer Wechselbereitschaft bei der Wahl oder gar zum Fernbleiben von dieser.14 Man schaut vermehrt auf die Leistung der Regierung, überprüft ob die Opposition effektiver gearbeitet hätte und entscheidet letzten Endes nur die Bestätigung oder die Abwahl der Regierung.15 Das bedeutet, dass sich der Wähler für die Partei entscheidet von der er glaubt den größten persönlichen Nutzen ziehen zu können. Dieses Phänomen wird in der Theorie als der „rationale Wähler“16 bezeichnet. Diese Wähler entscheiden sich vollkommen frei von Urteilen für diejenige Partei, die den eigenen Bedürfnissen am ehesten entspricht und die die effektivste Kosten - Nutzen - Relation verspricht.17

2.1. Stammwähler

Der Stammwähler ist immer noch eine feste Konstante, die sich allerdings in den letzten Jahren aufgrund Wählerbewegung und schwindender Loyalität zusehends auflöst.18 Im günstigsten Fall ist der Stammwähler für fremde Parteien unantastbar, da sich Bindungen verschiedener Beweggründe im Laufe der Zeit entwickelt und stabilisiert haben, welche von den anderen Parteien nicht erschüttert werden können.19 Diese Beweggründe finden sich vor allem in der Umwelt, speziell in der Sozialisation und im Milieu des Wählers.20 Während zunächst die Eltern das Wahlverhalten prägen, so geschieht es später durch die Schule, den Freundeskreis und die Arbeitsstelle. 66% der Arbeiter in einer Gewerkschaft wählten bei der Bundestagswahl 1998 die

SPD, 70% der zur katholischen Kirche verbundenen Wähler stimmten für die CDU/CSU.21 Die Gewerkschaftsmitglieder auf der einen und die Katholiken auf der anderen Seite sind ein Beispiel für verschiedene Milieus.22 Obwohl diese Prägung noch immer vorhanden ist, so nimmt - wie schon anfangs erwähnt - durch die nachlassende Kirchenbindung und Organisation der Arbeiter in Gewerkschaften, die Zahl der Stammwähler ab.23 Im Grunde ist diese Prägung und Parteienbindung „eine Art Orientierungshilfe bei der Wahrnehmung des gesamten politischen Systems“24. Sowohl die sinkenden Mitgliederzahlen in den Parteien als auch die Abwertung dieser langfristigen Wahldeterminanten führen dazu, dass die Zahl der Wechselwähler - für sie sind kurzfristige Determinanten entscheidend - zunimmt.25 Sobald man bei aufeinander folgenden, gleichen Wahlen seine Stimme verschiedenen Parteien gibt, gilt man nicht mehr als Stammwähler, sondern als Wechselwähler.26

2.2. Wechselwähler

Die Abnahme - zuweilen auch Auflösung - der Parteienbindung und die Divergenz von langfristigen und kurzfristigen Wahldeterminanten sind ein entscheidendes Kriterium für das Wachstum der Wechselwähler. Wechselwähler stehen den Parteien kritischer gegenüber und nutzen die Möglichkeit auch anderen Parteien ihre Stimme zu geben. Durch „das Aufkommen neuer Parteien und Koalitionsoptionen“ kam es „zu einer Umorientierung auf dem Wählermarkt“.27 Im Bezug auf die Sozialisation geht man davon aus, dass Wähler mit „gegenläufigen Bindungen“ aufgeschlossener auf die Ausrichtung von Parteien eingehen.28 Als Beispiel kann man hier den Wähler anführen, der als Arbeiter einer Gewerkschaft angehört und darüber hinaus ein Kirchgänger ist. Dieser Wähler wird sowohl von der SPD als auch von der CDU/CSU angesprochen.29 Für den Wechselwähler sind nicht nur Aspekte der sozialen Umwelt ausschlaggebend, vielmehr stehen aktuelle sachpolitische Fragen und der Kandidat im Vordergrund. Das Wählerverhalten steht unter einer höheren Gewichtung, wenn folgende drei Aspekte vorhanden sind. Erstens: „Das Thema muss die Aufmerksamkeit des Wählers erregen, wobei die Massenmedien eine wichtige Rolle spielen“.30 Zweitens: „Der Wähler muss sich in seiner Interessenlage betroffen sehen“.31 Drittens: „Er muss das Thema mit den Parteien verknüpfen, indem er ihnen Schuld oder Verdienst zuspricht oder erwartet, dass sie Kompetenz dafür zeigen“.32 Das bedeutet, dass sobald der Wähler direkt von dem sachpolitischen Thema angesprochen wird oder gar betroffen ist, desto kritischer steht er den Parteien gegenüber und versucht sich ein Urteil zu bilden, dass von mehr Unabhängigkeit zeugt.33

2.3. Nichtwähler

Die Gruppe der Nichtwähler ist ein so genanntes Krisenphänomen, da sie keine homogene Gruppe darstellen. Es gibt nicht den typischen Nichtwähler, denn zum einen gibt es Menschen, die mit der gegenwärtigen Situation zufrieden sind und keine Veranlassung sehen, eine neue Regierungspartei zu wählen. Zum anderen gibt es auch Menschen, die sich mit der Politik im Allgemeinen und der jeweiligen Wahl im Besonderen beschäftigen, aber dennoch nicht wählen gehen, da sie sich von keiner Partei einen Erfolg versprechen.34 Es gibt somit Nichtwähler aus Prinzip, Nichtwähler, die mit der Regierung zufrieden sind und Nichtwähler, die keine Verbesserung in der Politik erwarten. Den größten Anteil stellen dabei diejenigen, die sich mit der Politik auseinandersetzen und gut informiert sind; nur ein geringer Prozentsatz der Nichtwähler ist absolut desinteressiert.35 Dabei sind die Ambitionen, nicht zur Wahl zu gehen von zahlreichen Facetten besetzt.36 In den letzten Jahren hat sich die Nichtbeteiligung an den Wahlen verdoppelt37, was für einige Wahlforscher aber nicht bedeutet, dass man aus Protest nicht zur Wahl geht, sondern deswegen, da man mit der gegenwärtigen Situation einverstanden ist und der „system support“ zufrieden stellend ist.38 Wiederum andere Wahlforscher vertreten die Ansicht, dass eine Meidung der Wahl eine Art Protest - vor allem in den alten Bundesländern - darstellt.39

[...]


1 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, Opladen 2002.

Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, Opladen 1990.

2 Andersen, Uwe (Hg.): Wahlen in Deutschland: Europa - Bund - Länder - Kommunen, Schwalbach 2000.

3 Bürklin, Wilhelm; Klein, Markus: Wahlen und Wählerverhalten, Eine Einführung, Opladen 1998.

4 Hartenstein, Wolfgang: Fünf Jahrzehnte Wahlen in der Bundesrepublik: Stabilität und Wandel. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, 24.05.2002 (B 21/2002).

5 Hartenstein, Wolfgang; Müller - Hilmer, Rita: Die Bundestagswahl 2002: Neue Themen - neue Allianzen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, 09.12.2002 (B 49-50/2002).

6 Roth, Dieter; Jung, Matthias: Ablösung der Regierung vertagt: Eine Analyse der der Bundestagswahl 2002. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, 09.12.2002 (B 49-50/2002).

7 Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, 6. Auflage, Opladen 2003.

8 Hetterich, Volker: Von Adenauer zu Schröder - Der Kampf um Stimmen, Opladen 2000.

9 Lass, Jürgen: Vorstellungsbilder über Kanzlerkandidaten, Wiesbaden 1995.

10 Bürklin, Wilhelm; Klein, Markus: Wahlen und Wählerverhalten, S. 18.

11 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, S. 45.

12 Ebd., S. 45.

13 Hartenstein, Wolfgang: Fünf Jahrzehnte Wahlen in der Bundesrepublik: Stabilität und Wandel. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, S. 40.

14 Ebd., S. 40.

15 Schultze, Rainer - Olaf: Wählerverhalten bei Bundestagswahlen: Bekannte Muster mit neuen Akzenten. In: Andersen, Uwe (Hg.): Wahlen in Deutschland: Europa - Bund - Länder - Kommunen, 48.

16 Bürklin, Wilhelm; Klein, Markus: Wahlen und Wählerverhalten, S. 19.

17 Ebd., S. 19.

18 Korte, Karl - Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 104.

19 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, S. 46.

20 Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, S. 175.

21 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, S. 46.

22 Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, S. 175.

23 Ebd., S. 176.

24 Korte, Karl - Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 104.

25 Ebd., S. 105.

26 Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, S. 176.

27 Korte, Karl - Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 105.

28 Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, S. 176.

29 Ebd., S. 176.

30 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, S. 47.

31 Ebd., S. 47.

32 Ebd., S. 47.

33 Woyke, Wichard: Stichwort: Wahlen, Ein Ratgeber für Wähler und Kandidaten, S. 177.

34 Hartenstein, Wolfgang: Fünf Jahrzehnte Wahlen in der Bundesrepublik: Stabilität und Wandel. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, S. 41.

35 Woyke, Wichard: Bundestagswahl 2002, Wahlen - Wähler - Wahlkampf, S. 47.

36 siehe Anlagen, Diagramm 1.

37 Korte, Karl - Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, S. 96.

38 Ebd., S. 97.

39 Ebd., S. 96.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Politikwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der politischen Theorie)
Veranstaltung
Das politische System der Bundesrepublik Deutschland
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V29703
ISBN (eBook)
9783638311533
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlen, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Peter Maisa (Autor), 2004, Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29703

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