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Dementia Care Mapping (DCM). Definition, Vorstellung der Methode, Ziele

Titel: Dementia Care Mapping (DCM). Definition, Vorstellung der Methode, Ziele

Akademische Arbeit , 2004 , 26 Seiten

Autor:in: Nicole Neubert (Autor:in)

Pflegewissenschaft - Pflegemanagement
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Diskussion um die Qualität in der Pflege dementiell erkrankter Menschen lassen sich drei Tendenzen beobachten: erstens die Abkehr von klinischen und funktionalen Qualitätskriterien, die die Verfolgung funktional bestimmter Ziele, die Aufrechterhaltung der Kontrolle über Körper, Gefühlsausdruck und Verhalten und die Erreichung eines im Vorhinein bestimmten Gesundheitsstatus anstreben; zum zweiten stehen psychologische Fragen des Wohlbefindens in Abhängigkeit zu Fragen der gesundheitlichen Verfassung und umgekehrt, d.h. die Gesundheitsfrage kann nicht unabhängig von den damit verbundenen Gefühlen und Bewertungen betrachtet werden; so gibt es demnach keine strikte Trennung zwischen subjektiven und objektiven Qualitätsaspekten. Eine dritte Tendenz spiegelt sich dahingehend wider, dass nicht objektive Zustände, sondern die subjektiven Bewertungen entscheidend sind; nicht der Zustand an sich, sondern wie der Betroffene selbst den Zustand sieht, bewertet und einschätzt ist ausschlaggebend.

Schlussfolgernd daraus gewinnen die subjektiven, personenbezogenen Qualitätskriterien zunehmend an Bedeutung, insbesondere das psychologische Wohlbefinden und die individuelle Wahrnehmung und Wertung der Lebensqualität. Subjektive Lebensqualität bezieht sich auf Gefühle, Emotionen als auch auf subjektive Interpretationen und Wertungen dieser Gefühle. Bezogen auf die Pflege und Betreuung dementiell Erkrankter besteht die Herausforderung darin, die Gefühle, Präferenzen und Wertungen jener Menschen zu verstehen, die sich nicht verlässlich äußern können, besonders auch dann, wenn biographische Daten kaum vorhanden sind oder aber wenig darüber aussagen, wie der Demente vor Eintreten der kognitiven Beeinträchtigung sein Leben betrachtete oder Gefühle und Werte zum Ausdruck brachte. Es besteht somit die Notwendigkeit, durch Beobachten Wohlbefinden, Affekte, Vorlieben und Abneigungen entsprechend zu deuten bzw. zu rekonstruieren anhand des von der Behinderung bereits „überformten“ Ausdrucks, der Körpersprache und Interaktionsweisen aber auch der Tätigkeiten und Aktivitäten des dementiell Erkrankten. Das Resultat bildet ein nachempfundenes, eingefühltes Wohlempfinden eines Dementen durch einen beobachtenden Dritten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition und Vorstellung der Methode DCM

3 Ziele

4 Voraussetzungen für die Anwendung von Dementia Care Mapping

5 Ethische, sozialpsychologische und neurologische Bedeutung des Personseins

6 Maligne Sozialpsychologie (MSP)

7 Positive Personenarbeit (PPW) und ihre Wirkung

8 Studie zur Einführung von DCM am Beispiel des AWO-Feierabendheims

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit befasst sich mit dem „Dementia Care Mapping“ (DCM) als wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Qualitätssicherung und Praxisentwicklung in der stationären Altenpflege. Ziel ist es, die Methode als Werkzeug zur Förderung des Wohlbefindens dementiell erkrankter Menschen darzustellen und aufzuzeigen, wie sie den Übergang von einer funktionsorientierten hin zu einer personenzentrierten Pflegebegleitung unterstützen kann.

  • Grundlagen und theoretischer Rahmen der Methode Dementia Care Mapping
  • Definition und Bedeutung des „Personseins“ bei Demenz nach Tom Kitwood
  • Analyse negativer Interaktionsformen („Maligne Sozialpsychologie“)
  • Vorstellung von Interaktionsformen der „Positiven Personenarbeit“
  • Praktische Evaluation der Anwendung des DCM-Modells in Pflegeeinrichtungen

Auszug aus dem Buch

Maligne Sozialpsychologie (MSP)

In der Beziehungsgestaltung zwischen der Pflegekraft (Pflegende oder Angehöriger) und dem dementiell veränderten Bewohner existieren Interaktionen, die den Dementen in seiner Persönlichkeit schwächen. Diese erfolgen entweder durch die Pflegekräfte oder durch andere Mitbewohner.

Kitwood unterscheidet im Rahmen seiner Theorie der „malignen Sozialpsychologie“ (MSP) insgesamt 17 Formen „personaler Detraktionen“ (PD) im Pflege- und Betreuungsalltag, „die eine personale Involution der Betroffenen verstärken und dadurch seine Subjektivität verschwinden lassen.“

„Das starke Wort „maligne“ bedeutet etwas sehr Verletzendes und für ein pflegerisches Umfeld, das das Personsein tief geschädigt und möglicherweise sogar das körperliche Wohlbefinden untergräbt, Typisches.“ Seine Liste personaler Detraktionen enthielt ursprünglich 10 Punkte, die er nach seiner ersten Untersuchung über MSP auf 17 Punkte erweiterte. Dabei handelt es sich um:

1. Betrug (treachery), d.h. Formen der Täuschung, des Verrats und falsche Versprechungen werden eingesetzt, um eine Person abzulenken, zu manipulieren oder zur Mitwirkung zu zwingen.

2. Infantilisieren (infantilization), d.h. die Person wird „verkindlicht“ und von der Pflegekraft sehr väterlich bzw. mütterlich autoritär behandelt; dem Dementen wird dabei jede Form von Autorität aberkannt.

3. Einschüchtern (intimidation), d.h. durch Drohungen oder körperliche Gewalt wird der Demente verängstigt.

4. Etikettieren (labelling), d.h. als Hauptgrundlage der Interaktion mit dem Dementen und zur Erklärung seines Verhaltens wird er als „Diagnose“ behandelt; es steht demnach die gestörte Funktion und nicht die Person im Vordergrund.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel in der Pflegewissenschaft weg von rein klinischen hin zu subjektiven, personenbezogenen Qualitätskriterien.

2 Definition und Vorstellung der Methode DCM: Dieses Kapitel erläutert das von Tom Kitwood entwickelte Beobachtungs- und Kodierungsverfahren zur Erfassung des Wohlbefindens in stationären Einrichtungen.

3 Ziele: Es wird dargelegt, wie DCM dazu dient, dem Menschen mit Demenz eine Stimme zu geben und das Pflegepersonal in seiner Haltung zur Personenzentrierung zu schulen.

4 Voraussetzungen für die Anwendung von Dementia Care Mapping: Das Kapitel beschreibt die organisatorischen und persönlichen Anforderungen an Einrichtungen und Mitarbeiter, um DCM erfolgreich als Prozess der Praxisentwicklung zu implementieren.

5 Ethische, sozialpsychologische und neurologische Bedeutung des Personseins: Hier werden die philosophischen und wissenschaftlichen Grundlagen des Personbegriffs im Kontext der Pflegephilosophie Kitwoods erörtert.

6 Maligne Sozialpsychologie (MSP): Dieses Kapitel katalogisiert 17 Formen personaler Detraktionen, die das Wohlbefinden und die Persönlichkeit des dementen Menschen aktiv schwächen.

7 Positive Personenarbeit (PPW) und ihre Wirkung: Vorgestellt werden 12 Interaktionsformen, die darauf abzielen, das Personsein zu stützen, Sicherheit zu bieten und die Lebensqualität positiv zu beeinflussen.

8 Studie zur Einführung von DCM am Beispiel des AWO-Feierabendheims: Die Studie dokumentiert die praktische Umsetzung der Methode, zeigt auftretende Schwierigkeiten auf und belegt die positiven Auswirkungen auf die Pflegepraxis und Arbeitszufriedenheit.

Schlüsselwörter

Dementia Care Mapping, DCM, Tom Kitwood, Personsein, Demenzpflege, stationäre Altenpflege, Wohlbefinden, Maligne Sozialpsychologie, Positive Personenarbeit, personale Detraktionen, Qualitätssicherung, Praxisentwicklung, Pflegephilosophie, Bewohnerzentrierung, Interaktionsformen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Ziel dieser Arbeit?

Das Ziel ist die Darstellung und Analyse der DCM-Methode als Instrument, um die Pflegequalität für Menschen mit Demenz durch eine personenzentrierte Haltung und evidenzbasierte Beobachtung zu steigern.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?

Die Schwerpunkte liegen auf der Definition des Personseins bei Demenz, der Identifikation schädigender Interaktionsmuster und der Implementierung positiver pflegerischer Interventionsstrategien.

Was ist der Kern der Forschungsfrage bzw. des Anliegens?

Es geht um die Frage, wie durch das DCM-Verfahren das subjektive Wohlbefinden demenzkranker Menschen in stationären Einrichtungen messbar gemacht und nachhaltig gefördert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung genutzt?

DCM nutzt ein standardisiertes Beobachtungs- und Kodierungssystem, bei dem ein geschulter „Mapper“ das Verhalten und das relative Wohlbefinden von Bewohnern über festgelegte Zeitabschnitte kartiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zur Personenzentrierung, die detaillierte Beschreibung der „Malignen Sozialpsychologie“ und „Positiven Personenarbeit“ sowie eine Fallstudie zur praktischen Anwendung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dementia Care Mapping, personenzentrierte Pflege, personale Detraktionen, Wohlbefinden und die Pflegephilosophie von Tom Kitwood.

Was sind „personale Detraktionen“ im Kontext dieser Arbeit?

Dies sind Interaktionen, bei denen die Persönlichkeit des Dementen geschwächt wird, etwa durch Infantilisierung, Entwertung oder das Ignorieren der Person, was zu einer Zerstörung des Selbstbildes führen kann.

Wie verändert DCM die Arbeit des Pflegepersonals?

DCM zwingt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen „Außenbild“ der Pflege, führt zu einer höheren Sensibilität für die Bedürfnisse der Bewohner und ermöglicht eine Abkehr von rein funktionaler Grundpflege.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Dementia Care Mapping (DCM). Definition, Vorstellung der Methode, Ziele
Autor
Nicole Neubert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V298244
ISBN (eBook)
9783656943655
ISBN (Buch)
9783656943693
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dementia care mapping definition vorstellung methode ziele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nicole Neubert (Autor:in), 2004, Dementia Care Mapping (DCM). Definition, Vorstellung der Methode, Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298244
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