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Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin"

Title: Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin"

Bachelor Thesis , 2015 , 38 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nadia Müller (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Sie [Elfriede Jelinek] hasst Musik, sie hasst Wien, sie hasst Menschen. Und sie haßt vor allem sich selbst. Das macht die Jelinek-Lektüre so verdrießlich. Sie möchte ganz einfach ihre Leser zum Kotzen bringen. Bei labilen Naturen schafft sie es mit der Klavierspielerin bestimmt. Aber das ist eine Art von Qualität, auf die wir uns nicht einlassen mögen.

Mit diesem rigorosen Urteil diskreditierte der Rezensent Reinhard Beuth in ‚Die Welt‘ die österreichische Autorin Elfriede Jelinek mit ihrem 1983 erschienenen Roman „Die Klavierspielerin“ . Jelinek wurde nicht nur vereinzelt mit solch einer scharfen Kritik konfrontiert, sondern traf in den Rezensionen ihrer Werke immer wieder auf Urteile, die ihr Werk als „erbarmungslos und brutal“ dahinzustellen versuchten. Jelinek deutet die Ursache dahingehend aus, dass von einer Frau gefälligere Texte zu erwarten seien. Doch die Resonanz fiel kontrovers aus. Der Literaturkritiker Reich-Ranicki bezeichnete Jelinek als eine „ganz ungewöhnliche, völlig aus dem Rahmen fallende, radikale und extreme Schriftstellerin und in Folge dessen höchst umstritten.“ Die österreichische Schriftstellerin hat sich mit ihrem Roman Die Klavierspielerin, der zu den erfolgreichsten Arbeiten deutschsprachiger Autorinnen gehört, Respekt verschafft. Nach einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten erreichte der Roman den Klassikerstatus und fand Eingang in den Kanon. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der theoretische Hintergrund – Psychoanalytische Theorien Freuds und Lacans

3. Inszenierung der Psychoanalyse: Adaptive Elemente

3.1. Mutter- Tochter- Symbiose:

3.2. Erikas Sadomasochismus

3.3. „Aneignungsversuch einer ‚phallischen‘ Position“: Erika als Voyeurin:

3.4. Erikas Scheitern als Herrin

3.5. Konstruktion des erstarrten Herrschaftsdiskurses:

4. Dekonstruktion: Subversive Elemente

4.1. Intertextualität

4.2. Parodie Freuds und Lacans

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie Elfriede Jelinek in ihrem Roman „Die Klavierspielerin“ psychoanalytische Theorien von Sigmund Freud und Jacques Lacan adaptiert, um deren patriarchale Strukturen aufzudecken und dekonstruktivistisch zu unterwandern. Das zentrale Ziel ist es, den subversiven Gehalt des Romans offenzulegen, indem aufgezeigt wird, wie die Autorin psychoanalytische Konzepte durch mimetische Inszenierung, Intertextualität und Parodie als grotesk und absurd entlarvt.

  • Die kritische Adaption psychoanalytischer Weiblichkeitsmodelle in Jelineks Roman.
  • Die Analyse der Mutter-Tochter-Symbiose und ihrer Folgen für die Identitätsfindung.
  • Untersuchung von sadomasochistischen Verhaltensmustern als Strategien der Machtkompensation.
  • Dekonstruktion des männlich kodierten Herrschaftsdiskurses durch literarische Verfahren.
  • Die Rolle der Intertextualität und Parodie als Werkzeuge zur Infragestellung traditioneller Geistesgeschichte.

Auszug aus dem Buch

3.1. Mutter- Tochter- Symbiose:

Erika ist ein „Fisch im Fruchtwasser der Mutter“ (K 58). Es ist ihr nicht möglich sich von der Mutterbindung zu lösen, da sie die imaginäre Einheit durchleben, „als wären sie nur ein einziger Mensch“ (K1 27). Den ‚Dritten‘, der laut Psychoanalyse das Inzesttabu repräsentiert, schließen die beiden Kohuts konsequent aus:„[D]as Fremde liegt sicher, losgelöst von seinem ursprünglichen Ankerplatz, vor ihnen“ (K 127). Erika lebt alleine mit ihrer Mutter in einer Wohnung, seitdem der Vater in das Irrenhaus interniert worden ist. Den Vaterverlust setzt Jelinek „in eine pseudo-realistische Szenerie“; auf Handlungsebene tritt zwar die Figur des Fleischhauers auf, fungiert aber nicht als eigenständige Figur mit psychologischer Tiefe, sondern dient nur als Symbol für den Vaterverlust. Er tritt auf, als Erika und ihrer Mutter „ein Glied der Familie abgeht“ (K 98) und ist ihnen beim Transport des Vaters behilflich. Seine Frage auf die Offenbarung des Verlustes mit dem Wortlaut „[w]elches spezielle Stück“(K 98) verweist, dieser pseudo-realistischen Logik folgend, nicht auf die Wurst, sondern auf den Phallus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die kontroversen Reaktionen auf Jelineks Werk und führt in die Fragestellung ein, wie der Roman psychoanalytische Theorien sowohl als Grundlage präsupponiert als auch kritisch dekonstruiert.

2. Der theoretische Hintergrund – Psychoanalytische Theorien Freuds und Lacans: Dieses Kapitel erläutert die patriarchal orientierten Grundannahmen von Freud und Lacan, insbesondere die zentrale Bedeutung von Penis und Phallus in ihren Modellen.

3. Inszenierung der Psychoanalyse: Adaptive Elemente: Hier wird dargelegt, wie Jelinek psychoanalytische Konzepte direkt in die Handlung ihres Romans integriert, um deren misogynes Potenzial durch groteske Inszenierung sichtbar zu machen.

3.1. Mutter- Tochter- Symbiose:: Analyse der zerstörerischen Mutter-Kind-Bindung, die Erika in einer präödipalen, imaginären Einheit festhält und die Entfaltung einer eigenen Identität verhindert.

3.2. Erikas Sadomasochismus: Untersuchung der sadomasochistischen Rollenverteilung, die Erika nutzt, um ihr Minderwertigkeitsgefühl und die mütterliche Bevormundung zu kompensieren.

3.3. „Aneignungsversuch einer ‚phallischen‘ Position“: Erika als Voyeurin:: Darstellung von Erikas aktivem Voyeurismus als gescheiterter Versuch, sich eine phallische Machtposition außerhalb der ihr zugewiesenen weiblichen Rolle anzueignen.

3.4. Erikas Scheitern als Herrin: Erörterung der Unvereinbarkeit von Erikas Streben nach Autonomie mit ihrer weiblichen Anatomie innerhalb einer patriarchalischen Gesellschaft, was zwangsläufig zu ihrem Scheitern führt.

3.5. Konstruktion des erstarrten Herrschaftsdiskurses:: Analyse der Festigkeit des männlich kodierten Systems, das für Frauen keinen Raum zur Selbstentfaltung lässt und Erika als Insekt in einem erstarrten Diskurs zeigt.

4. Dekonstruktion: Subversive Elemente: Einführung in das ästhetische Programm der Dekonstruktion, mit dem Jelinek die binären Oppositionen des Strukturalismus aufzubrechen versucht.

4.1. Intertextualität: Erläuterung von Jelineks intertextuellem Verfahren, das traditionelle Prätexte in neue, kontextuell verfremdete Diskurse einbettet, um deren Sinn zu unterminieren.

4.2. Parodie Freuds und Lacans: Untersuchung der Parodie als Mittel, mit dem Jelinek den Wahrheitsanspruch psychoanalytischer Theorien durch verzerrte Darstellung der Lächerlichkeit preisgibt.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Jelineks Werk durch Intertextualität und Parodie erfolgreich den psychoanalytischen Mythos diskreditiert und die Ausweglosigkeit der Frau in einem männlich dominierten System aufzeigt.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Jacques Lacan, Dekonstruktion, Intertextualität, Parodie, Feminismus, Weiblichkeit, Phallozentrismus, Mutter-Tochter-Symbiose, Sadomasochismus, Herrschaftsdiskurs, Patriarchat

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das kritische Verhältnis zwischen Elfriede Jelineks Roman „Die Klavierspielerin“ und psychoanalytischen Theorien, wobei der Fokus auf der Entlarvung patriarchaler Strukturen liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Inszenierung psychoanalytischer Konzepte, die weibliche Identitätsfindung, Machtverhältnisse in Mutter-Kind-Beziehungen sowie die Dekonstruktion männlich geprägter Diskurse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den subversiven Gehalt des Romans aufzuzeigen, indem Jelineks Einsatz von Intertextualität und Parodie als Werkzeuge zur Destabilisierung psychoanalytischer Wahrheitsansprüche analysiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine dekonstruktivistische Lektürestrategie angewandt, die den Roman nicht bloß psychoanalytisch dechiffriert, sondern die psychoanalytischen Theorien selbst als Gegenstand einer kritischen Adaption betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Adaption psychoanalytischer Elemente (wie der Mutter-Kind-Symbiose und dem Penisneid) und stellt anschließend die zwei Hauptstrategien der Dekonstruktion – Intertextualität und Parodie – im Roman dar.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Dekonstruktion, Psychoanalyse, Patriarchat, Weiblichkeit, Subversion und intertextuelle Parodie charakterisieren.

Warum scheitert Erika Kohut in ihren Versuchen der Emanzipation?

Laut der Arbeit scheitert Erika, weil ihr Handeln innerhalb der von Männern vorgegebenen Grenzen und des patriarchalischen Systems verbleibt, wodurch ihre Versuche zur Selbstermächtigung lediglich die traditionelle Machtstruktur bestätigen.

Welche Rolle spielt die Intertextualität im Roman?

Intertextualität dient Jelinek dazu, Zitate aus der klassischen Literatur und Wissenschaft in fremde, sexualisierte Kontexte einzubetten, um den ursprünglichen Sinn der Texte zu entleeren und als patriarchalische Illusion zu entlarven.

Inwiefern ist die Parodie bei Jelinek ein Werkzeug der Kritik?

Die Parodie verzerrt die psychoanalytischen Konzepte bis ins Groteske, wodurch dem Leser die Absurdität und Prekarität dieser Theorien vor Augen geführt wird, anstatt sie als objektive Wahrheit zu akzeptieren.

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Details

Title
Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin"
College
University of Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Nadia Müller (Author)
Publication Year
2015
Pages
38
Catalog Number
V298520
ISBN (eBook)
9783656948773
ISBN (Book)
9783656948780
Language
German
Tags
Freud und Lacan Elfriede Jelinek Psychoanalytische Theorien Dekonstruktion Intertextualität Parodie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadia Müller (Author), 2015, Adaption und Dekonstruktion der psychoanalytischen Theorie von Jelineks "Die Klavierspielerin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298520
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