Wunderlichkeiten in Achim von Arnims "Isabella von Ägypten"


Seminararbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Wunderlichkeiten in Achim von Arnims Isabella von Ägypten

1. Der Alraun
1.1 Die Schöpfung
1.2 Entwicklung und Persönlichkeit des Alrauns

2. Der Bärenhäuter
2.1 Der Bärenhäuter in der Sage
2.2 Darstellung des Bärenhäuters im Handlungsverlauf

3. Der Golem
3.1 Einführung des Golems
3.2 Der Golem als Duplikat Bellas?

Alraun, Bärenhäuter und Golem als Negativbeispiele von Menschen

Literaturverzeichnis

Wunderlichkeiten in Achim von Arnims Isabella von Ägypten

Achim von Arnim, einer der bedeutsamsten Schriftsteller der Heidelberger Romantik, ist unter anderem bekannt für seine Novellen voller Zufälle, Merkwürdigkeiten und Fantastik. Ein Satz in Isabella von Ägypten kann jedoch sogar die Erwartungen seiner gewohnten Leser übersteigen:

„[D]ie sonderbare Gesellschaft, eine alte Hexe, ein Toter, der sich lebendig stellen mußte, eine Schöne aus Tonerde und ein junger Mann, aus einer Wurzel geschnitten, saßen in feierlicher Eintracht, hegten große Gedanken vom Glück des Lebens, das sie eben zu begründen fuhren, von Schätzen, Heldentaten und Biergeldern“1.

Die alte Braka mal ausgeschlossen, fasst dieser eine Satz aus Achim von Arnims Erzählung all die Wunderlichkeiten seiner Novelle zusammen. Ein Golem, ein Alraun, und ein Bär, drei einzigartige geheimnisvolle Gestalten, finden sich zusammen, um die Geschichte der Isabella zu begleiten. Obwohl sie auf den ersten Blick neben der Hauptperson unterzugehen zu scheinen, leiten und prägen sie deren Geschichte bei näherer Betrachtung auf unterschiedliche Weisen, die im Folgenden betrachtet werden sollen. Wie kommt es überhaupt zu ihrer Entstehung? Welche Rolle spielen die drei wundersamen Geschöpfe in Isabella von Ägypten? Was repräsentieren sie und was haben sie alle gemeinsam? Wie geht Arnim mit seinen Geschöpfen, die alle dem Volksmunde entstammen um?

Ziel dieser Arbeit ist es, diese Fragen anhand eines Vergleichs zu beantworten. Dabei werden die Geschöpfe chronologisch, also entsprechend ihres Eintritts in die Geschichte behandelt; demnach wird zuerst der Alraun, im Anschluss der Bärenhäuter und zuletzt der Golem untersucht. Besonders ihre Entwicklung von der anfänglichen Darstellung entsprechend der Volkssagen bis hin zu Achim von Arnims eigener Interpretation ist ein wesentlicher Bestandteil der folgenden Analyse.

1. Der Alraun

Der Alraun, den Lokke auch als “the comic hero of the tale”2 bezeichnet, wird von den drei fantastischen Gestalten als erste eingeführt, am ausführlichsten beschrieben und ist somit ein wichtiger Handlungsträger. Inspiration und Anweisung für die Erschaffung des Wesens fand Arnim vermutlich in Grimmelshausens „Simplicissimi Galgenmännlein“ (1673)3.

Bei der Alraune handelt es sich um eine Pflanze, die in der Mythologie die Fähigkeit besitzt "Geld und was ein weltliches Herz sonst begehre, mit stehlender, untrüglicher Listigkeit [zuzuführen]"4. Thomas Bonfiglio spricht ihr sogar eine dreifache Bedeutung zu:

"The Mandrake [...] denotes terrestriality, as he is a plant, sensuality, as the plant was considered to have aphrodisiac powers, and materialism, as the root was considered to be means to wealth."5

Die Begabung Geld zu beschaffen, braucht Isabella, um in die Stadt zu Karl zu kommen, der wiederum dazu gebraucht wird, ein Kind zu zeugen, das ihr Volk erlösen kann. Um diese Wurzel auszugraben, bedarf es eines unschuldigen, mutigen Mädchens, das mit ihrem schwarzen Hund nachts zu einem Galgen geht, „wo ein unschuldig Gehenkter seine Tränen aufs Gras hat fallen lassen“6. All diese Voraussetzungen finden sich in Bella, als „einzige seit Jahrtausenden“7, vereinigt, die diese anscheinend höchst seltene Kreatur zum Leben erwecken kann. Obwohl man laut der ursprünglichen Sage seine Ohren verstopfen muss, um nicht irrsinnig zu werden, führt Bellas Versäumnis, dem Ratschlag zu folgen, nur zu einer vorübergehenden Ohnmacht. Als sie erwacht, ist ihr Hund tot und sie findet ein „menschenähnliches Wesen, gleichsam einen beweglichen Umriß, aus welchem die edlen Sinne noch nicht hervorgetreten sind, ähnlich einer Schmetterlingslarve“8.

1.1 Die SchöpfUng

Damit endet die erste Phase der Entstehung, und nun beginnt Isabella selber schöpferisch tätig zu werden. Anfangs ist die Mandragora für sie nur ein „kleine[s] Ungeheuer“9, da der Wurzel alle menschlichen Züge fehlen, woraufhin Bella sie, mithilfe von Hirse, Körnern und einer Hagebutte, mit Augen, Mund und Haaren ausstattet. Dieser Akt der Schöpfung soll den Alraun eigentlich dem Menschen ähnlicher machen, doch küsst Isabella seine Hagebutte schief, verteilt die Haare auf seinem ganzen Körper und bestückt ihn mit einem zusätzlichen Augenpaar im Nacken, sodass die Pflanze zur gleichen Zeit entmenschlicht wird.10 Bella selbst wird als Schöpfer und Künstler dargestellt und in Bezug zur Schöpfungsgeschichte des Menschen in der Bibel gesetzt, womit auch ihre Zuneigung zu dem Alraun begründet wird. Die Liebe Bellas zu der halbmenschlichen Kreatur wird mit der Liebe einer Mutter verglichen, die sie sogar den Prinzen vergessen lässt. Genau wie in der Schöpfungsgeschichte, lässt sie, als Erschafferin, zu viel Nachsicht mit ihrer Kreatur walten und wird wegen dieser selbst schuldig.11 So lügt sie zuerst Braka an und ertränkt wenig später ein Kätzchen, um die Alraune zu beschützen und für sich selbst zu haben12.

Doch die Wurzelgestalt ist nicht nur eine Schöpfung; denn am Ende kreiert sie auch selbst ein Abbild Bellas aus Lehm13. Da der erste Versuch misslingt, wird der Alraun mit dem „arme[n] Prometheus“14 aus der griechischen Schöpfungssage verglichen. Dieser erschuf, laut Sage, die Menschen aus Ton; jedoch resultierte seine Auflehnung gegen Zeus nicht nur in einer Strafe für ihn, sondern auch für seine Geschöpfe, denen von da an die gottgleiche Vollkommenheit verwehrt blieb. Bonfiglio behauptet, in jeder Schöpfung dieser Geschichte werde das Produkt reduziert. So sind die Menschen, als Schöpfung eines Gottes, diesem zwar ähnlich; dennoch fehlen ihnen bezeichnende Fähigkeiten.15 Dementsprechend stellt Bonfiglio über den Golem fest: „In the last reduction, however, the creative inheritance has been crippled. The Mandrake does not have the creative powers of the image that created him”16.

[...]


1 Arnim 1812, S. 78.

2 Lokke 1983, S. 29.

3 Vgl. Arnim 1812, S. 141.

4 Ebd., S. 17f.

5 Bonfiglio 1985, S. 224.

6 Arnim 1812, S. 18.

7 Ebd., S. 19.

8 Ebd., S. 23.

9 Arnim 1812, S. 24.

10 Vgl Ebd., S. 24f.

11 Vgl. Ebd., S. 56.

12 Vgl. Ebd., S. 26ff.

13 Vgl. ebd., S. 114.

14 Ebd., S. 119.

15 Vgl. Bonfiglio 1987, S. 43.

16 16Ebd., S. 43.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wunderlichkeiten in Achim von Arnims "Isabella von Ägypten"
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Germanistik)
Veranstaltung
Romantik
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V298763
ISBN (eBook)
9783656952619
ISBN (Buch)
9783656952626
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wunderlichkeiten, achim, arnims, isabella, ägypten
Arbeit zitieren
Nelly Rahimy (Autor), 2015, Wunderlichkeiten in Achim von Arnims "Isabella von Ägypten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298763

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