Das Drei-Speicher-Modell nach Atkinson und Shiffrin


Essay, 2015

6 Seiten

Taylor Bruhn (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das Drei-Speicher-Modell

Vergessene Informationen

Literaturverzeichnis

Das Drei-Speicher-Modell

Im Folgenden soll das psychologische Gedächtnismodell von Atkinson und Shiffrin dargestellt werden. Anschließend soll anhand dieses Modells erläutert werden, wo sich Informationen im Gedächtnis befinden, wenn man sie vergessen hat.

1968 stellten Atkinson und Shiffrin ihr Drei-Speicher-Modell vor. Der Grundgedanke dieses Modells ist, dass beim Aufnehmen und Einprägen von Informationen drei Speicher durchlaufen werden. Diese Speicher sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Zunächst gelangen die Informationen ins sensorische Gedächtnis oder Ultrakurzzeitgedächtnis. Umweltreize wirken auf die Sinnesorgane ein und werden nur für kurze Zeit gespeichert. Die einlaufenden Signale werden analysiert und bedeutsamen Informationen herausgefiltert. So gelangen die meisten Eindrücke nicht in unser Bewusstsein, sondern werden sofort gelöscht und gehen verloren. Nur wenige werden zu tatsächlichen Wahrnehmungen weiterverarbeitet und ins Kurzzeitgedächtnis übertragen. Bei diesen Wahrnehmungen handelt es sich um Eindrücke, die sich zu Mustern zusammenfügen oder denen wir gezielt unsere Aufmerksamkeit widmen. Die Prozesse im sensorischen Gedächtnis laufen automatisch ab. Man kann lediglich die Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinnesreize richten und sich so willentlich auf bestimmte Eindrücke fokussieren.

Der nächste Speicher ist das Kurzzeitgedächtnis. Hier werden die vom sensorischen Gedächtnis ankommenden Wahrnehmungen zu Bedeutungseinheiten zusammengefasst (siehe auch Arbeitsgedächtnis). In diesem Prozess wird subjektiv Bedeutsames weiter herausgefiltert und Unwichtiges geht so erneut verloren. Informationen werden im Kurzzeitgedächtnis für theoretisch maximal 30 Sekunden gespeichert. Folgt keine Wiederholung oder gedankliche Weiterverarbeitung, wird die Information somit nach 30 Sekunden gelöscht und gelangt nicht ins Langzeitgedächtnis. Beim Kurzzeitspeicher ist die Aufnahmekapazität begrenzt. Diese Gedächtnisspanne umfasst ca. sieben Bedeutungseinheiten. Man kann sie auch als „Chunks“ bezeichnen. Bei einem Chunk handelt es sich um ein Ganzes, welches eine Bedeutung trägt und von anderen Ganzen abgegrenzt werden kann. Beispielsweise kann sich ein Mensch theoretisch gleichzeitig sieben Namen oder sieben Gegenstände im Kurzzeitgedächtnis merken. Bildet man sich durch Zusammenfassung oder Eselsbrücken aus Einzelinformationen möglichst umfassende Chunks, kann man deren Anzahl auch erweitern und sich so mehr als sieben merken. Es hängt also stark von der Fähigkeit der Person ab, inwieweit man sich eine bestimmte Anzahl von Chunks kurzfristig merken kann. Die Merkdauer und Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses muss auch theoretisch betrachtet werden. Unterschiedliche Bedingungen führen zu unterschiedlichen Werten. Beispielsweise behält man bedeutungsvolle Informationen länger als 30 Sekunden im Gedächtnis und von zehn ausgedachten Wörter erinnert man sich vermutlich nur noch an vier oder fünf. Zusammenfassend kann man sagen, dass Dauer und Kapazität des Kurzzeitspeichers abhängig sind von der Qualität der Informationen, der Lernsituation und persönlichen Faktoren, wie Motivation, Fähigkeiten und Aufmerksamkeit.

Da das Kurzzeitgedächtnis so stark von Unbestimmtheit geprägt ist, bezeichnet man es auch als Arbeitsgedächtnis. Dadurch hebt man nicht die Dauer des Speichers hervor, sondern fokussiert sich auf seine verarbeitende Funktion. Eintreffende Wahrnehmungen werden hier weiterverarbeitet. Diese Verarbeitung erfolgt nicht automatisch, sondern aktiv und wird auch bewusst wahrgenommen. Das Arbeitsgedächtnis wird so zum Ort des momentanen Bewusstseins oder Denkens mit zwei sinnesspezifischen Subsystemen, ein visuell-räumliches und ein akustisch-sprachliches. Dieser Speicher sorgt für die gedankliche Erfassung von Informationen. Dies geschieht unter der Einbeziehung von bereits gespeicherten Informationen aus dem Langzeitgedächtnis.

Der letzte Speicher ist das Langzeitgedächtnis. Im Gegensatz zum ersten und zweiten Speicher handelt es sich bei diesem theoretisch um einen unbegrenzten, dauerhaften und aufnahmefähigeren Speicher. Die Informationsspeicherung im sensorischen und im Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis erfolgt mit einer Aktivierung von Gehirnzellen. Durch die dauerhafte Speicherung im Langzeitgedächtnis hingegen werden gesamte Gehirnstrukturen verändert. Insgesamt werden die Synapsen so immer durchlässiger und die Zuflusskapazität für die Übertragung von neuen Informationen wird immer geringer. Das Langzeitgedächtnis wird in einen deklarativen und einen nicht-deklarativen Teil unterteilt. Im deklarativen Teil befindet sich das Wissen, das dem Bewusstsein zugänglich ist. Dieses Wissen wird in einem episodischen und semantischen Speicher hinterlegt. So besteht der episodische Speicher aus Erinnerungen an bestimmte Ereignisse und der semantische Speicher aus Faktenwissen. Der nicht-deklarative Teil speichert Bewegungsmuster ab. Diese Bewegungen geschehen meist unbewusst. Aus diesem Grund wird dieser Teil des Langzeitgedächtnisses auch implizites Gedächtnis genannt. Außerdem wird das Langzeitgedächtnis noch zusätzlich in Spezialgedächtnisse gegliedert. Hierzu kann man beispielsweise das visuelle, auditive, olfaktorische oder verbale Gedächtnis zählen. Der hier beschriebene Weg von Informationen durch die ersten beiden Speicher bis hin zum Langzeitgedächtnis gilt ausschließlich für das episodische und semantische Wissen. Motorische Erfahrungen, wie etwa das Erlernen von Fahrradfahren oder Konditionierungen gelangen sofort ins Langzeitgedächtnis.

Zusammenfassend kann man sagen, dass episodisches und semantisches Wissen einen dreistufigen Prozess durchlaufen, bis sie am Langzeitgedächtnis ankommen. In diesem Prozess wird Unwichtiges aussortiert. Dies geschieht im ersten Schritt zunächst unbewusst und automatisch. Im zweiten Schritt wird aktiv und bewusst selektiert. Im dritten und letzten Schritt werden Informationen gespeichert, wenn sie aktiv wiederholt werden. Die Information befindet sich nun im Langzeitgedächtnis.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Drei-Speicher-Modell nach Atkinson und Shiffrin
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V298797
ISBN (eBook)
9783656952732
ISBN (Buch)
9783656952749
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Drei-Speicher-Modell, Pädagogik, Didaktik, Schule, Erziehung, Atkinson, Shiffrin, Psychologie, Modell, Drei, Speicher, RWTH, Lernen, Gedächtnis, Langzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Schüler
Arbeit zitieren
Taylor Bruhn (Autor), 2015, Das Drei-Speicher-Modell nach Atkinson und Shiffrin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298797

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