"Europa braucht ein Ziel für saubere Energien! 20 Prozent bis 2020."1 Dies ist ein Ausspruch der Umweltorganisation Greenpeace und zeigt eines ihrer Ziele. Immer wieder fällt diese Gruppe durch spektakuläre Aktionen im Fernsehen auf, wie durch die Besetzung der Ölbohrinsel von Shell. Sie hatten enorme Auswirkungen. Auf diese Weise konnte Greenpeace nämlich eine große Anzahl von Mitgliedern und andere Ressourcen rekrutieren. Neben Greenpeace gibt es aber auch noch andere Verbände, die in Deutschland aktiv sind und trotz nicht so spektakulärer Strategien auffallen.
Der traditionsreichste Verband ist der Naturschutzbund (NABU). Der 1899 gegründete Verein zeichnet sich durch eine andere Arbeitsweise im Umweltbereich aus als andere NGOs. Die direkte Arbeit vor Ort und die Arbeit mit den Politikern und Lobbys sind die wesentlichen Merkmale des heutigen Naturschutzbundes. In der Gründungszeit des Bundes für Vogelschutz (heute NABU) bestimmten jedoch andere Merkmale das Erscheinungsbild des Verbandes.
Zum Einen änderte sich die Arbeit des Verbandes mit der Zeit und zum Anderen gibt es große Unterschiede zwischen den Konzepten und Ausrichtungen der einzelnen Umweltverbände. Da die Veränderungen der Arbeit eines Verbandes und die Unterschiede zwischen den NGOs nicht nur mit der erhofften Wirkung ihrer Arbeit in der Gesellschaft begründet werden können, möchte ich folgende Frage in meiner Arbeit klären: Ist die heutige Form der Arbeit des Naturschutzbundes ein Resultat der Geschichte des Verbandes oder vielmehr ein Produkt der Ökologiebewegung in den siebziger Jahren?
Um die aufgeworfene Frage beantworten zu können, werde ich die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung während der Ökologiebewegung und die heutige Arbeit des Naturschutzbundes näher beleuchten. Die drei Abschnitte in der Geschichte muss ich näher beleuchten, da es bisher keine Studien zu diesem Thema gibt. Nur so kann ich deshalb klären, inwieweit die Ökologiebewegung den Verband verändert hat und dieser an der Bewegung partizipieren konnte.
An dieser Stelle möchte ich mich bei der Vorsitzenden des Naturschutzbundes vom Land Sachsen-Anhalt Frau Leipelt bedanken, die mir meine Fragen umfassend beantworten konnte und umfangreiches Material für die Arbeit zur Verfügung stellte. Nur so war es möglich die benötigten Informationen für eine qualifizierte Bewertung der Wechselbeziehung zwischen NABU und der Ökologiebewegung zu erhalten.
1 http://www.greenpeace.org/deutschland/
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Die Entstehung des NABU (BfV; DBV)
2.1. Vorgeschichte und Einordnung
2.2. Gründung des BfV und dessen Ziele
2.3. Lina Hähnle und besondere Mitglieder
3.Ökologiebewegung und DBV
3.1. Ökologiebewegung
3.2. DBV zur Zeit der Ökologiebewegung
3.3. Einordnung des DBV in die Bewegung
4.Arbeit des NABU Sachsen-Anhalt zum Thema Nationalpark Hochharz
4.1. Nationalparkgesetz
4.2. Fusion der Nationalparks
5.Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Naturschutzbundes (NABU) von seinen Anfängen als „Bund für Vogelschutz“ bis hin zur heutigen modernen Umwelt-NGO. Dabei steht insbesondere die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit die moderne Arbeitsweise des NABU ein Resultat seiner eigenen Geschichte oder ein direktes Produkt der Ökologiebewegung der siebziger Jahre ist.
- Historische Genese und Gründungsziele des Bundes für Vogelschutz
- Wechselwirkungen zwischen dem Verband und der Ökologiebewegung
- Transformation der internen Strukturen und des Aufgabenspektrums
- Analyse der Expertenarbeit am Beispiel des Nationalparks Hochharz
- Bewertung der heutigen Rolle als moderne Nichtregierungsorganisation
Auszug aus dem Buch
3.2. DBV zur Zeit der Ökologiebewegung
Inwiefern nahm nun der BfV an der Bewegung teil und war im ganzen Prozess ein Akteur? Da es hierzu so gut wie kein Material gibt, werde ich die wichtigsten Veränderungen des BfV darstellen und dann eine persönliche Bewertung vornehmen, um die aufgeworfene Frage zu beantworten.
Nach dem 2. Weltkrieg brach die Arbeit des BfV völlig zusammen. Der Wiederaufbau dauerte Jahre, da die Mitgliederzahl auf ca. 25.000 schrumpfte, viele aktive Mitglieder im Krieg starben, die Zonengrenzen störten und die komplette Logistik und Struktur des Verbandes neu aufgebaut werden musste. Thematisch änderte sich wenig. So setzte der Bund in der Öffentlichkeitsarbeit „weiter auf Exkursionen und Vorführungen“.
Die Zeit des Wirtschaftswunders in der BRD schaffte neue Probleme, denn die Freizeitbeschäftigung der Menschen änderte sich. Deshalb fiel es dem BfV immer schwerer neue Mitglieder zu gewinnen, denn die Beschäftigung mit der Natur, bekam immer mehr Konkurrenz von der Freizeitindustrie. Außerdem war die Opferbereitschaft der Industrie jener Zeit für die Natur sehr gering. Sie expandierte immer mehr, ohne auf den Umweltschutz zu achten.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, stellt den Naturschutzbund im Vergleich zu anderen NGOs vor und formuliert die zentrale Forschungsfrage hinsichtlich der historischen Entwicklung des Verbandes.
2.Die Entstehung des NABU (BfV; DBV): Dieses Kapitel behandelt die Gründung des damaligen Bundes für Vogelschutz Ende des 19. Jahrhunderts, die Rolle von Lina Hähnle sowie die ursprünglichen Ziele und die soziale Zusammensetzung der Mitgliedschaft.
3.Ökologiebewegung und DBV: Hier werden die Ursachen der Ökologiebewegung in den 70er und 80er Jahren analysiert und der schwierige Anpassungsprozess des DBV an diese neue gesellschaftliche Dynamik untersucht.
4.Arbeit des NABU Sachsen-Anhalt zum Thema Nationalpark Hochharz: Das Kapitel veranschaulicht anhand der konkreten Arbeit am Nationalpark Hochharz, wie der NABU heute seine Rolle als fachlich fundierte NGO wahrnimmt und auf politischer Ebene interveniert.
5.Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der NABU die Impulse der Ökologiebewegung erfolgreich in sein bestehendes Konzept integriert hat, ohne seine traditionellen Wurzeln aufzugeben.
Schlüsselwörter
Naturschutzbund, NABU, Ökologiebewegung, Umweltschutz, NGO, Verbandsgeschichte, Naturschutz, Nationalpark Hochharz, Lobbyarbeit, Umwelteinwirkung, Mitgliederentwicklung, politisches Engagement, Expertenwissen, Naturschutzgesetz, Vogelschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Wandlung des Naturschutzbundes (NABU) von einem konservativen Vogelschutzverein des 19. Jahrhunderts zu einer professionellen, modernen Nichtregierungsorganisation (NGO) im Umweltsektor.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Gründungsgeschichte, der Einfluss der Ökologiebewegung der 70er Jahre auf die Verbandsstruktur sowie die praktische politische Expertenarbeit des NABU in der Gegenwart.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit klärt, ob die heutige Arbeitsweise des NABU primär ein Resultat seiner eigenen historischen Entwicklung ist oder ob sie als direktes Produkt der Ökologiebewegung der siebziger Jahre betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historische und analytische Betrachtung, die auf der Auswertung vorhandener Chroniken, Literatur zur Umweltsoziologie sowie auf Informationen und Material des Landesverbandes Sachsen-Anhalt basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Verbandsgeschichte, die Einordnung des Verbandes in die Ökologiebewegung und eine fallbasierte Untersuchung zur Arbeit des NABU Sachsen-Anhalt am Nationalpark Hochharz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind NABU, Ökologiebewegung, NGO, Naturschutz, Lobbyarbeit und gesellschaftlicher Wandel im Umweltbereich.
Warum war der DBV während der Studentenproteste in den späten 60er Jahren so zögerlich?
Der Verband wirkte gelähmt, da er ideologisch stark konservativ geprägt war und sich nicht mit den radikalen Protestformen oder der neuen Themensetzung der Studentenbewegung identifizieren konnte.
Welche Bedeutung hat das Beispiel "Nationalpark Hochharz" für das Gesamtfazit?
Es dient als praktischer Nachweis für die moderne Expertenrolle des NABU, der durch fundierte Stellungnahmen und politische Arbeit, etwa bei der Ablehnung einer Fusion der Nationalparks, Einfluss auf Gesetzgebung und Umweltschutz nimmt.
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- René Sternberg (Author), 2003, Der Naturschutzbund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29960