Jaspers Demokratie-Idee. Der Zusammenhang von existenzieller und politischer Philosophie und Freiheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Der Zusammenhang von existenzieller und politischer Freiheit
1.) Die Idee einer verantwortlichen Existenz und die Lehre vom Umgreifenden
a) Lehre vom Umgreifenden
b) Existenz und Vernunft
2.) Kommunikation als Dreh- und Angelpunkt von existenzieller und politischer Freiheit

C. Jaspers Vorstellung von Demokratie
1.) formale Demokratie, Wahlen und deren Mängel
2) Idee der Demokratie
a) Souverän und Erziehung
b) Mensch, Vernunft und Hoffnung
3.) Kritik Jaspers am Zustand der Demokratie in der BRD
a) Demokratiegefährdung durch die Rolle der Politiker und Parteien (Kritik):
b) Demokratiebewährung durch die Rolle der Einzelnen/Bürger (Appell):

D. Kritik an Jaspers
1.) Probleme des Offenheitsparadigmas der Vernunft
2.) Parteiendemokratie und Politiker
a.) Politiker vs. Staatsmann (Masse und Elite)
b.) Parteienkritik
3.) Untergewichtung der sozialen Frage

E. Schlussbemerkung

A. Einleitung

Im Verlauf dieser Arbeit soll zunächst dem wesentlichen Zusammenhang von existenzieller und politischer Freiheit nachgegangen werden und schließlich die Bedeutung der Existenz- bzw. Vernunftphilosophie für das pluralistischen Demokratieverständnis Karl Jaspers erläutert werden.

Dabei widmet sich der erste Teil allein der Genese des gegenseitigen Bedingungsverhältnisses von existenzieller und politischer Freiheit. Genauer gesagt inwiefern in Jaspers Gesamtwerk, die Existenz-philosophischen Erwägungen um die Vernunft und Kommunikation die Ausgangspunkte für seine Vorstellung von politischer Freiheit (schließlich Demokratie) bilden. Im zweiten Teil soll dann näher auf das daraus folgende notwendige Verständnis von Demokratie, inklusive deren Chancen und Grenzen eingegangen werden. Ergänzt wird dies durch einen kurzen Überblick auf die wesentlichsten auch heute noch aktuellen Kritikpunkte Jaspers am Zustand und Grad der Verwirklichung der Demokratie in der BRD seiner Zeit.

Im dritten Teil werden die grundsätzliche Kritik an Jaspers Philosophie selbst, sowie die entsprechenden Gegenkritiken hinsichtlich seiner politischen Folgerungen und Einlassungen im Mittelpunkt stehen, um schließlich den wesentlichen Beitrag Jaspers für die heutige Demokratiediskussion benennen zu können.

B. Der Zusammenhang von existenzieller und politischer Freiheit

In seiner Preisrede von 1958 ÄWahrheit, Freiheit und Frieden“ spricht Jaspers von den Voraussetzungen eines äußeren Friedens (Sicherung gegen äußere Angriffe und die Bedrohungen totaler Vernichtung, wie z.B. durch die Atombombe), der nur durch den inneren Frieden (des einzelnen Menschen und des Staates), d.h. wiederum nur durch die (auch innere, existenzielle und politische) Freiheit des Menschen gewährleistet werden kann.1 Freiheit ist dabei nur in seiner Gesamtheit (beginnend beim Einzelnen, existenziell und politisch, gemeinschaftlich, sittlich wachsend in größeren Einheiten z.B. in der Demokratie und schließlich in der Abwehr gegenüber aggressiven Staaten) wirklich, wobei sich die Freiheit eben nicht auf ein Willkürliches bzw. individuelles Wollen und Meinen bezieht, sondern auf den Ursprung und das Ziel der Wahrheit und dieser mithin zu dienen hat bzw. ihr entspringt.2

Was jedoch heißt Wahrheit? Für Jaspers ist Wahrheit nicht etwas festes oder endgültig Gefundenes, was man haben oder besitzen könnte. Vielmehr ist Wahrheit ein Art Prozess dauerhaften Erkennens und relativierender Zerstörung. Sie ist bei Jaspers pluralistisch auf ein uns stets Unbekanntes (Transzendenz3 ) bezogen. Sie ist uns nur als ein partielles in einer geschichtlichen (momentanen und somit vergehenden) Gestalt gegeben, ohne allerdings gänzlich relativistisch zu sein, d.h. ohne auf einen verbindlichen Bezugspunkt zu verzichten.4 Diese Vorstellung von Wahrheit wird von Jaspers noch genauer in seiner Lehre des Umgreifenden im Zusammenhang mit der Vernunft und der Möglichkeit einer verantwortlichen Existenz begründet.

1.) Die Idee einer verantwortlichen Existenz und die Lehre vom Umgreifenden

Jaspers Überlegungen basieren zunächst auf der Erkenntnis die sichere und feste Grundlage von Wahrheit, in der bisherigen Vorstellung von Gott oder Sein, verloren zu haben und wenden sich nun innerhalb der Frage nach dem Sinn von Sein (als möglichen Ansatzpunkt für die Suche nach einem neuen Halt) dem Sein das wir sind, und schließlich den Begriffen von Vernunft (i.S.v. Helle, Wahrhaftigkeit) und Existenz (i.S.e. einer unendlichen Tiefe) zu.5

a) Lehre vom Umgreifenden

Es ist die Besinnung auf Kants Subjekt-Objekt-Spaltung, weshalb sich Jaspers bei der Frage nach dem Sein (als sichere Wahrheitsbasis) zuallererst auf das Sein im Sinne eines “Seins, das wir sind“ konzentriert, als ein 'Umgreifendes' in dem uns alles Seiende, die Gegenstände als Welt (und darin wiederum wir selbst) überhaupt nur vorkommen können. Dieses Umgreifende Sein das wir sind, ist also als Sein zu verstehen, welches das Umgreifende, das das Sein selbst ist, umgreift und gleichzeitig auch davon umgriffen ist6.

Somit kann sich auch das menschliche Seinsbewusstsein in der Vielfalt seiner Seinsursprünge klarer werden. Jasper unterscheidet dabei das Sein das wir sind (in einer Art auf einander verweisende sich gegenseitig bedingende und bestimmende Stufenfolge) in die verschiedenen immanenten Weisen, als 'Dasein', Bewusstsein überhaupt' und als 'Geist', welche zwingend aufeinander bezogen sind und deren abstrakte Trennung eher die Veranschaulichung bzw. Fühlbarkeit befördern soll.7

Das 'Dasein', ist das Bewusstsein der Wirklichkeit in der Zeit, i.S.e. wesentlich unreflektierten

Lebendigkeit und Körperlichkeit, welches durch reine Triebe und Instinkte gesteuert ist. Es ist immer ein einzigartiges, mein mir eigenes Dasein, welches die Umwelt wahrnimmt und sie beeinflusst. Es ist bestimmt von Wünschen, Willen zum Leben, bedrohenden Nöten, Tod, und mithin ständiger Unruhe und Kampf. Es erfreut sich an der Gegenwärtigkeit und leidet aber gleichzeitig auch an der eigenen Vergänglichkeit, und verweist somit auf ein anderes Umgreifendes. (i.ü.: auch Ort einer isolierten, am Einzelinteresse orientierten Daseinskommunikation und des Politischen9 )

Das ÄBewusstsein überhaupt“ umfasst die Regeln der Logik und die Kategorien der Wahrnehmung (i.S.d. Verstandes), welches im Unterschied zum bloß empirischen Bewusstsein des Daseins, Intersubjektivität erst möglich macht. Allerdings ist es auch ein rein rationales und unpersönliches Denken, das ihm neben allen Vorteilen, wie Werkzeugbau und daraus folgender Natureroberung auch von der Sicherheit seiner eigenen Instinkte entfernt und letztlich ebenso zu einem Ungenügen und einem weiteren Verweis führt.10

Der Geist nun ist das sich historisch wandelbare Bewusstsein. Er strukturiert die Mannigfaltigkeit von Gedanken und Gefühlen und setzt sie zusammen, verbindet sie gerichtet auf ein Ganzes, auf die Ideen (z.B. Idee der politischen Freiheit), die in ihm leben und wirken. Er vereint die Wirklichkeit lebendigen Bewusstseins in zeitlichem Geschehen mit der Unwirklichkeit des Bewusstseins überhaupt mit seinem zeitlosen Sinn zu einem Ganzen der in sich zusammenhängenden Bewegung des von den Ideen beseelten Bewusstseins. (i.ü.: Ort der Kommunikation einer vom gemeinsamen Sinn getragenen geistigen Gemeinschaft - Überpolitisch11 ).

Jede dieser Weisen vertritt also einen eigenen Gehalt und Ursprung, welche wie bereits oben erwähnt nur in ihrem gemeinsamen Zusammenspiel optimal zur Wirkung kommen können. Die damit allerdings nur grob umrissene Antwort auf die Frage nach dem Umgreifenden, das Äwir sind“, führt jedoch durch die bisherige Nichtbeantwortung der Frage des eigenen Ursprungs und Bezuges auf ein weiteres, das so genannte ÄUmgreifende, dass das Sein Selbst“ ist, als die objekthafte Welt bzw. das Andere und i.S. eines letzten Horizontes des Umgreifenden des Sein selbst, ist jenes entzogen in die sogenannte Transzendenz, d.h. als Umgreifendes des Umgreifenden. Diese Transzendenz ist jedoch nicht erforschbar und unserer Erkenntnis als solches nicht zugänglich. Die Transzendenz, und in diesem Sinne auch das 'Sein an sich' bleibt immer außerhalb der Sphäre unseres Erkenntnisvermögens und ist uns lediglich durch ÄChiffren“ indirekt zugänglich bzw. Äerhellbar“12

So unbefriedigend nun diese Erkenntnisbegrenzung auf den ersten Blick erscheinen mag, kann Wahrheit letztlich erst durch die Begegnung dieser beiden Weisen des Umgreifenden (der einzelnen Weisen des Seins‚‘das wir sind‘ mit dem Sein ‚an sich‘), in vielfältiger, jeweiliger, partieller und relativer Weise (in Dasein, Bewusstsein überhaupt und Geist, welche entsprechend gegeneinander relativiert und betont werden müssen, ) konzipiert werden (als auf dem Wege) und ist damit zugleich auch immer wieder sofort entzogen13.

Nur insofern ist es zu verstehen, dass Wahrheit nur als geschichtlich Mögliches, als Vergehendes existiert. Analog zu den Weisen des Sein ‚das wir sind’ gibt es somit auch die entsprechenden Weisen des Sinnes von Wahrheiten, wie den pragmatischen und den formallogischen Wahrheitsbegriff und analog zum Geist, die so genannten Überzeugungen. Problematisch bleibt allerdings, dass letztlich auch die bisherige Konstruktion von Wahrheit vernichtet werden könnte, soweit keine gegenseitige Gewichtung ihrer einzelnen Weisen vollzogen werden würde. Eine jeweilige Dominanz oder gar Isolierung würde nämlich leicht zu materialistischem, wissenschaftlichem oder historischem Dogmatismus führen14.

b) Existenz und Vernunft

Diese Funktion erfüllt und gewährleistet jedoch die Existenz, welche eine Art von Mittelstellung zwischen der Immanenz und Transzendenz einnimmt. In ihr vereinigen sich die Weisen des Umgreifenden das 'wir sind', zu einer Form des Ich-Seins, indem ich mir meiner eigenen Weisen (Dasein, Bewusstsein überhaupt und Geist) gewiss werde und sie mir in ihrem Zusammenspiel zu eigen mache, sie quasi ergreife.15 Die Existenz ist mithin eine Art ruhelose, nie abgeschlossene Synthese einer in Selbstreflexion gewonnenen Selbsterfahrung als Endlichkeit (objektiv Bestimmtheit) und der Unendlichkeit (da es alle objektive Daseinsbestimmung transzendieren kann).16

Dabei ist die Transzendenz nun nicht mehr nur die Grenze unserer beantwortbaren Fragen, sondern eben auch der Ursprung jener ruhelosen Fragen und mit der ‚Befreiung unseres Willens‘ auch der Ursprung unserer eigenverantwortlichen Existenz.17 In dem Umgreifenden des Seins das wir sind, sowie der Existenz, welche auf die Transzendenz bezogen ist, liegt nun wiederum selbst eine Art unvertretbare, individuelle Wahrheitsweise. Sowohl jede gewonnene Erkenntnis als auch Wahrheit ist aber eben mit dem Gewahr werden der Transzendenz auch schon wieder in ihrer Absolutheit und Sicherheit verloren gegangen.18

Somit muss sich auch die Existenz im Handeln immer wieder neu beweisen, immer wieder neu entscheiden und darf sich nie absolut und auf Dauer festlegen, was ihr aber letztlich auch erst die Dimension der Freiheit zu öffnen vermag.19 Sie ist somit nie ein fest Bestehendes, sondern gleichfalls eine ständige ‚Aufgegebenheit‘ und bei allem Wissen um die Möglichkeit des Rückfalls in ein jeweilig einseitiges Verharren im Dasein, Bewusstsein überhaupt oder Geist, (deren Folge Blindheit, Leere, absolute Totalität und somit existenzielle Selbst- bzw. Freiheitsvernichtung wäre) muss sie sich selbst immer wieder in Richtung Offenheit und Universalität zur ‚Eigentlichkeit’ zu befreien versuchen.20

Dafür sorgt die dynamisierende, synthetisierende und universalisierende Vernunft als so genanntes Band des Umgreifenden, welches der Existenz somit zwingend (als bipolarer Wechselbeziehung) zur Seite steht.21 Denn umgekehrt gibt die Existenz der Vernunft erst ihren Gehalt.22 Die Vernunft selbst überschreitet dabei den bloßen Verstand und wirkt in den entgegen gesetzten Formen zum einen all-aufschließend, dynamisierend (grenzenlose Offenheit und Kritik an jeder neuen Position) und zum anderen verbindend und vereinigend auf einen Punkt (Drang zur Einheit, einer Wahrheit, welche in der Transzendenz gegründet ist)23. Die Vernunft ist auf die Bescheidenheit der Existenz vor der Transzendenz angewiesen, während die Existenz die unendliche Offenheit der Vernunft benötigt, um ihrer eigenen Tendenz zur punktuellen Absolutheit zu entfliehen.24 Somit sorgt sie für Bewegung, Besonnenheit und Selbstkritik, gegen vorschnelle, willkürliche und endgültige Feststellungen bzw. entsprechend starre rationale Gehäuse. 2.) Kommunikation als Dreh- und Angelpunkt von existenzieller und politischer Freiheit Aus dieser von der Vernunft geforderten Offenheit wird die Existenz, nunmehr zwangsläufig auf Kommunikation bzw. existenzielle Kommunikation verwiesen, um die jeweiligen Wahrheiten zu relativieren und die starre Verabsolutierungen einer einzigen Wahrheitsweise zu verhindern. Gleichzeitig ist es auch die Universalität der Vernunft, welche die normativen Voraussetzungen für eine entsprechende öffentliche universelle Kommunikation liefert.25 Dazu gehören vor allem Ehrlichkeit, Offenheit, Engagement, Verantwortung, Selbstbesinnung und Anerkennung einer prinzipiellen Gleichheit der Kommunikationspartner. Somit unterscheidet sich diese Kommunikation streng von der bloßen Daseinskommunikation. Sie kann eben nur zwischen Existenzen (d.h. setzt Selbstsein, sich selbst Offenbar werden und entsprechend vorausgegangene Selbstkommunikation voraus, für die somit gleichfalls eine gewisse Offenheit notwendig ist) entstehen.26 Für die offene existenzielle Kommunikation ist es somit notwendig, dass die Existenzen frei für einander (Soziabilität), voreinander und auch voneinander (Individualität) sind.

In ihrer Offenheit erst (existenzielle Kommunikation bricht das erstarrte Beharren auf und wird zum Gestaltprinzip von Dasein, Bewusstsein, Geist, vermittelt unter ihnen, gleicht aus und kämpft liebend, d.h. für ständig offene Auseinandersetzung ohne Masken und Vorbehalte) entsteht jeweilige bzw. existenzielle Wahrheit, welche in ihrer Vielheit und Kommunikation selbst auf den Maßstab der transzendenten Wahrheit verweisen kann.27

Bei Abbruch der Kommunikation endet diese Wahrheit und folglich müssen so auch die Daseinswirklichkeit und deren Sozialgebilde/Gestalten am Maßstab der Ermöglichung existenzieller Kommunikation (welche eben auch für existenzielle Freiheit und Wahrheit steht) und entsprechend zur Verfügung gestellter Räume gemessen werden, denn existenzielle Kommunikation (bzw. existenzielle Freiheit) bedingt und gestaltet nicht nur die politische Freiheit, sondern erfordert diese auch (auf der Daseinsebene), allerdings ohne das sich daraus ein zwingend-kausaler Bedingungszusammenhang ergeben muss.28

Die Sozialgebilde sind dabei bloße Medien der existenziellen Verwirklichung, und dürfen mithin kein Selbstwert darstellen, der ihrer Begrenzung zugunsten der Existenz hinderlich sein könnte. Sie müssen ihre Ansprüche zurückdrängen und lebhaft mitgestaltet, existenziell ausgefüllt, d.h. ebenso dauerhaft relativiert werden.29

Der Staat, das wichtigste Sozialgebilde soll als so genannte Ordnungsmacht die Kämpfe zügeln und den Raum für mögliche Existenz bzw. existenzielle Kommunikation bereiten, wobei zum einen die jeweilige Ordnungsgestalt nur geschichtlich und nie absolut sein kann und zum anderen dennoch abgesichert werden muss. Um dabei dem Umschlagen in eine Macht rein um ihrer selbst willen zu begegnen, ordnet er diese unter das Recht bzw. den Rechtsstaat und ist somit in der Lage die Macht Existenz-philosophisch auf Dauer zu legitimieren. Dabei muss natürlich auch das Recht selbst immer wieder geschichtlich, d.h. in materieller Hinsicht als zeitlich bedingtes, nie absolutes Recht verstanden werden.30 Hinsichtlich der formellen Legitimation besteht Jaspers lediglich auf die Bedingung der Mitbestimmung und Zustimmung aller, welche eben nur in der Staatsform der Demokratie realisiert werden kann31. In der Demokratie liegt nach Jaspers also die einzige Möglichkeit, wie die Menschen miteinander zu ihrer weitestgehenden persönlichen bzw. existenziellen und somit politischen Freiheit gelangen können.

C. Jaspers Vorstellung von Demokratie

Im Unterschied zur zahlreichen demokratietheoretischen Literatur, beschäftigt sich Jaspers kaum mit Fragen der Gestaltung und Organisation der einzelnen Strukturen und Institutionen, da für ihn vor allem der Einzelne mit seinem demokratischen Bewusstsein selbst der entscheidende Faktor ist. Lediglich der eine feste Bestandteil der so genannten formalen Demokratie wird von ihm besonders ausführlich behandelt und postuliert.

1.) formale Demokratie, Wahlen und deren Mängel

Die formale Demokratie ist allein über die gesamte Bevölkerung (als quasi Volkssouverän) mittels freier, gleicher und geheimer Wahlen eines jeden zu verstehen.

Geheim, um jeglichen Druck oder nachteilige Folgen seiner Wahl zu verhindern.

Frei, d.h. freie Aufstellung von Parteien und Kandidaten um diverse Programme und Willensrichtungen zu ermöglichen und gleich bedeutet der politischen Freiheit entsprechend gleiches Stimmengewicht.32 Entscheidend ist für ihn, dass Jedermann, irgendwo einen Zugang bzw. eine Einflussmöglichkeit besitzen muss. Alle anderen Variationen demokratischen Institutionen und Bestandteile sind für ihn nicht auf ewig festgelegt und mithin wandelbar und abhängig von den jeweiligen geschichtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen.

Problematisch erscheinen Jaspers jedoch folgende Momente33:

(1) Zum einen ist Wahl immer an ein Privileg einer begrenzter Gruppen gebunden, d.h. die Menschheit als solches stimmt nicht über ihre Zukunft ab.

(2) Mehrheit beinhaltet immer Tendenz zur bloßen Masse und Zahl und nicht zu einer (von einer Persönlichkeit abgewogenen) höheren sittlich-moralischen Qualität.

[...]


1 Vgl.: Wahrheit, Freiheit und Frieden (1958) S. 10.

2 Vgl.: Wahrheit, Freiheit und Frieden (1958) S. 11 f.

3 Dazu im Folgenden noch genauer ab Seite 4 ff..

4 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 31f.

5 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987) S. 12 f und 40; Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 32

6 Vgl.: Hager (1967) S. 11.

7 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987) S. 45 f; Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 33 f., Hager (1967) S. 12.

8 Vgl.: Jeanne Hersch (1990) S. 56 f.; Vernunft und Existenz (1987) S. 46 f.

9 Vgl.: Hager (1967) S. 59 f.

10 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987) S. 47 f; Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 34.

11 Vgl.: Hager (1967) S. 59.

12 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987) S. 48 ff; Schene (2010) S.10 f.

13 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 36.

14 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 36.

15 Vgl.: Schene (2010) S.10 f; Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 36.

16 Vgl.: Salamun (2006) S.49.

17 Vgl. : Buczynska-Garewicz ÄFreiheit und Verantwortung“ in: Salamun (1991) S. 134.

18 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987) S. 49 ff.

19 Vgl.: Buczynska-Garewicz ÄFreiheit und Verantwortung“ in: Salamun (1991) S. 135 f.

20 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 37.

21 Zu beginn noch als Existenzphilosophie beschrieben geht Jasper später dazu über seine Philosophie als Vernunftphilosophie zu beschreiben, wobei er diese schon früh in seiner Periechontologie und Existenzphilosophie aufnahm und voraussetzte. Erst mit der Zeit erhielt dann die Vernunft die notwendige extra Betonung, da sie letztlich doch viel weniger selbstverständlichen war als angenommen und er die Notwendigkeit der Vernunft für die Existenz erkannte; Vgl.: Jeanne Hersch ÄUntrennbarkeit von Vernunft und Existenz“ in: Lengert, Philosophie der Freiheit (1983) S. 96.

22 Vgl.: Vernunft und Existenz (1987 ) S. 60.

23 Vgl.: Salamun (2006) S. 75; Jeanne Hersch ÄUntrennbarkeit v. Vernunft und Existenz“ in: Lengert, Philosophie der Freiheit (1983) S. 98 f.

24 Vgl.: Vgl.: Jeanne Hersch ÄUntrennbarkeit von Vernunft und Existenz“ in: Lengert, Philosophie der Freiheit (1983) S. 99.

25 Vgl.: Salamun (2006) S. 77.

26 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 37.

27 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 38.

28 Vgl.: Atombombe (1958), S. 296; Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 39.

29 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 40.

30 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 41.

31 Vgl.: Alexander Schwan, Äexistenzielle und politische Freiheit“ in: Böversen (1984) S. 42.

32 Vgl.: Atombombe (1958) S. 429.

33 Vgl.: folgende 6 Punkte siehe Atombombe (1958) S. 430f.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Jaspers Demokratie-Idee. Der Zusammenhang von existenzieller und politischer Philosophie und Freiheit
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V300267
ISBN (eBook)
9783656966760
ISBN (Buch)
9783656966777
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jaspers, demokratie-idee, zusammenhang, philosophie, freiheit
Arbeit zitieren
Alexander Sattler (Autor), 2013, Jaspers Demokratie-Idee. Der Zusammenhang von existenzieller und politischer Philosophie und Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300267

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