In der Dialektologie finden verschiedene Mittel der Darstellung eines Dialekts Verwendung. Als Darstellungsform kann eine Mundartmonographie als thematische Darstellung – bezogen auf ein bestimmtes Problem, auf einen Ort oder auf eine bestimmte Zeit – fungieren, sowie eine Sprachkarte, ein Sprachatlas oder eine Sprachwiedergabe auf einem Tonband, um jederzeit Laute authentisch reproduzieren zu können. Eine weitere Darstellungsform ist das Dialektwörterbuch, welches ähnlich wie ein allgemeines Wörterbuch gebraucht wird, jedoch ein Nachschlagewerk ist, welches für die Schreibweise und Bedeutung des Wortschatzes eines Dialekts Verwendung findet.
In dieser Seminararbeit möchte ich mich – in Anlehnung an einen Vortrag des Seminars I dialetti d’Italia zum Thema Dialektwörterbücher der Italienischen Sprache – zwei verschiedenen Dialektwörterbüchern des Venezianischen widmen. Ich werde zuerst auf das Dizionario Veneziano della lingua e della cultura poplare nel XVI secolo von Manlio Cortelazzo aus dem Jahr 2007 eingehen, und dieses vorstellen.
Im Anschluss daran werde ich das 1998 erschienene Dizionario del dialetto veneziano, einen Nachdruck der Ausgabe von 1856 von Giuseppe Boerio, vorstellen. Daraufhin werde ich verschiedene Wörterbucheinträge miteinander vergleichen sowie Vor- sowie Nachteile im Umgang mit diesen vorstellen. Zuvor werde ich allgemein auf die Arbeitsweise bei der Erstellung von Dialektwörterbüchern eingehen, deren Funktionen darstellen sowie die Konzeption von einzelnen Wörterbucheinträgen näher beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Darstellungstyp Dialektwörterbuch
2 Problematik der Artikelgestaltung
3 Dizionario Veneziano di Cortelazzo
4 Dizionario del Dialetto Veneziano di Boerio
5 Vergleiche von Wörterbucheinträgen
5.1 Vergleich zweier Substantive
5.2 Vergleich zweier Verben
5.3 Vergleich zweier Adjektive
6 Schluss
7 Bibliographie
7.1 Primäre Quellen
7.2 Sekundäre Quellen
7.2.1 Internetquellen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit vergleicht die zwei Dialektwörterbücher Dizionario Veneziano della lingua e della cultura popolare nel XVI secolo von Manlio Cortelazzo und Dizionario del dialetto veneziano von Giuseppe Boerio. Ziel ist es, die unterschiedliche Konzeption, den Aufbau der Wortartikel sowie die Vor- und Nachteile der beiden Werke für verschiedene Nutzergruppen herauszuarbeiten.
- Grundlagen der Dialektlexikographie und Anforderungen an Dialektwörterbücher
- Strukturelle Analyse und Entstehungsgeschichte der beiden Wörterbücher
- Vergleichende Untersuchung von Wörterbucheinträgen (Substantive, Verben, Adjektive)
- Evaluation der Benutzerfreundlichkeit und Zielgruppenorientierung
- Methodische Bewertung der Belegführung und etymologischen Aufbereitung
Auszug aus dem Buch
5.1 Vergleich zweier Substantive
Beim Vergleich von zwei Substantiven habe ich den Wörterbucheintrag osmarìn gewählt, wobei ich zuerst den Eintrag aus dem Dizionario Veneziano von Cortelazzo und anschließend aus dem Dizionario del dialetto Veneziano von Boerio darstellen möchte.
osmarìn s.m. ‘rosmarino‘ (Boerio) (1):
(1) 1547: voiando respirar suave aura vigneria a conzelar in mi, gramo desquinternao, una pitima composta de mirto, viole, osmarin e poreziol, Calmo LETTERE I 54;
1556: No pi parole, che co monto po in colora, e te farave della testa un piter da osmarin, Calmo TRAVAGLIA II 2 (26r)29
OSMARIN, s. m. Rosmarino e Ramerino,
Frutice aromatico nostrale, detto da Linneo Rosmarinus officinalis. Il suo fiore chiamasi Cacri.
Cortelazzo gibt, wie er im ausführlichen Vowort bereits den Aufbau des Lemmas erklärte, zuerst das capolemma an. Dieses ist fettgedruckt und blau eingefärbt, um es von dem darauffolgenden Eintrag deutlich zu unterscheiden. Es bietet außerdem die Möglichkeit, ein Schlagwort schneller ausfindig zu machen. Nachdem grammatikalische Angaben gemacht werden; hier Substantiv (s.) männlich (m.) – also Wortklasse und Genus; steht die Übersetzung ins Standarditalienische in Anführungszeichen dahinter, die von Boerio übernommen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellungstyp Dialektwörterbuch: Einführung in die dialektologische Theorie und die allgemeine Funktion von Dialektwörterbüchern als Dokumentationsform.
2 Problematik der Artikelgestaltung: Erläuterung der obligatorischen und optionalen Bestandteile eines Wortartikels sowie Herausforderungen bei der Lemmatisierung.
3 Dizionario Veneziano di Cortelazzo: Vorstellung des Wörterbuchs von Manlio Cortelazzo, seines Lebenswerks und seiner wissenschaftlichen Herangehensweise an das venezianische Vokabular des 16. Jahrhunderts.
4 Dizionario del Dialetto Veneziano di Boerio: Analyse des Werks von Giuseppe Boerio, seiner Einleitung und der praktischen Umsetzung der Wortsammlung.
5 Vergleiche von Wörterbucheinträgen: Direkte Gegenüberstellung ausgewählter Einträge aus beiden Wörterbüchern anhand von Substantiven, Verben und Adjektiven.
6 Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Vor- und Nachteile beider Wörterbücher hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit und Zielgruppe.
7 Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Dialektologie, Venezianisch, Dialektwörterbuch, Manlio Cortelazzo, Giuseppe Boerio, Lexikographie, Wortartikel, Sprachgeschichte, Venezien, Diachronie, Sprachwissenschaft, Quellenanalyse, Dialekt, Lemma, Venedig
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Blick auf zwei bedeutende Dialektwörterbücher des venezianischen Dialekts, um deren Aufbau und methodische Unterschiede aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die dialektologische Lexikographie, die historische Entwicklung der venezianischen Sprache sowie die kritische Analyse der Artikelgestaltung in den gewählten Nachschlagewerken.
Was ist das Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile beider Wörterbücher im direkten Vergleich darzustellen, um zu evaluieren, für welche Nutzergruppen und wissenschaftlichen Zwecke sie sich jeweils eignen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Textanalyse, indem sie konkrete Beispiele (Substantive, Verben, Adjektive) aus beiden Werken gegenüberstellt und deren strukturelle Aufbereitung analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Lexika, die theoretische Einordnung der Artikelgestaltung und den detaillierten Vergleich ausgewählter Wortbeispiele.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dialektologie, Lexikographie, Venezianisch sowie die Namen der Autoren Cortelazzo und Boerio charakterisiert.
Warum spielt das 16. Jahrhundert für die Analyse eine so zentrale Rolle?
Das 16. Jahrhundert dient insbesondere bei Cortelazzo als primärer zeitlicher Forschungsrahmen, da er sich auf historische Quellen stützt, die für die Entwicklung des Venezianischen entscheidend waren.
Worin liegt der Hauptunterschied in der Zielgruppenansprache zwischen den beiden Autoren?
Während Cortelazzos Werk aufgrund der detaillierten historischen Belegführung eher den sprachwissenschaftlich versierten Leser anspricht, ist Boerios Wörterbuch durch einfachere Definitionen eher für ein breiteres, allgemein interessiertes Publikum gestaltet.
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- Thomas Gantner (Author), 2012, Zwei Dialektwörterbücher des Dialetto Veneziano im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300302