Ziele und Techniken zur Ausbildung des Leseverstehens in der Fremdsprache


Hausarbeit, 2011
12 Seiten, Note: 1,3
Thomas Gantner (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Funktion des Lesens im fremdsprachlichen Lernen

Ziele der Ausbildung des Leseverstehens

Übungen zur Ausbildung von Lesetechniken

Schluss

Bibliographie

Einleitung

Die Fertigkeit des Lesens wird im Gegensatz zum Hörverstehen bewusst erworben und muss automatisiert werden, um über den Akt des Lesens und Verstehens hinauszugehen (Interpretation, Hypothesen anstellen). Es besteht aber wie beim Hörverstehen eine Interaktion zwischen Text und Leser, denn um einen Text zu verstehen und mit ihm arbeiten zu können, müssen Fragen gestellt und Hauptaussagen erschlossen werden. Der Leser beeinflusst sein Lesetempo selbst, während beim Hören kein Einfluss auf den Sprecher möglich ist. Ein Text interagiert weiterhin mit dem Leser, indem die Schwierigkeit des Texts und das vorhandene Vorwissen (unbekanntes Vokabular, grammatische Formen, Satzstellung) den Leser in Bezug auf das Verständnis des Texts beeinflusst.[1]

In meiner folgenden Arbeit möchte ich besonders auf das Lesen im fremdsprachlichen Unterricht eingehen, da hier Kinder besonders auf die Leseerfahrung in der Muttersprache zurückgreifen. Das Lesen ist somit erschwert, da Wortstellungen ungewohnt sind und ein Großteil des Vokabulars stark von der Muttersprache abweicht. Erfolg des Lesens in der Muttersprache, die semantisch und syntaktisch kaum von der Fremdsprache abweicht, führt im Normalfall auch zu Erfolg in der Zielsprache. Ich werde außerdem Übungen darstellen, mit denen man verschiedene Lesetechniken ausbilden kann.

Funktion des Lesens im fremdsprachlichen Lernen

Lesen hat allgemein die Aufgabe den Inhalt eines Textes mit seinen Informationen aufzunehmen und dient laut Definition nicht der Sprachübung. Lesen hat aber außerdem die Funktion für einen ästhetischen Genuss zu sorgen. Zu Beginn des Fremdsprachenerwerbs aufgrund begrenzter sprachlicher Fähigkeiten ist diese Funktion jedoch zuerst als sekundär zu betrachten.[2] Der Prozess des Lesens ist eine „rezeptive bzw. rezeptiv-reproduktive Tätigkeit“. Daher gehört es auch zur Aufgabe des Lesens, den aufgenommenen Inhalt an einen Kommunikationspartner zu übermitteln.[3] Das Lesen, dass von den grafischen Symbolen ausgeht um die Bedeutung zu identifizieren, wird als bottom-up Prozess bezeichnet. Sobald der Leser sich jedoch ein Vorwissen angeeignet hat, und von dieser Erfahrung heraus den Text zu verstehen sucht, wird dies als der top-down Prozess beschrieben. Um zu überprüfen mit welcher Technik Schüler an einen Text heran gehen und wieweit sie in der Entwicklung des textlichen Verstehens sind, können zwei verschiedene Übungen angewandt werden. Zum einen können vereinzelt Buchstaben eines Wortes entfernt werden, zum Beispiel alle Vokale, bzw. die zweite Silbe des Wortes. Eine andere Möglichkeit ist das Herausstreichen ganzer Wörter, die sehr leicht wieder erschlossen werden können, bzw. keinen Informationsgehalt aufweisen.[4]

Beim Lesen muss zwischen dem stillen und lauten Lesen unterschieden werden. Das stille Lesen dient primär der Eigeninformation, jedoch können Informationen an andere im Anschluss vermittelt werden. Die Sprachzeichen werden beim stillen Lesen wahrgenommen und in Gedanken umgewandelt. Anfangs erfolgt dieser Prozess Wort für Wort, während später größere Texteinheiten aufgenommen und verarbeitet werden können. Weiterhin kann durch Übung das Schriftbild mit dem entsprechenden Klangbild assoziiert werden und die Bedeutung der „semantisch-syntaktischen Beziehungen“ kann kontextualisiert werden. Der Prozess des Kontextualisierung kann durch das Semantisieren unbekannter Wörter erfolgen. Mithilfe fremdsprachlichen Vorwissens, bzw. der eigenen Muttersprache, kann die Bedeutung eines unbekannten Wortes erschlossen werden.[5] Das stille Lesen von Texten in der Fremdsprache wird allerdings in der Schule nur bedingt geübt, da jeder neu eingeführte Text neue Lexik und Grammatik enthält. Somit können Schüler ihr bisher erworbenes Wissen nicht an diesen Text erproben und sollten von der Lehrkraft auf Texte hingewiesen werden, die sie außerhalb der Schule lesen können. Sogenannte class libraries können den Schülern von Nutzen sein, indem sie dazu ermutigt werden Bücher auszuleihen, die auf ihrem sprachlichen Stand sind. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Texte mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und verschiedenen Interessengebieten bereitgestellt werden. Das Lesen von Büchern einer class library ist zwar freiwillig, jedoch sollten so viele Schüler wie möglich motiviert werden außerhalb der Schule zu lesen. Eine Idee hierfür wäre, dass auf einer Pinnwand im Klassenraum die Leseerfahrungen mit Kommentaren und Illustrationen der Schüler dargeboten werden.[6]

Das Leseverstehen übt sich nicht durch das Erledigen von Übungen zu den Texten, sondern durch das Lesen an sich. Daher sollte innerhalb des Unterrichts auch versucht werden Raum für stilles Lesen zu bieten.[7] Beim stillen Lesen muss zwischen den cognitive skills und den metacognitive skills unterschieden werden. Mithilfe von cognitive skills kann ein Text erschlossen werden, während ein Leser sich mithilfe der metacognitive skills Lesestrategien aneignet und mit dieser bewusst einen Text reflektiert.[8]

Das stille Lesen sollte in eine Vorbereitungs-, Einstimmungs-, Lese-, Kontroll- und Auswertungsphase eingeteilt werden, welche ausgewogen gegliedert am erfolgversprechendsten ist. Als Einstimmung können die Schüler die äußere Aufmachung des Buches, also die Überschrift und den Buchdruck, sowie Gliederungssignale untersuchen. Ebenso können sie Illustrationen/ Karikaturen analysieren, die sich inhaltlich auf den Text beziehen. Die Lesephase kann in ein erstes und in ein zweites Lesen eingeteilt werden, an welche jeweils eine Übungsphase zur Überprüfung des Textverständnisses folgen kann. Übungen nach einem ersten, überblickverschaffenden Lesen sollten einfach lösbar sein (z.B. multiple Choice Fragen), während beim zweiten, detaillierteren Lesen Fragen gestellt werden können, die in ganzen Sätzen beantwortet werden müssen.[9]

Wichtig ist es außerdem mithilfe des Leseauftrags und an die Altersstufe angepasstes Textmaterial die Neugier bei den Schülern zu wecken, um zielorientiertes und motiviertes Arbeiten zu erreichen.[10]

Das laute Lesen dient ausschließlich der Fremdinformation, wobei die Schüler den Text mitlesen können und sich somit das Klangbild einprägen. Außerdem kann ein Lesevortrag eines Schülers durch Mimik und Gestik unterstützt werden. Die Aussprache von Wörtern und die Betonung werden hierbei geschult und Fehler sollten von der Lehrkraft angemessen korrigiert werden, sodass die gesamte Klassengemeinschaft davon profitiert. Ansonsten fühlt der Schüler sich in seiner Aussprache von Wörtern bestärkt und der gleiche Fehler wird von allen anderen Schülern nachgeahmt. Weiterhin dient das laute Lesen zur Vorbereitung auf das stille Lesen. Sobald die Laut,- und Schreibformen miteinander vereint wurden, können die Schüler Texte alleine lesen. Um beim lauten Lesen keine Langeweile zu erzeugen ist es notwendig die Schüler in Gruppen und paarweise sich laut vorlesen zu lassen. Als Ansporn für das fehlerlose und aufmerksame Lesen ist das Lesen in einem Wettbewerb, indem es die Aufgabe der Schüler ist einen Textabschnitt mit so wenigen Fehlern wie möglich zu lesen. Ein weiterer Leitsatz zur Entwicklung des lauten Lesens ist es die Verantwortung der Schüler zu erhöhen. Das Leseniveau der Schüler steigt wenn sie zum Beispiel beim lauten Lesen die Fehler der anderen korrigieren und an sich selbst hohe Ansprüche stellen.[11]

Ziele der Ausbildung des Leseverstehens

Die Ausbildung des Leseverstehens hat verschiedene Ziele, die verfolgt werden müssen. Zum einen ist es von großer Bedeutung Hauptgedanken zu erfassen und zwischen wichtigen und eher unwichtigen Informationen unterscheiden zu können. Eine andere Lesart, die ausgebildet werden sollte, ist das detaillierte und gründliche Lesen, wobei alle Informationen erfasst werden. Bevor allerdings ein Text gründlich und detailorientiert gelesen wird, sollte eine Lesetechnik angewandt werden, mit der ein Leser sich einen kurzen Überblick von dem Text verschafft. Eine dieser Lesetechniken ist das aufsuchende Lesen (scanning), wobei im Vornherein eine Aufgabenstellung gegeben wird, die das Lesen dementsprechend beeinflusst. Informationen werden demnach nur in Bezug auf die Frage/ Aufgabenstellung erfasst und alle anderen Informationen werden nicht verarbeitet. Nicht zu unterschätzen ist auch das orientierende, überblicksartige Lesen (skimming oder auch speed reading), welches ebenso wie das scanning ein schnelles Lesen ist. Es verfolgt das Ziel sehr schnell zu erkennen, mit welcher Informationsabsicht ein Text zu lesen sein sollte. Daher ist hier besonders auf die Überschrift und einzelne Satzelemente zu achten, die durch ihre Wiederholung dem Leser direkt auffallen. Die Schüler müssen jedoch im Vornherein verschiedene Textformen kennenlernen, um von einer Überschrift oder einem kurzen Textabschnitt auf die zutreffende Textform schließen zu können. Es bietet sich an verschiedene Textsorten zu lesen und seine Merkmale intensiv zu besprechen. Nach Einführung verschiedenster Textsorten (z.B. story, information brochure, encyclopedia article, advertisement, newspaper report) können zur Überprüfung Übungen mit den Schülern durchgeführt werden, in denen sie kurze Textausschnitte (auch im Wettbewerb mit anderen Schülern) der Textsorte zuordnen. Diese Ergebnisse sollten miteinander verglichen und erläutert werden.[12]

Für das intensive Sinnerfassen kann die SQ3R-Methode (Survey – Question – Read – Recite – Review) herangezogen werden, die sowohl Elemente des detaillierten und des überfliegenden Lesens beinhaltet. Im ersten Schritt (‚Survey‘) soll mithilfe überfliegenden Lesens von Überschrift und Text ein Überblick verschafft werden, sodass im zweiten Schritt (‚Question‘) Erwartungen an den Text gestellt werden können. Anschließend (‚Read‘) soll der Text hinsichtlich seines Inhalts genau gelesen werden, wobei der Schwierigkeitsgrad dem Leistungsniveau angepasst werden muss. Weiterhin (‚Recite‘) soll der Leser sich den Inhalt des Gelesenen geistig bewusst machen. Im letzten Schritt der SQ3R-Methode (‚Review‘) soll der Leser den Inhalt noch einmal im Klassen,- oder Partnergespräch wiederholen.[13]

Um diese Ziele zu realisieren müssen die im Folgenden näher beschriebenen Leseformen ausgebildet werden. Zum einen kann die Leseform des synthetischen Lesens angewandt werden um einen Text bezüglich seines Inhalts als Ganzes ohne Hilfsmittel zu verstehen. Hierfür werden nur Texte herangezogen, die eine einfache Struktur aufweisen und kein unbekanntes Vokabular beinhalten. Eine andere Leseform ist das analytische Lesen, wobei ein Text durch die Analyse von schwierigen Textstellen verstanden wird. Ein Text der für die Zielgruppe ein höheres Schwierigkeitsniveau aufweist muss detailliert gelesen und einige Wörter mithilfe eines Wörterbuches übersetzt werden. Sobald ein Text unbekanntes Vokabular und grammatische Strukturen aufweist, sowie von der Muttersprache bezüglich der Syntax abweichend ist, erhöht sich das Niveau an das Leseverstehen. Als Kombination des synthetischen und analytischen Lesens versteht man das analytisch-synthetische Lesen, welches mit dem Wechsel beider Phasen das Ziel verfolgt einen Text zu verstehen. Texte, die schwierige Textstellen, aber auch einfach verständliche Abschnitte enthalten, können somit schnell durch das Anwenden beider Formen erfasst werden.[14]

Übungen zur Ausbildung von Lesetechniken

Auf der Grundlage der Leseaufgabe, die der Schüler vorerst verinnerlichen muss, der Aufmachung und der Überschrift des Textes, sowie der Einleitung, muss er sein Leseziel und seine Erwartung an den Text äußern können. Seine Erwartung kann der Schüler zum Beispiel nach Lesen des ersten Absatzes oder der Einleitung eines Textes äußern, indem er vermutet, womit sich der Text im Folgenden beschäftigen wird. Dies kann auch im Rahmen einer Diskussion mit der gesamten Klassengemeinschaft geschehen.

Folgende Fragen könnten hier gestellt werden:

„What does the title tell you about the content of this selection?“[15]

„What, if anything, can you learn about the topic of paragraphs 1-4 by reading only the first sentence?“[16]

[...]


[1] Timm, Johannes-Peter: English lernen und lehren. Didaktik des Englischunterrichts. Berlin 2003, S. 229.

[2] Rampillon, Ute: Lerntechniken im Fremdsprachenunterricht. Ismaning 1989, S. 85.

[3] Borgwardt, Ulf u.a.: Kompendium Fremdsprachenunterricht, Ismaning 1993, S. 131.

[4] Timm, Johannes-Peter: Englisch lernen und lehren. Didaktik des Englischunterrichts. Berlin 2003, S. 230.

[5] Borgwardt, Ulf u.a.: Kompendium Fremdsprachenunterricht, Ismaning 1993, S. 131.

[6] Timm, Johannes-Peter: Englisch lernen und lehren. Didaktik des Englischunterrichts. Berlin 2003, S. 232-235.

[7] Ebd., S. 232-233.

[8] Timm, Johannes-Peter: Englisch lernen und lehren. Didaktik des Englischunterrichts. Berlin 2003, S. 233-234.

[9] Baker-González, Joan; Blau, Eileen: Building on basics. A thematic approach to reading comprehension. New York 1999, S. 4.

[10] Borgwardt, Ulf u.a.: Kompendium Fremdsprachenunterricht, Ismaning 1993, S. 131-134.

[11] Borgwardt, Ulf u.a.: Kompendium Fremdsprachenunterricht, Ismaning 1993, S. 131-132.

[12] Im Anhang findet sich die Übung „Identifying the type of text“ (Ziegésar, Detlev und Margaret: Reading and writing skills. 7./8. Schuljahr. Stuttgart 2001, S. 9.

[13] Rampillon, Ute: Lerntechniken im Fremdsprachunterricht. Ismaning 1989, S. 91-92.

[14] Borgwardt, Ulf u.a.: Kompendium Fremdsprachenunterricht, Ismaning 1993, S. 132-133.

[15] Baker-González, Joan; Blau, Eileen: Building on basics. A thematic approach to reading comprehension. New York 1999, S. 2.

[16] Ebd., S. 2.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Ziele und Techniken zur Ausbildung des Leseverstehens in der Fremdsprache
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Englischunterricht zwischen Vermittlung und Aneignung
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V300306
ISBN (eBook)
9783656967569
ISBN (Buch)
9783656967576
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ziele, techniken, ausbildung, leseverstehens, fremdsprache
Arbeit zitieren
Thomas Gantner (Autor), 2011, Ziele und Techniken zur Ausbildung des Leseverstehens in der Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300306

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