In dieser Masterarbeit wird ein Konzept zur naturnahen Gestaltung von Unternehmensarealen entwickelt. Dabei steht eine naturschutzfachliche Aufwertung der Flächen unter Einbeziehung des bayerischen Arten- und Biotopschutzprogrammes auf Landkreisebene im Fokus. Ziel ist es, Unternehmensareale als Lebensräume für naturschutzfachlich relevante Arten zu erschließen. Schwerpunkt der Arbeit ist die Entwicklung einer mehrstufigen Methodik: Nach einem speziellen Schema werden aus dem Spektrum regional auftretender geschützter oder gefährdeter Arten Zielarten für die Umgestaltung von Betriebsgeländen ausgewählt. Durch Berücksichtigung der Ansprüche, die diese Zielarten an ihre Lebensräume stellen, können im lokalen Kontext sinnvolle und standortgerechte Aufwertungsmaßnahmen abgeleitet und geplant werden. Es wurden Arten ausgewählt, die im Umfeld der Betriebsgelände nachgewiesen wurden. Darum bestehen die von ihnen bevorzugten Habitatstrukturen in diesem Gebiet. Da es sich um naturschutzfachlich relevante Arten handelt sind diese Strukturen jedoch tendenziell eher selten. Das Konzept beinhaltet somit auch einen Leitfaden zur Identifizierung seltener, aber lokal typischer und für die Zielarten überlebenswichtiger Strukturen. Wenn ein Areal durch Schaffung dieser Strukturen naturnah gestaltet wird, liegt eine naturschutzfachliche Aufwertung vor, die sich an den Ansprüchen ausgewählter lokal auftretender Arten orientiert. Zudem führt eine Aufwertung nach diesen Kriterien unter Umständen dazu, dass sich ein Betriebsgelände besser in die regionaltypische Landschaft eingliedert.
Das Konzept wird in dieser Arbeit beispielhaft auf zwei Unternehmensareale angewendet. Es werden jeweils Zielarten benannt und auf Grundlage der Lebensraumansprüche dieser Arten Maßnahmen für ausgewählte Zielflächen auf den Arealen vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Relevanz und wissenschaftlicher Hintergrund der Aufwertung urban-industrieller Flächen
2.1 Aktuelle Projekte und Ansätze zur naturschutzfachlichen Aufwertung von Unternehmensarealen
2.2 Das Thema der Arbeit im Kontext der Renaturierungsökologie
2.3 Urban-industrielle Landschaften in der Renaturierungsökologie
2.4 Flächenanteil urban-industrieller Gebiete in Bayern
2.5 Abiotische Eigenschaften urban-industrieller Ökosysteme
2.5.1 Klima
2.5.2 Böden
2.5.3 Wasserhaushalt
2.6 Besonderheiten der Flora urban-industrieller Ökosysteme
2.7 Besonderheiten der Fauna urban-industrieller Ökosysteme
2.8 Die ökologischen Eigenschaften und Besonderheiten urban-industrieller Landschaften im Kontext der Arbeit
3 Theorie und Methodik der Zielfindung
3.1 Zielsysteme
3.1.1 Leitbilder
3.1.2 Umweltqualitätsziele
3.1.3 Umweltqualitätsstandards
3.1.4 Das Zielartenkonzept
3.2 Zielfindung zur naturschutzfachlichen Aufwertung von Unternehmensarealen
3.2.1 Die bayerische Biodiversitätsstrategie als umweltpolitische Leitlinie
3.2.2 Leitbild der naturschutzfachlichen Aufwertung von Unternehmensarealen
3.2.3 Erläuterungen zum Nutzungsfokus des Leidbildes
3.2.3.1 Nutzungsansprüche an Unternehmensareale
3.2.3.2 Aufwand zur Umsetzung und Erhaltung eines Lebensraumes
3.2.4 Adaption des Zielartenkonzeptes
3.2.5 Gesamtspektrum förderungswürdiger Arten in der Region
3.2.6 Konkrete Maßnahmen für ausgewählte Zielarten
4 Theorie und Methodik der Datenerhebung und Auswertung
4.1 Grundlagen der Datenerhebung und Auswertung
4.1.1 Strukturkartierung
4.1.2 Vegetationsaufnahme
4.1.3 Lokale Besonderheiten und Schutzziele
4.1.3.1 Das Arten und Biotopschutzprogramm
4.1.3.2 Potentielle natürliche Vegetation
4.1.4 Die Methode der Zeigerarten nach Ellenberg und ihr ökologischer Hintergrund
4.2 Umsetzung der Datenerhebung
4.2.1 Aufnahmebogen
4.2.2 Anwendung der Methode der Zeigerarten nach Ellenberg
5 Best Practice: Roche Diagnostics, Penzberg (Obb.)
6 Charakterisierung der Untersuchungsflächen
6.1 Rapunzel, Legau
6.1.1 Lage und Beschreibung des Areals (allgemein)
6.1.2 Strukturtypen und deren Standortbedingungen
6.1.3 Zusammenfassung der Standortbedingungen
6.2 Bergader, Waging
6.2.1 Lage und Beschreibung des Areals (allgemein)
6.2.2 Strukturtypen und deren Standortbedingungen
6.2.3 Zusammenfassung der Standortbedingungen
7 Entwicklungsziele für die einzelnen Untersuchungsflächen
7.1 Rapunzel, Legau
7.1.1 Bilanzen, Ziele, Schwerpunkte und Maßnahmen des Naturschutzes in und um Legau
7.1.2 Zielarten für das Areal von Rapunzel, Legau
7.1.2.1 Schleiereule (Tyto alba)
7.1.2.2 Neuntöter (Lanius collurio)
7.2 Bergader, Waging
7.2.1 Bilanzen, Ziele, Maßnahmen und Schwerpunkte des Naturschutzes in und um Waging
7.2.2 Zielarten für das Areal von Bergader, Waging
7.2.2.1 Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)
7.2.2.2 Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)
8 Empfehlungen zur Aufwertung der Untersuchungsflächen
8.1 Rapunzel, Legau
8.2 Bergader, Waging
9 Diskussion
10 Zusammenfassung und Ausblick
11 Literatur
12 Anhang
Zielsetzung & Themen
Ziel der Masterarbeit ist die Entwicklung eines Konzepts zur naturschutzfachlichen Aufwertung von Unternehmensarealen, das lokale Naturschutzziele effektiv in das betriebliche Arealmanagement integriert. Die Arbeit adressiert die Forschungsfrage, wie durch ein systematisches Auswahlverfahren für Zielarten – basierend auf lokalen Arten- und Biotopschutzprogrammen – standortgerechte Lebensräume auf Betriebsgeländen geschaffen und die Biodiversität gefördert werden kann, ohne die betrieblichen Nutzungsanforderungen zu gefährden.
- Entwicklung einer mehrstufigen Methodik zur Auswahl von Zielarten
- Analyse und Bewertung ökologischer Standortbedingungen mittels Zeigerarten (Ellenberg-System)
- Integration lokaler Naturschutzziele in das betriebliche Arealmanagement
- Praktische Erprobung des Konzepts an zwei Unternehmensstandorten (Rapunzel, Bergader)
- Formulierung von konkreten Maßnahmen zur Habitatgestaltung und -aufwertung
Auszug aus dem Buch
2.1 Aktuelle Projekte und Ansätze zur naturschutzfachlichen Aufwertung von Unternehmensarealen
Der Ansatz, im Betrieb befindliche Unternehmensareale naturschutzfachlich aufzuwerten, wird derzeit im deutschsprachigen Raum von verschiedenen Projekten verfolgt. Diese unterscheiden sich in ihren Kriterien bzw. Schwerpunkten und ihrer Organisation, bzw. Struktur. Alle Ansätze umfassen jedoch unter anderem das Ziel, heimischen Arten neue Lebensräume zu schaffen, bzw. diese zu erweitern. Ich versuche in diesem Unterkapitel einen Überblick über die wichtigsten Programme und Projekte im deutschsprachigen Raum zu geben und dabei verschiedene Regionen und Ansätze abzudecken. Ziel dieses Kapitels ist es außerdem, die Relevanz dieser Arbeit aufzuzeigen, da sie mit dem Einbeziehen lokaler Naturschutzziele in die Planung von Aufwertungsmaßnahmen einen Aspekt behandelt, der in keinem der angeführten Ansätze, Programme und Projekte eingeschlossen wird.
Eines der älteren Projekte ist die 1995 in der Schweiz gegründete Stiftung Natur&Wirtschaft. Sie verfolgt das Ziel auf Unternehmensarealen die Lebensqualität für Tiere, Pflanzen und Menschen zu erhöhen. Der Erfolg ist beachtlich: bereits 318 Unternehmen wurden für die naturnahe Gestaltung ihrer Areale ausgezeichnet (STIFTUNG NATUR&WIRTSCHAFT: 2013). Die Gestaltungskriterien sind hier sehr klar definiert:
mindestens 30% der Umgebungsfläche sind naturnah zu gestalten (incl. Flachdächer)
auf naturnahen Flächen nur einheimische und standortgerechte Pflanzen verwenden
auf Biozide, Düngemittel und Herbizide verzichten
max. 2 Schnitte pro Jahr
Verkehrsflächen mit möglichst durchlässigen Bodenbelägen von regionaler Herkunft
Dach- und Regenwasser weitgehend oberflächlich versickern, wenn das Wasser nicht verschmutzt ist und Untergrund für eine Versickerung geeignet ist
wo immer möglich, werden aktiv Lebensräume für Wildtiere geschaffen
fachgerechte Planung, Realisation und Pflege des naturnahen Areals sind gewährleistet (LOCHER, R.: 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den wirtschaftlichen Kontext Bayerns, den daraus resultierenden Flächenverbrauch und die Zielsetzung, ökologische Aufwertungen sinnvoll in das unternehmerische Arealmanagement zu integrieren.
2 Relevanz und wissenschaftlicher Hintergrund der Aufwertung urban-industrieller Flächen: Dieses Kapitel verortet das Vorhaben in der Renaturierungsökologie und definiert die ökologischen Rahmenbedingungen sowie Besonderheiten von urban-industriellen Ökosystemen hinsichtlich Klima, Boden und Wasserhaushalt.
3 Theorie und Methodik der Zielfindung: Es werden die Grundlagen von Zielsystemen im Naturschutz behandelt, insbesondere die Adaption des Zielartenkonzepts, um eine methodisch fundierte Auswahl geeigneter Arten für Betriebsgelände zu ermöglichen.
4 Theorie und Methodik der Datenerhebung und Auswertung: Dieses Kapitel erläutert die praktische Datenerhebung, einschließlich Strukturkartierung, Vegetationsaufnahme und die Anwendung der Zeigerartenmethode nach Ellenberg zur Interpretation von Standortfaktoren.
5 Best Practice: Roche Diagnostics, Penzberg (Obb.): Anhand des Beispiels Roche Penzberg wird demonstriert, wie naturschutzfachliche Aspekte und technisches Wassermanagement in einem industriellen Kontext erfolgreich koordiniert werden können.
6 Charakterisierung der Untersuchungsflächen: Es erfolgt die detaillierte Beschreibung und Analyse der Unternehmensareale von Rapunzel und Bergader auf Basis der erhobenen Strukturtypen und ökologischen Zeigerwerte.
7 Entwicklungsziele für die einzelnen Untersuchungsflächen: Aufbauend auf den Analysen werden für die Standorte Legau und Waging spezifische Zielarten identifiziert, die als Grundlage für gezielte Aufwertungsmaßnahmen dienen.
8 Empfehlungen zur Aufwertung der Untersuchungsflächen: In diesem Kapitel werden konkrete Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung für die ausgewählten Zielarten an beiden Standorten kompakt und anwendungsorientiert aufgelistet.
9 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, wobei Probleme der Anwendbarkeit, ethische Fragen der Artenwahl und der Nutzen von Maßnahmen reflektiert werden.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Diese Kapitel fassen die Arbeit zusammen und betonen das Potenzial des entwickelten Konzepts für die zukünftige naturnahe Gestaltung von Unternehmensarealen.
Schlüsselwörter
Naturnahe Gestaltung, naturschutzfachliche Aufwertung, Betriebsgelände, Unternehmensareal, Firmengelände, Arten und Biotopschutzprogramm, Zielart, repräsentative Art, Renaturierungsökologie, Stadtökologie, Naturschutz, Stadtnatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Konzepts zur naturnahen Umgestaltung von Unternehmensarealen, um diese als Lebensräume für gefährdete oder geschützte Arten aufzuwerten.
Welches ist das zentrale Themenfeld?
Das zentrale Thema liegt an der Schnittstelle von betrieblichem Arealmanagement und ökologischer Aufwertung im urban-industriellen Kontext, wobei besonderer Wert auf lokale Naturschutzziele gelegt wird.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Erarbeitung einer methodisch fundierten Strategie, mit der Unternehmen ihre Außenflächen gezielt so gestalten können, dass sie einen nachvollziehbaren Beitrag zur Biodiversität leisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine mehrstufige Methodik, die auf dem Zielartenkonzept basiert, ergänzt durch Strukturkartierungen, Vegetationsaufnahmen und die Auswertung ökologischer Zeigerwerte nach Ellenberg.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einbettung die Untersuchungsflächen (Rapunzel in Legau, Bergader in Waging) charakterisiert, Zielarten ausgewählt und konkrete Maßnahmenempfehlungen für diese Standorte entwickelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind naturschutzfachliche Aufwertung, Unternehmensareal, Zielart, Renaturierungsökologie, Stadtökologie und das Arten- und Biotopschutzprogramm.
Wie unterscheidet sich dieser Ansatz von anderen Projekten wie "Natur im Betrieb"?
Im Gegensatz zu vielen allgemeineren Ansätzen bezieht dieses Konzept explizit lokale Schwerpunkte des Naturschutzes und die spezifischen Lebensraumansprüche lokal vorkommender Arten ein, um kosteneffiziente und wirksame Maßnahmen zu gewährleisten.
Welche Rolle spielen die "Zeigerarten nach Ellenberg" in der Arbeit?
Sie dienen als bewährtes Werkzeug, um aus der spontanen Vegetation auf einem Firmengelände Rückschlüsse auf abiotische Standortfaktoren wie Licht, Temperatur, Feuchtigkeit und Nährstoffgehalt zu ziehen, was die Planung der Maßnahmen präzisiert.
- Arbeit zitieren
- Henrik Klar (Autor:in), 2014, Naturschutzfachliche Aufwertung von Unternehmensarealen. Konzept zur Integration lokaler Naturschutzziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300318