Schopenhauers Überlegungen bauen stark auf seinem Vorgänger Kant auf, auch wenn diese sich später von diesen abgrenzen, sind sowohl Kants Metaphysik, als auch seine Ethik von großer Relevanz für Schopenhauer, der es sich in Folge seiner eigenen Moralphilosophie nicht nehmen ließ, seinen Vorgänger, trotz seiner Bewunderung für ihn, ausführlich zu kritisieren.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, Schopenhauers Mitleidsethik in ihren Grundzügen darzustellen und seine Mitleidsethik auch in Hinblick auf Schopenhauers metaphysischen Einflüsse zu beleuchten. Kants Ethik und Schopenhauers Ethik, die sich in ihren Grundansprüchen, in ihrer Normativität bzw. Schopenhauers deskriptiver Herangehensweise unterscheiden, sollen, mit dem Fokus auf Schopenhauers Kritik an Kants kategorischen Imperativ, gegenübergestellt werden. Als finaler Schritt soll herausgearbeitet werden, ob Schopenhauers Kritik an Kants Ethik berechtigt ist, inwieweit er seinem Anspruch einer rein deskriptiven Ethik treu geblieben ist und ob er nicht vielleicht sogar als Kritiker im Glashaus angesehen werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schopenhauers Mitleidsethik
2.1. Was ist Mitleid?
2.2. Handlungen von moralischem Wert
2.3. Moralische Triebfeder
3. Kritik an Kant
3.1. Kants Moralethik
3.2. Schopenhauers Kritik
4. Schwachstellen in Schopenhauers Moraltheorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Grundzüge von Arthur Schopenhauers Mitleidsethik darzustellen und diese in den Kontext seiner metaphysischen Überlegungen zu stellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Gegenüberstellung von Schopenhauers Kritik an Kants kategorischem Imperativ sowie der kritischen Untersuchung der eigenen moraltheoretischen Schwachstellen Schopenhauers.
- Grundlagen der Schopenhauerschen Mitleidsethik als deskriptive Moraltheorie
- Die metaphysische Verwurzelung von Wille und Mitleid
- Kritische Auseinandersetzung mit Kants Moralethik und dem kategorischen Imperativ
- Das Problem des versteckten Egoismus innerhalb der Moraltheorien
- Verhältnis zwischen empirischer Welt und metaphysischer Wesensidentität
Auszug aus dem Buch
2.1. Was ist Mitleid?
Nachdem Schopenhauer zu dem Ergebnis gekommen ist, dass das Mitleid die Triebfeder der menschlichen Moral ist, scheint ein großer Klärungsbedarf zu bestehen, was Mitleid denn eigentlich ist. In der Empirie scheint es bei jedem Menschen vorzukommen, jedoch ist dessen Zweck oder Herkunft recht unbestimmt und doch scheint es eine Tatsache zu sein, dass dieses Gefühl jedem Menschen bekannt ist. Schopenhauer behauptet sogar, dass es in der Natur des Menschen liegt und jeder Mensch bereits die Fähigkeit des Mitleids inne hat und nicht erst erlernt werden müsse.
Dieses Mitleid selbst ist aber eine unleugbare Thatsache des menschlichen Bewußtseyns, ist diesem wesentlich eigen, beruht nicht auf Voraussetzungen, Begriffen, Religionen, Dogmen, Mythen, Erziehung und Bildung; sondern ist ursprünglich und unmittelbar, liegt in der menschlichen Natur selbst, hält eben deshalb unter allen Verhältnissen Stich, und zeigt sich in allen Ländern und Zeiten.
Um die Definition Schopenhauers des unmittelbaren Mitleids zu verstehen, ist es ratsam einen Blick auf seine Metaphysik zu werfen. In Schopenhauers Werk Die Welt als Wille und Vorstellung entwickelt Schopenhauer, aufbauend auf Kants Ding an sich eine Theorie nach der wir die Welt und uns selbst bzw. unseren Leib, wie sie uns erscheinen nur in unserer Vorstellung wahrnehmen, nicht jedoch ihren wahren Kern erkennen können. Der Mensch kennt also keine Sonne und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt welche ihn umgiebt, nur als Vorstellung da ist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Schopenhauers Projekt ein, das Mitleid als fundamentale Instanz der menschlichen Moral zu bestimmen, und grenzt dieses von Kants normativen Ansätzen ab.
2. Schopenhauers Mitleidsethik: Hier wird Schopenhauers Versuch erläutert, das Mitleid als psychologisches Datum ohne neue Imperative als Grundlage moralischen Verhaltens nachzuweisen.
2.1. Was ist Mitleid?: Dieses Kapitel beleuchtet das Wesen des Mitleids als unmittelbare Tatsache des Bewusstseins, die erst durch Schopenhauers Metaphysik der Welt als Vorstellung verständlich wird.
2.2. Handlungen von moralischem Wert: Der Autor führt aus, dass nur Handlungen, die frei von Egoismus sind und das Wohl eines anderen zum Zweck haben, moralischen Wert besitzen.
2.3. Moralische Triebfeder: Es werden die drei Handlungstriebfedern – Egoismus, Bosheit und Mitleid – analysiert, wobei das Mitleid als einzige moralisch positive Triebfeder hervorgehoben wird.
3. Kritik an Kant: Dieser Abschnitt untersucht die ambivalente Haltung Schopenhauers zu Kant, die von philosophischer Hochachtung bis hin zu scharfer Kritik an dessen Vernunftethik reicht.
3.1. Kants Moralethik: Darstellung der kantischen Ethik, insbesondere des kategorischen Imperativs als rein vernunftbasiertes, allgemeingültiges Gesetz.
3.2. Schopenhauers Kritik: Hier wird Schopenhauers Vorwurf formuliert, Kant würde auf jegliche Empirie verzichten und eine rein konstruierte, für den Menschen unbrauchbare Ethik entwerfen.
4. Schwachstellen in Schopenhauers Moraltheorie: Das Kapitel reflektiert kritisch über die eigene Theorie Schopenhauers, insbesondere den versteckten Egoismus und die schwierige Vereinbarkeit von Empirie und Metaphysik.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt Schopenhauers Beitrag zur Philosophie, bei dem er das Mitleid als moralische Basis gegen Kants Vernunftmodell verteidigt.
Schlüsselwörter
Schopenhauer, Mitleidsethik, Moralphilosophie, Kant, Kategorischer Imperativ, Willensmetaphysik, Egoismus, Wesensidentität, Altruismus, Deskriptive Ethik, Handlungsmotivation, Moralische Triebfeder, Ding an sich, Empirie, Tugend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Arthur Schopenhauers Mitleidsethik, die er in seiner "Preisschrift über die Grundlage der Moral" entwickelt hat, und setzt diese in Bezug zu seinen metaphysischen Schriften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Wesen des Mitleids, die metaphysische Identität von Individuen, der Gegensatz zwischen Schopenhauers deskriptiver Ethik und Kants normativer Vernunftethik sowie die Problematik egoistischer Motive.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Schopenhauers Ethik darzustellen, seine Kritik an Kant kritisch zu würdigen und zu prüfen, ob Schopenhauer selbst seinem Anspruch einer rein deskriptiven Ethik gerecht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Schopenhauers eigene ethische Schriften mit seinem metaphysischen Hauptwerk sowie mit den moralphilosophischen Ansätzen Kants vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Mitleids als metaphysisches Phänomen, der Abgrenzung zu Egoismus und Bosheit, der detaillierten Kritik an Kants kategorischem Imperativ und der Identifizierung von Schwachstellen in Schopenhauers eigener Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mitleidsethik, Wille, Egoismus, Kant, Metaphysik, deskriptive Ethik, moralischer Wert und Wesensidentität.
Warum hält Schopenhauer Kants Ethik für problematisch?
Schopenhauer kritisiert, dass Kants Ethik auf einer rein rationalen Konstruktion basiert, die auf Empirie verzichtet und daher den tatsächlichen, von Gefühlen geleiteten Motiven des menschlichen Handelns nicht gerecht wird.
Inwiefern ist das Mitleid bei Schopenhauer mit einem Egoismusvorwurf konfrontiert?
Kritiker werfen Schopenhauer vor, dass auch das Mitleid evolutionäre oder psychologische Vorteile für den Handelnden bieten kann, wodurch der Status als rein "uneigennützige" Handlung in Frage gestellt wird.
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- Jana Schmidt (Author), 2013, Grundzüge Schopenhauers Mitleidsethik und ihre metaphysischen Einflüsse. Beurteilung der Kritik an Kant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300769